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Test
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28.06.2016

Casio MZ-X500 Test

Arranger Keyboard

Keyboard oder DJ-Pult?

Mit den Arranger-Keyboards der neuen MZ-X Serie wagt Casio einen neuen Angriff in der unteren Keyboard-Mittelklasse. Um die etablierte Konkurrenz von Yamaha, Korg und Co. das Fürchten zu lehren und vielleicht auch ein wenig, um das etwas angestaubte Image dieser Instrumentengattung abzuschütteln, hat der Hersteller den neuen Keyboards MZ-X500 und MZ-X300 einige Features mit auf den Weg gegeben, die man eher mit Loop-basierten Workstations wie Ableton Live verbinden würde. Die Keyboards wenden sich also ausdrücklich nicht nur an klassische Entertainer, sondern auch an die Sampling- und Loop-Fraktion. Das hier getestete Casio MZ-X500 ist das Flaggschiff dieser Produktreihe und ist mit knapp 1000€ ungefähr 200€ teurer als der kleine Bruder MZ-X300. Beide Instrumente besitzen eingebaute Lautsprecher, ein farbiges Touch-Display und eine Unmenge an Sounds und Styles.

Während Casio bei den Einsteiger-Keyboards seit Jahrzehnten eine feste Größe ist, hat der Hersteller in den höheren Spielklassen bisher nie so richtig den Fuß in die Tür bekommen. Die drei großen Marken Yamaha, Korg und Roland haben diesen Markt fest im Griff und verfügen über jahrzehntelange Erfahrung und riesige Bibliotheken mit Styles und Sounds. Also hat Casio bei der neuen MZ-X-Serie Features eingebaut, die aufhorchen lassen: Es gibt ein farbiges Touch-Display, eine Drawbar-Simulation, Sampling und nicht zuletzt viele anschlagdynamische Pads, die an die guten alten MPC-Hardware-Sequencer aus dem Hause Akai und an moderne Pad Controller erinnern. Dank der Hex-Layer-Klänge ist es theoretisch möglich, bis zu 24 Sounds übereinanderzulegen. In diesem Test nehmen wir das MZ-X500 unter die Lupe und wollen wissen, ob Casio mit dem neuen Keyboard eine interessante Alternative zu den etablierten Modellen der Konkurrenz gelungen ist.

Details

Aufbau

Das Casio MZ-X500 ist leicht! Mit 7,6 kg hebt man sich wirklich keinen Bruch. Das Keyboard ist auch recht kompakt in den Abmessungen. Das Gehäuse besteht komplett aus blauem Kunststoff, wobei die Lautsprecher in schwarz gehalten sind. Einige Bedienelemente des Frontpanels wie das Display und die 16 Pads sind mit einer glänzenden Kunststoffplatte in Blau Metallic unterlegt. Zusammen mit der ebenfalls blauen Beleuchtung der Pads und vieler Taster ergibt das ein auffälliges, selbstbewusstes Äußeres – man sieht dem Keyboard schon an, dass es nicht einfach die x-te Style-Schleuder sein möchte.

Das Bedienfeld mit den Lautsprechern ist angewinkelt, was der Ergonomie zugute kommt und dafür sorgt, dass die Lautsprecher wie Monitore in Richtung Ohren abstrahlen. Auf der Rückseite befinden sich die Bassreflex-Öffnungen der Speaker. Ein mitgelieferter Notenständer kann in einen Schlitz an der Oberkante des Bedienfeldes eingesteckt werden. Er ist allerdings sehr klein, wackelig und instabil und bietet bereits mittelschweren Notensammlungen keinen sicheren Halt.

Tastatur und Bedienfeld

Die 5-Oktaven-Klaviatur hat wie bei den kleineren Casio-Keyboards die Optik einer Klaviertastatur, ist allerdings auch hier nur leicht gewichtet. Die Tastatur empfinde ich als etwas gewöhnungsbedürftig, leider kommt sie recht schwammig daher und kann in meinen Augen nicht wirklich mit den Klaviaturen der Konkurrenz in dieser Preisklasse mithalten. Links davon sind Räder für Pitch Bend und Modulation angeordnet. Auch hier hätte Casio für meinen Geschmack etwas hochwertigere Bauteile einsetzen können.

