Hersteller_Behringer Gear_DJ-Controller
Test
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29.07.2013

Praxis

Der Test erfolgt unter Verwendung eines MacBook 2,23 GHz Core2Duo mit 4 GB RAM. Wie so oft kommt der Mac ohne Audio-Treiber aus. Für Windows-Nutzer steht auf der Herstellerwebsite ein Treiberpaket bereit. Dort könnt ihr auch die Konfigurationsdatei für Traktor kostenlos runterladen. Ferner gilt es, ein Benutzerkonto auf der Website von Image-Line anzulegen, die Seriennummer zu registrieren und die Software, ebenfalls im Download verfügbar, mittels eines Reg-Files freizuschalten. Hört sich kompliziert an, ist es aber nicht. Fraglich ist nur, warum hier derart viele Angaben statt einfach nur die E-Mail Adresse nötig sind, wenn doch die Software ohnehin bereits legal erworben wurde und eine individuelle Seriennummer im Paket liegt.

Nun möchte ich gleich einmal anmerken, dass ich an die Cinch-Ausgänge des CMD weder meine Studio-PA (symmetrische Eingänge) noch die DJ-Monitore von Pioneer (XLR, Klinke, Digital, aber kein Cinch) anklemmen kann. Nachdem ich also den Master Output an meine beiden Desktop-Boxen angeklemmt, den Controller via USB an den Mac angeschlossen und über das Stecker-Netzteil mit Strom versorgt habe, signalisiert er mir seine Betriebsbereitschaft durch Aufleuchten sämtlicher Tasten. Als Kopfhörer verwende ich einen Audio-Technica ATH-700 MK2 (Test hier)

Nun gut, ich starte Deckadance und mache es per Controller-Scan (in den Preferences zu finden) mit dem Testgerät bekannt, woraufhin einige der Tasten einen anderen Farbzustand entsprechend dem Softwarestatus annehmen (Play, Load …). Mit dem Browse-Encoder, der mit seinen Tasten-Gefährten (zurück, vor, enter) interessanterweise links oben sitzt und keine Button-Funktion innehat, hangele ich mich durch die Library und Playlisten. Das geht schnell in Fleisch und Blut über. Zum Befüllen eines Decks verwende ich die beiden „Load“-Tasten, die nicht am Browser-Encoder, sondern über den Kanalzügen zu finden sind. Das Preview-Deck zum Vorhören eines Titels, bevor er in den Hauptplayer wandert, ist zwar nutzbar, aber nicht über die Hardware anzusprechen. Hier hätte eine einfache Button-Funktion im Encoder Wunder wirken können. Ein Tastenhieb auf „Play“ startet den Titel. Die Hauptlautstärke stelle ich mit dem Master-Regler ein, der links oben sitzt. Es gibt zwar einen zweiten Ausgang, der ist aber nicht getrennt regelbar. Der zweite Master wird ebenfalls über „Main“ dirigiert.

Ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl eines MIDI-Controllers mit Interface ist selbstverständlich der Klang der Audioschnittstelle. Im Inneren des Boliden verrichten DA-Konverter mit 16 Bit und 44,1 kHz ihren Dienst. Der Sound ist ausgewogen. Zum Kopfhörerausgang ist anzumerken, dass er nicht nur sehr detailreich klingt, sondern auch dann noch verzerrungsfrei arbeitet, wenn ich ihn voll aufreiße. Der Ausgabepegel geht in Ordnung, jedoch ist er in meinen Augen zu leise für richtig laute Club-Umgebungen oder einen wummernden Techno-Keller. Für Partys mit weniger intensivem Schalldruck sehe ich keine Probleme. Und nicht vergessen: Der gesamte Controller kostet weniger als manches Audiointerface.

Beleuchtungskonzept

Auch wenn analoge Gralshüter mit zunehmender Farbvielfalt und Beleuchtung die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wobei nicht selten Begrifflichkeiten wie Christbaum-Look, Bonbon- oder Kirmes-Optik durch den Raum huschen, bin ich der Meinung: Ein DJ-Controller ohne visuell unterstützende LED-Beleuchtung ist wie ein Auto ohne Fahrraumanzeigen – es sagt doch auch keiner, dass ihm die Tankleuchte oder der Kühlwasseranzeiger auf den Nerv gehen, oder? Die einhergehende – gerade in dunkelsten Spelunken zu später Stunde – visuelle Effizienz im Workflow durch Präsenz der kompromittierten LED-Lämpchen macht in Zeiten von Multideck-Artistik mit gelayerten Sample-, FX- und Cuepoint-Brigaden wirklich Sinn. Nur der riesige neonrosa Cue-Button trifft farblich nicht meinen persönlichen Geschmacksnerv.

