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Test
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10.04.2018

Audio Ollie Scoring Synths Test

Kontakt Library

Analogue Synth Library mit Tiefgang

Audio Ollie nennt sich ein neuer Hersteller von Sound Libraries aus den USA, dessen erstes Produkt, die Kontakt Library Scoring Synths, dieser Tage erschienen ist. Dass das Debüt ausschließlich auf Samples der beiden Moog Synthesizer Minimoog Model D und Sub 37 basiert, erscheint zunächst vielleicht ein wenig unspektakulär, allerdings hat man sich ein besonderes Konzept einfallen lassen.

Wie man es von hochwertigen Orchester Libraries bereits kennt, liegen alle Moog Samples zusätzlich zum trockenen Signal in sämtlichen Stereomikrofonierungen vor, die man auch bei der Aufnahme von Orchestern verwendet. Die Wahl des Aufnahmeraums fiel auf keinen Geringeren als das Ocean Ways Studio A. Das Ergebnis – so viel vorweg – ist eine „etwas andere“ Synthesizer Library, die primär dem Scoring dienen soll, musikalisch aber vielseitig einsetzbar ist. Was die Library genau kann und für wen sie sich empfiehlt, haben wir in diesem Test zusammengefasst.

Details

Download und Installation

Nach dem Kauf von Scoring Synths, der ausschließlich über die Homepage erfolgt, erhält man per E-Mail den Download-Code für die Library sowie einen Link zum Herunterladen des eigenen Installers für PC und Mac (nur 64 Bit OSX). Der komplette Sound Content umfasst mächtige 75 GB, wofür man je nach Internetverbindung eine entsprechend zähe Zeitspanne (mein Download erfolgte über Nacht bis in den frühen Nachmittag) einkalkulieren sollte. Dafür verlief die Installation problemlos, inklusive des automatischen Entpackens der RAR-Dateien. Da Scoring Synths nicht zu den Libraries zählt, die im Library-Fenster von Kontakt erscheinen und Instrumente über den Files-Browser geladen werden müssen, sollte man lediglich darauf achten, dass sich die geladenen Inhalte in einem geeigneten Verzeichnis auf der Festplatte befinden. Wichtiges Detail: Scoring Synths ist ausschließlich mit der Vollversion von Native Instruments Kontakt 5 nutzbar!

Sound Content

Scoring Synths beinhaltet insgesamt 126 Instruments, die in den Kategorien Bass, Synth, Pads, Percussion und FX unterteilt sind. Die Instruments sind als Multisample, überwiegend mit einer Key Range von 1 bis 2 Halbtönen je Samples angelegt und verfügen über sinnvolle Velocity Zonen, beispielsweise mit höherem Noise-Anteil bei stärkerem Anschlag. Wie bereits erwähnt, wurden die Samples mit hohem Aufwand und unter Verwendung erstklassiger Hardware aufgenommen. So besteht jedes Instrument aus trockenen Samples (DI) und diversen Mikrofonierungen, die beim Abspielen des Synthesizers über den ATC Monitor 150 ASL Pro im Aufnahmeraum (Ocean Way Studio A) recordet wurden. Im Detail sehen die Mikrofonierungen eines jeden Instruments folgendermaßen aus:

  • CL (Closed/mono): Neumann U67
  • MR (Mid Room): MKH 100
  • CC + DC (Decca Tree): Neumann M50
  • WD (Wides): B & K 4006
  • SR (Surrounds): DPA 4006A
  • RS (Rear Surrounds): MKH 100

Alle Mikrofonaufnahmen lassen sich zusätzlich oder optional zum trockenen DI-Signal in Lautstärke und Panorama mischen, wodurch die Library erst ihren Wert offenbart. In den zunächst unspektakulären Presets ist nur das trockene Signal aktiv, sodass man unmittelbar Hand anlegen sollte, um eigene Sounds zu kreieren.

Klangformung

Die exklusiven Mikrofonierungen sind eindeutig das Gimmick von Scoring Synths, dessen weitere Ausstattung eher rudimentärer Natur ist. So verzichtet man beispielsweise auf zusätzliche Effekte auf Instrumenten-Ebene, was meiner Meinung nach aber vollkommen okay ist, weil es aus tontechnischer Sicht meistens sinnvoller ist, externe Plug-ins oder Effektgeräte zur weiteren klanglichen Gestaltung zu verwenden. Auch weitere Synthese-Funktionen haben keine hohe Priorität, lediglich zwei ADSR-Hüllkurven (Amp + Filter) werden im GUI zur Verfügung gestellt und auf einen direkten Regler für das Filter wurde sogar ganz verzichtet, was tatsächlich etwas ungewöhnlich ist. Allerdings ist das Modulation Wheel (#CC01) bei allen Instruments fest auf die Filterfrequenz des Low Pass Filters gemappt, der im Verborgenen (Edit Menü) seinen Dienst verrichtet. Durch die Anzeige von Kontakts Keyboard-Fenster mit seinem virtuellen Mod Wheel hat man aber auch ohne Masterkeyboard einen direkten Zugriff auf das Filter. Für detailliertere Klangbearbeitungen und Parameter, die nicht direkt im GUI erscheinen, muss man bei Bedarf in Kontakts Edit Menüs abtauchen.

In der etwas ungewöhnlichen Beschränkung auf einfache Mischfunktionen anstatt zusätzlicher ausgefallener Effekt- und Klangformungsfunktionen sehe ich allerdings kein wirkliches Manko, da die Philosophie von Scoring Strings schlicht und einfach darin liegt, beeindruckende Klangfarben zu liefern und auf zusätzliche Klangformungswerkzeuge verzichtet, die mittlerweile sowieso jede DAW an Bord hat. 

Arpeggiator/Poly Step

Diese beiden Kreativ-Tools sind im GUI verfügbar und bieten sich zum Einsatz auf perkussiven Instruments der Library an. Der Arpeggiator bietet insgesamt 17 Pattern mit bis zu 16 Steps und einer ansonsten gewöhnlichen Parametrisierung (siehe Abbildung). Poly Step ist ein polyphoner Step Sequencer mit bis zu 16 Schritten und einem Transponierungsbereich von +/-12 Halbtonschritten. In beiden Tools lässt sich jedem Step ein eigener Velocity-Wert zuweisen.

Sonstiges

Audio Ollies Debüt-Library glänzt durch die völlige Abwesenheit einer Dokumentation bzw. Bedienungsanleitung. So riesig ist der Funktionsumfang zwar nicht, dennoch ist es unpraktisch, sich die Bedeutung der vielen Kürzel im GUI per Selbstversuch oder Fließtext-Studium verschiedener Seiten der Homepage erarbeiten zu müssen. Zwar werden auf der Homepage diverse Videos angeboten, die sind aber größtenteils frei von sinnvollen Informationen zum Erlernen des Funktionsumfangs von Scoring Synth.

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