Software Freeware PlugIn Effekte
Test
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03.09.2018

Ample Percussion Cloudrum Test

Freeware Sample Instrument

Karibikfeeling mit der Steel Tongue Drum

Steel Tongue Drum, Steel Drum und Hand Pans sind aus keinem Sommerhit wegzudenken. Die Firma Ample Sound bietet mit der Cloudrum einen Freeware Software Sampler an, der sich mit den teuren Alternativen messen lassen kann. Das Summerfeeling ist (vor-)programmiert.

Der Sound der Steeldrums, bei dem aus speziell gehämmerten halben Ölfässern zauberhafte Klänge gelockt werden, ist seit ihrem Entstehen in den 70ern eng verbunden mit Genres wie Reggae, Dancehall und karibischen Beats. Aber die Steeldrums waren schwer, umständlich zu transportieren und rosteten schnell. 2001 entwickelte und veröffentlichte dann die Firma Panart die Hang, eine sogenannte Handpan, zu der es nicht mehr die bei den Steeldrums nötigen Schägel und Aufsteller brauchte. Die Hang wurde schnell ein großer Erfolg, Panart limitierte jedoch die Stückzahlen und stellte die Produktion schließlich ein. Das wiederum rief viele Nachahmer und Soundtüftler auf den Plan, unter anderem den Amerikaner Dennis Havlena. Basierend auf der Hang entwickelte er die Steel Tongue Drum. Da er eine Hang aus einem Progangastank baute, nannte er seine Entwicklung Hank (Hang + Tank) und stellte sie 2007 vor. 

Die Softwarefirma Ample Sounds hat eine Hank für ihr Software-Instrument Cloudrum gesampelt. Bisher bekannt für ihre sehr natürlich klingenden und äußerst detailliert arbeitenden Saitensampler Ample Guitar T II, Ample Bass J II und Ample Ethno Ukulele haben sich die Chinesen mit der Cloudrum auf neues Terrain gewagt.

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Details und Praxis

Installation

Cloudrum gibt es auf der Seite von Ample Sounds als kostenlosen Download. Lobenswert und bei Freeware-Plug-ins eher ungewöhnlich ist die Tatsache, dass es neben den üblichen VST- und AU-Versionen auch noch eine AAX-Version des Instruments gibt. So können auch Pro Tools Nutzer das Plug-in nutzen. 

Eine Installations- und Bedienungsanleitung gibt es ebenfalls auf der Seite. Für Verwirrung sorgt hier allerdings, dass schlicht die Installations-Anleitung einer ihrer Gitarrensampler kopiert und die Namen nicht korrigiert wurden.

Technische Details

Die Steel Tongue Drum wurde auf drei Oktaven (E2 bis E5) und auf drei Velocity Layer gesampelt. So gibt es für jede der 36 Noten drei Samples, eins leise, eins mittellaut und eins laut, was eine größere Natürlichkeit erzeugt. Bei großen Sample-Libraries können es bis zu 40 Velocity Layer sein. 

Für größeren Variantenreichtum bei den Sounds sorgen getrennte Module für die Nah- und für Raumaufnahme sowie ein Synthesizer-Modul, das die für Steel Tone Drums typischen Obertöne unterstreicht. Alle drei können anteilig zugemischt, solo geschaltet oder gemutet werden und haben eigene Hüllkurven. 

Weiterhin sind mit einem Kompressor, einem 5-Band-EQ, einem Reverb und einem Delay vier individuell zuschaltbare Effekte mit an Bord. Die Kombination aus drei Soundquellen, verschiedenen Velocity-Layern und Effekten resultiert in vier verschiedenen Artikulationen, die der Spielweise einer echten Steel Tongue Drum nahe kommen sollen: Open (offen), muted (gedämpft), opened release (langer Nachklang) und muted release (kurzer Nachklang).

Oberfläche und Workflow

Cloudrum ist simpel und intuitiv gestaltet, sodass ihr euch schnell zurecht findet. Im linken Bereich gibt es eine virtuelle Abbildung einer Hank, wo ihr durch Klicken auf jeder der „Metallzungen“ (daher der Name Steel Tongue Drum) die ersten Sounds erzeugen könnt. Darunter ist an eine Klaviertastatur erinnernd ist die komplette Palette der 36 Sounds anklickbar. Auf den Tasten C2, C#2, D2 und D#2 sind die eben erwähnten vier verschiedenen Artikulationen anwählbar. Ähnlich kennt man es aus vielen Orchester-Instrumenten in Kontakt.

In der oberen Leiste lassen sich Presets wechseln, speichern und laden sowie oben rechts einige Einstellungen des Plug-ins verändern. Hier könnt ihr unter anderem den Speicherort der Samples und die Grundstimmung einstellen, falls euch 440 Hz nicht mehr zeitgemäß scheint oder euch der Mond für heute 445 Hz befiehlt. Mit „Max Voices“ bestimmt ihr, wie viele Noten der Sampler gleichzeitig abspielen kann. Hier sind bis zu 128 möglich. Bei „Velocity Sense“ kann eingestellt werden, wie sensibel das Plug-in auf eure Spielweise reagiert. Je höher der Wert, desto schneller springt es je nach Tastenanschlag von einem Layer in den nächsten. Der „Layer Threshold“ teilt ein, ab welchem Velocitywert welches der drei Layer getriggert wird. Hier kann es je nach eurem Controller und der Empfindlichkeit der Tasten Sinn machen, die Werte eurer Spielweise anzupassen.

