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18.02.2019

Drum Play-Alike: Greta van Fleet Workshop

Die Grooves und Fill-ins der jungen Rockband aus Michigan zum Nachtrommeln

Schlagzeug-Workshop mit Audio- und Notenbeispielen

Die Newcomer Greta van Fleet sorgten mit ihrem Debüt-Album „Anthem Of The Peaceful Army“ in den letzten Monaten für mächtig Wirbel in der Musikpresse. Für die einen sind sie die neuen Hoffnungsträger des Rock, für andere nichts weiter als eine gut produzierte Kopie der legendären Led Zeppelin und ein kluger Schachzug der Musikindustrie. Erst neulich brachte der Deutschlandfunk ein einstündiges Feature über die Band mit dem vielsagenden Titel „Erben oder Epigonen?“.

Der Plagiatsvorwurf ist nicht ganz unberechtigt, bedient sich die van Fleet’sche Rhythmusfraktion doch eindeutig am unverkennbaren Led Zep-Sound. „Halb so wild“, könnte man meinen, soll es vor ihnen doch schon andere Rockkapellen gegeben haben, die sich von John Bonham, Jimmy Page und John Paul Jones inspirieren ließen. Wäre da nicht die Stimme von Sänger Joshua Kiszka, die stellenweise eins zu eins wie der junge Robert Plant klingt.

Kritik hin oder her, das Debüt-Album des jungen Quartetts aus Michigan punktet jedenfalls mit treibenden Riffs, ausgereiften Songs und einer rundum gelungenen Produktion, sowie dem wuchtigen Drumming des 19-jährigen Danny Wagner, das wir uns jetzt einmal genauer anschauen.

Sound & Stil

Was Sound und Stil betrifft, orientiert sich Drummer Danny Wagner, wie bereits erwähnt, vor allem an John „Bonzo“ Bonham, den er in einem Artikel im Modern Drummer Magazine als großen Einfluss nennt: „John Bonham was a huge influence for me. He had an incredible ability to evolve.“ (Modern Drummer, 2018/04) 

Auch was die Wahl des Equipments betrifft, nimmt sich Danny offensichtlich ein Beispiel an Meister Bonzo, denn er spielt ebenfalls Ludwig Drums und Paiste Cymbals, die er obendrein ziemlich genau so aufbaut, wie es Bonham gefallen würde: „As far as gear, the kit I’m using now I bought with my own money that I saved up doing odd jobs. It’s a really nice Ludwig kit, a brand that has never disappointed me. It has a lot of sentimental value and it represents me. I also use Paiste cymbals; they go well with Ludwig drums.“ (Danny Wagner, Modern Drummer, 2018/04)

Der Wunsch, den Drumsound von Led Zeppelin in all seinen Facetten nachzuempfinden, war wohl auch während der Studioproduktion zum Debüt-Album „Anthem Of The Peaceful Army“ allgegenwärtig, denn hier werden wirklich alle Bonham-Klischees erfüllt: Eine voluminöse Kickdrum und luftige Tomsounds? Check! Der prägnante Sound von Paiste Cymbals? Check! Das unverkennbare Knacken einer 14“x6,5“ Ludwig Supraphonic im Medium Tuning? Check! 

Das Musikvideo zu Greta van Fleets Song „Highway Tune“:

Greta Van Fleet Grooves & Fill-ins

Hier könnt ihr euch die Notation zum Workshop herunterladen:

„Highway Tune“

Der Song „Highway Tune“ startet mit einem bluesigen Gitarren-Riff, das Danny nach wenigen Takten mit einem treibenden Beat unterstützt. Die Drums klingen sofort nach Led Zeppelin, und auch kleine Fills, wie der triolische Four Stroke Ruff auf der Snare (Takt 4 im folgenden Notenbeispiel) versprühen ordentlich Bonham-Charme. 

Mit dem Einsatz der Vocals bleibt der Beat im Vers-Teil treibend und eher simpel, allerdings spielt Danny die Hi-Hat jetzt etwas geschlossener. Im Übergang zum Pre-Chorus geht es allerdings etwas wilder zur Sache (letzter Takt im Notenbeispiel).

Der Beat, den Danny im Pre-Chorus von „Highway Tune“ spielt, erinnert ein bisschen an Led Zeppelins „Immigrant Song“:

„Safari Song“

„Safari Song“ startet ebenfalls mit einem fetzigen Gitarren-Riff. Die Drums kommen wenige Sekunden darauf mit knallenden Snare-Schlägen reingerollt. In diesem Moment erinnert sich der eine oder andere eventuell an „Whole Lotta Love“, wo es einen sehr ähnlichen Drum-Moment gibt. Im Übergang zum Vers-Teil spielt Danny ein geschmackvolles, triolisches Fill.

Im Vers-Teil von „Safari Song“ macht Danny wieder Platz für die Vocals und spielt einen gemütlichen Achtel-Beat, den er mit kleinen Einwürfen, wie etwa einem funky Hi-Hat-Lift auf der „4 e“ (Takt 4 im folgenden Notenbeispiel), ausschmückt.

„When The Curtain Falls“

Auch im Song „When The Curtain Falls“ versteckt sich das eine oder andere Bonzo-Zitat. Im Intro und im Vers-Teil hört man eindeutig, dass Danny Songs wie „Whole Lotta Love“, „Ramble On“ und „Dazed & Confused“ wohl schon mehr als nur einmal aufgelegt hat. Auffällig an diesem Beat sind die beiden Snare-Akzente auf den Zählzeiten „2“ und „2 +“, die in Kombination mit den darauf folgenden vier Bassdrum-Schlägen auf den 16tel-Offbeats eine gute Portion Funk ins Spiel bringen.

Im Pre-Chorus wechselt Danny auf einen etwas gradlinigeren Beat:

Im Chorus kommt ordentlich Stadionrock-Stimmung auf. Danny spielt jetzt nicht mehr auf der Hi-Hat, sondern auf dem Ride. Die Akzente der Gitarrenfraktion unterstützt er mit Abschlägen auf den Crash-Becken.

„Black Smoke Rising“

Zu guter Letzt schauen wir noch kurz in „Black Smoke Rising“ rein. Gleich am Anfang spielt Danny ein interessantes, synkopisches Fill über Snare und Toms, das über das Taktmaß hinausgeht und erst im zweiten Takt auf der Zählzeit „1 +“ mit einem Crash-Becken abschließt. Es ist doch immer wieder spannend, was solch kleine Details manchmal für einen großen Effekt haben können. Hört selbst:

Weitere spannende Rockgrooves findet ihr in unserem umfangreichen Drum Play-Alike „John Bonham / Led Zeppelin Workshop“.

Hier geht es zur Übersicht aller Drum Play-Alike Workshops.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Nachspielen!

Jonas

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