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Test
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11.08.2017

Praxis

Klaviersound

Das Privia PX-560M arbeitet bei seinen Klaviersounds wie die meisten aktuellen Casio Privia- und Celviano-Modelle mit der sogenannten AiR-Klangerzeugung mit “Multi-dimensional Morphing”. Dadurch sollen zum Beispiel hörbare Sprünge zwischen Tasten und Velocity-Stufen vermieden werden. Dass Casio hier in den letzten Jahren einen großen Schritt nach vorn getan hat, haben die vorherigen AiR-Digitalpianos der Firma bereits bewiesen. Auch die Polyphonie kann sich sehen lassen: Mit 256 Stimmen geht dem PX-560M so schnell nicht die Luft aus, selbst wenn man breite Akkorde greift, während der Arranger läuft. Vorteilhaft ist die hohe Stimmenzahl auch, wenn man im Split-, Layer- oder Duet-Modus arbeitet.

Gehen wir der Sache nach und hören wir uns den Konzertflügel-Sound an, welcher auf den Namen „GrPnoConcert 1“ hört. Dieser Klang ist es auch, der mit dem dezidierten „Grand Piano“ Schalter ausgewählt wird, der das Instrument jederzeit in ein reines „Klavier“ verwandelt. Im ersten Klangbeispiel hört ihr unser Vergleichs-Midifile, das wir jedes getestete Digitalpiano abspielen lassen, sodass ihr besser vergleichen könnt.

Das klingt für ein Digitalpiano dieser Klasse gut. Besonders schön gefällt mir der helle Charakter und die beachtliche Dynamik, die wir auch schon beim kleineren Bruder Privia PX-360M beobachtet hatten. Durch die besondere Dynamik klingt der Flügelsound bei leisem Spiel sehr weich, bei lautem Spiel hingegen sehr durchsetzungsfähig und „bissig“. Auch die weiteren Pianosounds klingen gut und lassen sich vielseitig einsetzen, sind klanglich aber etwas weniger detailreich.

Wie schon erwähnt soll die AiR-Klangerzeugung einen besonders realistischen Klang erzeugen und hörbare Sprünge oder Abstufungen eliminieren. Gerade im Diskant und im Bass gelingt das für mein Empfinden gut. Der bei günstigen Instrumenten berüchtigte Effekt, dass die Samples für jeweils 3-4 Tasten gleich klingen und dann plötzlich einen Sprung machen, bleibt jedenfalls aus. Der Mittenbereich gefällt mir dagegen weniger, hier wirkt der Sound einfach nicht so lebendig. Und die extreme Stereo-Breite wirkt etwas unnatürlich: Der Bass kommt für mein Empfinden zu weit von links, der Diskant zu weit von rechts.

Insgesamt können die Flügelsounds des PX-560M überzeugen, auch wenn aus meiner Sicht durchaus noch etwas Luft nach oben ist. Einige Konkurrenten in dieser Preisklasse klingen noch etwas lebendiger und authentischer und verfügen beispielsweise über einstellbare Nebengeräusche und weitere Extras.

Weitere Sounds

Im Gegensatz zu vielen anderen Digitalpianos endet die Klangpalette des PX-560M nicht beim Klavier und einer Handvoll Zugaben, sondern deckt alle Bereiche ab, die man auch in einem typischen Arranger Keyboard findet. Insgesamt wartet das Instrument mit 650 Preset-Sounds und 400 User-Sounds auf, wobei die Piano-Sounds wie gewohnt deutlich aufwändiger und hochwertiger sind als der Rest. Die weiteren Klänge klingen gegenüber dem Grand Piano eher durchschnittlich. Ihre Hauptaufgabe ist es, die verschiedenen Spuren der Begleitautomatik zum Klingen zu bringen. Einige Sounds klingen schön, wie z.B. das Saxofon oder die Streicher. Insgesamt dominiert hier aber das Mittelmaß. Wer hauptsächlich auf eine so breite Klangpalette Wert legt und auf die Hammermechanik-Klaviatur verzichten kann, bekommt in dieser Preisklasse von manchem reinen Arranger Keyboard klanglich mehr geboten.  

