Hersteller_DaveSmith Hersteller_Sequential ANL_Synth
Test
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16.09.2017

Praxis

Klangauswahl

Schon beim ersten Blättern durch die Presets muss ich die Erfahrung machen, dass mir die Klangauswahl beim REV2 leider viel zu umständlich ist. Sofern man nicht auf MIDI zurückgreifen möchte, lassen sich Programme ausschließlich mit den beiden Encodern „Program“ und „Bank“ auswählen, was bei 128 Programmen pro Bank in eine langwierige Scrollerei ausarten kann. Zu allem Überfluss arbeitet der Program Encoder bei meinem Testexemplar nicht immer ganz exakt, sondern überspringt schon mal ein Programm. Es gibt weder eine Möglichkeit, Sounds über eine numerische Eingabe direkt auszuwählen, noch irgendeine Form der Kategorisierung, durch die sich die Auswahl eingrenzen ließe. Das ist schade und schränkt die Bühnentauglichkeit des Synthesizers in meinen Augen empfindlich ein. Wenn man sich nicht die Mühe macht, die für einen Gig benötigten Programme schön der Reihe nach in einen gesonderten Speicherbereich zu kopieren, wird man auf der Bühne mit seinen Sounds oft zu spät dran sein. Hier hätte ich es begrüßt, wenn es entweder die Möglichkeit gäbe, Programme in Kategorien zu sortieren oder mit Attributen zu versehen, oder aber zumindest eine Funktion zum beschleunigten Scrollen, wie es etwa Elektron mit seinen Push-Encodern vormacht.

Sound

Doch kommen wir nun endlich zum Wesentlichen: Wie klingt der Prophet REV2? Ohne weitere Worte zu verlieren möchte ich mit einem Querschnitt durch die oftmals erfreulich brauchbaren Werkspresets beginnen.

Was schon für den Vorgänger galt, kann man auch dem REV2 bescheinigen: Die klangliche Bandbreite ist auf jeden Fall groß und der Grundsound sehr gut. Der REV2 hat für viele Gelegenheiten den passenden Klang auf Lager und fügt sich mit seinem gepflegten Sound überall gut ein. Mit der Effektsektion ist eine neue Ebene der Klanggestaltung hinzugekommen, die dem REV2 sehr gut steht und den Sound merklich aufwertet, vor allem in einer Live-Situation. Mit seinem breiten Repertoire, das von wunderbaren Pads über knackige Bässe und Leads bis hin zu experimentelleren Klängen reicht, ist der REV2 ein hervorragender Allrounder.

Allerdings muss man auch sagen: Der Klang des PA397 Chips ist mittlerweile hinlänglich bekannt und hat sich zwar bewährt, aber für meinen Geschmack auch etwas abgenutzt. Kenner werden nicht nur auf Anhieb die DCOs erkennen, sondern womöglich sogar das spezielle Bauteil, das für den Sound verantwortlich ist. Deshalb hat der Prophet REV2 für mein Empfinden zwar eine klangliche Persönlichkeit – aber ist es auch die, die man sich im Jahr 2017 von einem Analogsynthesizer wünscht? Da es heute wieder einige Alternativen gibt, sollte man sich mit dieser Frage genau beschäftigen. 

Beispielhaft habe ich mal versucht, einige möglichst identische Patches auf dem REV2 und auf dem VCO-basierten und deutlich teureren Prophet-6 zu bauen. Dabei geht es mir nicht darum zu zeigen, welcher Synthesizer „besser“ ist, sondern eher darum, die verschiedenen Klangästhetiken darzustellen. Wegen der unterschiedlichen Klangarchitektur kamen dabei nur die Elemente der Klangerzeugung zum Einsatz, die bei beiden Synthesizern ähnlich sind, und ich habe auf ausgefallene Modulationen verzichtet. Wir beginnen mit dem Init-Preset, das bei beiden Synths nur aus einem Sägezahn von VCO bzw. DCO1 besteht:

Nun ein PWM-Bass mit zwei modulierten Puls-Oszillatoren, eine Oktave auseinander gestimmt. Ihr hört jeweils zuerst eine Stimme, dann einen sechsfachen Unison und schließlich den Unison mit maximalem Pan Spread.

