Hersteller_Pioneer Workshop_Folge
Workshop
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11.09.2014

Praxis

Equipment

Werfen wir zum Einstieg in den Praxisteil einen Blick auf Hardwells Equipment, denn wer auflegen will wie er, sollte natürlich wissen, welches Gear der Niederländer verwendet. Eines der wichtigsten Tools eines jeden DJs ist sein Kopfhörer. Wenn Hardwell performt, sieht man ihn meistens mit einem Sennheiser HD 25 II. So z.B. auch hier beim Ultra Music Festival 2013 (link youtube). Als Mixer fordert er in seinem Technical Rider meist den Pioneer DJM-800 oder den DJM-900 an. Ebenfalls in seinem Setup: vier Pioneer CDJ 2000, die alle miteinander verknüpft sind. Wenn du nochmal einen Blick auf das Video vom Ultra Music Festival wirfst, wirst du sehen, dass Hardwell genau mit diesen Playern seine Show reißt.

Auf sein komplettes Studio-Equipment einzugehen, wäre an dieser Stelle zu langatmig, denn wie du dir vorstellen kannst, hat der Bursche so einiges an Gear in seinem Besitz. Daher nur soviel: Hardwell  benutzt als Hardware zum Produzieren u.a. einen Virus TI2 Desktop Synthesizer und er hat den reFX Nexus 2 zu einem seiner drei Lieblings-Plugins erkoren. Zu hören beispielsweise im Leadsound seines Hits Apollo. Ein Apogee Quartet Audiointerface ist zudem auf dem Schreibtisch seines neuen Studio Setups zu erkennen. Außerdem ist DJ Hardwell offiziell bekennender Mixed In Key User und propagiert Harmonic Mixing. Leider funktioniert der entsprechende youtube-Link in Deutschland aufgrund der Gema-Bestimmungen nicht, aber falls du mal in den Niederlanden oder sonst wo bist ...

In the Mix

Um herauszufinden, wie DJ Hardwell auflegt, schauen und vor allem hören wir uns sein Set vom 26. Juli beim diesjährigen Tomorrowland Festival an (youtube link). Playlist:

01.
(00.00)  Hardwell – Intro ID Titan (Working Title)

02. 
(06.47) Dannic & Sick Individuals ID
(06.52) Mightyfools – Footrocker (Get Your Hands Up Acappella)
(07.06) Ummet Ozcan – Raise Your Hands (1,2,3 Come On Acappella)
(07.51) Calvin Harris – Summer (Acappella)

03.
(09.35) Bassjackers vs. Hardwell & MAKJ vs. Dimitri Vegas & Like Mike & Wolfpack - Like That Ocarina (Hardwell Mashup)

04.
(13.57) R3hab & Vinai vs. David Guetta & Glowinthedark vs. Martin Garrix & Dubvision vs. Hardwell feat. Matthew Koma – Unstoppable vs. Ain’t A Party vs. Blacklash vs. Dare You (Hardwell Mashup)

05.
(16.09) Hardwell & MOTi – On Fire (Working Title)
(16.40) Deorro & J.Trick – Rambo (Let’s Get Fuckin’ Crazy Acappella)
(17.15) Dimitri Vegas & Like Mike – Chattahoochee (Tomorrowland 2013 Anthem, Acapella)

06.
(19.14) Hardwell & Joey Dale feat. Luciana – Arcadia
Chardy & Kronic – S.W.A.T. Team (Everybody Fucking *Beep* Jump, Acappella)

07.
(23.03) Armin van Buuren & Hardwell vs. Martin Garrix & Dimitri Vegas & Like Mike & Jewelz & Sparks – Ping Pong vs. Tremor ( Hardwell Tomorrowland Mashup)
(25.16) Hardwell & Dyro feat. Bright Lights – Never Say Goodbye (Acappella)

08.
(27.20) Deorro - What’s That Sound? (Working Title)
(27.21) TJR & VINAI – Bounce Generation (Acappella)
(28.03)The White Stripes – Seven Nation Army

