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24.10.2017

Bericht von der Drumsite 2017 im Docks/Hamburg 22.10.2017

Drum Event im hohen Norden

Die Macher des STICKS Schlagzeug-Magazins haben mit der Drumsite 2017 eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen, die sich als eine Mischung aus Messe und Drum-Festival präsentiert. Am 22. Oktober, einem typisch verregneten Hamburger Sonntagnachmittag, fanden sich im Live-Club DOCKS an der Reeperbahn Schlagzeugbegeisterte von jung bis alt ein, um den Performances der eingeladenen Drummer zu lauschen, sich über Produktneuheiten der Aussteller zu informieren, Instrumente zu testen oder Gleichgesinnte zu treffen. 

Von den Großen waren DW, Yamaha, Ludwig, Gretsch und Meinl anwesend, und auch der deutsche Drumstick-Hersteller Rohema und die Hamburg School Of Music waren mit Ständen vertreten. Nachdem STICKS-Chefredakteur Axel Mikolajczak das Publikum begrüßt hatte, wurde der Nachmittag eröffnet von Tobias Mertens, bis vor kurzem Drummer der Hamburger Dark Rock Band Lord Of The Lost, der einige Songs zum Playback trommelte und auch ein Solo zum Besten gab, bei dem er sein Power Drumming eindrucksvoll demonstrieren konnte. 

Nach einer kurzen Pause, die erfüllt war von der Geräuschkulisse, die entsteht, wenn zehn Drummer gleichzeitig zehn unterschiedliche Grooves in die Felle der Aussteller-Sets dreschen, ging es weiter mit Kallas, dem wohl bekanntesten unbekannten Drummer Deutschlands. Der sympathische bärtige Mann trommelte in den letzten Jahren bei allem, was hierzulande Rang und Namen hat: Clueso, Mark Forster, Sarah Connor, Sarah Brightman, um nur einige zu nennen. 2500 Songs hat er bislang mit seinem geschmackvollen, stets songdienlichen Drumming veredelt. Statt einer "Höher-schneller-weiter"-Performance spielte Kallas - der laut eigener Aussage übrigens das erste Mal alleine vor Drummern gespielt hat - ausgewählte Grooves aus seinem Repertoire und erzählte nebenbei viel Wissenswertes zu den Themen Studio Recording, Drum Tuning, Dynamik usw.. 

Nächster Programmpunkt war Chris Heiny, seines Zeichens Drummer bei Bosse und der Blue Man Group. Trotz technischer Schwierigkeiten mit seinen Playbacks ließ sich Chris nicht aus der Ruhe bringen und erklärte und demonstrierte zahlreiche Bosse-Grooves, wobei sein besonderes Faible für kraftvolle Tribal Grooves deutlich wurde. 

Die Umbaupausen waren dank fünf verschiedener Podeste, auf denen alle Sets von Anfang an spielbereit aufgebaut standen, erfreulich kurz. Hier machte sich die langjährige Drumtech-Erfahrung des STICKS-Mitbegründers Ralf Mikolajczak, der an diesem Tag für die Bühnentechnik verantwortlich war, bezahlt.

Und so konnte schon bald danach Felix Lehrmann, für viele eines der Highlights der Veranstaltung, einige Kostproben seines technisch unglaublich versierten Spiels geben. Der Linkshänder, der am Abend zuvor seinen Geburtstag gefeiert hatte, kann eine lange Credits-Liste mit so unterschiedlichen Künstlern wie Sarah Connor, Samy Deluxe, DJ Ötzi und Megaloh vorweisen. So richtig austoben kann er sich bei seinem Fusion-lastigen Solo-Projekt, aus dessen Repertoire er einen Track beisteuerte. Darüber hinaus begeisterte er das Publikum mit mehreren ebenso energetischen wie facettenreichen Soli. 

Den glorreichen Schlusspunkt setzte der Hamburger Ausnahmedrummer Benny Greb, dessen Auftritt trotz später Stunde auch vom zahlreich vertretenen Trommlernachwuchs aufmerksam beäugt wurde. Auf seine unnachahmlich charmante Weise führte Benny souverän durchs Programm, spielte, solierte, brillierte und beantwortete auf der Bühne Fragen und zauberte den Anwesenden durch seine unterhaltsame, ideenreiche und im Höchstmaß musikalische Spielweise ein Lächeln ins Gesicht. Anschließend stellte er sich am Meinl-Stand noch für weitere Publikumsfragen zur Verfügung und sorgte so für einen runden Abschluss des ereignisreichen Tages.

Aus Publikumssicht war der Drumsite mit Sicherheit ein Erfolg, allerdings hatte ich den Eindruck, dass, trotz prominenter Besetzung, viele Leute von diesem Event nichts mitbekommen hatten, was sich dann auch in der recht mageren Zuschauerzahl widerspiegelte. Bleibt also nur zu wünschen, dass die Veranstalter zukünftig mehr Interessierte mobilisieren können. Für Hamburg wäre es eine echte Bereicherung.

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