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15.12.2021

Die richtige Saitenstärke für die E-Gitarre

Welche Saitenstärke für welche Stimmung, Mensur und Spieltechnik?

Saitenstärken im Vergleich

Die Diskussion darüber, welche Saitenstärke denn nun die Richtige ist, quält Gitarristen seit Dekaden. Dabei ist diese Frage gar nicht so einfach zu beantworten, denn persönlicher Geschmack, spieltechnische Eigenheiten und nicht zuletzt auch das Instrument samt Tuning spielen eine große Rolle bei der Entscheidungsfindung.
All diese Überlegungen machen es natürlich schwer, pauschale Empfehlungen oder Aussagen abzugeben, und daher ist dieses Thema häufig Ursprung für unzählige Grabenkriege auf einschlägigen Diskussionsplattformen. Nichtsdestotrotz gibt es einige unumstößliche Fakten, die man bei seiner Saitenwahl mit einbeziehen sollte. Und darum wollen wir hier den Fragen nachgehen, wie sich unterschiedliche Saitenstärken auswirken und welche Stärke für welches Setup die beste ist.

1. Grundsätzliches

Saitenstärken werden generell in tausendstel Inch bzw. Zoll angegeben, sprich, eine 009er E-Saite hat den Durchmesser von 0,009 Inch. Aus Vereinfachungsgründen erspart man sich im Wortlaut jedoch die vorangestellten Nullen und spricht beispielsweise hier schlichtweg vom „9er Satz“. Die Bezeichnung der Stärke eines kompletten Saitensatzes wird üblicherweise über die Stärke der hohen e-Saite als „Pars pro Toto“ definiert. Spricht man also von dem oben erwähnten „9er-Satz“, so meint man damit auch gleichzeitig eine feste Größenordnung für alle anderen fünf Saiten, die in diesem Fall in der Regel 009, 011, 016, 024, 032 und 042 lautet. Die gängigsten Saitenstärken sind:

E B G D A E
Extra Light 008 011 014 022 030 038
Light 009 011 016 024 032 042
Regular 010 013 017 026 036 046
Medium 011 013 018 030 042 052
Heavy 012 015 026 034 044 054
Extra Heavy 013 016 026 036 046 056

Diese Sätze werden für 7- oder 8-saitige Gitarren nach unten erweitert. Die tiefe B-Saite schlägt dabei mit Stärken zwischen 052 und 064 zu Buche, während die tiefe F#-Saite der 8-Saiter zwischen 064 und 080 liegt.
Eine weitere Kategorie sind sogenannte „Mischsätze“. Diese tragen Bezeichnungen wie „Custom“ oder "skinny top-heavy bottom" oder „heavy bottom-light top“. In diesen Fällen stammen die tiefen Saiten von einem stärkeren Satz, während die höheren einem dünneren Satz entspringen. Der Vorteil dieser Kombination ist, dass man das Spielgefühl und auch die stabilere Intonation auf den tiefen Saiten mit der größeren Dehnfähigkeit der hohen Saiten verbindet. Ein gängiger Mischsatz ist beispielsweise die Kombination von 009er mit einem 010er Satz, was dann in den Stärken: 009, 011, 016, 026, 036 und 046 resultiert. Auch für 7- oder 8-saitige Gitarren existieren Mischsätze, wobei es sich dort entweder ebenfalls um „heavy bottom-light top“-Formen handelt, aber auch um Saitensätze, bei denen der mittlere Saitenbereich, sprich die D- bis B-Saite, etwas angedickt wird.
Immer mehr Firmen, unter anderen Ernie Ball und D’Addario, bieten mittlerweile auch "Zwischensätze" an, deren Stärke genau in der Mitte der etablierten Standardmaße liegt. Gerichtet sind diese Saiten an Player, die sich sagen: "009er sind mir zu dünn, aber 010er fühlen sich beim Benden wiederum zu dick an". Auch diesen Ansprüchen wurde der Saitenmarkt gerecht und entwickelte Sätze mit den Stärken 0085, 0095 oder 0105.

