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Test
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05.06.2014

Dave Smith Instruments Prophet 12 Module Test

Polyphoner Desktop-Synthesizer

Kleiner Kasten – großer Sound

Mit dem Prophet 12 Module bringen Dave Smith Instruments eine Desktop-Version ihres grandiosen digital-analogen Übersynthesizers heraus, die den identischen Sound liefern, aber Geldbörse und Studioplatz schonen soll. Wir fragen uns: Hat der kleine Prophet zu viele Federn gelassen, oder ist er eine gute Wahl für alle, die schon genügend Tastaturen im Studio oder auf der Bühne haben?

Vor einigen Monaten haben wir das neue Flaggschiff von DSI testen können, den Prophet 12. Seine komplexe, teils digitale, teils analoge Architektur, seine unglaubliche Soundqualität und auch sein edles Gewand machen ihn zu einem ganz Großen unter den aktuellen Synths. Da die Modulvariante des P12 bezüglich der Klangerzeugung mit seinem Tastenbruder identisch ist, solltet Ihr unbedingt auch einen Blick in unseren ersten Test zum Prophet 12 hier auf bonedo.de werfen.

Details

Es ist eine interessante Erfahrung, nach einigen Wochen zum Prophet 12 zurückzukehren in der festen Überzeugung, dass man auf dasselbe Gegenüber trifft, das lediglich seine Tasten und einige Bedienelemente eingebüßt hat. Man vergisst, dass bei heutigen Synths auch die Software eine entscheidende Rolle spielt und dass sich somit auch – bei engagierten Herstellern jedenfalls – die Geräte innerhalb kurzer Zeit ändern und erweitern können. So bekomme ich den Prophet 12 Module mit dem neuesten OS und darf gleich eine höchst erfreuliche Feststellung machen: Vielleicht hat man in San Francisco mitgelesen, denn der einzige Negativpunkt unseres Tests zum Prophet 12 wurde unverzüglich behoben. Die Delays verfügen nun über einen Panregler und wahlweise über ein Lowpass- oder Highpassfilter. Wow! Genau so wünscht man sich das.

Interessiert man sich grundsätzlich für den Prophet 12, stellt sich nun also die Frage, ob für das eigene Setup eher das ausgewachsene Modell mit Tastatur geeignet ist oder das knapp 700 Euro günstigere Modul. Deshalb wollen wir uns in diesem Test darauf fokussieren, welche Unterschiede zwischen den beiden Varianten bestehen und wie sich das Handling des Prophet 12 Module gestaltet.

Aufbau

Die gute Nachrichtet lautet: Der Prophet 12 Module liefert exakt denselben Sound wie sein großer Bruder. Freundlicherweise haben DSI hier kein einziges Feature gestrichen, so dass das Modul ebenfalls auf der mächtigen digital-analogen Klangarchitektur basiert, ebenso komplexe Modulationsmöglichkeiten bietet und mit der „Character“-Sektion, dem Distortion, dem Feedback-Effekt und den vier Delay-Lines gleichermaßen viele Effekte zur Verfügung stellt.

Der etwas ungewöhnliche Aufbau der Prophet 12 Klangerzeugung ist den Panels beider Versionen abzulesen, auf dem Modul sogar in einer Art Flussdiagramm. Der Soundstrom beginnt in einer opulenten Sektion mit vier digitalen Oszillatoren und einem Suboszillator, der eine Sinusschwingung eine Oktave unterhalb von Oszillator 1 generiert. Natürlich bieten die Oszillatoren alle klassischen Schwingungsformen. Ein besonderes Feature sind die Wavetables, die – wie von Klassikern der Synthesizergeschichte bekannt – bereits komplexere Klänge erzeugen, die auch, wie im Orgel-Soundbeispiel zu hören, an Soundvorbilder erinnern können. Natürlich hat das Oszillator-Gespann AM und FM und sogar Wave-Reset im Angebot. Als wäre das nicht genug, lassen sich pro Oszillatorslot jeweils zwei Wavetables zusätzlich auswählen, so dass man zwischen der eigentlichen Schwingungsform und diesen per Modulation und statisch morphen kann.

In der folgenden „Character“-Abteilung soll dem Signal der Oszillatoren dann etwas – nun ja – Charakter gegeben werden. Fünf Parameter stehen dafür zur Verfügung: „Girth“ (mehr Bässe und Soundvolumen), „Air“ (mehr Höhen), „Decimate“ (Sample-Rate-Reduktion), „Drive“ (Verzerrung) und „Hack“ (Bittiefen-Reduktion). Mit diesen digitalen Helferlein lässt sich der Sound also von sanft bis brutal verbiegen, bevor er die D/A-Wandler durchläuft und bei den Filtern ankommt.

