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Test
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02.12.2016

Arturia DrumBrute Test

Analoge Drum Machine

Der Rhythm Wolf Pro ?!


Der Drumcomputer DrumBrute ist das neueste Produkt für Producer von Arturia. Die vor allem für ihre Software-Emulationen bekannter Synthesizer-Klassiker geschätzte französische Firma wildert seit geraumer Zeit auch im Hardware-Metier.

Angefangen bei Controllern wie dem KeyStep und dem BeatStep Pro, den Drum Machine-Controllern/Software-Kombinationen Spark und Spark LE, über kleinere Hardware-Synths wie den MicroBrute und MiniBrute bis hin zu dem fetten MatrixBrute Synth: Arturia macht jetzt alles.

Und nun auch noch eine analoge Drum Machine? Diese liegen ja voll im Trend, wie Elektron Rytm, die digitalen Drumcomputer Roland TR-8 und TR-09, die MFB Tanzmaus, der Akai Tom Cat sowie ultrakompakte Kisten wie Korg Volca Beats beweisen.

Die wesentliche Information, warum Blogs und Facebook über die Arturia durchdrehten, war allerdings recht spektakulär und von keiner der oben genannten Maschinen erfüllt: 17 analoge Instrumente – für unter 500 Euro.

Details

Allgemein

Die Arturia DrumBrute ist eine analoge Drummachine mit 17 Instrumenten, die mehr oder minder umfangreich parametrisiert sind und teilweisen Doppelbelegungen unterliegen. So finden sich 36 Potis zur Klangformung, zwölf anschlagsempfindliche (Normal und Accent) Drumpads sowie sieben weitere Drehregler und reichlich bunt beleuchtet Gummi-Taster ein. Und ein analoges Filter, einen Touchstrip sowie ein kleines Display gibt es oben drauf!

Solides, schickes und gut bedienbares Äußeres

Ganz im Vintage-Trend liegend, setzt die recht große und verhältnismässig leichte, grau-blaue Stahlblech-Kiste auf Kunststoff-Seitenteile im Holz-Look. Die Verarbeitung ist überraschend hochwertig und die Kiste dabei relativ flach. Wer es genau wissen möchte: 41,5 cm x 28 cm x 5,5 cm (BxTxH) inklusive Potis sowie 2,5 kg. Dank der großen Oberfläche und dem üppigen Abstand der Potis und Taster zueinander sollten selbst die dicksten Wurstfinger ausreichend Spielraum haben. 

Bleiben wir kurz bei den Äußerlichkeiten und checken die Rückseite sowie ihre Anschlüsse ab: Zunächst wären der Stromanschluss für das 100 – 240 Volt Netzteil und der Hauptschalter zu nennen. Daran anschließend finden wir eine USB-Buchse für die MIDI-Kommunikation mit der DAW sowie zur Nutzung der Arturia MIDI Control Center Software und für Updates der Firmware.  Mit der MIDI Control Center Software können unter anderem Patterns archiviert und auch am Rechner programmiert werden.

Einen klassischen MIDI-I/O gibt es auch – allerdings ohne Thru-Funktion – sowie einen Clock-I/O auf Miniklinke und folgenden Clock-Speeds: 24 pulses per quarter note (ppqn), 48 ppqn, 2 ppqn (Korg) und auch single pulse per step.

Einzelausgänge auf Mini-Klinke, Main Out in Mono

Auf der rechten Seite wird es dann analog: Hier finden wir elf Einzelausgänge auf 3,5 mm Klinke für die einzelnen Instrumente, woraus sich ergibt, dass einige Instrumente ihren Ausgang teilen. Wird ein Kabel eingesteckt, entfällt das Instrument dem Main-Out und dem Kopfhörerausgang. Mini-Klinke ist natürlich nicht ideal, aber nun gut. Einen Ausgang für das Metronom gibt es ebenfalls.

Der Mix-Ausgang liegt immerhin als 6,35mm-Klinke vor. Was Arturia allerdings verschweigt, ich euch aber gern mitteile, ist der Fakt, dass dieser unsymmetrisch und mono ist. Mono hat zur Folge, dass es keine Panorama-Funktion gibt.

Ganz außen finden wir die Kopfhörerausgänge mit 6,35mm. und 3,5mm-Buchse sowie einen versenkbaren Regler für deren Lautstärke. Der Master-Volumen beeinflusst den Kopfhörer-Ausgang übrigens nicht in seiner Lautstärke. Wird ein Kopfhörer eingesteckt, wird das Metronom nicht mehr über den Main-Out wiedergegeben. 

Extrem umfangreicher Sequenzer

Der Sequenzer weist einige Gemeinsamkeiten zum Beat Step Pro auf, was gut ist. Es gibt einen Song- und einen Pattern-Mode sowie vier Bänke à 16 Patterns gleich 64 Pattern-Speicherplätze.

