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14.11.2019

Darauf achten Veranstalter bei der Buchung von Bands

RTL Chef-Booker Matthias Noelte verrät, worauf es ankommt

Viele Künstler teilen sich den einen Traum: einen vollen Gig-Kalender. Die Jagd nach den besten Auftritten hält doch so einige Hindernisse parat. Abseits der durch das Netz wabernden Booking-Knigge und Band-Einmaleins haben wir uns mit einem Profi seines Bereichs unterhalten. Matthias Noelte ist Chef-Booker im Hause RTL und hat ein paar spannende Tipps für die Stars von morgen in petto.  

RTLs Chef-Booker

Matthias Noelte ist dafür verantwortlich, die passenden Künstler für verschiedenste Veranstaltungen heranzuziehen. Und damit hat er viel zu tun: unter seiner Fuchtel stehen nicht nur Bookings für diverse Radiosender wie Jam FM, 104.6 RTL Berlins Hitradio oder das 105'5 Spreeradio. Auch im Festivalgeschäft kennt er sich aus. „Wir haben vor 23 Jahren in Berlin ein Event konzipiert und veranstaltet, das sich Stars for free nennt. Damals stiegen schon die Ticketpreise, alles wurde viel teurer. Und wir haben uns überlegt, was man denn so machen kann. Die Idee: wir schenken den Berlinern und unseren Hörern ein kostenloses Konzert. Das gabs in den Vereinigten Staaten schon ansatzweise, aber wir waren die ersten, die das tatsächlich nach Europa und auch nach Deutschland gebracht haben.“ 2019 fand Stars for free in fünf deutschen Städten statt: Hamburg, Chemnitz, Berlin, Magdeburg und Hannover waren Austragungsort des Festivals. Unter den Acts tummelten sich Lena, Sarah Connor, Vincent Weiss, Juli, Welshly Arms und viele weitere Musik-Größen.

Die Aufgaben des Bookers

Klar, der Booker bucht die Acts und ist somit der direkte Draht für Künstler zum Veranstalter. Was jedoch einfach klingt, zieht einen gewaltigen Rattenschwanz mit sich: „Ich versuche, Kunden Künstler für deren Veranstaltungen zu stellen. Und dazu zählt halt wirklich alles: Ich suche, ich baue Künstler auf, ich regle Verträge mit ihnen.“

Wie man von Matthias Noelte gebucht wird? „Es ist so ein Geben und Nehmen. Es ist viel Impuls im Zusammenhang mit den etablierten Künstlern. Der Impuls kommt sehr stark von mir her. Und bei den klassischen Newcomern, da geht der Impuls sehr stark von den Labels und Managements und Agenturen aus. Ich werde aber schon früh von Managements, Labels oder auch Künstlern eingeladen, mir die Acts anzugucken. Also ganz früh in der Entstehung schon. In dem Bereich wo ich bin, steht da aber in der Regel auch ein Label dahinter.“

Wenn Matthias Noelte für Radiostationen oder große Kunden bucht, dann müssen die Namen schon etwas bekannter sein. Dabei muss er weit im Vorraus planen. „In der Regel ist es tatsächlich schon so: wenn du einen gewissen Stand hast, komm ich auf dich zu. Früher, so Ende der 90er, Anfang 2000er, habe ich vom Booking bis zur Umsetzung der Veranstaltung drei Monate gebraucht. Heute sind es anderthalb bis zwei Jahre. Weil die Künstler halt alle so weit im Voraus schon ihre Touren planen. Außerdem gibt es einen unglaublichen Anstieg an Festivals in diesem Land. Wenn ein Künstler spielen möchte, dann kann er fast überall spielen. Und deswegen bin ich da mittlerweile schon sehr früh im Booking. 2021 ging jetzt schon an. Und da gehe ich auf die Plattenfirmen zu. Die Ray Garveys und Vincent Weiss‘ und Adel Tawils dieser Welt, die gehe ich früh an. Und dann gibt’s halt Acts, die wir mit aufgebaut haben, und dann halt quasi die Früchte ernten.“ 

Das A und O liegt in der Live Performance

„Früher hat man mit CD-Verkäufen und Plattenverkäufen unglaublich viel Geld gemacht und hatte das Live-Geschäft als Nebenbeiprodukt,“ erzählt Matthias Noelte, „und jetzt ist es anders herum. Das Live-Geschäft ist halt wichtig. Und da musst du überzeugen, du musst von Sekunde an mitnehmen können.“ Natürlich müsse man auch sein Instrument beherrschen oder singen können. Aber man betrachte da nur einmal Robbie Williams. „Er war ein schlechter Sänger, der aber halt einfach unglaublich präsent auf der Bühne war. Der strahlte das aus.“

Auch von Max Giesingers Performance könne man wohl noch einiges lernen. „Ich habe Max Giesinger sehr früh gesehen, da waren sie nur zu zweit und haben vor ein paar Medienpartnern gespielt, was immer sehr schwierig ist. Denn Medienpartner sind keine Fans, sondern alle sind nur da, um zu gucken, was denn da eigentlich abgeht. Max Giesinger hat es wirklich geschafft, alle in den Bann zu ziehen, mitzunehmen und einfach zu überzeugen. Und das hat er ausgebaut.“

Schlussendlich landen wir doch bei der alten Binsenweisheit: „Man muss Leidenschaft haben, man muss Musiker sein wollen, man muss authentisch sein. Es klingt immer so dahergesagt, aber es ist halt schon wichtig. Die Rockband muss etwas ausstrahlen, um die Leute in ihren Bann zu ziehen. Die Konkurrenz ist einfach unglaublich groß in der heutigen Zeit.“                                   