Auch wenn sich der Artikel hier auf die sogenannten "Roundwound"-Sätze beschränkt, sprich, Saiten mit einer ungeschliffenen Wicklung im Bassbereich, möchte ich doch nicht unerwähnt lassen, dass gerade im Jazz gerne "Flatwounds", also komplett geschliffene Saiten bevorzugt werden. Diese besitzen geringere Brillanzen, verursachen weniger Greifgeräusche und kommen einer etwas dunkleren Soundästhetik stärker entgegen. Ein Kompromiss aus beiden Kategorien sind die sogenannten „Halfround" oder auch "halbgeschliffenen" Saiten, deren Wicklung nur leicht geglättet wird.
Nicht zuletzt gäbe es auch das Thema des Saitenmaterials zu erwähnen, sei es Nickel oder rostfreier Stahl, das ebenfalls Einfluss auf Sound und Spielgefühl hat. Auch beschichtete Saiten wie Elixir Strings oder die D’Addario XS Serie gehören dazu. Beides soll hier in diesem Artikel jedoch ganz bewusst ausgeklammert werden, da wir uns hier ganz explizit den Saitenstärken widmen wollen.

2. Vor- und Nachteile spezifischer Saitenstärken

Dieses Thema ist sicherlich der heißeste Zankapfel der ganzen Diskussion, denn ein Besser oder Schlechter gibt es nicht. Vielmehr muss man die Vor- und Nachteile individuell abwägen und vorab schon einmal ganz klar mit dem alten Mantra "je dicker, desto besser“ aufräumen. Viele prominente Player, von Billy Gibbons, Eddie Van Halen, Brian May, Yngwie Malmsteen, Frank Zappa bis Allan Holdsworth waren bekannt dafür, eher dünne Saiten zu spielen und die Gitarre sogar zusätzlich noch einen Halbton tiefer zu stimmen. Ein Gegenbeispiel wäre wiederum Stevie Ray Vaughan, der jedoch von seinem 013er Satz im späteren Verlauf seiner Karriere auch zu 010er Sätzen wechselte. Gründe für die Wahl einer bestimmten Saitenstärke sind das subjektive Spielgefühl, die Spieltechnik und auch der Sound. Viele Gitarristen bevorzugen einerseits den gefühlten Widerstand, den dicke Saiten an der Anschlagshand erzeugen, aber auch ihre größere Toleranz gegenüber dem Druck der Greifhand. Dünne Saiten lassen sich natürlich leichter benden, allerdings besteht auch eine größere Gefahr, dass sie reißen. Auch bei der Intonation müssen Spieler mit hartem Anschlag und/oder festem Griff möglicherweise ihre Technik der neuen Stärke anpassen, da schon der Fingerdruck oder ein beherzter Anschlag ausreichen, um Saiten aus der Stimmung zu bringen, wenn deren Spannung zu niedrig ist.

In den folgenden beiden Artikeln haben wir die Argumente für dünne und dicke Saiten gegeneinander abgewogen:

3. Mensuren

Das Spielgefühl einer Saitenstärke ist auch stark abhängig von der Mensur der Gitarre, also der frei schwingenden Saitenlänge, die dem Abstand zwischen Steg und Sattel entspricht. Je länger dieser ist, desto größer muss auch die Spannung sein, um die Saiten auf die erforderliche Tonhöhe zu bringen. Oder anders ausgedrückt: Je kürzer die Mensur ist, desto weicher und nachgiebiger fühlt sich der identische Saitensatz an.
Das führt meist dazu, dass man sowohl beim Greifen als auch beim Benden leichte Intonationsprobleme bekommt, wenn der Saitensatz zu dünn gewählt wurde. Aus diesem Grund ist es auch durchaus üblich, die Saitenstärken dem jeweiligen Gitarrentyp anzupassen. Gitarristen, die einen 009er Satz auf einer Stratocaster bevorzugen, bespannen ihre Les Paul häufig mit einem 010er Satz, um die kürzere Mensur zu kompensieren und zumindest ein annähernd vergleichbares Spielgefühl zu erhalten. Hier muss man sagen, dass nie eine wirkliche 1:1 Vergleichbarkeit entsteht, allerdings ist der Richtwert von einer Saitenstärke Unterschied zwischen kurzer und langer Mensur durchaus üblich und eine probate Näherung. Hier lohnt sich auch das Probieren mit „heavy bottom-light top“-Mischsätzen, denn wer das "loose" Spielgefühl der hohen Saiten auf einer kurzen Mensur mag und lediglich Tuning- und Intonationsprobleme beim Akkordanschlag vermeiden will, ist möglicherweise mit einem Saitensatz von 009-046 (Kombination aus 009er und 010er Satz) oder, wie Larry Carlton, 010-052 (Kombination aus 010er und 011er Satz) bestens bedient. Bei Mensuren unterscheidet man zwischen:

a) Lange Mensur

Die "Lange Mensur" beträgt 25,5" bzw. 648 mm und ist standardmäßig bei Gitarren von Fender und der Kategorie "Modern-Super-Strat" anzutreffen. Dieses Maß ist sicherlich das am stärksten verbreitete auf dem Solid-Body-Gitarrenmarkt.

b) Kurze Mensur

Gitarren mit "kurzer Mensur" haben eine Länge von 24,75" bzw. 628 mm und sind in aller Regel bei Gitarren von Gibson und deren Ableger anzutreffen. Bei Les Pauls, ES335, Vollresonanz oder SGs ist dies die Mensur der Wahl.
Vereinzelt gibt es Gitarrenhersteller, die sogar diesen Wert noch unterschreiten, darunter Gretsch mit 24,6" oder 625 mm oder Fender Jaguar und Mustang, die sogar nur eine Länge von 24" aufweisen.

c) Mittlere Mensur

Unter "Mittlerer Mensur" versteht man die Länge von 25" bzw. 635 mm. Diese zählt eher zu den selteneren Distanzen, bildet aber einen guten Kompromiss aus Strat- und Les Paul-Spielgefühl. Anzutreffen ist dieses Maß unter anderem bei PRS oder D’Angelico.

d) Spezielle Mensuren

Kommt man zu speziellen Bauformen von Gitarren wie 7-Saiter, 8-Saiter oder Bariton, trifft man meist auf noch längere Mensuren, was darauf zurückzuführen ist, dass die tiefen Saiten dicker sind und diese auf ein höheres Spannungsniveau gebracht werden müssen. Täte man das nicht, würden sich die Saiten mit großem Durchmesser sehr "labberig" anfühlen und beim Einschwingen nur schwer die Intonation halten können. Jeder kennt das Phänomen bei manchen 7-Saitern: Man schlägt die tiefe B-Saite an, sie schwingt erst zu hoch und pendelt sich irgendwann auf der korrekten Tonhöhe ein. Hier sind je nach Hersteller und Bauform Mensuren zwischen 26" - 29,75“ üblich. Übrigens sollte man beachten, dass die Diskantsaiten in einem 7er oder 8er Satz häufig den Standardstärken entsprechen, die man auch von 6-saitigen Sätzen gewohnt ist. Allerdings fühlen die sich durch die verlängerte Mensur auf solchen Instrumenten härter an und ein 009-080er Satz für den 8-Saiter erzeugt auf den höchsten Saiten ein anderes Spielgefühl als dies ein 009-042er Satz auf einer 6-Saiter tun würde!

4. Alternative Tunings

Je nach Stimmung der Gitarre stellt sich ein ähnliches Problem wie bei der Mensur-Thematik: Je niedriger die Spannung, desto stärker müssen die Saiten sein, um ein ähnliches Spielgefühl wie bei einem Standardtuning zu erhalten.
Verwendet man beispielsweise das Eb-Tuning, sprich, die Gitarre wird einen Halbton tiefer gestimmt, was bei diversen Rockbands durchaus Usus ist, verringert man die Saitenspannung spürbar. Auch hier hat sich der pauschale Richtwert etabliert, dass jeder Halbton in etwa durch den Unterschied einer Saitenstärken-Größenordnung halbwegs kompensiert werden kann. Sprich: Bin ich 009er-Saiten im Standardtuning gewohnt, ergibt es Sinn, für das Eb-Tuning auf einen 010er-Satz zu wechseln. Dieser Umstand ist übrigens bei Usern von „floating-", also nicht-aufliegenden Tremolosystemen gut zu beobachten, da in diesem Fall kaum Nachjustierung der Federn nötig ist, um das Tremolo in der Waage zu halten. Möchte man noch weiter nach unten gehen, bleibt diese Regel grob bestehen: Zwei Halbtöne entsprechen zwei Saitenstärken usw.

