Test
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09.11.2020

Praxis

VirtualDJ 2021 wird bei einer bereits vorhandenen VirtualDJ-2020 64Bit-Version als Update installiert und ist nach wenigen Augenblicken und Mausklicks einsatzbereit. Die Neufassung begrüßt den Anwender mit der neugestalteten Bedienoberfläche, die die oben beschriebenen Layouts zur Auswahl bietet.

Wer die Software als Einsteiger nutzt, wird am neuen Starter-Layout Gefallen finden, denn dieses beschränkt sich auf die nötigsten Funktionen für einen Zwei-Deck-Mix und ist nicht zu überladen, sodass man sich sehr schnell zurechtfindet. Nutzt man für die ersten Gehversuche alle gebotenen Automatikfunktionen der Software, so gelingen die Mixe problemlos, zumal die Software bei der Ermittlung der Beatgrids sehr ordentlich arbeitet.

Fortgeschrittene Anwender wählen das Essential-Layout, wenn ein relaxter Zwei-Deck-Mix ansteht oder Pro bzw. Performance, wenn bis zu vier Decks inklusive zahlreicher kreativer Funktionen zum Einsatz kommen sollen. Die neuen Layouts gefallen mir gut, denn sie bieten zahlreiche Anpassungsoptionen, sodass man die Oberflächen mit wenigen Handgriffen an die eigenen Bedürfnisse anpassen kann. DJs, die sehr spezielle Anforderungen haben, können mit Funktionen wie dem Pad-Editor sehr tiefgreifende Modifikationen vornehmen, das ist zwar nicht trivial, bietet aber ein großes Potenzial und ich kenne keine andere DJ-Software, die ähnlich ausgestattet ist.

Streaming

Die neuen Streaming-Quellen Soundcloud Go+ und Beatport / Beatsource Link sind kostenpflichtige Ergänzungen. Soundcloud Go+ kostet 9,99 Euro pro Monat und bietet eine riesige Auswahl an Songs aus verschiedenen Genres. Was mir persönlich nicht so gut an diesem Dienst gefällt ist, dass manche Titel offensichtlich ohne Lizenzfreigabe hochgeladen wurden (hier habe ich z. B. meine eigenen Produktionen gefunden, die weder das Label, noch ich selbst hochgeladen haben) und auch keine Qualitätssicherung stattfindet.

Letzteres führt dazu, dass Titel eventuell aus DJ-Mixen herausgeschnitten wurden oder nur als Teaser in einer verkürzten Form vorhanden sind und man ohne vorherigen Test wohl etwas blöd aus der Wäsche schaut, wenn ein Song mitten in einem Mix endet. Nun denn, hier sollte sich jeder selbst ein Bild machen, ein kostenloser Test-Account macht es möglich und ein wirklicher Schwachpunkt von VirtualDJ ist es natürlich auch nicht.

Beatport Link gibt es in drei verschiedenen Abstufungen, die von 14,99 US-Dollar bis 59,99 US-Dollar (exklusive Steuern) pro Monat kosten. Dieser recht neue Dienst wird aktuell nur von WeDJ, Rekordbox und VirtualDJ unterstützt und offeriert einen umfassenden Katalog mit elektronischen Songs aller gängiger Genres. Beatport bietet ausschließlich offizielle Label-Releases an, sodass man hier ein qualitätsgesichertes Angebot erhält. Die Suche nach Songs kann direkt in VirtualDJ 2020 erfolgen und auch Playlisten lassen sich anlegen.

Wer sich für einen „Beatport Link Pro Account“ entscheidet, kann Songs auch offline speichern und ohne aktive Internetverbindung spielen. Abschließend möchte ich aber noch anmerken, dass die Verwendung jeglicher Streaming-Dienste offiziell nur in einem privaten Umfeld erlaubt ist. Weder Beatport Link noch Soundcloud gestatten eine kommerzielle Nutzung und selbst der von Atomix direkt angepriesene iDJPool darf öffentlich nur in den USA genutzt werden.

Ich denke, hier gilt es einfach abzuwarten, ob es sich in naher Zukunft etwas tut, VirtualDJ steht hier ja nicht alleine vor dem Problem, denn auch Tidal (in Denon Prime enthalten) oder Beatsource scheitern wohl an den bürokratische Hürden. Insgesamt ist das natürlich alles sehr unbefriedigend, aber leider haben wir gerade in Deutschland eine große Tradition, technische Entwicklungen im Musikbereich zu verhindern.

