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Test
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15.02.2019

BluGuitar AMP1 Mercury Edition & Twincab 2 x 12 Cabinet Test

Nanotube Verstärker-Topteil für E-Gitarre

Großer Sound aus kleiner Röhre

Mit dem neuen AMP1 Mercury Edition verspricht Thomas Blug, Chef und Mastermind der Firma BluGuitar, noch mehr Flexibilität und Vielseitigkeit als beim Vorgänger AMP1. Dank seiner langjährigen Studio- und Live-Erfahrung schöpft der versierte Gitarrist aus einem reichhaltigen Wissensfundus, und so entstanden in den letzten Jahren eine Reihe hochprofessioneller Tools für ambitionierte Saitenakrobaten.

Nach dem großen Erfolg des Amp 1 war es an der Zeit, ein Update auf den Markt zu bringen. Was sich mit der Mercury Edition geändert hat und mit welchen Features die überarbeitete Version im Vergleich zum Vorgänger aufwarten kann, sagt euch unser Test. Zusammen mit ihr haben wir uns das Twincab 2 x12 Cabinet angeschaut und angehört, das als universelle Lautsprecherbox nicht nur für den AMP1, sondern auch für klassische 100-Watt-Topteile und Lunchtops angepriesen wird.

Details

Konzept Amp 1 Mercury Edition

Der Aufbau des Amp1 Mercury Edition ist mit dem seines Vorgängers, dem Amp1, auf der ersten Blick identisch. Auch hier hat man es mit einem vierkanaligen und bis auf die Endstufe vollanalogen Gitarrenverstärker zu tun, der eine Leistung von 100 Watt bringt. Somit ist der Amp ein ernstzunehmender Sparringspartner für die Bühne und den Studioeinsatz. Mit an Bord ist neben einem seriell/parallel umschaltbaren Einschleifweg ein eingebauter Digitalhall, der dem Sound bei Bedarf eine gewisse Tiefe verleiht. Der Clou an der Sache ist nicht nur das geringe Gewicht von gerade einmal 1200 Gramm, sondern auch seine winzigen Abmessungen, mit denen der Amp1 locker in jedes Gigbag passt.

Was ist anders?

Die Mercury Edition wurde klanglich komplett überarbeitet, wobei die Unterschiede zum Ur-Modell teilweise subtil und teilweise drastisch ausgefallen sind. Grund für das Update ist nicht nur eine reine Marktstrategie, sondern eine weitere Annäherung an das Klangverhalten legendärer Röhrenboliden. Thomas Blug hat neben seinen eigenen Erfahrungen, die er bei seinen zahlreichen Auftritten mit dem Amp1 gesammelt hat, auch das Feedback der User mit in die Änderungen einfließen lassen. Besser geht's nicht. Überarbeitet wurden im Grunde alle Kanäle inklusive der Endstufenschaltung, um den Sound moderner und vielseitiger zu gestalten. Der cleane Bereich bietet nun einen leicht erweiterten Klangumfang, angefangen bei Fender Princeton/Super Reverb-Sounds bis hin zu Vox AC 30-artigen Klängen. Die Zerrstruktur ist etwas straffer und moderner, ohne den Vintage-Charakter zu verleugnen, und der High-Gain-Kanal zeigt sich tighter und offensiver, was besonders die Metallarbeiter erfreuen dürfte. So tendiert der Modern Kanal nun etwas mehr in Richtung Engel. In der Endstufe wurde die Gegenkopplung der Endstufe modifiziert, um der Wechselwirkung eines Röhrenamps mit dem Gitarrenspeaker noch näherzukommen. Dadurch "atmet" der Ton beim Mercury etwas mehr, als es beim Vorgängermodell der Fall war. Auch den Hall hat man einer Frischzellenkur unterzogen, der jetzt etwas tiefer klingt als in der Vorgängerversion. Auch wenn diese Aufzählung sehr umfangreich ausfällt, hat man es hier nicht mit einem völlig anderen Amp zu tun, sondern mit einer dezent aufgebohrten Version des Urmodells.