Zwei analoge Filter stehen sodann bereit. Zum einen ein zwischen 12dB/Okt. und 24dB/Okt. Flankensteilheit umschaltbares, selbstschwingendes Lowpass-Filter mit eigener Envelope und ein 12dB-Highpassfilter, das keine eigene Hüllkurve besitzt. Weiter geht es zum VCA, dem natürlich wieder ein eigener Hüllkurvengenerator zu Diensten ist und der über den Parameter „Pan Spread“ die jeweiligen Stimmen des Sounds im Stereobild verteilen kann. Apropos Stimmen: Seinem Namen gemäß verfügt der Prophet 12 über 12 Stimmen. Ein Display mit 12 LEDs zeigt an, welche der Stimmen getriggert bzw. genutzt werden – kein sonderlich informatives, aber ein optisch schickes Feature.

Nach dem Verstärker geht es in die zuerst mal mysteriös anmutende Feedback-Sektion. Diese verfügt über zwei Parameter, nämlich „Amount“ und „Tuning“. Was passiert hier? Das aus dem VCA kommende Signal wird durch ein zwischen C0 und C4 durchstimmbares Delay geschickt und am Anfang der Kette dem Signal der Oszillatoren beigemischt. Dies kann, je nach Sound, zu größerer Lebendigkeit führen, am Ende der Fahnenstange aber auch in einem unspielbaren Klang enden, der lediglich den Ton des durch „Tuning“ gewählten Feedbacks hervorbringt. So oder so eine geniale Idee.

Kurz vor dem Ende des Weges teilt sich das (analoge) Signal. Eine Stereosumme geht direkt zu den physischen Ausgängen, eine zweite zu den vier digitalen Delay-Lines. Dies zeugt davon, dass DSI ein großes Augenmerk auf die Vorzüge analoger Klangkomponenten legen und dem eigentlichen Signal eine unnötige A/D und D/A-Wandlung ersparen. Die vier Delays, die also dem Output schließlich beigemischt werden, bieten eine (leider zu kurze) Delayzeit von bis zu einer Sekunde, die frei oder zum Tempo – das beim Prophet 12 zentral per Drehregler oder Tap-Taster eingestellt werden kann – die Positionierung im Stereobild bestimmen, und jedes Delay kann wahlweise mit einem Low- oder Highpass-Filter bearbeitet werden. Nimmt man hinzu, dass sich all diese Parameter per Modulation zum Leben erwecken lassen, stellt diese Delaysektion nun wirklich eine grandiose Bereicherung dar, die den Sound des Prophet 12 perfekt ergänzt.

Zu guter Letzt verfügt der Prophet über einen analogen Verzerrer, genau genommen sogar zwei, je einen für Layer A und B. Diese sehr willkommenen und gut klingenden Effektbausteine stehen vermutlich ganz am Ende des Signalflusses vor den physischen Ausgängen. Genau war dies leider in der ansonsten sehr guten und detailreichen Gebrauchsanweisung nicht beschrieben.

Um das wirklich mächtige Gesamtpaket dieses Instrumentes abzurunden, verfügt der Prophet 12 über nicht weniger als vier LFOs, einen Arpeggiator, zwei weitere, frei zuteilbare Hüllkurvengeneratoren sowie eine umfangreiche Modulationsmatrix, die neben acht festen Modulationsbeziehungen weitere 16 frei einstellbare beinhaltet – was für die allermeisten Klangbasteleien mehr als ausreichend sein sollte. Darüber hinaus arbeitet der P12 auch noch mit zwei Layern, die zwei (dann jeweils sechsstimmige) unabhängige Sounds enthalten können. Die Layer lassen sich hierbei gleichzeitig, also übereinander liegend oder gesplittet spielen.

Beim Programmspeicherplatz hat man wahrlich nicht gegeizt. Es gibt insgesamt acht Bänke à 99 Programme, die Hälfte davon sind nicht veränderbare Presets, aber immerhin knapp 400 Speicherplätze stehen für eigene Kreationen bereit. Die jeweiligen Layer eines Sounds lassen sich zudem separat benennen und können dann in anderen Programmen recycelt werden. Sehr schön. Über das Feature „Playlists“, das erst mal große Hoffnungen weckt, hüllen wir den Mantel des Schweigens oder sagen: Es bietet leider keinen richtigen Mehrwert.