Tonartanpassung

Die neue Tonartanpassung für das Harmonic Mixing ist praxisgerecht gelöst und einfach zu bedienen. Wer möchte, kann diese sogar direkt beim Laden eines Songs in ein Deck automatisch ausführen lassen. Wie erwähnt passt die Software aber nur in kleinen Schritten (+/- 1 Halbton) an und informiert den Anwender, wenn der ausgewählte Song nicht in diesem Bereich liegt.

Die Anpassungen funktionieren technisch einwandfrei, allerdings gebe ich zu bedenken, dass VirtualDJ insgesamt etwas schwach ist bezüglich der Ermittlung der Tonarten. Hier hat sich seit meinem letzten Praxischeck leider nicht viel bzw. eigentlich nichts getan. Wer eine auf eine treffsichere Lösung zurückgreifen möchte, sollte sich Mixed in Key anschauen und die Ergebnisse in VirtualDJ nutzen.

Synchronisation

DJ-Teams, die ihre digitalen DJ-Setups miteinander synchronisieren, aber auch DJs, die einen größeren Setup-Aufbau mit Drum-Sequencern auf dem gleichen oder einem zweiten Computer oder iPad nutzen möchten, können dieses mit Hilfe von Ableton Link realisieren.

Diese Funktion wurde ohne große Ankündigung integriert und ist allerdings etwas eigenwillig implementiert. Während man in Traktor oder Serato im zentralen Bedienfenster lediglich einen Button aktiviert, muss man Ableton Link in VirtualDJ zunächst als Erweiterung installieren. Das Ganze ist unter Audio FX zu finden und folgerichtig lädt man danach Ableton Link als Effekt in ein Deck oder nutzt es als Mastereffekt. In meinem Test funktionierte die Funktion danach gewohnt zuverlässig.

Event Planer

Der Event Scheduler in VirtualDJ 2020 eignet sich vor allem für mobile DJs, die die Software unbeaufsichtigt ausführen möchten. Dieser kann beispielsweise eine Play-Liste oder einen Song (als Datei ausgewählt) zu einem festgelegten Zeitpunkt wiedergeben. So kann man als DJ noch die letzten Vorbereitungen abschließen oder Programmpunkte mit dem Veranstalter absprechen. Der Event Scheduler befindet sich in der Kopfzeile der Software.

Neue „Events“ lassen sich per Klick auf ein Pluszeichen ergänzen. Zur Auswahl stehen: 

  • spielt eine Datei ab
  • spielt ein Sample ab
  • spielt eine Playlist ab
  • eigt eine Textnachricht an
  • zeigt eine Slideshow
  • führt ein Skript aus

Zudem kann man den Zeitpunkt bestimmen, die Auswahl lautet hier:

  • Nach
  • At

... und auch die Dauer der Wiedergabe sowie das Stoppen zu einer festgelegten Uhrzeit und Wiederholungen sind wählbar.

Die Auswahl der Möglichkeiten ist also recht umfangreich, unschön ist allerdings auch hier, dass man etwas unsauber bzw. gar nicht übersetzt hat, das wirkt einfach unprofessionell. Die Dokumentation für diese neue Funktion ist etwas rudimentär, aber das meiste kann man durch Trial & Error einfach ausprobieren.

Etwas komplexer wird es dann, wenn man ein Skript ausführen möchte, um Vorgänge automatisiert ablaufen zu lassen. Hier sollte man sich die Hilfefunktionen in der Software anschauen und die Informationen im Online-Handbuch lesen. Die gebotenen Optionen in diesem Bereich sind sehr umfangreich, klar wird nicht jeder Nutzer davon Gebrauch machen.

Stem Mixing

Mit dem Stem-Mixing ergeben sich viele neue kreative Möglichkeiten, die sich zudem sehr einfach und quasi ohne Vorbereitung nutzen lassen. Jeder Song, der in ein Deck geladen wird, kann in fünf Stem-Parts zerlegt und ge(re)mixt werden. Die Steuerung der Stems gelingt über die drei Advcanced-EQs EZRemix, ModernEQ oder Stems, die sich im Mixerbereich selektieren lassen oder die Stems-Pads. Den komfortabelsten Zugriff bietet die EQ-Variante Stems, allerdings wie eingangs erwähnt aktuell nur in Kombination mit einem Hardware-Controller.

