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24.03.2019

Basics - DJs On Tour

Nützliche Tipps für DJs: Reiseplanung, Gage, Technical Rider und mehr

Was du als tourender DJ bei der Gig-Planung beachten solltest

Ob Winter oder Sommer, Club, Festival oder Outdoor-Gig: Das Partyvolk möchte unterhalten werden. Und professionelle DJs gehören nunmal, genau wie Livebands oder Moderatoren, zum Berufsfeld der Unterhalter. Wie die meisten Entertainer sind viele von ihnen darauf angewiesen, in andere Städte oder Länder zu reisen, um so ein möglichst großes Publikum erreichen zu können. Oder um - einfach ausgedrückt - übers Jahr verteilt auf genug bezahlte Gigs zu kommen. Denn nicht jeder DJ hat einen oder mehrere feste Resident-Jobs in der Nähe seines Wohnortes, die für ein ausreichendes Einkommen sorgen. Alle anderen müssen in der Regel auf die Piste!

Damit bei Planung, Anreise, Bezahlung, Übernachtung, Technik und anderen potenziellen Fallstricken auch wirklich alles glatt läuft, gibt es zahlreiche Dinge zu beachten. Oft tauchen in diesem Geschäft Probleme auf, die sich bereits im Vorfeld hätten vermeiden lassen, sofern man ein paar wichtige Grundregeln beachtet.

Ich selbst war viele Jahre als professioneller DJ in Clubs oder mit Musikern wie Torch, Die Firma und Cora E unterwegs und konnte so eine Menge Erfahrungen in diesem Bereich sammeln. Hier sind sie also meine essenziellen „Dos and Don'ts“ für Discjockeys auf der Piste.

Veranstalter, Agenten, Booking-Agentur

Ob man von Veranstaltern direkt oder über einen Agenten kontaktiert und gebucht wird, ist abhängig davon, ob man als DJ mit einer Booking-Agentur zusammenarbeitet oder nicht. Generell empfiehlt es sich für all diejenigen, die sich nicht auf einem hohen Bekanntheitsgrad oder Star-Niveau bewegen, für Interessenten leicht erreichbar zu sein - trotz eventuell nerviger Emails oder Stalk-Anrufen. Das bedeutet konkret, dass alle öffentlich zugänglichen Medien (Flyer, Website, Facebook, Mix-CD ...), in denen man als DJ involviert ist, entsprechende Kontaktdaten (E-Mail-Adresse, Telefonnummer ...) enthalten sollten. Selbst wer exklusiv an eine Booking-Agentur gebunden ist, hat so die Möglichkeit, Daten potentieller Interessenten einfach an den Booker weiterzuleiten und es gehen keine „Kunden“ verloren. Die Booking-Agentur erledigt dann den Rest. Das Thema Web-Präsenz möchte ich hier aber nicht weiter vertiefen. Diesem Feld haben wir bereits separate bonedo-Artikel gewidmet, die ihr hier (Auflegen: Praxistipps für Anfänger und fortgeschrittene DJs) nachlesen könnt.

Booking-Agenturen verlangen in der Regel eine Provision von etwa 15 bis 20 Prozent der Netto-Gage. Es ist außerdem üblich, dass je nach Rahmen 50 Prozent der Gage vorab und der Rest vorm Auftritt bezahlt werden. Bezüglich der Fahrtkosten und Buchung gibt es leider keine „Branchen-Norm“. Das ist immer auch eine Verhandlungssache und vom jeweiligen Booking abhängig. Allgemein liegt der Umsatzsteuersatz bei DJ-Gagen bei sieben Prozent für Kunst-Performances (DJ kann frei über das musikalische Programm bestimmen) oder aber 19 Prozent für weisungsgebundene Jobs (Musikprogramm und Zeitplan werden vom Veranstalter vorgegeben). Wie genau die Verträge zwischen Booking-Agentur und DJ sowie zwischen Agentur und Veranstalter aussehen, möchte ich hier nicht weiter vertiefen. Erstens würde das den Rahmen dieses Artikels sprengen und zweitens fehlt mir dazu die Kompetenz in rechtlichen Angelegenheiten. Nicht umsonst nimmt man zum Formulieren derartiger Verträge in der Regel den Rat von Anwälten in Anspruch.

