Bass Hersteller_Darkglass
Test
7
09.12.2020

Praxis

Kompakte Class-D-Tops kommen in der Regel auch in den eigenen vier Wänden zum Einsatz - deshalb ist das Lüftergeräusch bei jedem neuen Amp ein nicht zu unterschätzender Aspekt! Beim Alpha·Omega 500 nimmt der temperaturgesteuerte Ventilator erst nach einiger Betriebszeit seinen Dienst auf - sobald die Zieltemperatur erreicht ist, stellt er den Betrieb auch umgehend wieder ein. Mich hat das relativ dezente Rauschen des Lüfters während der Kühlung nicht weiter gestört und ich denke, die meisten Bassisten werden mit dem Nebengeräusch gut klarkommen.

Auch für die stille Übe-Session mit Kopfhörer ist der neue Alpha·Omega 500 ein geeigneter Kandidat, denn auf dem Ausgang liegt stets eine Boxensimulation, die dem Sound mehr Räumlichkeit verleiht und zu schrille Frequenzen bei verzerrten Sounds herausfiltert. Die Boxensimulation liegt im Post-Betrieb auch auf dem XLR-Ausgang, was Tieftöner, die Gigs mit In-Ear-System spielen, prinzipiell sicherlich begrüßen werden.

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Ich finde es allerdings nicht optimal, dass man die Simulation nicht ausschalten kann. Es gibt beispielsweise beim Recording sicherlich Situationen, in denen man nur die Overdrive- oder EQ-Einstellungen aufnehmen möchte und sich dann eventuell in der Postproduktion für eine Boxensimulation entscheidet. Das ist mit dem Alpha·Omega 500 leider nicht möglich - hier steht per XLR DI-Out entweder das nackte, cleane Basssignal oder der bearbeitete Sound inklusive Cabsim zur Verfügung.

Beim größeren Modell, dem Alpha·Omega 900, kann die Boxensimulation gesondert ein- und ausgeschaltet werden. Wer auf dieses Feature Wert legt, muss sich also für das Flaggschiff der Serie entscheiden. Flexibilitiät gibt es dafür bei der Auswahl der Cabsims: Wie im Details-Kapitel bereits erwähnt, bietet der Amp drei Speicherplätze für Impulsantworten, via Darkglass-Suite (Software-Anbindung) kann man die Speicherplätze nach Belieben entweder mit den von Darkglass angebotenen Impulsantworten oder mit Impulsantworten von Fremdanbietern bestücken.

Die Software ist mittlerweile sehr ausgereift und in der Handhabung absolut selbsterklärend. Abstürze oder Zickereien habe ich in der gesamten Testphase zu keiner Zeit erlebt und die Verbindung mit meinem Mac hat immer auf Anhieb funktioniert - Daumen hoch für die wirklich gelungene Software-Anbindung von Darkglass!

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Kommen wir nun zu den wichtigsten Disziplinen des Tests, nämlich zum Sound des Amps sowie zur Performance der neuen Endstufe: Im cleanen Betrieb liefert der Alpha·Omega 500 einen überaus soliden und ausgewogenen Grundsound, bei dem ich keinerlei Überbetonungen höre. Einige der edelsten Boutique-Amps lösen den Klang vielleicht noch eine Spur detailreicher und plastischer auf, der kleine Darkglass ist den Topmodellen aber schon sehr dicht auf den Versen - wir sprechen hier wirklich lediglich von Nuancen, die sich im Bandsound ohnehin versenden.

Die Ansprache des Amps ist zudem ultra direkt und der Sound bleibt auch bei hohen Lautstärken klar, voll und griffig, sodass man eher das Gefühl hat, einen herkömmlichen Transistor-Amp mit schwerem Trafo als einen kompakten, ultraleichten Amp mit Class-D-Modul und Schaltnetzteil zu spielen.

Die neue Darkglass "Sisu"-Endstufe leistet sich keinerlei Schwächen und liefert enorme Lautstärken, sodass man auch mit der neuen 500-Watt-Version des Alpha·Omega problemlos größerer Gigs absolvieren kann. Klanglich bietet der Alpha·Omega 500 eben jene enorme Flexibiltät, die wir auch schon von den anderen Darkglass-Tops und im Besonderen natürlich vom älteren Alpha·Omega 900 kennen.

Der Sechsband-EQ greift sehr effektiv in den Sound ein, weil die Einsatzfrequenzen äußerst sinnvoll gewählt wurden. Bereits im Cleanbetrieb lässt sich der Sound dementsprechend mit den Filtern in alle erdenklichen Richtungen trimmen und dank der beleuchteten Schieberegler hat man immer eine visuelle Repräsentation der EQ-Einstellung vor Augen.

Zur Kernkompetenz der Darkglass-Tops zählen natürlich verzerrte Sounds - jeder Bassist, der bereits eines der zahlreichen Alpha·Omega-Pedale besitzt, wird wissen, wie ungeheuer flexibel diese Overdrive-Schaltung ist. Die Sounds auf der Alpha-Seite des Mod-Reglers wirken sehr mächtig und besitzen viel Definition, während auf der Omega-Seite eher aggressive und raue Sounds für brutalere Overdrive-Orgien liegen. Zahlreiche praxistaugliche Nuancen und Mischungen der beiden Extreme findet man auf dem gesamten Reglerweg - hier ist wirklich für jeden Geschmack etwas dabei!

Ebenfalls Top-Ergebnisse liefern die beiden EQ-Presets "Bite" und "Gowl". Das Bite-Feature sorgt auf Knopfdruck für mehr Definition und der Sound wirkt auf Anhieb aggressiver und präsenter. Wer auf sattere Overdrive-Sounds mit vollen Tiefmitten steht, kommt mit dem Growl-Taster sehr schnell ans Ziel. Die Feinabstimmung geschieht dann mithilfe des Blend-Reglers - der verzerrte Sound lässt sich stufenlos mit dem cleanen Basssignal mischen, sodass der Sound stets seine Tragfähigkeit behält und in immer neuen Schattierungen erscheint.

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Kaum ein Amp bietet wohl derart mannigfaltige Möglichkeiten, den Overdrive-Sound nach den eigenen Vorlieben zu formen. In erstklassiger Qualität liefert auch der jüngste Darkglass-Sprössling die gesamte Bandbreite von subtilen Overdrives bis hin zu extrem derben Distortion-Wänden, so wie wir es bereits vom älteren Alpha·Omega 900 kennen. Ich habe es bei früheren Darkglass-Tests schon gesagt und wiederhole mich gerne: In Sachen Overdrive-Sounds spielen die Amps aus Finnland einfach in ihrer eigenen Liga!

Hier zum Abschluss wie immer einige Kangbeispiele:

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