Im linken Bereich des Bedienfelds sind neun kleine Schieberegler zu finden. Sie dienen zum Einen dazu, die integrierte Zugriegel-Simulation für Orgelsounds zu nutzen, zum Anderen kann mit diesen Reglern auch der Gesamtsound gemischt werden. Unterhalb des angewinkelten Bedienfeldes liegen alle Taster zur Steuerung der RHYTHMs, so nennt Casio die Styles des Arrangers. Daneben liegen die REGISTRATION-Taster zum Aufrufen und Abspeichern von Kompletteinstellungen des Keyboards. Rechts unterhalb des Lautsprechers findet man die Steuerung des MIDI- und Audio-Recorders sowie Tasten für TRANSPOSE, OCTAVE und FREEZE.

In der Mitte des schrägen Frontpanels befindet sich das farbige 5,3”-Touch-Display, über das sich alle Einstellungen des Keyboards vornehmen lassen. Darunter liegen drei Endlos-Drehregler, von denen die beiden rechten frei zuweisbar sind. Der linke Regler dient zur Parameter-Änderung und ist mit VALUE beschriftet. Man kann die im Display angewählten Parameter allerdings auch mit den beiden kleinen Tastern NO/- und YES/+ verstellen. Links vom Display liegt der Ein/Aus-Taster, darunter der Lautstärke-Regler und daneben viele kleine Taster zur direkten Anwahl der Klangfamilien bzw. Style-Kategorien. Die TONEs sind in acht Gruppen unterteilt, von PIANO bis VARIOUS. Bei den RHYTHMs kann man auch aus acht Bereichen auswählen, von POPS bis PIANO RHYTHMS. Eigentlich bräuchte man diese Auswahltaster kaum, denn die Auswahl lässt sich ja auch direkt über den Touchscreen vornehmen. Aber ein bisschen Redundanz hat ja noch nie geschadet.

Direkt links neben dem Display liegen Tasten zur Einstellung des Tempos und des Metronoms. Überaus wichtig sind die darunterliegenden Taster TONE und RHYTHM, denn damit kommt man jeweils in ein Menü, das wichtige Parameter enthält und in die tiefergehenden Untermenüs zur Editierung der Sounds und Styles führt. Rechts vom Display sind schließlich die 16 großen, randbeleuchteten, anschlagdynamischen Pads zu finden, mitsamt ein paar kleinen Tastern für ihre Konfiguration.

Anschlüsse

Die meisten Anschlüsse des MZ-X500 findet man auf der Rückseite. Da ist zunächst ein USB-to-Host-Anschluss, über den man MIDI-Daten mit einem Computer austauschen kann. Klassische Buchsen für MIDI In und Out findet man gleich daneben. Man kann zwei Pedale anschließen, die frei zuweisbar sind. Dabei kann Pedal 2 auch ein Expression-Pedal sein. Die Buchsen LINE IN R/L sowie MIC IN dienen dazu, externe Klangquellen bzw. ein Mikrofon anzuschließen und ggf. zu sampeln. Die Eingangsempfindlichkeit des Mikrofon-Eingangs ist mit einem kleinen Regler einstellbar. Diese Eingangssignale durchlaufen auch die Effektsektion des MZ-X500 und werden durch die eingebauten Lautsprecher wiedergegeben. Mit der eingebauten Sampling-Funktion können Audio-Signale aufgenommen, auf Pads gelegt, geloopt und in die Performance integriert werden. Neben dem Anschluss für das mitgelieferte 24V-Netzteil befindet sich ein weiterer Audio-Eingang AUDIO IN, der dazu dient, Musik von einem Smartphone oder MP3-Player einzuspeisen und dazu zu spielen. Auch hier ist die Eingangsempfindlichkeit mit einem kleinen Poti regelbar. Dieses Signal wird unverändert dem Ausgangssignal zugemischt.

Dieses Ausgangssignal ist durch die eingebauten Lautsprecher zu hören, kann aber auch durch die Ausgänge LINE OUT L/R ausgegeben und verstärkt werden. Einen Kopfhörer kann man praktischerweise auf der Vorderseite des Keyboards anschließen. Weniger sinnvoll ist die USB-Device-Buchse positioniert: Sie befindet sich völlig ungeschützt an der rechten Seite des Gehäuses. Im Livebetrieb könnte ein hier angeschlossener USB-Stick leicht abgebrochen werden. Über diesen USB-Port werden Daten eingeladen und archiviert, außerdem können Audio-Aufnahmen im WAV-Format direkt auf dem USB-Stick durchgeführt werden.

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