Workflow

Gut, der Track ist im Deck und der nächste wartet schon auf das Ende der on-the-fly Analyse (zwischen sieben und neun Sekunden), woraufhin er, so der Beatcounter erfolgreich gescannt hat, mit der Sync-Taste zum ersten Song synchronisiert werden kann. Einsteigern werden die Taktmarkierungen der Wellenformanzeigen beim Abwerfen einer Kickdrum oder beim Matchen sicherlich hilfreich sein, durchaus auch das vertikale Scratchpanel. Aufgefallen ist mir: Läuft ein Track und es kommen drei neu zu analysierende Titel auf einen Schlag dazu, dann hinkt die grafische Wellenform des abspielenden Titels schon mal kurz hinterher und ganz vereinzelt kam es auch mal zu einem Audioaussetzer. Da dies aber kaum zu den normalen Gepflogenheiten gehört, weil man doch eher die gesamte Musikbibliothek im Vorfeld analysieren würde, will ich dies nicht wirklich bemäkeln, damit haben andere Programme auch zu kämpfen. Was ich jedoch kritisieren muss, ist, dass die Analyze-Funktion aktuell noch nicht genutzt werden kann, da sie glattweg inaktiv ist.

Einmal analysierte Daten fasst Deckadance in seiner Collection zusammen. Die BPM-Auswertung meiner Beatport-Testcrate deckt sich fast ausnahmslos mit dem tatsächlichen Tempo, sodass ich mit der automatischen Synchronisation und partiellem Nachjustieren mit den Handrädern schnell ans Ziel komme. Ohnehin würde auch das manuelle Beatmatchen mit Pitch-Fader, Pitchbend-Tastern oder eben den Jogdials gut von der Hand gehen, gäbe es da nicht einen Bug bei den Flachbahnreglern, auf den ich an dieser Stelle am Beispiel der Channel-Fader zu sprechen kommen möchte.  

Zwar reagiert die Software adäquat auf Fade-Vorgänge mit den Channel-Fadern, wenn ich jedoch mit hoher Geschwindigkeit zum Beispiel die Bassdrum im Takt einpunche, treten Kommunikationsprobleme auf, denn der Fader in Deckadance bleibt mitunter oben oder unten, obwohl er an der Hardware die entgegengesetzte Position einnimmt. Ein Audiobeispiel folgt am Ende des Absatzes. Leider hat auch der Pitch-Fader mit diesem Problem zu kämpfen.  

Grundsätzlich arbeitet der Pitch-Fader bei den von mir in den Preferences voreingestellten plusminus acht Prozent (von Haus aus sind es 16) mit einer Auflösung von zwei Hundertsteln auf seiner Wegstrecke. Der unsensible Bereich an den Nord- und Südenden liegt bei etwa einer Skaleneinteilung, was einen effektiven Regelweg von knapp 90 Millimetern ausmacht. Im Pausenmodus beschleunigen die Pitchbend-Taster im Übrigen stärker, solange sie gedrückt sind. Daher lassen sie sich auch zum Spulen im Track verwenden. Praktisch. Ein Audiobeispiel zur Keylock-Funktion möchte ich an dieser Stelle ebenfalls nicht vorenthalten, denn sie interpoliert besser als viele klassische CD-Zuspieler.  

Wer gleich auf vier Tellern sein Handwerk ausübt, sollte wissen: Wechselt er von A oder B nach C oder D und bewegt einen Tempofader, merkt sich die Software die ursprüngliche Stellung (Pick-up Modus). Schaltet er dann auf ein anderes Deck zurück, muss er mit dem Pitch zunächst an die vorherige Position fahren, bevor eine erneute Änderung des Wertes stattfindet. So ist er vor Wertesprüngen geschützt. Gleiches gilt im Übrigen auch für die Effektbataillone, Channelfader und Equalizer.

Jogwheel

Eine volle Umdrehung des Jogwheels macht etwa sechs Beats aus (127 BPM-Track). Mit dieser Auflösung lässt sich gut arbeiten, wenngleich die Teller einem für meinen Geschmack noch einen Hauch mehr Widerstand entgegenbringen dürften. Bei der Größe würden sie sogar zum Scratchen taugen, jedoch ist eine deutliche Verzögerung zu bemerken, bevor die Software erkennt, dass die Hand nicht mehr auf dem Teller liegt. Das stört beim Scratchen. Auch schleift der Teller deutlich, wenn ich zu stark am Rand drücke. Ferner dürften Scratcher eine Curve-Control und die Umkehrung der Blendrichtung für den ansonsten brauchbaren Crossfader vermissen, obgleich dies auch in der Software eingestellt werden kann.