Selbst ist der DJ?

Ich kenne viele DJs, die (so wie ich) einen Großteil ihrer Bookings selbst erledigen. Damit bezüglich der Finanzen alles glatt läuft, ist stets ein gewisses Fingerspitzengefühl gefragt. Bevor ihr allerdings die Rahmenbedingungen für einen Gig aushandelt, solltet ihr euch zunächst fragen, wie gut ihr den jeweiligen Veranstalter kennt und wie seriös euch dieser erscheint. Denn erfahrungsgemäß tummeln sich gerade im Party-Bereich auch einige schwarze Schafe. Abhängig von seiner eigenen Einschätzung sollte man die Höhe der Gagen-Vorauszahlung festlegen, eine Höhe von 50 Prozent jedoch nicht überschreiten.

Hat man mit einem Veranstalter bereits im Vorfeld mehrfach gute Erfahrungen gemacht, so kann man unter Umständen sogar auf eine Vorauszahlung der anteiligen Gage verzichten. Die Reisekosten sollten allerdings grundsätzlich immer im Vorfeld vom Veranstalter bezahlt werden. In den meisten Fällen empfiehlt es sich zudem, das Buchen der Reisetickets oder eines Mietwagens dem Gastgeber zu überlassen.

Alle Zahlungen und Reisebestätigung sollten früh genug eintreffen, also spätestens circa zwei Wochen vor dem eigentlichen Gig. Oft trennt sich spätestens hier die Spreu vom Weizen. Wenn ein Veranstalter diesen Part nicht meistert, ist es ratsam, die komplette Buchung zu stornieren. Ich kenne Fälle, in denen die gebuchten DJs dennoch angereist sind und dann vor Ort erfahren mussten, dass die Veranstaltung kurzfristig abgesagt wurde. Und auch der lokale Promoter war nicht aufzufinden. Solche Fälle sind natürlich die Ausnahme, mahnen aber dennoch zur Vorsicht.  

Unverzichtbar sind klare Absprachen. Dabei sollte man die folgenden Punkte berücksichtigen:  

  • Gage
  • An- und Abreise
  • Unterbringung
  • Technik
  • Catering

Gage

Die Höhe der möglichen Gage hängt natürlich unter anderem von der eigenen Popularität ab. Diese lässt sich nur schwer konkret bemessen. Setzt daher die Höhe eures Honorars so an, dass ihr vielleicht nicht von jedem Veranstalter gebucht werdet, aber dennoch konstant genügend Jobs abbekommt. Jede Veranstaltung ist anders. Ich mache daher die Höhe der geforderten Summe auch immer von den finanziellen Möglichkeiten des jeweiligen Events abhängig. Auf einem großen Festival mit hohen Ticketpreisen kann ich halt einfach mehr Geld aufrufen, als in einer 100-Leute-Location mit fünf Euro Abendkasse pro Gast. Bevor ihr nun aber irgendeine Zahl in den Raum werft, erkundigt euch nach der Größe der Location (maximal mögliche Anzahl an zahlenden Gästen), dem Eintrittspreis, potenziellen weiteren Gast-DJs und dergleichen. Bestimmt im Vorfeld für euch ein Mindesthonorar, das ihr als absolute Untergrenze festlegt. Hier ein Denkanstoß: Glaubt ihr, dass DJs weniger verdienen sollten, als zum Beispiel das Thekenpersonal in den entsprechenden Lokalitäten? Think about it! Preisdumping zerstört den eigenen Marktwert, weil sich die Zahlen erfahrungsgemäß schnell herumsprechen. Außerdem unterstützt ihr den allgemeinen Preisverfall der DJ-Gagen, wenn ihr euch zu billig anbietet. Und das schadet nicht nur den Kollegen, sondern am Ende auch euch selbst!