Bei Drop-Tunings, beispielsweise Drop-D, beschränkt sich der Stärkenwechsel natürlich nur auf die tiefe Saite, die dann zwei oder zumindest eine Saitenstärke höher angesiedelt sein sollte. Manche stören sich daran, dass dann das Saitengefühl zwischen der dickeren Drop-D E-Saite zur A-Saite etwas krasser ausfällt und wechseln gleich komplett zu einem "heavy-bottom-light top“-Mischsatz, um einen homogenen und weichen Übergang zwischen allen sechs Saiten zu gewährleisten.

Ernie Ball und Ryan "Fluff" Bruce’s YouTube Kanal "Riffs, Beards & Gear" haben einen "Cheat Chart" zusammengestellt, der eine gute Übersicht der etablierten Saitenstärken bei bestimmten Tunings aufzeigt. Vieles ist dabei natürlich sehr subjektiv und mit der nötigen Distanz zu genießen, aber auch hier ist die Daumenregel "jeder Halbton entspricht einer Saitenstärke Differenz" gut zu erkennen.

Stimmung Fender Mensur (648 mm) Gibson Mensur (628 mm)
E Standard 10-46 (normale Spannung) 10-46 (normale Spannung)
9-42 (niedrige Spannung) 10-52 (höhere Spannung)
Drop D 10-52 (light top heavy bottom) 10-52 (light top heavy bottom)
Eb Standard 10-52 (höhere Spannung auf tiefen Saiten) 11-48 (normale Spannung)
Drop C# 11-48 +52 (normale Spannung) 11-54 (normale Spannung)
D Standard 11-54 (höhere Spannung) 11-48 (normale Spannung)
C Standard 12-56 (normale Spannung) 12-56 (normale Spannung)
11-54 (niedrige Spannung)
Drop C 11-54 +56 (normale Spannung) 12-56 (normale Spannung)
Drop B 11, 15, 20, 36, 48, 60 12, 16, 24, 36, 48, 60

Quelle: ErnieBall.com; YouTube (Kanal: "Riffs, Beards & Gear")

5. Audiobeispiele 

Neben dem subjektiven Spielgefühl lautet die Gretchenfrage jedoch: Wie klingt das Ganze denn? Zu diesem Zweck hört ihr nun eine Reihe von Saitenstärken in diversen Szenarios. Der Versuchsaufbau besteht aus drei Gitarrenmodellen, die allesamt mit einer festen Bridge ausgestattet sind. Diese sind eine Sterling Valentine, eine Schecter Apocalypse C-7 und eine Schecter C-8 SLS Elite Evil Twin, wobei ich stets den Stegpickup verwende.

Jeder Saitensatz und jedes Gitarrenmodell muss sich in drei Disziplinen behaupten:

a) Cleanes Picking unter Verwendung (nahezu) aller Saite, wofür ich einen cleanen Fender Bassman verwende, den ich durch die Faltung einer 4x12" Celestion Greenback Box schicke.

b) Crunch unter Verwendung eines Wampler Tumnus vor dem oben erwähnten Fender Bassman. Hier geht es mehr um die mittleren Saiten und der Sound hat eine stärkere Mittenbetonung.

c) High Gain unter Verwendung eines Peavey 5150 über ein 4x12" CelestionV30 Cabinet. Nun gehts in die härteren Gefilde und es werden besonders die tiefen Saiten hervorgehoben. Der Sound ist hier etwas wuchtiger in den Bässen und die Mitten sind leicht gescoopt.
Innerhalb jeder Disziplin spiele ich für die 6-Saiter identische Riffs zum einen im Standardtuning, dann im Eb-Tuning und für die ganz dicken Sätze auch noch ein D-Tuning, sprich die Gitarre ist einen Ganzton tiefer gestimmt. Hier muss erwähnt werden, dass die Sattelkerben der Gitarren nicht optimal für 012er Sätze ausgelegt sind und man für die Umstellung eigentlich einen Gitarrenbauer zu Rate ziehen müsste. Dennoch denke ich, dass der Sound-Eindruck klar rüberkommt.
Die verwendeten Stärken sind hierfür sind, 008, 009, 010, 011, 009-046, 012-056 und 012-064.

