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27.12.2017

Buchbesprechung: Klaus Ruple - Sonor in Weißenfels 1875-1950

Die Vintage Drum Szene findet, vor allem angesichts der fernöstlichen Massenproduktion der heutigen Zeit, immer mehr Anhänger. Über die großen Traditionshersteller aus den USA wie zum Beispiel Ludwig und Gretsch kann man in diversen Büchern alles nachlesen und recherchieren, was man schon immer wissen wollte. Wer sich aber näher mit der Geschichte des größten und wichtigsten deutschen Trommelherstellers beschäftigen wollte, guckte bislang in die Röhre. Wie schön, dass es Enthusiasten wie Klaus Ruple gibt, der, seit er in den 1980er Jahren sein erstes gebrauchtes Sonor Phonic Set erstanden hat, vom Sonor-Virus befallen ist und vor einigen Jahren beschloss, Nägel mit Köpfen zu machen. 

Fünf Jahre und 5000 Arbeitsstunden später ist es vollbracht: „Sonor in Weissenfels“ beleuchtet in chronologischer Folge die Geschichte des seinerzeit in Sachsen-Anhalt ansässigen Familienbetriebes von der Gründung durch Johannes Link im Jahr 1875 bis in die 1950er Jahre, als in Bad Berleburg nach dem Tod von Otto Link die „Horst Link Ära“ begann. Klar, dass so etwas ohne Hilfe von Fachleuten und Zeitzeugen kaum möglich ist, und so standen Klaus Ruple 40 Mitstreiter mit Rat und Tat zur Seite und haben damit einen wichtigen Teil zur Vollendung des reichhaltig bebilderten, 244-seitigen, zweisprachig verfassten Werkes beigetragen. 

Das hochwertig eingebundene Buch wird eröffnet mit einer Zeittafel, beginnend mit der Geburt des Drechslers Johannes Link im Jahr 1847 und endend mit dem Tod seines Sohns Otto Link, der die Firma, die im Jahr 1900 bereits 50 Mitarbeiter beschäftigte und bis 1907 „Erste Trommelfabrik Weissenfels Johs. Link“ hieß, 1914 vom Vater übernahm. Nach einem kurzen Vorwort des heutigen Sonor Managements folgt eine persönliche Geschichte, in der Klaus Ruple die Entstehung einer seiner ältesten Marschtrommeln rekonstruiert.

Die folgenden Kapitel erzählen in deutscher und englischer Sprache die mittlerweile mehr als 140-jährige Firmen- und Familiengeschichte, wobei es mit 450 Fotos auch reichlich Anschauungsmaterial gibt. Auf vielen der historischen Fotos sind Dokumente, Firmengebäude, Belegschaft, Maschinen und Arbeitsprozesse zu sehen, aber auch Abbildungen aus alten Katalogen oder Instrumente aus Klaus Ruples umfangreicher Sammlung sind zu bestaunen. Hier kommen also nicht nur die geschichtlich Interessierten, sondern auch die Gear Nerds auf ihre Kosten. Neben den schwierigen Kriegsjahren sind vor allem die persönlichen Lebensgeschichten der Protagonisten lesenswert, gerade weil man quasi nebenbei auch vieles über die jeweiligen politischen Gegebenheiten sowie die gesellschaftlichen Verhältnisse erfährt. 

Instrumentenkundler können sich darüber freuen, dass man in den ersten zwei Dritteln des Buches, die die Zeit in Weissenfels überspannen, im Prinzip die gesamte Entwicklung des Trommelbaus nachvollziehen kann. Aber auch wirklich Spannendes ist zu lesen, so zum Beispiel die geschickt vorbereitete Neueröffnung der Firma in Westdeutschland sowie die damit einhergehende Flucht der Familie Link im Jahr 1950 kurz nach der Errichtung der innerdeutschen Grenze, die sich ein Krimiregisseur kaum origineller hätte ausdenken können. Den ersten fünf Jahren in Bad Berleburg, dem Ort, an dem die Firma Sonor noch heute residiert, widmet das Buch immerhin noch 35 Seiten, womit der zeitliche Rahmen genau genommen die Jahre 1875 bis 1955 umspannt. Die Übernahme durch Horst Link, den die meisten heutzutage mit dem Firmennamen Sonor in Verbindung bringen, beschließt den geschichtlichen Abriss. 

Nach einer hübsch bebilderten aktuellen Endorser-Liste folgt mit dem Kapitel „Lost Places“ ein weiterer sehr interessanter Abschnitt. Hier wird in Text und beeindruckenden Bildern der Wandel der ehemaligen Firmengebäude an zwei Standorten im Laufe der vielen Jahrzehnte dokumentiert. Dabei kommen auch weitere Firmennamen, die den meisten Vintage Drum Fans geläufig sein dürften, ins Spiel, so zum Beispiel Tacton und Trowa, deren Trommeln nach Sonors Umzug nach Bad Berleburg im ehemaligen Werk in Weissenfels gebaut wurden. Die letzten Instrumente wurden dort im Jahr 1991 hergestellt. Das Buch schließt ab mit einem kurzen geschichtlichen Abriss über die Kleine und die Große Trommel, einer Bildstrecke vom Sonor-Museum und Klaus Ruples persönlicher Sammlung sowie einem Nachwort des Autors.

Die Arbeit, die Klaus Ruple in dieses Projekt investiert hat, hat sich definitiv gelohnt, denn ohne seine Recherchen hätte diese faszinierende Firmen- und Familiengeschichte wohl weiterhin nur sehr bruchstückhaft existiert. Allen, die sich für Vintage Drums interessieren, sei das Buch hiermit wärmstens empfohlen.

Das Buch "Sonor in Weißenfels" hat 244 Seiten und ist im ARPS-VERLAG Weißenfels erhältlich.

Die zweisprachige, gebundene Ausgabe (in deutsch und englisch) enthält über 450 Fotos und Dokumente. Das Buch kostet 28 Euro und ist unter der ISBN-Nr. 978-3-936341-30-0 bestellbar.

Link: http://www.sonor-vintage-weissenfels.net

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