09.
(29.46) Hardwell feat. Amba Shepherd – Apollo (Hardwell Private Edit/Dash Berlin vs Lucky Date vs. Noisecontrollers Remix Mashup)

10.
(33.50) Hardwell & W&W feat. Fatman Scoop – Don’t Stop The Madness (Working Title)

11.
(37.42) Hardwell vs. W&W & Blasterjaxx vs. Afrojack & Steve Aoki feat. Miss Palmer - Spaceman vs. Rocket vs. No Beef (Hardwell Mashup)

12.
(41.43) Hardwell & Martin Garrix – ID Carousel (Working Title)
Chuckie – Who’s Ready To Jump (Acappella)

13.
(46.01) Dyro - Ghost (Working Title)
Alesso – Raise Your Head (Acappella)
Bingo Players – Buzz Cut (1,2,3, Go Acappella)
Kid Cudi feat. MGMT - Pursuit Of Happiness (Acappella)

14.
(48.51) W & W & Headhunterz – We Control The Sound (Working Title)

15.
(52.51) Coldplay - A Sky Full Of Stars (Hardwell Remix)

Ein Blick auf die Playlist zeigt, dass Hardwell vor allem mit Mashups arbeitet. Eine seiner Stärken ist also, dass er nicht einfach nur eine Plattentasche gepackt hat und lustig hin und her mischt, sondern er erstellt seine eigenen Edits und Mashups und gibt so seinem Set seine ganz persönliche Note. Mal abgesehen davon, dass er sowieso einen Großteil seiner eigenen Produktionen spielt.

Die DJ-Trickkiste

Allem voran muss man sagen, Hardwell ist ein DJ, der genau versteht, wie man Spannung aufbaut und dann wieder loslässt. Dazu musst du dir bloß mal das Intro von diesem Set anhören. Ein starkes Intro, das die Elemente Storytelling, Publikumsinteraktion, Emotionen wecken und Spannung aufbauen perfekt vereint. Der Bogen, den er dabei spannt, beginnt mit dem Geschichtenerzähler, unterstrichen von mystisch klingenden Streichern, die ca. ab Minute 1:50 anfangen Stakkato zu spielen, wodurch sich die Spannung noch erhöht. Ein erster emotionaler Höhepunkt ist der, als das Publikum durch die Storyteller animiert wird, die Arme mit den Leuchtbändchen und sonstigen Lichtkörpern in die Luft hält. Hier wird ein Gefühl von „Wir gehören zusammen“ erzeugt.

Der zweite Höhepunkt und gleichzeitig der nächste Spannungsaufbau beginnt, als Hardwell das erste mal ins Mikrofon brüllt: (bei ca. 4:29) „Let me see your hands up in the air!“ und dann sofort diese intensive Synthielead startet. Bis hierher gab es noch keinen einzigen Beat! Dafür ist die Spannung jetzt total geladen! Dann kommt noch einmal MC-Hardwell zum Einsatz: „Everyone, who wants to party, make some noise! One, two, three, four ...“ und erst jetzt ab ca. 4:55 setzt endlich der erlösende Rhythmus ein, auf den alle gewartet haben. Genau mit diesem Wechsel von ständigem Spannungsaufbau, manchmal fast bis ins Unerträgliche und dann dem erlösenden wieder Laufenlassen versetzt er seine Fans in Ekstase.

Die Mittel, die er dazu benutzt, sind keine Geheimwaffen. Zum einen arbeitet er mit seiner Stimme und geht als MC immer wieder in Interaktion mit seinem Publikum und feuert sie regelrecht an. (z.B. bei ca. 6:55 oder ab 9:44). Auch die Art, wie er seine Rhythmen immer wieder aufbaut, die Anzahl der Beats von einem klassischen 1/4 Takt auf 1/8, dann auf 1/16 immer wieder verdoppelt, bis sie klingen wie eine Gewehrsalve kurz vor der Explosion, ist ein alter und immer noch wunderbar funktionierender Hutzauber beim Mixen elektronischer Tanzmusik (z.B. 13:00 bis ca. 13:25). Danach kickt er umso gewaltiger und Bass-betonter rein. Der Effekt: Das Publikum schreit und reißt die Arme in die Höhe.