Ein weiter Gesichtspunkt, den ihr bei der Höhe des Salärs unbedingt berücksichtigen solltet, ist der gesamte Zeitaufwand eines Gastspiels. Wenn ihr zu einer Veranstaltung sechs Stunden anreist und vor Ort übernachten müsst, dann seid ihr locker dreimal so lange unterwegs, als wenn ihr einen lokalen Gig in der Nähe eures Wohnortes spielt. Setzt die Gage dementsprechend höher an. Falls ihr für ein Event gebucht werdet, mit dessen Hilfe ihr euren Marktwert steigern könnt (TV oder Radioübertragung beispielsweise), solltet ihr unter Umständen auch einmal für weniger Kohle spielen. Kurzum: Haltet die Höhe eures Arbeitsentgeltes „relativ flexibel“, aber verliert dabei nie die Wirtschaftlichkeit aus den Augen!

An- und Abreise

Hier gilt es dem Veranstalter ganz klar zu vermitteln, wie ihr reisen möchtet (Beispiel: 1.Klasse IC oder ICE). Beachtet ihr solche Dinge nicht, erlebt ihr eventuell eine unangenehme Überraschung. Wer möchte schon statt in einem schnellen IC in einer Bimmelbahn sitzen, mit der man entsprechend oft umsteigen und längere Reisezeiten in Kauf nehmen muss? Veranstalter wählen nämlich, wenn nicht anders angefordert, aus verständlichen Gründen die kostengünstigste Variante. Ähnliches gilt für Mietwagen. Macht auch hier im Vorfeld eindeutig klar, welche Art von Fahrzeug (zum Beispiel Kombi) ihr genau benötigt. Auch Flugreisen sollten klar definiert werden. Ebenfalls vorher abzuklären sind die Transportkosten vor Ort (Taxi, S-Bahn ...), denn diese sollten im Idealfall vom Veranstalter getragen werden. Ist das nicht der Fall, empfehle ich euch, die Vergütung entsprechend höher anzusetzen.

Unterbringung

Solltet ihr im Hotel übernachten, dann teilt dem Veranstalter die Art des/der benötigten Zimmer(s) mit (Einzel-/Doppelzimmer, mit/ohne Frühstück) und orientiert euch dabei an den Sternekategorien der Hotelstars Union. Meiner Erfahrung nach liegt man mit einem drei Sterne Hotel qualitativ eigentlich immer auf der sicheren Seite. Aber die individuellen Ansprüche und Bedürfnisse jeder Person sind natürlich verschieden. Hier der Link (http://de.wikipedia.org/wiki/Hotelstern) zu einer Liste, welche aufschlüsselt, was hinter den Hotelsternen steckt. Wichtig ist außerdem, dass das gebuchte Hotel sich in der Nähe der Location befindet. Ich habe schon des Öfteren erlebt, dass Veranstalter preiswerte Zimmer gebucht haben, die 45 Autominuten und mehr vom Set entfernt waren. Liegt das Hotel jedoch im 15-Minuten-Radius, so habt ihr länger Zeit, euch vor der Darbietung zu entspannen oder auch mal auf die Schnelle ein im Zimmer vergessenes Kabel zu holen. Nicht vergessen: Hotels haben in der Regel einen Check-out von spätestens 12:00 Uhr mittags. Bis zu diesem Zeitpunkt müsst ihr das gebuchte Zimmer spätestens verlassen. Wenn ihr aber erst um sieben Uhr morgens ins Hotel zurückkommt, ist das vielleicht einfach zu wenig Schlaf. Vereinbart daher - falls nötig und möglich - einen sogenannten „Late Check-out“, der bei einigen Hotels kostenlos möglich ist.  