Die 7- und 8-Saiter bewegen sich bei allen Files im Standardtuning. Die Stärken für die 7-saitigen Sätze sind 009-052, 010-056 und 011-058.

Bei der 8-saitigen Gitarre kommen die Stärken 009-080 sowie zwei 010er-074 Sätze zum Einsatz, die sich im mittleren Saitenbereich jedoch unterscheiden und mit Stärken von 010-013-0165-024-032-044-058-074 und 010-013-017-030-022-054-064-074 zu Buche schlagen.

Alle Saiten stammen aus dem Hause Ernie Ball und sind bei den Soundfiles konkret angegeben, wobei ihr unten noch eine tabellarische Übersicht der genauen Bezeichnung findet. An dieser Stelle noch mal einen herzlichen Dank an Musik Meyer und Ernie Ball für die Bereitstellung der Saitensätze!

 

Einen kleinen Disclaimer möchte ich vorwegschicken:

Auch wenn alle Files mit dem identischen Plektrum, Setting und Setup gespielt wurden und ich mich bemüht habe, jedes Riff mit derselben Energie zu spielen, lassen sich menschliche Schwankungen und kleine Unterschiede in den Spielnuancen nicht ganz ausschließen, die ebenfalls Einfluss auf den Klangeindruck haben können.

Clean: Fender Bassman

a) 6-Saiter Standard-Tuning

b) 6-Saiter Eb-Tuning

c) 6-Saiter D-Tuning

d) 7-Saiter Standard-Tuning

e) 8-Saiter Standard-Tuning

Crunch: Fender Bassman + Wampler Tumnus

a) 6-Saiter Standard-Tuning

b) 6-Saiter Eb-Tuning

c) 6-Saiter D-Tuning

d) 7-Saiter Standard-Tuning

e) 8-Saiter Standard-Tuning

High Gain: Peavey 5150

a) 6-Saiter Standard-Tuning

b) 6-Saiter Eb-Tuning

c) 6-Saiter D-Tuning

d) 7-Saiter Standard-Tuning

e) 8-Saiter Standard-Tuning

Fazit

Das Ergebnis ist auch für mich sehr interessant, deckt sich aber teilweise mit den persönlichen Erfahrungen, die ich im Laufe meines Lebens als Gitarrist gemacht habe, obwohl ich nie eine solche systematische Gegenüberstellung vorgenommen habe. Prinzipiell unterscheide ich allerdings ganz klar zwischen dem Spielgefühl, losgelöst vom Sound, und dem tatsächlichen Klangeindruck. "Gefühl" ist sicherlich auch eine Gewohnheitssache, die man unter Umständen überdenken und anpassen kann. Ich persönlich mag einfach eine gewisse Mindeststärke unter meinen Fingern, aber andererseits auch einen gewissen Luxus beim Benden, was sicherlich individuell unterschiedlich empfunden wird. Klanglich unterscheiden sich für mich die Stärken jedoch schon ganz klar, wobei mich der Sound des 008er Satzes tatsächlich überrascht hat. Klar, dicke Saiten klingen wuchtiger und bassiger, aber die dünnen Zeitgenossen kommen mit einer Kompaktheit, Direktheit und "frechen Spritzigkeit" daher, die ich im direkten Vergleich nie so realisiert habe. Der Tiefmittenbereich ist für meine Ohren hier viel aufgeräumter und ich hatte den Eindruck, dass man unter Umständen in einem Mix wesentlich weniger bearbeiten und aufklaren müsste.
Der Punkt "Tuning" hat natürlich auch viel mit Spielgewohnheiten zu tun und ich musste beim 008er Satz ganz schön aufpassen, die Saite nicht zu fest anzuschlagen und zu greifen. Richtig bemerkbar macht sich die Saitenstärke vor allem bei den Basssaiten der 7- oder 8-Saiter, denn viele B- oder F#-Saiten haben zu wenig Spannung bei zu hoher Biegesteifheit, sodass hier ein stärkeres Modell zu mehr Stabilität führen kann. In diesem Sinne kann ich nur jeden zum Direktvergleich ermutigen, um den optimalen Mittelwert an Sound, Intonation und Spielgefühl für sich zu finden!

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