Tastatur und Lautsprecher

Die Tastatur des Privia PX-560M verfügt über eine Drei-Punkt-Sensorik sowie eine Beschichtung, die die Eigenschaften von Ebenholz und Elfenbein nachahmt. Die leicht angeraute Oberfläche vermittelt ein griffiges Spielgefühl. Aus meiner Sicht fühlt sie sich trotzdem etwas künstlich an und bei schwitzigen Händen kommt es doch manchmal zu einem rutschigen Gefühl. Insgesamt kann man sich hier jedoch nicht beklagen – vor allem nicht, wenn man sich das geringe Gewicht des Instruments vergegenwärtigt.

Die eingebauten Lautsprecher wiederum verleihen dem Digitalpiano eine Art akustische Nuance, die mir immer wieder gut gefällt: Das Piano wird durch die Lautsprecher angeregt, es „vibriert“ beim Spielen ähnlich wie ein echtes Klavier. Außerdem klingen die Lautsprecher – gemessen an ihrer Größe – recht brauchbar. Bei voll aufgedrehten Lautsprechern merkt man zwar, dass sie vorrangig für moderate Lautstärken geeignet sind, aber das ist bei fast allen Digitalpianos der Fall und nicht weiter schlimm. Auf der Bühne wird man ohnehin auf ein PA-System zurückgreifen, und in den heimischen vier Wänden reichen diese Speaker für ein kompaktes Instrument absolut aus.

Begleitautomatik

220 Styles sowie 20 User-Rhythmen sind im Privia PX-560M zu finden und decken die typischen Kategorien wie z.B. Pop, Rock und Latin ab. Ebenso gibt es eine spezielle Kategorie mit Piano-Rhythmen, welche entweder aus Drums, Bass und Piano bestehen oder sogar auf Bass und Schlagzeug verzichten und somit reine Klavierbegleitungen sind. Zu jedem Rhythmus gibt es je ein Intro und Outro sowie zwei Variationen mit passenden Fills, die während des Spielens umgeschaltet werden können. Der Sound der Begleitautomatik kann nicht mit Oberklasse-Keyboards mithalten; dazu klingen die meisten Rhythmen doch etwas zu statisch. Dennoch macht es Spaß, sich mit der virtuellen Band selbst zu begleiten. 

Wer tiefer einsteigen möchte, findet unter "Rhythm Edit" sogar die Möglichkeit vor, die Begleitrhythmen zu verändern. So lassen sich den einzelnen Parts andere Sounds zuweisen, oder man kann z.B. die Drums aus einem Style mit dem Basslauf aus einem anderen kombinieren. Auch das Mischungsverhältnis und die Effekteinstellungen lassen sich verändern. Diese für diese Klasse recht umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten erweitern das Potenzial des Arrangers zusätzlich.

Bedienung

Dank seiner übersichtlichen Struktur lässt sich das Privia PX-560M sehr einfach und intuitiv bedienen. Neben dem übersichtlichen Bedienfeld trägt auch das Touch-Display mit seiner ansprechenden Grafik dazu bei, dass man größtenteils ohne ein Handbuch auskommt. In Punkto Display möchte ich an dieser Stelle allerdings anmerken, dass der Touchscreen deutlich träger reagiert, als man es z.B. von heutigen Smartphones und Tablets gewohnt ist. Diese „Hänger“ haben nichts mit dem Druck zu tun, den man auf das Display ausübt – scheinbar ist es eher die Software, die gelegentlich einen Moment länger braucht, oder einen erneuten Druck. Andere Touch-Displays arbeiten hier inzwischen genauer und schneller. Das ginge also noch besser. Dennoch ist der Touchscreen eine große Hilfe dabei, die vielen Funktionen des Instruments im Blick zu haben und schnell darauf zuzugreifen.

MIDI- und Audiorecorder

Neben den bisher erwähnten Features verfügt das Casio Privia PX-560M auch über einen 17-spurigen MIDI-Recorder und einen Audio-Recorder. Für die MIDI-Daten besitzt das Piano einen eingebauten Speicher, die Audio-Daten (im WAV-Format) können allerdings nur auf einem externen USB-Stick gespeichert werden. Für eine Testaufnahme habe ich ein Stück mit Begleitautomatik aufgenommen, jedoch sind die Aufnahmen vom Pegel her recht leise. Das ist zwar nicht dramatisch, könnte aber noch optimiert werden. Allerdings ist mir beim Aufnehmen der Begleitrhythmen aufgefallen, dass auch die Rhythmen teilweise sehr unterschiedlich laut sind – manche Rhythmen aus der Elektro-Abteilung sind beispielsweise sehr basslastig und wirken viel lauter als die typischen Achtel-Rock-Styles. 

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