Technical Rider

Für eine gute Performance als DJ sind neben dem eigenen Können auch optimale technische Bedingungen gefragt. Verlasst euch diesbezüglich nicht einfach blind auf den jeweiligen Veranstalter, denn jeder DJ hat seine eigenen Gewohnheiten und Arbeitsweisen, die berücksichtigt werden müssen. Probleme treten meist dann auf, wenn es bezüglich der Technik und des Set-Aufbaus keine klaren Anweisungen gibt. Um eure Wünsche schriftlich festzuhalten, gibt es im professionellen Live-Bereich den sogenannten Technical Rider. Dieser beinhaltet eine genaue Auflistung der geforderten Geräte (Plattenspieler, CD-Player, Mixer, Monitore ...), allgemeine Mindestanforderungen (Leistung der PA/Monitore ...), Aufbau des Sets (Position auf der Bühne, Tische ...) und vieles mehr. Wie sehr ihr dabei ins Detail geht, bleibt euch selbst überlassen. Gebt zu den geforderten Geräten immer alternative Modelle an. Nicht jeder Mischer oder Turntable ist beim Equipment-Verleiher vor Ort erhältlich. Spielt ihr in Locations, die bereits über eine DJ-Infrastruktur verfügen (Clubs, Diskotheken ...), so informiert euch genau über die technischen Gegebenheiten vor Ort. Der Organisator kann dann bereits im Vorfeld Änderungen einleiten, zusätzliches Equipment mieten oder dergleichen. Doch egal ob ihr nun einen Technical Rider rausschickt oder nicht. Wichtig sind klare Absprachen. Und dies unbedingt schriftlich per Brief, Fax oder E-Mail, denn dann habt ihr im Zweifelsfall einfach das bessere „Druckmittel“, um die geforderten Geräte gestellt zu bekommen. 

Catering/Verpflegung

Stimmt ganz klar mit eurem Auftraggeber ab, was und wo ihr vor dem Gastspiel essen möchtet, damit die zuständige Person rechtzeitig einen Tisch in einem entsprechenden Restaurant (Steakhaus, Koreanisch, Italiener ...) reservieren kann. So bekommt ihr ohne unnötige Verzögerungen ein warmes Essen vor die Nase gestellt und habt gegebenenfalls mehr Zeit, um andere Details (Hotel-Check-in, Soundcheck ...) ohne Hektik zu erledigen. Klärt auch rechtzeitig ab, wer die Rechnung des Essens übernimmt. Wenn der Veranstalter diese nicht bezahlt, dann rundet eure Gage entsprechend nach oben auf. Schließlich seid ihr unterwegs, um Geld zu verdienen und nicht um dieses auszugeben. Ich empfehle euch außerdem, die Art und Mindestanzahl der Freigetränke während des Gigs abzuklären. Dabei müsst ihr sicher nicht zu ausführlich werden oder diesen Punkt zwingend schriftlich in den Vertrag aufnehmen, aber sicher ist sicher. Ich habe schon Organisatoren erlebt, die der Meinung waren, dass ich mit Getränkebons im Wert von zehn Euro den ganzen Abend auskommen müsse. Fordert je nach Größe des Events auch Getränke für die Bühne an - denn steht ihr einmal am DJ-Set, kommt ihr unter Umständen dort für mehrere Stunden nicht mehr weg.

Außerdem wichtig

Alle relevanten Adressen und Telefonnummern (Location, Hotels ...) sowie die Kontaktdaten (Handynummern, E-Mail ...) der lokalen Ansprechpartner solltet ihr ebenfalls parat haben. Werdet ihr zum Beispiel für einen Auftritt im Ausland gebucht und es ist absehbar, dass es vor Ort zu Verständigungsproblemen oder Orientierungsschwierigkeiten kommen könnte, wäre es vorteilhaft, von einer Person empfangen zu werden, die sich um euch kümmert.

Recht und Co

Gerade wenn ihr einen Teil eurer Gage im Voraus einfordert, verlangen viele Veranstalter aus verständlichen Gründen einen schriftlichen Vertragsabschluss inklusive Unterschrift. Dabei kommen dann auch solche Dinge wie Ausfallzahlungen bei Nichterscheinen zum Tragen. Ich kann euch im Rahmen dieses Artikels keine genaue Anleitung liefern, wie solch ein Vertrag rechtlich „wasserdicht“ formuliert wird, denn erstens wird eine entsprechende Übereinkunft im individuellen Fall etwas anders gestaltet und zweitens fehlt mir in Rechtsfragen einfach die nötige Kompetenz. Ich lege euch ans Herz, am besten eine rechtskundige Person zu konsultieren und mit dieser Standardverträge zu verfassen, die ihr immer wieder einsetzen könnt. Dabei solltet ihr möglichst viele Punkte dieses Artikels berücksichtigen. Eine professionelle Rechtsberatung gibt es zwar nicht umsonst, doch ist dies eine Investition, die sich für euch bezahlt machen wird. 