Nimmt man nun noch etwas „Slop“ dazu, den beide Synthesizer bieten, dann klingt das so (zuerst der REV2, dann der P6):

Als nächstes ein simpler Flächen-/String-Sound, bestehend aus einem modulierten Puls-Oszillator und einem Sägezahn, mit etwas Filter-LFO und OSC Slop:

Zum Schluss noch ein paar Dance Chords, eingespielt mit der Chord Memory Funktion. Auf beiden Synths besteht der Sound aus je einem Sägezahn- und einem modulierten Puls-Oszillator, der Sub Octave sowie einem Hüllkurven-modulierten Tiefpass mit etwas Resonanz. Bei beiden ist zudem etwas Oscillator Slop im Spiel und der Pan Spread etwas aufgedreht. Ihr hört im Wechsel den REV2 und den Prophet-6, beim zweiten Durchlauf jeweils mit etwas Onboard-Hall.

Alle diese Beispiele zeigen, dass der Klangcharakter, wie zu erwarten war, verschieden ist: Im direkten Vergleich wirkt der REV2 zwar schärfer, aber dennoch eher brav und etwas bieder, was angesichts des völlig anderen Aufbaus (PA397 gegen diskrete VCOs) natürlich kein Wunder ist. Das soll nicht heißen, dass er schlechter sei: Gut möglich, dass sich der drahtige, bissige Sound des REV2 in so mancher elektronischen Stilistik oder auch im Kontext einer Rockband besser durchsetzt als der vergleichsweise weichere P6. Aber gerade heute, wo wir auch in Sachen analoge Polysynths wieder eine Auswahl haben, sollte man umso gründlicher darüber nachdenken, welchen Klangcharakter man persönlich bevorzugt.

Bedienung

Grundsätzlich hat sich an der Bedienung des REV2 nicht viel verändert. Da alle wichtigen Parameter direkt über Potis und Buttons erreichbar sind, macht das Programmieren Spaß und geht leicht von der Hand. Im Live-Betrieb zahlt es sich natürlich besonders aus, dass alles gut zu erreichen ist – von der bereits erwähnten, unglücklich gelösten Programmauswahl einmal abgesehen. Da das Bedienfeld so gleichförmig gestaltet ist, muss man am Anfang vielleicht manchmal genauer hinsehen, um ein bestimmtes Poti zu finden. Nach einigen Stunden mit dem REV2 hat sich das aber erledigt.

Im Bedienkonzept verstecken sich viele gut durchdachte Details, von denen man einige nur im Handbuch findet. Zum Beispiel kann man sich Werte anzeigen lassen, ohne sie zu verstellen (dazu muss man beim Drehen an einem Poti den Button MISC PARAMETERS gedrückt halten). Auch gibt es eine Compare-Funktion, mit der ein bearbeitetes Programm mit seinem Originalzustand verglichen werden kann. Auch beim Speichern ist ein Vorhören des im ausgewählten Platz befindlichen Programms möglich, sodass man es nicht unbeabsichtigt überschreibt. Das Verhalten der Potis lässt sich auf drei Weisen konfigurieren: Entweder springt der Wert, oder man muss ihn mit dem Poti abholen, oder er verändert sich relativ zum gespeicherten Wert. Diese Einstellung wird wie zum Beispiel auch die der MIDI-Settings und die Konfiguration der Pedale im Global-Menü vorgenommen.

Das Menü „Misc Parameters“, das man über den gleichnamigen Button erreicht, enthält alle Programm-spezifischen Einstellungen, für die es kein Bedienelement gibt. Hier sind Settings wie Pitch Bend Range, Programmlautstärke und Splitpunkt zu finden. Außerdem kann man in diesem Menü zum Beispiel die Glide Rate der beiden Oszillatoren getrennt einstellen und Envelope 3 in den Loop-Modus versetzen.

Insgesamt geht das Konzept auf: Alles Wesentliche zur Klanggestaltung liegt direkt an der Oberfläche und man braucht die beiden kurzen Menüs nur sehr selten. Eine Sache ist mir bei der Arbeit mit bitimbralen Programs (Split oder Layer) aber immer wieder aufgefallen: Mit der Entscheidung, das Setting „VCA Level“ in das „Misc Parameters“-Menü zu verlegen, wurde dem REV2 kein Gefallen getan. Beim Prophet 08 gab es dafür ein Poti, das ich hier oft vermisst habe. Damit fehlt nämlich die Möglichkeit, das Lautstärkeverhältnis der beiden Layer schnell anzugleichen, ohne dafür in ein Menü abzutauchen.

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