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01.08.2020

Audiovergleich - JTM45/Bluesbreaker Pedale

5 Marshall JTM45/Bluesbreaker Pedale und ihre Sounds

In dieser Folge über die Overdrive-Klassiker geht es um ein Pedal-Genre, dessen klangliche Wurzeln weit in die 60er zurückreichen. Zurück in die Zeit, als Jim Marshall seinen JTM45 bzw. den Bluesbreaker Combo auf den Markt brachte, und damit der Geschichte der Rockmusik gehörig seinen Stempel aufdrückte.
Viele berühmte Player wie Eric Clapton, Paul Kossoff von Free und nicht zuletzt AC/DC werden mit dem Klang dieser Amplegende assoziiert und daher ist es umso erfreulicher, dass sich einige Pedalhersteller, darunter einst auch Marshall, diesem speziellen Sound widmen und ihn auf Pedalgröße schrumpfen wollen. Einige der erfahrungsgemäß am besten klingenden Modelle wollen wir euch hier vorstellen.

Background

Als Jim Marshall 1962 seinen ersten Amp auf Basis des Fender Bassman entwickelte, stand dieser in zwei Varianten zur Verfügung: Einerseits als Topteil, der auf den Namen JTM45 hören sollte, und andererseits als Combo-Amp, den Eric Clapton auf dem 1966 erschienen Bluesbreaker Album (auch "Beano" - Album genannt) von John Mayall and the Bluesbreakers spielte und der dadurch auch seinen Namen erhielt.

Die Jahre zogen ins Land und Marshall legte mit dem Super Lead und dem Super Lead MkII noch sehr erfolgreiche Ampserien nach, bis man 1988 entschied, auch Pedale mit dem britischen Sound herzustellen. Das Ergebnis war der "Guv'nor", ein Overdrive, der vor allem durch seine Abbildung auf Gary Moores "Stil got the blues"- Album legendär wurde (mehr dazu hier). 1991 wurde der Guv'nor von einer neuen Pedalserie abgelöst, bestehend aus dem Drivemaster, der im Prinzip dem Guv'nor entsprach, dem Shredmaster und dem Bluesbreaker.
Letzterer kam mit den drei Potis für Gain, Tone und Volume und entpuppte sich bald als Klassiker. Auch heute noch ist der Bluesbreaker ein heiß begehrtes Sammlerpedal, das extrem natürlich und hochwertig klingt, auch wenn es ein paar baubedingte Schwächen aufweist. Über den Grundsound der Bluesbreaker-Typologie lässt sich vereinfacht sagen, dass es sich hier um ein tendenziell eher transparentes Medium-Gain Pedal handelt, das sehr dynamisch reagiert und den ursprünglichen britischen Zerrsound bedient.
Im Rahmen einer Neuauflage der Marshallpedale 1998 entstand der Bluesbreaker II, der jedoch weder optisch noch klanglich viele Gemeinsamkeit mit der Urversion aufwies.

Im Laufe der Zeit machten sich einige Hersteller daran, alte Bluesbreaker zu modden oder eigene Kreationen zu entwickeln. Besondere Erwähnung verdient hier sicherlich die Marke AnalogMan, die mit dem King of Tone, bzw. Prince of Tone sehr hochwertige Bluesbreaker-Style-Pedale herstellt, deren Kauf jedoch mit einer langen Wartezeit und einem Boutique-Preis einhergeht.
Allerdings haben auch andere Mütter hübsche Töchter und darum möchte ich euch hier ein paar Alternativen vorstellen, die unkompliziert und etwas günstiger erhältlich sind.

Wer sich intensiver mit der Geschichte der Marshall Amps und auch der Anfangszeit beschäftigen will, findet übrigens hier noch weitere Infos.

1. Z.VEX Box of Rock

Die Box of Rock, auch gerne "BOR" abgekürzt, ist sicherlich eine der früheren Auslegungen des Bluesbreakerthemas auf dem Pedalmarkt. Diesen Zerrer gab es optisch bereits in zahlreichen Variationen und in einer wahlweise horizontalen oder vertikalen Ausführung. Wie auch das Original besitzt die Box Of Rock drei Potis für Drive, Tone und Volume, allerdings gesellt sich noch ein Boost-Poti hinzu, das den per Fuß zuschaltbaren Boost regelt. Das Pedal wird mit 9V betrieben und kommt mit True Bypass.