Reiseplanung/Anfahrt

Kalkuliert die Reisezeit zu eurem DJ-Job großzügig. Denn unabhängig davon, ob ihr nun mit dem Auto, einem Flugzeug oder im Zug unterwegs seid, kommt es erfahrungsgemäß nicht selten zu Verzögerungen. Einen Puffer von 20 Prozent oder mehr zur regulär kalkulierten Reisezeit einzuplanen, kann nicht schaden. Verzögerungen durch Staus, verspätet startende Flieger oder ausgefallene Züge sind schließlich gang und gäbe, daher macht diese Maßnahme in meinen Augen großen Sinn. Plant auch den Spielraum vorm Auftritt lieber etwas großzügiger ein, denn immerhin gibt es vor dem eigentlichen Event in der Regel noch eine Menge zu erledigen. Dazu gehören Dinge wie der Check-in, der Aufbau und Soundcheck, das Essen und Duschen, die Ruhepause oder die Fahrtzeiten zwischen Hotel und Location.

Hotel, Motel, Holiday Inn ...

Es ist ratsam, so es euer Zeitplan zulässt, frühzeitig ins Hotel einzuchecken. Kommt ihr nämlich sehr spät oder sogar erst nach dem eigentlichen Gig in eurer Übernachtungsstelle an, stehen die Chancen möglicherweise schlecht, kurzfristig Änderungen vorzunehmen. Denn vielleicht wurde anstelle des angeforderten Nichtraucherzimmers versehentlich eine verqualmte Nikotinkammer gebucht oder das Zimmer ist zu laut, weil nebenan eine defekte Heizungsanlage klappert. Hakt auch ruhig nach, ob angeforderte Dinge wie Frühstück oder Late Check-out auch wirklich gebucht wurden. Ganz nach der alten Weisheit: Fragen kostet nichts! Auch ist anzuraten, gleich bei der Ankunft in Erfahrung zu bringen, ob für die Bezahlung des/der Zimmer(s) gesorgt ist. Ich habe es bedauerlicherweise wiederholt erlebt, dass der Auftraggeber das Zimmer zwar gebucht, aber nicht bezahlt hatte. Als ich dann am nächsten Tag das Hotel verlassen wollte, wurde ich vom Personal daran gehindert und musste zunächst einmal den Veranstalter kontaktieren. Und so etwas ist nach einer langen Partynacht oft ein schwieriges Unterfangen.

Den inneren DJ-Schweinehund überwinden!

Jeder, der als DJ unterwegs ist, kennt vielleicht die folgende Situation: Man ist gerade stundenlang mit dem Flugzeug, der Bahn oder dem Auto unterwegs gewesen und möchte sich nach der Ankunft erst einmal ausruhen oder etwas essen. Ein Soundcheck steht dabei ganz unten auf der Wunschliste. Und da bei vielen Gigs oft noch lokale DJs für das Warmup sorgen, seid ihr versucht, eine vorherige Ansicht der Location und die „Generalprobe“ einfach mal sausen zu lassen. Doch gerade bei Örtlichkeiten, die nicht über eine feste DJ-Infrastruktur verfügen (Konzertsäle, Open-Air-Bühnen, Schulaulas ...), könnt ihr wirklich negative Überraschungen erleben. Die Liste der möglichen Probleme ist unendlich lang.

Von einem für die eigenen Bedürfnisse zu hohen DJ-Tisch über fehlenden Monitorsound bis hin zu defekten Fadern habe ich schon alles erlebt. Bemerkt ihr solche Dinge erst zehn Minuten vor dem Gig, dann ist Stress vorprogrammiert. So kann niemand seine künstlerische Bestleistung bringen. Doch genau um die geht es. Die Gäste einer Veranstaltung interessiert es nämlich nicht, ob ihr ein schlechtes Set spielt, weil die technischen Voraussetzungen vielleicht nicht optimal sind! Bevor ihr aber mit dem Soundcheck loslegt, gibt es aber noch eine Kleinigkeit zu beachten. Daher geht es erst nach dem nächsten Abschnitt mit den „technischen Aspekten“ weiter. Stay tuned!