Im rechten Bereich stellt ihr oben die drei Klanganteile der Steel Tongue Drum und rechts unten die jeweiligen Hüllkurven ein. Wie erwähnt bestimmt der Fader bei „Body“ den direkten, der bei „Amb“ den Raum- und der bei „Synth“ den Resonanzanteil. Bei „Amb“ gibt es zusätzlich einen „Width“-Regler, der sich nach einigem Herumprobieren aber als schlichter Stereo-Mono-Regler entpuppt, der das Raumsignal auf der Mono-Seite fast gänzlich in sich zusammenfallen und verschwinden lässt. Weiter bestimmt ihr beim „Main“-Kanal die Gesamtlautstärke des Plug-ins, könnt das Panning intern festlegen und unter dem Fader über die vier Buchstaben Q (EQ), C (Kompressor), R (Reverb-Send) und D (Delay-Send) Effekt aufrufen.

Durch Klick auf den jeweiligen Buchstaben öffnet sich der Effekt im rechten Bereich und muss dann, falls der Buchstabe noch nicht aufleuchtet, erst noch aktiviert werden. Für ein Freeware-Plug-in gibt es ordentlich Bearbeitungsmöglichkeiten. Der EQ hat Hi-Cut- (16k) und Lo-Cut-Filter (100Hz) sowie drei Bänder (200Hz, 1kHz, 4kHz), die jeweils gedämpft oder anhoben werden können. Auch Kompressor, Reverb und Delay haben die bekannten Einstellungen, die beiden letzteren sogar vorbildlich einen Zumisch-Regler. 

Zu guter Letzt gibt es drei Envelope-Generatoren, die umschaltbar jeweils die Hüllkurve der Artikulation „Mute“, „Sustain“ und des Synthesizers bestimmen. 

Klang

Zur Veranschaulichung der klanglichen Möglichkeiten von Cloudrum habe ich in Ableton 10 ein Beispiel per Controller eingespielt, und dieses in den zwei Artikulationen „Open“ und „Mute“ exportiert. Um die zwei verschiedenen Release-Modi „Open Release“ und „Muted Release“ zu veranschaulichen, gibt es jeweils ein Audiobeispiel. ie Dämpfung von Noten funktioniert bei Cloudrum so, dass, sobald eine Note gedämpft werden soll, eine der beiden Tasten (D2 oder D#2) nach dem Anspielen gedrückt werden muss.

Zusätzlich habe ich drei Beispiele per Sequencer kreiert, da hier der Fokus eher auf den Effektmöglichkeiten und mitgebrachten Presets des Plug-ins lag. 

Der Unterschied zwischen „Open“ und „Mute“ ist deutlich zu hören, ersteres klingt viel metallischer, die virtuellen Resonanzen des Kessels sind präsenter. Den Unterschied zwischen „Open Relase“ und „Muted Release“ wiederum zu erkennen, ist auch nach mehrmaligem Hören nicht leicht. Der gleichermaßen gedämpfte Nachklang wirkt bei „Muted Release“ minimal dumpfer.

Beispiel 5 zeigt Cloudrum als schlichten Synthesizer im Einsatz, der aber mit entsprechender Hüllkurve (Attack und Release über 500ms) und viel Reverb einen durchaus ordentlichem Flächensound hervorbringt. Etwas tiefer ins Sounddesign geht es dann, Reverb und Delay sind im sechsten Beispiel über den Verlauf des Loops entgegengesetzt automatisiert, am Ende wird der Stereo-Delay sehr prägnant hörbar. Als letztes Hörbeispiel habe ich das Preset „Double Open“ geladen, da es sehr viele der erwähnten Effekte vereint.

Fazit

Cloudrum von Ample Sound bietet eine hervorragend klingende Steel Tongue Drum mit einem übersichtlichen Interface. Ob über die mitgelieferten Presets oder eigens eingestellte Sounds – das Plug-in klingt insbesondere über die besondere Dämpfungsmethode sehr natürlich. Diese sind in Klangvielfalt, Dynamikumfang und Spielbarkeit dem virtuellen zwar immer noch überlegen, vor den Bezahl-Alternativen wie „Steel Tongue Drum“ von Precision Sound, „Steel Tones“ von Soundiron, „Tank Drum“ von Audiothing oder „The New Alien Drum“ von 8dio muss sich Cloudrum keineswegs verstecken.

  • Pro
  • natürlich klingende Steel Tongue Drum
  • Sounddesign-Möglichkeiten über hervorragend klingende Effekte und Hüllkurven
  • Anpassung der Artikulation und natürliche Dämpfung der Töne
  • Contra
  • Effektparameter oft unklar, da Werte auch im Handbuch nicht erklärt werden
  • Delay-Effekt lässt sich nicht mit DAW synchronisieren
  • Handbuch lässt einiges unerklärt
  • Features
  • Steel Tongue Drum Sampler Instrument mit Multi-Layer Sampling über 3 Oktaven, 4 zuschaltbaren Effekten und verschiedenen Artikulations- und Dämpfungsmodi.
  • Preis
  • kostenlos

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