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01.06.2011

Basics - DJing #1

Die Definition des DJs

Bevor wir ins Detail gehen, wollen wir uns zunächst einmal um eine Klärung des Begriffs DJ im Allgemeinen bemühen.

Es ergeben sich zwei fundamentale Fragen: welche unterschiedlichen Arten von DJs gibt es überhaupt, und kann man ein Set, in dem zusätzlich Klänge live erzeugt werden, überhaupt noch als DJing bezeichnen? So viel sei schon mal verraten, ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, ob ausschließlich bereits bestehende, fremde Tracks und Songs benutzt werden, oder ob eigene Musikalität live mit in das Set einfließt. Doch schauen wir uns jetzt zunächst einmal einige Grundsätzlichkeiten an.

Der DJ im herkömmlichen Sinne

DJ ist eine Abkürzung für "Discjockey". Ursprünglich kommt dieser Begriff aus den Rundfunkanstalten. Bis vor einigen Jahren wurden die Songs, die zu hören waren, tatsächlich noch von Hand aufgelegt. Dementsprechend bedient sich der DJ im herkömmlichen Sinne also ausschließlich Sounds bereits vorhandener Musikstücke bzw. fertiger Songs. Diese werden im Mix neu kombiniert und eventuell durch Techniken wie das "Scratching" oder "Backspinning" pitch- und timingmäßig, das heißt in Tonhöhe und Geschwindigkeit, manipuliert.

Live-Gigs/Performances mit Synthesizern und Computern

Mit dem Fortschreiten der technischen Möglichkeiten sind zahlreiche DJs und Bands aus dem Elektronikbereich dazu übergegangen, ihre DJ-Gigs zu wirklichen Live-Gigs werden zu lassen. Portable Laptops,  Software wie "Ableton Live" und "Traktor Scratch", sowie externe Controller und Keyboards bilden die Grundlage für ihre Performances. Playbacks werden dort oft nur noch als musikalisches Grundgerüst genutzt, und die meisten Sounds werden live erzeugt. Trotzdem haben diese Gigs durch das Mixen der Playbacks immer den Grundcharakter eines DJ-Sets, während ein Live-Set immer Züge des aktiven Musikmachens hat. Es gibt allerdings auch einen "Graubereich": Manche DJs bauen Geräte und Laptops auf, drehen an Knöpfen, verändern dabei aber allenfalls mal einen Effektparameter, musizieren also nicht wirklich selbst.

 

Im Folgenden wird unterschieden, welche Arten von DJing möglich sind, in welchem Umfeld sie stattfinden und natürlich auch, mit welchem Verdienst man rechnen kann -  sofern man nicht zu den blutigen Anfängern zählt.

Bar/Lounge DJs

In vielen Bars legen gerade am Wochenende DJs auf. Die Lautstärke der dort installierten Anlagen kann leistungsmäßig denen von Diskotheken natürlich nicht das Wasser reichen.

Es ist dort auch in der Regel gar nicht beabsichtigt, die Besucher zum Tanzen zu bringen, da diese Orte gerade am Wochenende mehr als Anheizer für den Discobesuch funktionieren. Auch sind in der Regel die räumlichen Voraussetzungen nicht gegeben (keine Tanzfläche, fehlende Partybeleuchtung etc.). Außerdem sollen sich die Gäste noch unterhalten können. Daher ist zu aggressive und monotone Musik, die auf dem Dancefloor vielleicht hervorragend funktionieren würde, hier fehl am Platz. Die Verdienstmöglichkeiten sind mit ca. 6-15 Euro pro Stunde relativ gering. Allerdings bieten diese Jobs vielen Nachwuchs-DJs eine Gelegenheit, erste professionelle Erfahrungen zu sammeln.

 

Resident-DJs

Der Resident-DJ legt meist im wöchentlichen Rhythmus in einer festen Location auf. Er hat eine große Verantwortung, da er ständig für eine hohe Attraktivität der Musikauswahl sorgen muss. Er sollte sich mit den lokalen Gegebenheiten und Vorlieben auskennen, einen freundschaftlichen Kontakt zu den Stammgästen pflegen und sich gut in das Team des Clubs/der Diskothek integrieren. Um Abwechslung zu schaffen, bucht der Inhaber der Location (oder der Veranstalter) oftmals Gast-DJs dazu. An diesen Abenden muss der Resident sich zurücknehmen, da er dann hauptsächlich der Anheizer des Gast-DJs ist. Die Verdienstmöglichkeiten liegen zwischen ca. € 120 und € 1000 am Abend.

DJ als Dienstleister (Mainstream)

Diese DJs haben eine ähnliche Funktion wie alleinunterhaltende Musiker und werden für private Feierlichkeiten, Firmenfeiern, Messen, Straßenfeste und ähnliche Events gebucht.