Mit den Stem-EQs könnt ihr A capella in Echtzeit generieren, die Vocals aus einem Song eliminieren, um das Publikum zum Mitsingen zu bewegen oder die Beats für Spannungsbögen herausdrehen. Für meinen Praxischeck habe ich tief in meiner virtuellen Plattenkiste gewühlt und Songs aus den Bereichen Schlager, Rock, Pop, Hip-Hop und Elektronik von Bands wie Depeche Mode, Die Toten Hosen, Beastie Boys, Cro etc. durch die Stem-EQs gejagt.

Grundsätzlich überzeugt die sehr einfache Handhabung und auch die Treffsicherheit der isolierten Stem-Parts, doch leider ist klanglich noch sehr viel Luft nach oben. Besonders wenn es viele Frequenzüberlagerungen zwischen den einzelnen Stems gibt, wie es beispielsweise bei Instrumenten und Vocals, kommt der genutzte Algorithmus schon sehr an seine Grenzen und strapaziert die Ohren mit flangerartigen Klangverbiegungen, aber auch bei der Extrahierung von Drums funktioniert nicht alles immer reibungslos. Dreht man die Drums heraus, klingen die Songs „zerhackt“ oder man hört Fragmente der Drum Sounds. Damit das ganze akustisch für euch nachvollziehbar ist, habe ich ein paar Soundbeispiele aufgenommen, ich empfehle aber natürlich auch den Selbstversuch mit populären Songs, die ich leider hier nicht nutzen darf.

Momentan ist das Klangergebnis des Stem-Mixings in VirtualDJ 2021 meiner Meinung nach qualitativ nicht vergleichbar mit den Stems in Traktor, was natürlich den unterschiedlichen Ansätzen geschuldet ist. Während Traktor sauber voneinander separierte Spuren verwendet, versucht VirtualDJ ein komplexes Soundfile durch Frequenzfilterung nachträglich zu sezieren.

Sicherlich ist in Sachen Klang aber hier noch nicht das letzte Wort gesprochen und ich hoffe, dass die Entwickler von Atomix mit den nächsten Updates noch Klangverbessrungen erzielen, denn das Potenzial dieser Methode ist natürlich sehr groß und deutlich flexibler, als der Ansatz von Native Instruments.

Broadcasting Skins/Pads

Die neuen Broadcasting Skins sehen recht ansprechend aus und lassen sich mit den passenden BCASTER GXF-Pads in Echtzeit konfigurieren. Ihr könnt somit eure Streams in sozialen Netzwerken optisch schön präsentierten und mit den Pads modifizieren. Animationen und Kamerabilder sind gleichzeitig nutzbar und lassen sich durch wechselnde Farbschemen in Szene setzen. In den Settings der Pads stehen noch weitere Individualisierungsoptionen zur Verfügung, die eine dritte Kamera oder einen speziellen Hintergrund auswählen lassen.

Im unteren Teil der Broadcasting-Skins befinden sich Texteinblendungen für Facebook, Youtube, Twitter etc. Um hier die jeweiligen Platzhalter durch die passenden Informationen zu ersetzen, muss man auf Skriptbefehle zurückgreifen. Das Ganze ist nicht schwierig, da sich diese per Copy & Paste aus dem Online-Handbuch in die Software kopieren lassen, aber wirklich intuitiv ist das eben auch nicht.

Echo-Out-Effekt

VirtualDJ 2021 ist mit dem neuen Echo-Out-Effekt ausgestattet, den man als Erweiterung im Preferences-Fenster manuell installieren muss. Der Effekt bietet die Parameter Feedback, Length, Reverb und Color zur Anpassung und eignet sich zur Modellierung von Mixübergängen aber auch zum Beenden eines DJ-Sets. Nach der Aktivierung des Effekts versinkt der gespielte Song in einer Delay-Wolke und fadet aus.

Controller-Support

Der Anzahl der unterstützten Controller in VirtualDJ 2021 steigt stetig an. Zu den aktuellen Zuwächsen zählen Rane Twelve MKII, Seventy Two MKII, Traktor Kontrol S3 und Hercules DJControl Inpulse 500. Die Geräte werden von der Software automatisch erkannt und das entsprechende Mapping geladen. Ist der Controller mit einer Soundkarte ausgestattet, lässt sich diese ebenfalls selektieren. Die Mappings sind aufwändig programmiert und erlauben eine umfassende Steuerung der Software. Anpassungen sind im Preferences-Fenster möglich.

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