Zur EQ-Sektion: Drehe ich alle Regler nach links, bleiben wie bei den meisten „gestandenen“ analogen Mischpulten Signalreste über. Um diese oder das gesamte Frequenzband allgemein auszulöschen, betätige ich die Kill-Buttons. Zwar bügelt die Software mit ihrer Auto-Gain-Funktion potenzielle Lautstärkeunterschiede zwischen den beteiligten Musikstücken aus und bringt die Titel auf ein ähnliches Niveau, aber irgendwie möchte ich auf Gain-Regler nicht verzichten.

Effekte und Co.

Kreative Naturen aufgemerkt. Mit dem CMD 4a befehligt ihr Hotcues, Loops und Effekte. Die maximal acht Hotcues betreffen immer das aktuelle Deck und können entweder in Echtzeit angelegt und abgefeuert oder quantisiert, respektive am Beat angelegt und im Takt abgespielt werden. Den Unterschied zwischen den beiden Varianten hört ihr nachstehend. Die Loop-Sektion setzt vollständig auf Auto-Loops, deren Größe über die Pfeiltasten einzustellen ist. „On“ aktiviert die Wiederholschleife auf Wunsch auch am nächsten Taktraster und ihr könnt sie dann über die Pfeile taktgenau um den Faktor zwei stutzen oder verlängern. Leaps (ähnlich wie Rolls oder Fluxing) statt Loops zu bedienen, ist nicht möglich. Wer sich nun fragt, was Leaps sind, kann ja mal in die Audiobeispiele reinhören, dann sollte alles klar sein. Ich finde es nicht gut, dass es keine manuellen Loops gibt, deren Flanken mit In und Out angelegt werden, denn so ist es mitunter schwierig, Vocals einzufangen.  

Zu guter Letzt kommt dann noch die Effekt-Sektion mit zehn Brot-und-Butter-Vertretern, namentlich Delay, Flanger, Phaser, Lowpass, Highpass, Autopan, Trans, Bitcrusher, Distorsion und Reverb. Der Großteil der Effekte arbeitet taktorientiert, was bedeutet, dass ich mit dem Parameterregler das Timing einstelle. Die Soundqualität der Effekte ist als gut einzustufen. Kein Wunder, bedenkt man Image Lines jahrelange Erfahrung mit Fruity-Loops. Bahnbrechende Neuerungen sind indes hier nicht anzutreffen, aber es gibt ja immerhin noch die Gross Beats und Smartknobs, zudem in der Vollversion die VST-Option.  

Je drei Effekt-Typen pro Rack, das dem Player fest zugeordnet ist, können in Reihe geschaltet werden und Parameter dirigiert ihr über den zugehörigen Drehregler. „Dry/Wet“ dient der globalen Effektanteil-Zumischung. Nichts, was man nicht kennen würde, nichts, was nicht auch hier gut funktioniert. Im Übrigen haben die FX-Assign Tasten in Deckadance die Funktion der Crossfader-Zuweisung. Der Schriftzug FX-Assign ist wohl eher für Traktor gedacht, wo ich auch gleich hinzufügen möchte, dass das Mapping quasi identisch zum vorliegenden ist und dementsprechend mit dem Controller ebenso harmoniert, wie es Deckadance vormacht.

Zwar kann ich mir das Teil – bei ausreichend Platz am Veranstaltungsort – grundsätzlich auch in der Bar, Lounge oder im Partykeller vorstellen. Aufgrund der erwähnten Kritikpunkte, allen voran der Faderbug, die fehlenden symmetrischen Ausgänge und Mikrofonanschlüsse, sehe ich den primären Einsatzrahmen dieses Controllers jedoch eher im privaten Sektor. Was die Konkurrenzsituation angeht, möchte ich behaupten, dass die Schlacht um die Gunst der budgetorientierten Anwender und Newbies wohl erst mal zwischen dem CMD 4a, dem Numark Mixtrack Pro 2, dem American Audio VMS2 und vielleicht dem iOs-Mixer Vestax Spin ausgetragen wird. Vielleicht sollte man auch nicht unerwähnt lassen, dass Behringer drei Jahre Garantie auf seine Produkte gibt. Sollte es also in dieser Zeit zu konstruktionsbedingten Komplikationen kommen, seid ihr auf der sicheren Seite – ohne zusätzlichen Care Protection Plan (Apple Kunden verstehen sicherlich den kleinen Seitenhieb). Jedoch täte Behringer gut daran, zeitnah einen Stapel Mappings für alternative DJ-Programme zu veröffentlichen, damit auch die Besitzer anderer Softwaresysteme auf den CMD-Familienzug kommen.

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