Oft sorgt der gebuchte DJ nicht nur für die Musikauswahl, sondern bietet dem Kunden im Gesamtpaket auch gleich die komplette Licht- und Tonanlage inklusive Auf- und Abbau an. Dies realisieren die DJs, sofern sie über kein eigenes System verfügen, oft durch eine Kooperation mit einem Equipment-Verleih.  Bei ihnen hat die Dienstleistung die höchste Priorität. Um den Kunden zufrieden zu stellen, wird die Musik gespielt, die vom Gastgeber und seinen Gästen gewünscht wird. Daher muss die Musikauswahl stilistisch und zeitlich breit gefächert und sehr Mainstream-kompatibel sein. Der DJ als eigenständiger Künstler, der seine eigene musikalische Vision durchboxt, ist hier fehl am Platz. In der Regel gehört es auch zur Aufgabe des DJs, den kompletten Abend am Mikrofon zu moderieren. Er muss sich deshalb beim Gastgeber genau über den geplanten Ablauf des Abends und über die Namen der wichtigen anwesenden Gäste informieren. Die Gagen in dieser Branche liegen pro Abend üblicherweise je nach Aufwand und Verhandlungsgeschick zwischen € 200 und € 900 plus Spesen. Ein "Star" wird man hier wohl kaum werden, daher sind die Chancen, richtig viel zu verdienen, auch relativ moderat.

DJ in Großraumdiskotheken

Großraumdiskotheken befinden sich meistens in Gewerbe- oder Industriegebieten an Stadträndern, aber auch in ländlichen Gebieten.

 

Sie haben ein große Kapazität und in der Regel mehrere interne getrennte Diskotheken ("Floors"), die dem Gast nach Zahlung des Eintritts zur Verfügung stehen. Die größte Kapazität hat dabei der so genannte "Main Floor", der normalerweise auch über die aufwendigste Technik (Licht, Tonanlage) der verschiedenen Räume verfügt. Dort werden vom DJ aktuelle Hits (in der Regel nicht älter als ca. 5 Jahre) aller Mainstream-Musikrichtungen (Pop, Hip-Hop, Rock, House) erwartet. In den anderen, spezialisierten Floors (z.B. Schlager, Rock, oder Techno etc.) wird auch ältere Musik gespielt. Aber auch dort ist es immer wichtig, der Masse gerecht zu werden. Es finden regelmäßig Spezialpartys (z.B. Schaumparty, Halloweenparty, etc.) statt, und die DJs müssen oft auch Moderations-Aufgaben übernehmen. Die meisten DJs arbeiten hier als so genannter "Resident" (siehe "Resident-DJ"). Der DJ als eigenständiger Künstler ist hier weniger gefragt - er soll dem Geschmack der Masse gerecht werden. Dennoch ist es wichtig, eine charismatische Ausstrahlung zu haben, da man als DJ dort immer auch ein Aushängeschild der Diskothek und Projektionsfläche der Gäste ist. Die Verdienstmöglichkeiten liegen zwischen ca. € 120 und € 1000 am Abend als Resident und ca. € 1000 bis € 4000 als (Star-)Gast-DJ.

Party-DJ (Non-Mainstream)

Die meisten kleinen bis mittleren urbanen Locations, die etwas abseits der Flaniermeilen liegen, buchen ihre DJs oft nicht selbst, sondern lassen ihr Monatsprogramm von externen Veranstaltern organisieren. Diese Veranstalter sind oft selbst DJs, die somit für ihre eigenen festen Gigs und die ihrer Kollegen sorgen. Um Abwechslung zu schaffen und das Programm spannend zu halten, werden des Öfteren Gast-DJs eingeladen. Diese Gast-DJs sind nicht selten Freunde der Veranstalter. So ist gutes Networking gerade in diesem Feld das Wichtigste. Bei kleineren bis mittelgroßen Clubs (Kapazität ca. 150-500 Leute) liegt eine mögliche Gage zwischen etwa € 150 bis € 700.

DJ als Teil einer Band

Ausgelöst durch eine Welle so genannter Nu-Metal-Bands und deren großer Hip-Hop-Einfluss hat sich Mitte der neunziger Jahre der DJ als Teil einer Band weltweit etabliert. Diese DJs sind als integraler Bestandteil der Band in der Regel reine "Turntablists" und somit für die Scratches und das Einspielen von Soundeffekten und dergleichen zuständig. Berühmte Beispiele für solche DJs sind Joseph Hahn von der Gruppe "Linkin Park" und DJ Lethal von der Gruppe "Limp Bizkit".

