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8
22.11.2017

10 Bühnenaufbauten, die in die Geschichte eingingen

Grateful Dead, Pink Floyd, Live Aid, Jarre, Turner und Stones ...

Auf die Mütze!

Seit einiger Zeit kursieren Bilder zu großen Bühnenaufbauten und Soundsystems im Internet und eines davon kommt immer wieder vor: Die Grateful Dead Bühne aus den 60er Jahren, über und über bestückt mit JBL-Lautsprechern. Man dachte sich wohl seinerzeit: Mehr ist mehr - auch im Angesicht des spektakulärem Scheiterns der PA bei Woodstock, was dem Festival und seinem späten Glanz keinen Abbruch tat.

Tatsache bleibt dennoch, dass das Woodstock Festival für die Masse an Menschen einfach „underequipped“ war. Man rechnete aber auch nicht mit diesem Andrang. Aus den Erfahrungen des Scheiterns vergangener Konzerte und Festivals wurden die Veranstalter schlauer und die Organisation der Bühnenaufbauten entwickelte sich zu einer mächtigen Industrie...

Pink Floyd

... machten Stadionrock erst zu dem, was es heute ist und selbst aktuelle Veranstaltungen bedienen sich manchmal an dem, was Syd Barrett, Roger Waters und Konsorten schon damals vorwegnahmen. Von aufblasbaren Schweinen, die über die Dächer der Arenen ins Auditorium lugten, über gigantische Spiegelkugeln, die mit Lasern angestrahlt worden sind, bis hin zum infernalem Lärm, den die Band über ihre ausgeklügelte PA-Wände mit den Kleinstadt verbrauchsverdächtigen Wattzahlen jagte.

1994 brauchte die Band für ihren quadrofonischen PA-Aufbau 300 Lautsprecher und blies 300.000 Watt durch die Stadien. Das Licht und die Laser genehmigten sich 800.000 Watt, aber das nur am Rande. Die Quadrofonie ist eine Leidenschaft Pink Floyds, der sie schon 1972 bei ihrem „Live at Pompeji“ Konzert frönten, mit einem eigens dafür gebauten Allen & Heath Pult und Alan Parsons dahinter. Heute ist PA-mäßig von dem Quadrofonie-Gedanken die Vierpunkt-Anlage übrig geblieben und die logische Weiterentwicklung des Dolby Surround-Format für die Kinos und Heimanlagen.

LIVE AID

... profitierte von den enormen Stadienbemühungen seitens Bands wie Pink Floyd. 1985 trafen alle Musiker, die Rang und Namen hatten, unter anderem im Wembley Stadion ein. Auf den Videos dieser Zeit sieht man prima die Mixing Booth unter einem Zelt (könnte ja Regnen, siehe Woodstock) und auf der Bühne stehen Monitorboxen, mit denen man jede reguläre Disco dieser Zeit in Schutt und Asche hätte legen können. Der Sound kam frontal von der Bühne und muss in unmittelbarer Nähe einen ohrenbetäubenden Lärm erzeugt haben. Die letzten Reihen hatten dagegen wohl einen etwas matschigeren Sound. Aber so ist das nun mal in einem solchen Stadionrund, wenn man alles von der Front macht.

Loveparade

Ja, es ist keine handgemachte Musik, aber ein Event, das wirklich Massen bewegt hat. Einige Berliner wollen ihre Love Parade zurück. Warum das so ist, beweist diese kleine Compilation.

Tina Turner

... feierte 1988 einen Riesenerfolg mit einem bis dahin unvergleichlichen Konzert für einen Solo-Artist. Ihr Konzert in Rio brach 1988 alle Rekorde. Eine Bühne hob Tina per Hydraulik an und simulierte eine „fliegende Künstlerin“ - ein Effekt der später noch von einigen perfektioniert wurde. Es gab viel Nebel, jede Menge ausgelassene Tänzer und eine Tina Turner auf ihrem Höhepunkt mit einem aberwitzigen Wechsel an Bühnen-Outfits. Leder musste immer mit dabei sein!

Rammstein

Leni Riefenstahl hätte eine Träne im Knopfloch, wenn sie die Jungs um Till Lindemann auf der Berliner Waldbühne live erlebt hätte. In unserem Fall haben wir das Bråvalla Festival ausgewählt, auch wenn es 2018 leider nicht mehr stattfinden wird. Trotzdem gilt dieses Video hier exemplarisch für alle großen Stadien ihrer 2016er und 2017er Tour, die schlicht gigantisch sind. Bei so viel Pyrotechnik, Ideen und Gimmicks kommen andere Bands schonmal ins Schwitzen. Da sind wir mal auf die nächsten Konzerte gespannt und freuen uns auf den Besuch.