2. Wampler Pantheon

Der Pantheon aus dem Hause Wampler bietet eine sehr flexible Bluesbreaker- Auslegung, denn hier haben wir neben einem Dreiband-EQ , dem Gain- und Volume-Regler noch zwei Kippschalter an der Hand.Der Gain-Level-Switch lässt zwischen drei verschiedenen Zerrgraden wählen, der Overdrive-Voice-Schalter wählt die Clipping-Stufen: Hard Clipping, Soft Clipping oder eine Mischung aus beidem.
Das Pedal kann zwischen 9V und 18V betrieben werden und kommt mit True Bypass.

3. JHS Morning Glory

Auch der Boutique-Hersteller JHS hat sich des JTM45-Themas angenommen und bietet mit dem Morning Glory seine eigene Auslegung. Hier finden wir die identische Potibelegung wie in der Marshall Ur-Version, allerdings zeigt sich seitlich ein High Cut Schalter, und auch die Gainstufe lässt sich via Kippschalter oder aber durch einen externen Fußschalter ändern. Das Pedal wird mit 9V betrieben und kommt mit True Bypass.

4. Mooer Blues Crab

Der Blues Crab von Mooer versucht, optisch gar nicht erst die Nähe zu seinem Ziehvater zu verleugnen, denn wie dieser kommt er in einem schwarzen Gehäuse mit blauer Aufschrift und trägt "Blues" in seinem Namen. Für das Gehäuse fiel hier die Wahl auf eine Minipedal-Variante, allerdings bietet dieses genug Patz für das Bluesbreaker’sche Poti-Triumvirat Gain, Tone und Level. Verglichen mit den anderen Kandidaten in dieser Auflistung schlägt der Kaufpreis hier deutlich geringer zu Buche. Auch dieses Pedal kommt mit True Bypass und 9V-Betrieb.

5. J.Rockett Audio Design .45 Caliber

Der .45 Caliber von J.Rockett ist in puncto Robustheit ein richtiger Kaventsmann und bringt auch deutlich mehr Gewicht auf die Waage als die Konkurrenzprodukte.
Die Potibelegung unterscheidet sich auch vom Marshall-Pendant, denn hier haben wir Treble und Bass getrennt regelbar, wobei Gain und "Loud" (Volume) standardmäßig die Zerre und Lautstärke bearbeiten. Das Pedal verfügt über einen True Bypass und wird mit 9V betrieben.

Soundbeispiele:

Für die Soundfiles parke ich die Pedale vor einen halbwegs cleanen Fender Bassman aus dem Jahre 1973. Von dort geht es in eine 4x12" Cabinet IR Celestion Greenbacks.
Vollkommen identische Pedalsettings sind aufgrund unterschiedlicher Potiauslegungen für den Vergleich wenig zielführend und daher setze ich die Pedale auf Werte, die für mich den Sweetspot besonders gut herausarbeiten. Welche dies jeweils sind, kann dem Video entnommen werden.

1. Sound mit Humbucker

Am Anfang hört ihr ein Riff, gespielt mit einer Ibanez Artist in der Stegposition.

2. Sound mit Single Coils

Nun folgt eine Fender Stratocaster mit dem Pickup in der Halsposition.

3. Gain Minimum vs. Maximum

Als nächstes hört ihr die Range des Gainpotis. Zum Einsatz kommt eine Ibanez Arist 2619 in der Stegposition:

4. Dynamisches Spiel

In den folgenden Files spiele ich zuerst mit den Fingern gepickt, wobei das Volume-Poti auf 5 steht, dann folgt bei gleichem Setting der Plektrumanschlag, und zum Abschluss drehe ich es auf 10. Die verwendete Gitarre ist eine Fender Stratocaster.

5. Songkontext

Zum Abschluss müssen sich die Pedale in einem Backingtrack behaupten. Sowohl auf der linken als auch der rechten Seite ist jeweils das identische Pedal, die Ibanez Arist 2619 in der Stegposition für den Rhythmuspart, in der Halsposition für den Leadpart.

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