Dramaturgisch betrachtet ...

... ist sein Set eine permanente Berg- und Talfahrt oder wie „Achterbahnfahren“. Da kreischen auch immer alle, wenn es „bergab“ geht. Musikalisch weckt er zudem Emotionen mit intensiven Synthleads (wie z.B. bei 10:05 oder 24:07), simplen Melodien (z.B. ab 10:39 oder 19:29) und im Set gut verteilten eingängigen Vocals (z.B.13:57 oder 20:36).

Auch Streicher kommen immer wieder zum Einsatz und geben dem ganzen Sound das nötige Pathos bzw. das Feeling von ganz großem Kino und das funktioniert auch ohne eine monumentale Show aus Bühnenbild mit Tänzerinnen, Pyro und Licht, die ja zweifelsohne auch ein großer Bestandteil von Hardwells Performance ist (z.B. ab 20:30).

Was seine Mixtechniken anbelangt, so ist es nicht leicht nachzuvollziehen, was Hardwell bereits an Vorarbeit in Form von Edits geleistet hat und was er tatsächlich live macht, zumal der Kamerafokus und die Videomitschnitte eher Emotionen einfangen statt Handwerk. Hardwells Haupttool auf der Bühne ist auf jeden Fall sein Mixer. Nicht umsonst fordert er in seinem Techrider einen Pioneer 800 oder das Nachfolgemodell den 900er Nexus. Da steht ihm eine schöne Palette von Beat- und auch Soundeffekten zur Verfügung, die er ausgiebig nutzt wie z.B. bei 7:51. Klingt ganz nach dem Space-Effekt, denn der Sound verhallt im Nichts, bevor die Vocals von Calvin Harris einsetzen.

Ein Effekt, der in seinen Sets immer wieder auftaucht, ist einer, den ich als „Rakete“ bezeichne – da pitcht sich der Sound raketenmäßig immer höher (z.B. bei 9:35 oder 12:00). Hier ist jedenfalls ein Breitbandfilter mit viel Resonanz im Spiel und ein Pitchtuner. Das könnte mit dem „Jet“ auf dem Pioneer erzeugt worden sein, der Spiral FX bietet sich ebenfalls als Kombi an, also als eine Kombination aus Beat- und Soundeffekten. Insgesamt sind seine Tracks sehr tight gemixt. Neue Stücke legen sich auf die, die bereits aktiv sind und er fadet nicht lange groß rum. Stattdessen nutzt er harte Cuts (z.B. 16:09), schnelle Übergänge mit dem Crossfader und auch gern ein Moment der Stille, bevor er mit Vocals einen neuen Track startet (z.B. 13:57).

Und wenn du es noch genauer wissen will, kannst du nachstehend noch ein PDF downloaden, in dem ich die einzelnen Übergänge aufgelistet habe.

Resuemee

Egal, ob man seine Musik mag oder nicht: Hardwell ist in jedem Fall ein DJ, der Respekt verdient hat. Er ist großartiger Entertainer, der es versteht, die Massen in Ekstase zu versetzen. Und er hat ein Gespür für Melodien und Songs, die das Publikum berühren und mitreißen sowie ein Ohr dafür, welche Songs miteinander harmonieren. Wenn du es ihm gleichtun tun willst, dann solltest du folgende Eigenschaften mitbringen: eine Vision, den nötigen Drive und Motivation, Ambition und Leidenschaft, musikalisches Talent und viel Ausdauer. Körperliche Fitness ist eine unbedingte Voraussetzung, um allabendlich auf großen Bühnen herumhüpfen zu können und was die Mashups und die coolen Edits angeht, dafür gibt es diverse Programme von Ableton bis Mixed in Key und auch der professionelle Umgang mit dem Mixer, Loops und Effekten sollte erlernt werden. Um es also mit den Worten von Hardwell zu sagen: If You Can Dream it, You Can Do it ... One, two, three four – Let's go.

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