Jean Michel Jarre

... setzte dem 1990 die Veranstaltungskrone auf, denn er war einer der ersten, der Gebäude einer Stadt für seine massive Bühnenshow einkleiden und lichtmäßig einbinden ließ. Das Defense Konzert in Paris 1990 ist eine opulente und dekadente Show mit einem Auditorium vom Arc De Triomphe bis an die Seine. Von Lichtinstallationen auf Gebäuden und dem Triumphbogen, über gigantische Puppen, Lasershow und Tanzeinlagen, bis hin zum obligatorischen Feuerwerk gab es nichts, was seine ausufernden Synthie-Instrumentals nicht verziert hätten. Ein elektronisches Instrumental Konzert der Sonderklasse… „pompös“ ist eben eine Erfindung aus Frankreich.

Elton John

Wenn wir schon David Bowie im Sortiment haben, dann dürfen wir Elton John mit seiner 75er USA-Tour nicht vergessen. Ein Pianist, der ein komplettes Baseball-Stadion vollmacht, war zuvor auch noch nicht oft gesehen. Vor allem, wo er doch aus Großbritannien kam. Kein Wunder bei den Brillen und den Schuhen ;)

Rolling Stones

... hatten ja bereits mit der Steel Wheels Tour Tina Turner den Rang der bestverkauftesten Tour und des bestbesuchten Konzertes 1989 streitig gemacht, aber 2013 kamen die Jungs, die als absolute Tour Veteranen wirklich schon alles bespielt hatten, noch auf folgende Idee: Umsonst und draußen.

So gaben sie im Hyde Park ein Gratis-Konzert und spielten vor einer Viertelmillion Menschen. Sicherlich gibt es Konzerte mit noch mehr Zuschauern und Zuhörern und vergessen wir nicht die Teilnehmer an ihren Rundfunk- und Fernsehgeräten, die live dazu geschaltet sind. Aber wenn ihr euch mal das Video von diesem Ereignis anschaut, gibt es kaum ein Konzert mit noch mehr Magie, als dieser zauberhafte Sommerabend mit 250.000 begeisterten Fans in einem toll ausgeleuchteten Hyde Park und einer Band, die es einfach kann. Beeindruckend auch: Die Beschallungsanlage. Das Konzert war eine Neuauflage des Events von 1969, welches dann zu einer Art Gedenkkonzert für den zwei Tage zuvor verstorbenen Brian Jones deklariert wurde.

David Bowie

Bei den „Stadionknallern der 70er“ darf auch David Bowie mit seiner Diamond Dogs Tour 1974 nicht fehlen. Viele Gimmicks auf der Stage waren dem smarten Briten eine Pflicht, denn das große Publikum vor der Bühne sollte gut unterhalten sein. Auf heutige Zeiten umgerechnet hat jedes Bühnenset 1.34 Millionen Dollar gekostet. Musikpersonal auf den Brettern bis zum Abwinken und über 70 Shows in drei Etappen. Andere hätten danach die Rente eingereicht…

Nennenswert ...

2004 feierte Trevor Horn sich selbst mit einem sagenhaften Konzert im Rahmen des Prince s Trust in der neuen Wembley Arena. Dieses Konzert umfasst sein Schaffen der vorangegangenen 25 Jahre und ist eine logistische Meisterleistung, was die zu nutzenden Mischpultkanäle und den Sound anbelangt. Beinahe nahtlos treten mit ihren jeweiligen Band Mitgliedern auf:

Buggles, Dollar, Grace Jones, ABC, Art of Noise, Propaganda, Yes, Pet Shop Boys, Lisa Stansfield, Tatu, Seal und Frankie goes to Hollywood.

Zusätzlich gibt es ein Streicherorchester, ein Blasorchester, vier Percussionisten, zwei Drummer, 2-4 Keyboarder und einen achtköpfigen gemischten Background-Chor plus Harfe. Ich schaue mir das Video zu diesem Konzert regelmäßig an und kann es allen nur weiterempfehlen.

In eigener Sache

„Arsch huh und zäng usseinander“ war damals unter dem Dom eine sehr beachtliche Veranstaltung mit vielen engagierten Menschen und einer Nachricht, dass Deutschland eben nicht nur aus Rassenhass und Ressentiments besteht. 2012 gab es auch hier eine tolle Neuauflage direkt an der Deutzer Brücke am Rhein. Ein tolles Fest mit tollen Musikern und einem Wilfried Schmickler in Hochform.

Eure Meinung

Soweit meine Tipps, nun seit ihr an der Reihe. Teilt uns gern über die Kommentarfunktion mit, was eurer Meinung nach auf jeden Fall noch in diese Liste gehört. Und werft bei der Gelegenheit doch mal einen Blick auf diese 5 verrückten Speaker-Designs. Es lohnt sich. 

Euer Axel Erbstößer (Autor PA)

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