Der „Soundmann“

Technische Probleme sind unerwünschte Wegbegleiter eines jeden DJs, die immer und überall auftauchen können. Egal ob ihr nun in einer Bar, einem schicken Nachtklub, einem Festivalzelt oder on Stage auflegt. Im Fall der Fälle kommt ihr bezüglich einer umgehenden Fehlerbehebung womöglich schnell an eure Grenzen. Woher sollte auch jemand, der mit der Location nicht vertraut ist, wissen, wo sich die gerade ausgefallenen Endstufen befinden oder gar der FI-Schutzschalter, wenn sich gerade ein kompletter Stromkreis verabschiedet hat? Es gibt noch zahlreiche weitere Szenarien, bei denen ihr ohne Hilfe keine Chance habt. Daher ist es wichtig, dass ihr euch nach der technisch verantwortlichen Person erkundigt. Im Falle eines größeren Events ist das in der Regel der sogenannte „Soundmann“. Fragt nach dem Namen der betreffenden Person und sprecht diesen Menschen auch genauso an. Nichts empfindet jemand als abwertender, als wenn man ihn mit seiner Berufsbezeichnung anspricht. „Ey Soundmann, mach mal lauter“ und ähnliche Sprüche sind mehr als nur ungeschickt. Ein kurzer, freundlicher Small Talk vor dem Gig/Soundcheck reicht normalerweise aus und schon wird sich der Zuständige im Ernstfall größte Mühe geben, euch behilflich zu sein. Diese simple Küchentisch-Psychologie ist meiner Erfahrung nach äußert effektiv. Gibt es in einer Location (Bar, Kneipe ...) keinen Techniker, dann erkundigt euch einfach, wer mit der Örtlichkeit am besten vertraut ist.

Soundcheck

In regulären Clubs ist die Infrastruktur für den DJ in aller Regel bereits vorhanden. Das bedeutet, es gibt einen festen DJ-Bereich mit allen nötigen Geräten wie Turntables, DJ-Mixer, CD-Player und Monitoren. Schließt aber auch in solchen Locations nach Möglichkeit bereits vor dem Gig alle eventuell nötigen Zusatzgeräte an (Audiointerface, Laptop, alternativer DJ-Mixer ...) und macht einen Soundcheck. Es hat noch nie geschadet, sich bereits vor „Dienstbeginn“ mit seinem Arbeitsplatz für den Abend vertraut zu machen. So könnt ihr später völlig entspannt euer Set beginnen, weil ihr einfach schon vorher wisst, was euch erwartet (Platzverhältnisse, Akustik ...). Ein Soundcheck ist ruckzuck erledigt und nützlich.

Wenn ihr für Festivals, Konzerte oder Vergleichbares als DJ gebucht werdet, sind dort (im Gegensatz zum Club) keine festen DJ-Infrastrukturen vorzufinden. Besonders bei dieser Art von Events ist der bereits erwähnte Technical Rider sehr wichtig:

Zunächst einmal benötigt ihr einen DJ-Tisch. Dieser sollte über eine ausreichende Größe und Stabilität verfügen. Letztgenanntes ist natürlich besonders bei der Arbeit mit Turntables unverzichtbar. Verfügt der Veranstalter/Inhaber einer Venue nicht über spezielle DJ-Tische, könnt ihr auch Bühnenpodeste mit Scherensystem als Arbeitsfläche anfordern. Diese haben eine mehr als ausreichende Größe (zwei Meter breit und ein Meter tief beispielsweise), sind in ihrer Höhe flexibel anpassbar und extrem wackelfrei. Ist für die Stabilität des Tisches gesorgt, überprüft außerdem unbedingt die Festigkeit der eigentlichen Bühnenkonstruktion. Denn was nützt das stabilste DJ-Podest, wenn der gesamte Bühnenaufbau durch Schritte in Schwingung geraten kann und dadurch eventuell die Abtastnadel des Plattenspielers springt. Wenn ihr mit Performern (Sänger, Rapper, Hype-Man ...) zusammenarbeitet, macht obendrein einen „Hüpf-Test“ (Absichtliches hüpfen in DJ-Nähe), um die Springfestigkeit (Abtastnadel der Platte) der gesamten Konstruktion testen.