Die Sounds und das Filter sind losgelöst vom Sequenzer, – „what you see is what you get“ ist also angesagt und Parameter-Automation damit ausgeschlossen. Ein Steuerung der Parameter via MIDI ist nicht vorgesehen. Aber geschenkt. Bei der Fülle an Parametern und dem avisierten Preis ist dies schlichtweg auch unmöglich gewinnbringend zu realisieren. Anders gesprochen: Der hohe Preis eines Elektron Rytms rechtfertigt sich auch an dieser Stelle.

Dennoch bietet auch dieser Sequenzer einige Überraschungen und wirklich tolle Features. Patterns können bis zu 64 Steps lang sein und im Song-Mode gelinkt werden. Etwas umständlich ist der Weg der Verlängerung über Last Step, wie man es vom Beat Step Pro kennt. Bekannt sein dürften auch die Pattern-Effect-, Swing- und Randomness- Funktionen, welche natürlich auch auf nur einen der Tracks anstatt auf das globale Arrangement angewendet werden können. 

Polyrhythmische Sequenzer-Effekte

Ebenfalls sehr cool – dennoch nicht ganz so vorhersehbar – ist der Step-Repeat, wobei aktuelle Steps entsprechend dem ausgewählten Raster geloopt werden. Die Rate kann dabei mit einem Touch-Strip eingestellt werden, wodurch sehr schnell sehr coole Breaks erzeugt werden können. Der Strip kann aber auch verwendet werden, um Rolls bzw. Note Repeats während der Aufnahme zu erstellen. 

Natürlich können auch unterschiedliche Time-Divisors (1/8, 1/8T, 1/16, 1/16T, 1/32) und unterschiedliche Sync-Quellen gewählt werden (Int., USB, MIDI, Clock). Das Tempo kann getappt sowie auf Hundertstel-BPM genau per Encoder eingestellt werden. Das Metronom verfügt ebenfalls über einen eigenen Lautstärkeregler.

Richtig „fancy“ wird es allerdings mit Polyrhytm, wobei hier pro Sequenzer-Spur mit unterschiedlichen Pattern-Längen sowie Time-Division gearbeitet werden kann (Takt-Arten). IDM-Freunde sollten auf alle Fälle auf ihre Kosten kommen!

Geteilte Sounds, aber individuelle Sequenzerspuren

Fast überflüssig zu sagen: Es gibt natürlich einen Live-Write und einen Step-Mode, um die Kiste zu programmieren. Jedes Instrument hat ferner einen eigenen Sequenzer-Channel spendiert bekommen, auch wenn sich die Sound-Engines teilweise die Parameter teilen. 

Einen einfachen Accent gibt es ebenfalls, genau wie eine Mute- und Solo-Funktion. Hierbei ist es besonders schön, dass sich mit einem Befehl alle Mutes und Solos auch mit einen Tastendruck wieder aufheben lassen. 

17 Sounds, 12 umschaltbare Slots

Kommen wir zum wichtigsten Teil einer Drum Machine, der Klangerzeugung: Mit 17 analogen Instrumenten geizt Arturia gewiss nicht, selbst wenn sich einige Instrumente Parameter und Sequenzer-Spuren teilen. Die Kicks, die Snare, die Clap und der Zap sind umfangreichsten parametrisiert. Bei den anderen Instrumenten definieren verhältnismäßig wenige Parameter den Sound. Manche kennen eben nur Level. Das ist aber auch insgesamt nicht so schlimm, solang es denn klingt. 

Bei den geteilten Instrumenten verhält es sich jedenfalls so, dass mit einem kleinen Taster umgeschaltet wird und der Sound dann mit dem geteilten Drumpad triggerbar wird, sich also individuell sequenzieren lässt, denn pro Instrument gibt es auch einen Channel im Sequenzer. Allerdings teilen sich die Sounds die Parameter, in den meisten Fällen aber nur das Level.

Eine Ausnahme ist die Tom/Conga-Kombination, da hier Pitch auf beide gleichzeitig wirkt. Zwei tiefe Toms und zwei hohe Congas zu spielen ist also nicht möglich – aber verschmerzbar! Bevor ich nun mühsam alle Parameter aufzähle, kurble ich am besten alle Sounds der Reihe nach durch – denn hören und sehen ist besser als nur lesen!

Damit hätten wir es fast auch. Es bleibt das analoge Filter inklusive Resonanz zu nennen, welches auf den Main Out wirkt und zwischen High- und Low-Pass umschaltbar ist und einen Bypass besitzt. Ein getrenntes High- und Low-Pass wäre sicherlich schöner.

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