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Test
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01.02.2012

PRAXIS

Das integrierte Audio-Interface arbeitet mit maximal 48 kHz Sample-Frequenz bei 16-Bit Auflösung. Für den Einsatz unter Deckadance LE empfiehlt das Handbuch, die Kanäle eins und zwei als Master-Output zu deklarieren und die Vorhöroption auf die Kanäle 3/4 einzustellen. Kommt mir bekannt vor. Bei der Inbetriebnahme ist das bebilderte Handbuch gerade für Laien von großem Nutzen, denn es erklärt die wesentlichen Schritte, sodass man nach der Installation von Deckadance innerhalb weniger Minuten loslegen kann. Gesagt, getan...

Und dann auch schon ein kleiner (wenngleich nur visueller) Schrecken, als ich die Softwareoberfläche zum ersten Mal in Augenschein nehmen darf. Neon-Blau auf Schwarz und grau. Naja. Das wäre sicherlich auch anders umzusetzen gewesen. Ansonsten entspricht der Aufbau aber im Wesentlichen dem, was man von Deckadance seit Jahren kennt. Rechts und links je ein Deck mit Titel- und Tempoinformationen, Pitch-, Transport, Cue und Loop-Tasten sowie farbige Wellenformausschnitte und ein Gesamtüberblick über den Track. Dazu gesellen sich virtuelle Cross- und Linefader mit Phasenmeter und Beat-Indikator, EQ-Fader, ein XY-Pad mit sieben Effekten (davon vier Filter) und wahlweise eine Peak- oder Spektralanzeige.

Wer nun glaubt, wir hätten somit alles gesehen, irrt jedoch gewaltig. Es sind sogar noch drei Relooper an Bord, mit denen sich der Audiopuffer in 16 Samples mit je vier Unterteilungen schneiden lässt, die wahlfrei neu arrangiert werden können. Hier fehlt zwar der Shuffle-Modus der Vollversion, dafür dürfen die Muster aber unter den Decks ausgetauscht werden. Hinzu kommen vier Master-FX und ein synchronisierbarer regelbarer Acht-Slot-Sampler. Dann gibt’s noch eine Automix-Funktion, wahlweise mit Shuffle und Bass-Reduktion beim Crossfade-Vorgang, Playlisten, iTunes-Integration und ein separates Song-Manager-Fenster. Wie sich das Bundle im Einsatz anstellt, verrät euch der nachfolgende Abschnitt.

Auf dem DJ-Tisch kommt mir der Kontrolletti doch ein wenig verloren vor, also mache ich es mir vor dem Office-PC gemütlich und schließe den Probanden an meine Monitore an. Ein Szenario, das bei dieser Produktgattung denkbar wahrscheinlich ist. Im Nu sind zwei Tracks geladen und werden in Ermangelung eines Pitchfaders mit der Autosync-Funktion auf identisches Tempo eingestellt. Das klappt dann auch. Fraglich ist nur, was passieren soll, wenn der Beatcounter daneben liegt. Einen TAP-Button zur manuellen Tempoeingabe konnte ich zu meinem Bedauern nämlich nicht ausmachen. Das Nächste, was mir auffällt: Es gibt keinen Cue-Mix-Regler, mit dem ich die Signalverteilung zwischen Master- und Kopfhörer einstellen kann. Bedeutet: Der Master kann nicht wie gewohnt abgehört werden. Bei den Cue-Kanälen heißt es: an oder aus.Auch Levelmeter, die Aufschluss über die Ausgangslautstärke geben, sind nicht auszumachen. Ist beim angestrebten Verwendungszweck aber vielleicht nicht ganz so wichtig.

Gut, dann eben mit beiden Kanälen an. Als ich den Track reinmixen will, muss ich jedoch bedauerlicherweise feststellen, dass die Kill-Tasten nicht funktionieren, respektive nicht korrekt gemappt sind. Also kein EQ, kein Kill. Das geht für mich persönlich gar nicht. Ein Filter, das für jeden Kanal separat steuerbar ist, könnte in die Bresche springen - ist aber nicht. Moment, da fällt mir die Effektsektion ein. Dass ich bei einer Größe der Jogwheels von nur fünf Zentimetern (sie übernehmen auch Pitchbend und Search) nicht auf Scratch-Tauglichkeit eingehe, dürfte verständlich sein. Erwähnung finden sollte aber, dass es eine zuschaltbare Scratch-Funktion gibt. Der Button sitzt über dem FX-Select-Schalter, der chronologisch durch die einzelnen Klangverbieger schaltet und uns zurück zum Thema „Kanalfilter statt Equalizer“ bringt. Was die Parametersteuerung angeht, bedient das linke Jogwheel (bei eingeschalteter FX-Funktion) den X-Parameter, der rechte Teller knöpft sich Y vor. Wie sich herausstellt, sind die Effekte nur simultan steuerbar. Das bedeutet, wenn man am Kanal 1 einen Low-Pass-Filter aufreißt, und dann auf der anderen Seite einen anderen Effekt dirigieren will, wird das erste Filter wieder mitgesteuert. Hätte man hier nicht lieber „SHIFT-Jogging“ für jedes Rad mappen können?

