Test
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19.04.2015

Praxis

Wie funktioniert der DT-10 Drum Tuner im Einsatz?

Nachdem ich die kleine Maschine nun ausgiebig auf ihre Äußerlichkeiten hin inspiziert habe, lese ich zunächst einmal die Gebrauchsanweisung durch, was nicht länger als eine Minute dauert. Noch unsicher, ob ich nun die genaue Vorgehensweise verstanden habe, mache ich mich mit Hilfe eines vorgestimmten 12“ Vintage Toms ans Werk. Zunächst entferne ich jegliche Dämpfungsmittel von den Fellen, um ein bestmögliches Obertonverhalten sicherzustellen und lege die Trommel auf die Sitzfläche meines Drumhockers, um das untere Fell zu dämpfen. Jetzt klemme ich den DT-10 Drum Tuner durch Zusammendrücken der seitlich angebrachten Knöpfe an den Spannreifen des Toms in die unmittelbare Nähe einer Stimmschraube und schlage das Fell auf Höhe dieser Stimmschraube am Rand an, um den Oberton zu ermitteln. Und siehe da: das Display begrüßt mich prompt mit der Information „Tension: 440; G#“. Der DT-10 bietet keine Vorabauswahl des zu stimmenden Instrumentes, ob Snare, Tom oder Bass Drum – hier gilt: einer für alle. 

 

Ein kurzer technischer Exkurs - bei „rot“ musst du drehen, bei „grün“ kannst du gehen!

Neben der einfachen Messfunktion lässt sich mit Hilfe des „Mark“ Buttons auch eine bestimmte Tension speichern, die daraufhin als Vergleichswert fungiert. Dabei kommt das Farbdisplay des DT-10 Drum Tuners ins Spiel. Liegt die gemessene Tension höher als der vorab markierte Referenzwert, leuchtet das Display rot, wobei sich die am Rand platzierte kreisrunde Strichanimation gegen den Uhrzeigersinn dreht. Wird der markierte Wert unterschritten, so leuchtet das Display orange, während sich die besagte Strichanimation nun im Uhrzeigersinn dreht. Nur im Falle einer exakten Übereinstimmung mit der markierten Tension zeigt sich das Display in grün.

Das Fine-Tuning beginnt!

Nachdem ich nun verstanden habe, wie der DT-10 funktioniert, gilt mein hartnäckiges Bestreben dem Ziel, bei jeder Spannschraube mit einem grün leuchtenden Display „belohnt“ zu werden. Das Hauptproblem ist dabei, dass sich die Spannschrauben bekanntermaßen beim Stimmen gegenseitig beeinflussen. Die Aufgabe, jede Stimmschraube auf die exakt gleiche Tension zu bringen, kann damit zur echten Sisyphusarbeit werden. Obendrein muss man den Drum Tuner jedes Mal aufs Neue in die unmittelbare Nähe des nächsten Schraubenkandidaten klemmen, denn nur so funktioniert die Messung zuverlässig! Das Stimmen des Resonanzfells vollziehe ich mit gleichbleibendem Referenzwert (Tension: 440), um die beiden Felle der Trommel auf den gleichen Ton zu stimmen. Da ich dabei zugunsten meiner wertvollen Zeit jetzt auch mal klitzekleine Differenzen zum markierten Referenzton durchgehen lasse, komme ich etwas flotter voran. 

Die Arbeit hat sich gelohnt.

Jetzt wird es spannend, denn nach all der Fine-Tuning-Arbeit hebe ich das Tom in die Luft und schlage mit neugierigen Ohren auf das Schlagfell: Bäääm! Die Trommel klingt  ausgewogen und voll! Ich montiere sie daraufhin an ihrem gewohnten Platz am Set und klemme nun den DT-10 erneut an den Spannreifen, wobei ich jetzt die allgemeine Tonhöhe des Schlagfells prüfen möchte. Ein gekonnter Treffer in die Mitte des Fells lässt das Display folgende Information anzeigen: „Tension: 350; B“ - merke: die auf G# gestimmten Obertöneder einzelnen Stimmschrauben ergeben insgesamt bei meiner Trommel den Ton B! Ein kurzer Gegencheck am Klavier meines Proberaumkollegen bestätigt mir, dass es sich zweifellos um den Ton B (zu deutsch H) handelt! Klasse! 

Bei größeren Kesseln tun sich Hürden auf.

Daraufhin nehme ich mir das dazugehörige 14“ Standtom vor und möchte es nun eine Quarte tiefer, sprich auf den Ton F# stimmen. Ich bringe also zunächst Schlag- und Resonanzfell mit Hilfe des DT-10 grob auf den gewünschten Zielton und konzentriere mich dabei lediglich auf die Angabe der Tonhöhe. In erprobter Art und Weise bringe ich so beide Felle peu à peu auf Spannung, bis sie in etwa den Ton F# von sich geben. Nun gehe ich mit dem Drum Tuner noch einmal jede Stimmschraube einzeln ab, wobei der „MARK“ Button wieder zum Einsatz kommt. Was folgt, ist ein etwas aufwendiges Puzzlespiel. Einerseits deshalb, weil man nicht genau weiß, welche Tension an den einzelnen Stimmschrauben dem gewünschten Zielton des Fells entspricht. Andererseits tut sich der DT-10 offensichtlich etwas schwerer mit dem größeren Kessel und springt oft zwischen zwei weit auseinander liegenden Tönen hin und her. 

Der Snare ist nichts zu schwer.

Zu guter Letzt hole ich noch meine 14“ x 6,5“ Masshoff Schnarre aus dem Schrank und stimme sie mit Hilfe des DT-10 auf den Ton D#, wobei ich das hart gespannte Resonanzfell völlig in Ruhe lasse und mich lediglich mit dem Schlagfell beschäftige. Weil diese Trommel ein richtiges Präzisionsinstrument ist, funktioniert der DT-10 auch gleich um Längen besser. Das Ergebnis dieser ersten Tuning-Odysse hört ihr anhand dieses schönen Quart-Sechst-Akkordes F#-B-D#:

Daraufhin wage ich noch einen zweiten Anlauf. Diesmal stimme ich das Standtom auf A, das Racktom auf C und die Snare auf F#. Auch die Bassdrum binde ich jetzt mit ein, indem ich probiere, sie eine Oktave unterhalb des Standtoms zu stimmen. Zwar passt der DT-10 auch an den breiten Spannreifen dieser 20 Zoll großen Fußpauke, doch ist das Mikro jetzt sehr weit vom Fell entfernt, was die Messergebnisse in ihrer Genauigkeit stark beeinträchtigt. Letztendlich muss ich die Bassdrum dann doch nach Gehör stimmen. Insgesamt kommt ein runder Jazzsound heraus, den ich euch natürlich nicht vorenthalten möchte:

Der DT-10 funktioniert auch in lauteren Umgebungen zuverlässig

Bei Tests während Soundchecks und Bandproben funktioniert der Cherub DT-10 zuverlässig. Das ist für mich ein großer Pluspunkt, denn was nützen einem geübte Ohren, wenn nebenan mal wieder der Marshall röhrt?!

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