Anschlüsse

Anschlussmäßig ist der Prophet 12 Module ebenfalls exakt so bestückt wie die Keyboardversion und zwar mit einem Kopfhörerausgang, zwei Stereoausgängen, MIDI In/Out/Thru, zwei Anschlüssen für Pedale, einem Sustainpedal-Eingang sowie einem USB-Anschluss. Es fehlt uns schmerzlich – wie auch beim großen Prophet 12 – der Audioeingang, der die herrlichen Filter, Delays etc. demokratisch auch für externe Signale geöffnet hätte. Schade.

Bedienfeld

Es lässt sich leicht erahnen, welche umfangreichen Möglichkeiten der Prophet 12 bietet, und auch, dass es gar nicht so leicht ist, dieser Optionen bedientechnisch Herr zu werden. Umso interessanter ist die Frage, welche Kürzungen die Herstellung des kleinen Prophet 12 Module im Vergleich zur Tastaturvariante erfordert hat und was diese für das Handling bedeuten. Wie schon gesagt ist das Modul klanglich absolut identisch. Das heißt: Es fehlen seinem Innenleben keinerlei Features gegenüber dem Großen. Was ihm aber fehlt, außer eben der Tastatur und mithin den Spielhilfen wie Modulationsrad, Slider etc., sind Bedienelemente – und das massiv. Beim „normalen“ Prophet 12 zähle ich 58 Potis, bei der Modulversion bleiben noch ganze 12. Auch ein numerisches Tastenfeld zur Anwahl der Programme, Bank-Select-Taster, Up- und Down-Taster für Werte oder die Transpose-Taster sucht man vergeblich. Damit konzentriert sich ein Großteil der Arbeit auf das – allerdings hervorragende – Display mit seinen vier Wahlschaltern und Potis. Hier müssen die allermeisten Werte eingestellt werden, nachdem man über einen Schalter die gewünschte Sektion aktiviert hat. Lediglich den Filtern wurden je zwei Potis für Frequenz und Resonanz gegönnt, und Distortion und Gesamtlautstärke dürfen auch „erdreht“ werden. Dies stellt an die Bedienbarkeit eines so kleinen Desktopgerätes hohe Anforderungen.

Eine willkommene Hilfe ist hier der Software-Editor des Drittanbieters Soundtower (www.soundtower.com), den wir uns später noch genauer ansehen werden. Zwar muss man dafür 50 Dollar auf den Tisch legen, aber dieser Betrag ist für eine durchdachte Software sicher angemessen, und bei einem so komplexen Gerät wie dem Prophet 12 lohnt sich die Anschaffung sowohl für die Tasten- als auch die Modulversion. Beim Modul kompensiert die Software zudem ein wenig das Fehlen der Bedienelemente, so dass sich der Editor hier doppelt bezahlt macht.

Neue Funktionen

Zum Abschluss der Feature-Übersicht noch ein Wort zum Thema Updates. DSI haben mit der OS-Version 1.1 nicht nur dem Delay wichtige neue Features beigebracht, auch die anderen Verbesserungen können sich sehen lassen. So verfügt der Arpeggiator nun über „Lock Notes“. Hierbei lassen sich wie bei einem Step-Sequencer Arpeggios aus bis zu 32 Noten (oder Pausen) bauen, sogar mit unterschiedlichen Velocity-Werten. Sobald man dies getan hat, kann das Arpeggio über einfaches Drücken eines anderen Grundtons transponiert werden. Dies wertet den Arpeggiator nach meinem Dafürhalten noch mal extrem auf. Weiterhin lässt sich der P12 nun im Multimode betreiben, so dass Layer A und B auf unterschiedlichen MIDI-Kanälen multitimbral gespielt werden können. Zudem lässt sich ab sofort auch der „Slop“-Parameter modulieren, der die Stimmstabilität der Oszillatoren von ultrapräzise bis, naja, sloppy einstellt. Zuletzt – abgefahren – kann das Audiosignal eines Sounds nun auch als Modulationsquelle verwendet werden, was wiederum ein Arsenal an Möglichkeiten eröffnet.

Ich denke, diese Form der Produkt- und somit Kundenpflege sollte man DSI sehr hoch anrechnen. Denn das recht zeitnahe OS-Update belässt es nicht bei kleinen kosmetischen Korrekturen, sondern bietet spannende neue Features und reagiert ganz offenbar konstruktiv auf Kritik. Vorbildlich!

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