Am oberen äußeren Rand ist auf jeder Seite ein kleiner Drucktaster angebracht, der die Funktionen Auto-Loop, Cue und Sample aufruft - was durch eine zugehörige LED optisch kenntlich gemacht wird. Der Status bestimmt die Funktionsweise der drei nachfolgend horizontal angeordneten Buttons. Im Modus „Auto-Loop“ setzen sie eine Wiederholschleife der Länge 1/16, 1/8 oder 1/4 , wobei festzustellen ist, dass die Schleifenwiedergabe nur solange aktiv ist, wie die Taste gedrückt gehalten wird. Wer möchte, kann den Loop mittels „Shift“ dauerhaft aktivieren. Die Loop-Größen finde ich für „Rolls“ (in Deckadance „Leaps“ genannt) gut geeignet, jedoch wurde hier für beide Fälle die Standard-Loop-Funktion ausgewählt. Schade. Kurze „Leaps“ für echtzeitgepufferte Stotter-Effekte, lange Loops für Mixsequenzen, das hätte für mich an dieser Stelle mehr Sinn ergeben. Dennoch, man bekommt hier auf wenig Fläche schon einiges geboten, was auch die Umsetzung des Samplers zeigt.

Mittels Sample-Taste (1-3 links, 4-6 rechts) wird das Sample in seinem Originaltempo bei jeder Tastenberührung neu abgefeuert, „Shift“ sorgt für eine geloopte Wiedergabe. Jede Sample-Bank kann in der Software Kanal A oder B zugewiesen werden, dazu lässt sich das Sample auf dem Kopfhörer wiedergeben (Mausklick auf das Kopfhörersymbol in der Software). Richtig ins Rollen kommt der Stein, wenn die Beat Sync-Funktion des Samplers eingeschaltet ist, denn dann wird das geloopte Sample (mittels Shift) synchron zum Master-Tempo wiedergegeben. Optional kann man die Trigger-Funktion auslösen, wobei der Audioschnipsel im Hintergrund weiterspielt und nur dann hörbar ist, wenn man auf die Sample-Taste drückt – und natürlich im Takt. Grundsätzlich prima, nur leider erweisen sich die Buttons als ziemlich hart, was dem Spielfluss abträglich ist! Letztlich gibt es noch einen Cue-Modus, mit dem sich drei Cue-Punkte anlegen und ansteuern lassen. Wir haben dazu nachstehend einige Audiobeispiele angefertigt.

Als Nächstes steht der „Mist, da hat mir doch tatsächlich jemand das Kabel rausgezogen“ Test an. Ein Audio-Refresh erfolgt in diesem Fall leider nicht, sodass sich die Software nicht in der Lage sieht, den Titel nach erneutem Anstöpseln weiter abzuspielen, obwohl die MIDI-Funktionalität wieder gegeben ist. Die Deckadance Transportsteuerung wird vom Pocket-DJ aktiviert, doch die Wellenform macht keinen Schritt und die Boxen geben keinen Piep von sich. Auch lässt sich die integrierte Audiolösung nicht mal so einfach eben wieder in den Preferences auswählen. Stattdessen ist ein Neustart erforderlich. Schade, das können Traktor- oder Serato-Bundles oftmals besser.

Bevor es nun ans Fazit geht, noch ein Wort zu den Audio-Eigenschaften des Gerätes. Mir persönlich fehlt es am (einzigen) Cinch-Ausgang an Druck und Pegel. Ferner könnte der Kopfhörerausgang ruhig noch einen Zahn zulegen, denn in lauteren Umgebungen lässt er doch ein wenig an Leistung vermissen. Da aber nicht zu erwarten ist, dass die anvisierte Zielgruppe mit dem Teil vom heimischen Desktop wegkommt oder bei der nächsten Gartenparty den gesamten Häuserblock beschallen darf, relativiert sich dies wieder ein wenig. Für die ersten Gehversuche reicht es aus. Ferner käme das System vielleicht als eine leicht zu verstauende Notfall-Lösung infrage.

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