Tipp: Oft lassen sich derartige Probleme lösen, indem ihr die Bühnenelemente, auf denen der DJ-Tisch steht, mechanisch vom Rest der Bühne entkoppelt. Dabei werden die Verschraubungen der einzelnen Bühnenabschnitte gelöst. Ein schmaler Spalt zwischen dem Bühnenabschnitt des DJs und der restlichen Stage sorgt dann dafür, dass sich die Schwingungen der Performer-Bühne nicht auf den DJ-Bereich übertragen. Für solche Art von Umbauten müsst ihr euch immer mit dem örtlichen Techniker abstimmen!

Arbeitet ihr solo und nicht als Teil einer Band, steuert die Monitore tunlichst direkt vom DJ-Pult aus an. So habt ihr die Lautstärke „eurer“ Lautsprecher stets selbst im Griff. Ist dies aus irgendwelchen Gründen nicht möglich und werden die Monitore stattdessen vom Tontechniker kontrolliert, dann macht mit ihm im Vorfeld eindeutige Handzeichen zur Kommunikation aus, um bei Bedarf nachzujustieren.

Unabhängig davon, ob ihr nun im Club, in einer Bar oder auf einer Konzertbühne spielt, müsst ihr stets eine Sache beim Soundcheck beachten. Bei einem Testlauf sollte der PA-Level mindestens einmal auf das vorgesehene Maximum gebracht werden. Nur so könnt ihr unter „realistischen Bedingungen“ testen, ob die gesamte Konstruktion eine ausreichende Körperschallresistenz (Bassfeedback etc.) aufweist, der Monitorsound ausreichend laut ist oder es irgendwelche klanglichen Probleme gibt. Ich könnte an dieser Stelle noch seitenweise über die technischen Aspekte des DJ-ings schreiben, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Wer sein Wissen in diesem Feld vertiefen möchte, der wird in der entsprechenden Fachlektüre über Live-Audiotechnik fündig. 

Augen auf

Neben dem Tontechniker solltet ihr euch vor Ort nach Möglichkeit mit all jenen Personen bekannt machen, die euch während der Veranstaltung behilflich sein können. Dazu gehört unter anderem das Barpersonal, das euch im Laufe des Abends wahrscheinlich mit Getränken versorgt oder aber auch der/die Türsteher des Ladens. Freundlichkeit hat ja noch niemandem geschadet. Ein bisschen Händeschütteln hier, ein bisschen Small Talk da und schon läuft alles wesentlich reibungsloser ab. Plötzlich bekommt man am Eingang den Weg freigemacht, ohne lange Erklärungsversuche unentgeltlich seine bestellten Getränke in die Hand gedrückt und so weiter. Habt ihr eure Technik aufgebaut und müsst diese eventuell bis zum Gig aufgebaut lassen, obwohl ihr die Location noch einmal verlassen werdet, dann ist es ratsam eine für die Veranstaltung zuständige Person (Tontechniker, Security, Veranstalter, etc.) darauf aufmerksam zu machen und mit der Beaufsichtigung des wertvollen Equipments zu beauftragen. Dinge wie Audiointerfaces, DJ-Mixer und/oder MIDI-Controller sind meistens teuer, heiß begehrt und werden immer mal wieder gestohlen. Ich kenne mehrere DJ-Kollegen, denen auf diese Art und Weise wertvolle Technik abhandengekommen ist.

Backstage und Catering vor Ort

Sofern die Örtlichkeit und auch euer eigener DJ-Status es zulassen, solltet ihr versuchen, einen eigenen, möglichst abschließbaren Backstage-Raum anzufordern. Dort könnt ihr dann eure Platten, CDs oder einen Laptop sicher deponieren, wenn ihr nach eurem Set noch ein wenig feiern möchtet. Gibt es keinen abschließbaren Raum in der Location, erkundigt euch, ob sonstige Optionen zur sicheren Lagerung der Wertsachen zur Verfügung stehen. Besonders bei Events mit offen zugänglichen Bühnen ist es wichtig, sein Equipment schützen zu können. Habt ihr bezüglich der Einrichtung des Backstage-Raumes oder zusätzlicher Snacks und Getränke spezielle Wünsche, fasst diese Information in einem sogenannten Backstage Rider zusammen. Diesen müsst ihr - genau wie den Technical Rider - rechtzeitig an den Veranstalter schicken.