Turntablelist/Battle-DJ

Der Begriff "Turntablist" entstand Anfang der achtziger Jahre im Zusammenhang mit dem DJ "Grandmixer DST", der damals Teil der Band um den Jazzmusiker Herbie Hancock war. Bei ihrem Hit "Rockit" wurden erstmals Scratches als Leadinstrument auf einem Song verwendet. In den Anfängen des Hip-Hop waren DJs hauptsächlich als Party-Unterhalter und Backingband der Rapper tätig. Mitte der Achtziger etablierten sich dann so genannte DJ-Battles, bei denen ein DJ als selbständiger Showact im Wettbewerb gegen andere DJs antrat. Die ersten wichtigen internationalen Wettbewerbe wurden vom "New Music Seminar" und dem "DMC" (Disco Mix Club) organisiert. Während anfangs bei diesen Wettbewerben teilweise noch lange Überblendungen etc. präsentiert wurden, läutete DMC-Weltmeister DJ Cash Money 1988 mit schnellen Backspins und Bodytricks eine neue Ära ein. Von nun an wurde die von DJs dort gespielte Musik immer mehr nur zum Werkzeug der eigentlichen Performance, etwa wie die Sounds eines Keyboarders.

Gerade DJs von der US-amerikanischen Westküste (DJ Flare, Mixmaster Mike, DJ Q-Bert etc.) überschlugen sich Anfang der neunziger Jahre geradezu mit ihren Scratch-Innovationen, wie z.B. dem "Flare-Scratch", dem "Crab-Scratch"  und dem "Hydroplane-Scratch". Aus den "Backspins" (Wiederholungen ganzer, halber, oder Vierteltakte)  entstand das "Beatjuggling", bei dem völlig neue Rhythmuspattern entstehen. Aus dieser Technik entstanden wiederum die "Einhand-Juggles", bei der mit nur einer Schallplatte ein Drumpattern vom DJs performt wird. Diese Technik bildete die Grundlage für reine DJ-Bands wie den "Invisible Scratch Pikls" (DMC-Weltmeister 1992), bei denen jeder DJ ein Instrument emuliert. DJs begannen nun vermehrt, sich auf bestimmte Techniken zu spezialisieren, und auch die Battles wurden oft in Kategorien unterteilt ("Team-Battle", "Scratching-Battle", "Beatjuggling-Battle" etc.). Auch ist es seit Anfang der Neunziger üblich, seine "Routines" (einstudierte DJ-Performances) mit speziell dafür gedachten Platten, so genannten "Battle-Breaks", zu gestalten.

"Turntablism" ist also der Einsatz des Plattenspielers als Instrument. Dessen Anhänger haben sich dieser technischen Seite des DJings gewidmet. Es gibt zahlreiche, reine "Turntablism"-Veröffentlichungen, diese haben aber aufgrund ihres fehlenden Mainstream-Appeals nur geringe Verkaufszahlen. Somit sind die Verdienstmöglichkeiten dort begrenzt. Führende "Turntablists" wie "DJ Rafik", "DJ Craze" oder "DJ A-Trak" etc. verdienen ihr Geld meist mit Showcases, als DJ bekannter Rap-Interpreten oder auch mit "How to do"-DVDs etc. Die dafür nötige Popularität erlangen diese DJs zum größten Teil durch den Gewinn internationaler DJ-Battles. Das hat zur Folge, dass nur sehr wenige Top-DJs wirklich (gutes) Geld nach Hause bringen. Wer so also seine Brötchen als DJ verdienen möchte, sollte sich bewusst sein, dass er dafür einer der Besten werden muss.

DJ im Radio

Im Vergleich zu den USA gibt es in Deutschland den Radio-DJ, der wirklich in seinen Sendungen auflegt, nur selten.

Während die öffentlich-rechtlichen Radiostation ihr Programm fast ausschließlich vorproduzieren oder vom Computer abspielen lassen, sind es meist die privaten Radiosender wie Big FM und Kiss FM, die auch DJs ihr Programm mitgestalten lassen. Diese Jobs sind aber eher mäßig bezahlt und dienen dem DJ eher dazu, mehr und besser bezahlte Bookings zu bekommen.

 

DJ als Künstler/Star

Gerade im elektronischen Bereich sind die DJ-Sets die eigentlichen Live-Gigs der Szene-Stars. Ihre Namen werden dadurch entsprechend hoch gehandelt, so dass für ein zweistündiges DJ-Set durchaus einmal ein fünfstelliger Betrage fließen kann. Gerade Star-DJs aus den Genres House und Techno sind das ganze Jahr über weltweit unterwegs. Prominente Beispiele sind Sven Väth, Kenny Dope oder Carl Cox. Sich dieses "Genre" auszusuchen, kann äußerst schwer werden: In dieser Top-Liga der DJs bewegen sich weltweit nur 30-40 Leute.

 

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