Aufbau

Zwar sieht der Amp1 Mercury Edition aus der Ferne wie ein aufwändiger Verzerrer aus, aber der Vergleich hinkt, denn außer der eingebauten Endstufe gibt es weitaus mehr Features, die ihn von einem gewöhnlichen Pedal absetzen. Der Amp1 besitzt drei Fußtaster, mit denen man je nach Betriebsart drei Presets oder die Funktionen Clean, Overdrive und Boost einzeln anwählen kann. Oberhalb der Fußtaster befinden sich die grundlegenden Regler des Pedalamps, die im Grunde dem Bedienpaneel eines Röhrenverstärkers entsprechen. Für den cleanen Kanal ist hier ein separater Volume-Regler verantwortlich. Die Overdrive-Kanäle teilen sich nicht nur den Gain- und Masterregler, sondern auch die Dreibandklangregelung, bestehend aus Bass, Middle und Treble sowie den Reverb-Regler. Da die Positionen der Potis nicht abspeicherbar sind, muss man sich mit dem Amp ausgiebig beschäftigen, bevor es in den Proberaum oder auf die Bühne geht. Hier einen guten Kompromiss zu finden ist aber völlig unproblematisch, da die Kanäle gut aufeinander abgestimmt sind. Mit einem dreistufigen Drehschalter kann man im Overdrivebereich zwischen drei unterschiedlichen Zerrcharakteristiken wählen. Zur Auswahl stehen Vintage, Classic und Modern. Der Master-Regler ist für die Ausgangslautstärke zuständig. Unter dem mittig gelegenen Sichtfenster sieht man die Nanotube, die teilweise für das Klangverhalten der Endstufe zuständig ist.

Weitere Eingriffsmöglichkeiten

An der linken Gehäuseseite befinden sich weitere Trimmpotis und Miniswitches, mit denen sich der Sound detailliert feintunen lässt.

Beginnen wir mit dem eingebauten Noisegate, das sich in zwei Stärken aktivieren lässt. Als Nichtmetaller wird man hier mit der ersten Stufe vorliebnehmen müssen, denn schaltet man in die zweite Stufe, werden leider auch Hall- oder Echofahne abgeschnitten, wenn sich das Gate schließt. Mit einem weiteren Schalter kann man den Einschleifweg von seriell auf parallel umschalten. Es bleiben insgesamt sechs Trimmpotis, die teilweise fummelig zu erreichen sind. Aber gut - einmal eingestellt wird man hier in der Regel auch nur noch selten eingreifen. Mit ihnen lässt sich unter anderem die Stärke des Boosters voreinstellen. Bis auf den Vintage-Kanal kann man die Klangstruktur der unterschiedlichen Abteilungen mithilfe eines sogenannten Tone-Reglers feintunen. Neben unterschiedlichen Soundvorstellungen ist so auch die Anpassung verschiedener Gitarrentypen auf den persönlichen Soundgeschmack möglich.

Die Anschlüsse

An der Stirnseite befinden sich sämtlich Anschlüsse des Pedalamps. Neben dem Gitarreneingang liegt der Einschleifweg in Form zweier Klinkenbuchsen. Ein Recording-Ausgang dient als Kopfhöreranschluss oder zur Weiterleitung des Ampsignals zu PA oder Studiomischpult. Von den beiden Lautsprecherausgängen sollte immer nur einer verwendet werden, wobei die korrekte Ohmzahl äußerst wichtig ist, damit die Endstufe keinen Schaden nimmt. Die MIDI/Remote-Buchse liegt hier als Stereo-Klinkenbuchse vor. Mit einem optional erhältlichen Adapter verwandelt sie sich in eine MIDI-In-Buchse. Außerdem lässt sich hier die optional erhältliche Remote-Einheit anschließen, was die Programmiermöglichkeiten des Amps um ein Vielfaches erweitert. Bei Bedarf verrichten hier aber auch Einfach- oder Zweifach-Fußschalter ihren Dienst, wobei das Gerät automatisch erkennt, welche Art von Schalter oder MIDI-Controller angeschlossen ist. Neben dem kleinen On/Off-Schalter befindet sich die Schukobuchse, während eine benachbarte runde Öffnung mit integriertem Lüfter der Kühlung des Pedals dient.

Twincab

Die handliche und mit 18,7 kg angenehm zu transportierende 2 x 12 Gitarrenbox passt zum Amp1 Mercury Edition wie die Faust aufs Auge. Dank des Dual Ports mit zwei Bassreflexöffnungen klingt sie fetter als viele herkömmliche Boxen mit gleicher Bestückung und erzeugt ein beachtliches Fundament. Allerdings sollte man bei der Mikrofonabnahme bedenken, dass die Bassanteile der Bassreflexöffnungen beim Close-miking nicht mit eingefangen werden. Auch die inneren Werte sind nicht von schlechten Eltern, denn die Box bietet entweder 1 x 120 Watt oder 2 x 60 Watt, je nachdem, welche Buchsen man verwendet. Die Speaker wurden auf die mit schwarzem Tolex überzogene Birke-Multiplex-Gehäusekonstruktion abgestimmt. Das Ergebnis ist ein runder, ausgeglichener Sound, der nicht nur das Ausgangssignal des Amp1 gut in Szene setzen kann.

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