Frischling oder alter Hase

Falsch liegt, wer denkt, dass Matthias Noelte nur die Großen bucht. Auch das Aufbauen junger Künstler ist Teil seines Jobs. „Ich bin ganz viel auf so kleinen Showcases, wo ich mir Künstler angucke. Und ich bin immer wieder überrascht.“ Gerade unbekannten Acts rät er dazu, jede Möglichkeit zur Live-Performance zu nutzen. „Wenn du ganz frisch dabei bist, da werden die Booker ja nur auf dich aufmerksam, wenn du schon live spielst. Es ist ein bisschen wie die Frage, was zuerst da war, das Huhn oder das Ei. Als Künstler musst du spielen, spielen, spielen“

Überzeugt man die richtigen Leute im Publikum, kann es schnell gehen: „Vor zwei Jahren habe ich Billie Eilish in einem ganz kleinen Club gesehen, hier in Kreuzberg. Und was aus ihr geworden ist - jetzt spielt sie das Lollapalooza und weltweit große Festivals. Weil sie halt auch schon damals überzeugt hat vor einem kleinen Publikum, authentisch war. Und wenn es so weiter geht, wenn sie schafft, das so auszuarbeiten, dann wird da ein Erfolg draus. Und in der Regel, zu 90%, stellt sich das auch so ein.“  

Abheben geht gar nicht

Wenig Zukunft hat eine Zusammenarbeit mit Matthias Noelte, wenn der Habitus nicht stimmt. „Was ich nicht so cool finde ist, wenn Künstler grundsätzlich, aber auch schon im frühen Stadium, eine ‚Wir sind die geilsten‘-Attitüde haben. Das kommt tatsächlich selten vor, aber es gibt schon Künstler, die es noch nicht richtig begriffen haben, dass es ein Job wie jeder andere ist. Und nur weil man Künstler ist, ist man kein anderer Mensch. Sondern man muss ja irgendwie miteinander arbeiten.“

Eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe ist wichtig. Wenn das jedoch nicht funktioniert, dann werden die Veranstalter die Zusammenarbeit möglicherweise in Frage stellen. „Jede Seite kann auch einen Fehler machen, aber man muss dann auch trotzdem zusammen arbeiten können. Man muss Mensch sein, man muss freundlich sein, man muss ehrlich sein. Man kann sich jederzeit die Meinung sagen. Aber von oben herab, das mag ich nicht. Und dann behalte ich mir auch vor, mit den Künstlern nicht mehr weiter zu arbeiten.“ Zumindest die Attitüde des Rock’n’Rolls ist also tot. 

Wenn der Erfolg trotz Booking ausbleibt

Aber was passiert, wenn die Zusammenarbeit passt, sich der Erfolg jedoch nicht einstellt? „Wenn der Künstler beim Publikum nicht ankommt, dann kann er in der Regel manchmal gar nichts dafür. Das weißt du nicht, dann passt er vielleicht zu einem anderen Publikum. Bei Darbietung und Gestaltung ist der Künstler frei auf der Bühne. Und wenn er bei den Menschen, die da vor der Bühne stehen, nicht ankommt, dann ist es schade. Aber dann kann ich ihn ja dafür nicht abgraben. Wir setzen uns zusammen und überlegen gemeinsam: Wie können wir besser werden, wir beide? Was können wir machen?“  

Social Media und Apps

Ein gepflegter Social Media-Auftritt hat noch keinem Künstler geschadet. „Ich gucke, wie die Künstler denn in den sozialen Medien aussehen. Was ist bei Insta los, was ist bei Facebook los, was ist bei TikTok los? All diese Geschichten, Snapchat etc. Wie ist er da unterwegs, sind da schon die ersten Anzeichen zu sehen? Zuckt es da schon? Regeneriert er darüber Fans? Das sind alles kleine Sachen, worauf ich gucke.“

Mit Booking-Apps wie Gixtra und GotLicks oder Online-Netzwerken wie Gigmit arbeitet Matthias Noelte selbst nicht. Trotzdem rät er Künstlern dazu, alles Mögliche auszuprobieren. “Wenn es dir weiterhilft, kann alles gut sein, auch in der Form heute von Apps. Wenn Agenturen damit arbeiten, kann sich das lohnen. Da muss man sich selbst so ein bisschen rantasten. Ich habe jetzt keine positiven und negativen Erfahrungen damit gemacht. Aber wenn es dir hilft, wenn es dich als Künstler weiterbringt und du da gute Booking kriegst, ist es doch erstmal gut für dich.“  

Der brotlose Künstler

Egal, wie du an deine Gigs kommst: zu Beginn bleibt die Gage übersichtlich. „Am Anfang wirst du nicht großartig bezahlt, du musst spielen, spielen, spielen. Das war vor hundert Jahren schon so, das ist heute immer noch so. Und dann werden die Leute aufmerksam, dann erspielst du dir eine kleine Fanbase. Das können zwanzig Leute sein.“ Dahingehend wären besagte Booking-Apps gerade für Künstler in den Startlöchern ein billiger Weg, um an Auftritte zu kommen. „Wenn du einen guten Booker hast, wird er dich gut kassieren. Und deswegen finde ich es stark, wenn es da so eine App gibt.“  

Genug Fans für alle

„Ich denke mir immer, es ist krass. Es gibt ja für jeden Künstler irgendwo eine Fanbase von musikinteressierten Menschen, weil Musik halt die Welt verbindet und ganz viel bewegt. Da gibt’s halt schon ganz viele Menschen, die da musikinteressiert sind. Also: Spielen, spielen, spielen. Jeder kriegt irgendwo Fans her - wenn er halt überzeugen kann, wenn er authentisch ist, leidenschaftlich und bisschen den Geschmack des Publikums trifft.“  

 

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