 

Wichtig: Ob ihr überhaupt eine derartige Liste als DJ einreichen solltet, macht ihr am besten von der Größe und Art der Veranstaltung sowie eurem eigenen Status abhängig. Wer als DJ-Neuling bei einem kleinen Event mit geringem Eintrittspreis einen langen Backstage Rider an den Veranstalter schickt, wird zurecht auf Unverständnis stoßen.

Ankunft vor dem Gig

Seid ihr der Main-DJ des Abends, dann ist es nicht ungewöhnlich, wenn ihr erst um zwei Uhr morgens oder später mit eurem Set startet. Also müsst ihr im Gegensatz zu den Warm-up DJs oder Vorgruppen (Bands) nicht bereits zum Beginn der Veranstaltung vor Ort sein. Wenn ihr jetzt aber denkt, es würde reichen, erst wenige Minuten vor dem Gig in der Location einzutreffen, dann befindet ihr euch meiner Erfahrung nach extrem auf dem Holzweg. Denn bevor ihr loslegt, solltet ihr euch erneut die Zeit nehmen, die Technik zumindest optisch noch einmal zu überprüfen. Leider kommt es nämlich des Öfteren vor, dass der Aufbau nach dem eigenen Soundcheck von den „Kollegen“ mal mehr, mal weniger signifikant geändert wurde. Und selbst wenn nur ein paar Kabel am Pult umgesteckt sind braucht ihr Zeit, um die nötigen Änderungen vorzunehmen. Oder ihr müsst vielleicht zunächst noch für die nötigen Getränke sorgen. Oder auf der Bühne fehlen eventuell noch die angeforderten Handtücher. Aber noch wichtiger ist, dass ihr Zeit habt, den aktuellen „Vibe“ der Leute einzufangen. Nur wer die Stimmung des Publikums erfasst, kann darauf mit seiner Musikauswahl reagieren und direkt voll „durchstarten“. Eine halbe Stunde vor dem Auftritt sollte ausreichen, um dies alles zu erledigen.

Warm-up DJs/Vorgruppen

Nutzen solltet ihr diese Zeit außerdem, um euch beim DJ-Kollegen, der vor euch spielt, über die bereits gelaufenen Songs zu erkundigen. Leider erlebe ich es immer wieder, dass auf Partys am gleichen Abend innerhalb einer kurzen Zeitspanne zweimal die gleichen Lieder laufen. Da kann selbst ein Hit-Song schnell einmal zum Tanzflächen-Leerfeger mutieren. Als Main-DJ hat man eventuell ganz bestimmte „Hits“, die besonders zur Primetime perfekt funktionieren und die Stimmung zum „überkochen“ bringen. Gibt es eine Möglichkeit dazu, stimmt euch bereits beim Soundcheck mit den DJs des Vorprogramms bezüglich der Songauswahl des Abends ab. Und seid ihr selbst gar ein „Recording-Artist“, zu dessen Set die eigenen Songs fest dazugehören, müsst ihr bereits im Vorfeld mit dem Veranstalter abklären, dass die anderen DJs des Abends eure Lieder definitiv nicht spielen werden. Schließlich würde man ja auch keine Rolling Stones Coverband im Vorprogramm von Mick Jaggers weltbekannter Combo auftreten lassen.

Abschließend/Fazit

Vielleicht erscheinen dem einen oder anderen von euch manche der von mir empfohlenen Strategien etwas trivial. Doch das sind sie nur auf den ersten Blick. Aus Erfahrung weiß ich, dass man, gerade als relativ unerfahrener DJ-Neuling, zwangsläufig in viele der angesprochenen Fallen tappen wird. Doch so manchen Fehler könnt ihr vermeiden, indem ihr gewisse Grundregeln beachtet. Dann könnt ihr eure eigne DJ-Karriere schnell und relativ stressfrei vorantreiben. Also liebe DJ-Kollegen. Rauf auf die Piste und „Let the Bass flow!

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