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Test
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10.02.2015

Praxis

Kommen wir nun zu den Einsatzmöglichkeiten der beiden Controller. Für unseren Test habe ich beide Geräte via USB mit dem Rechner verbunden. Das V49 leuchtet dabei sofort auf und ist einsatzbereit, beim VI49 muss zunächst der On/Off-Schalter betätigt werden. Letzteres ist durchaus ein Vorteil, denn wenn der Controller nicht benötigt wird, kann er trotz angeschlossenem USB-Kabel ausgeschaltet werden.

Editor

Für jedes Keyboard der V- und VI-Serien gibt es jeweils eine passende Editor-Software, mit deren Hilfe alle Bedienelemente (Pads, Drehregler, Taster etc.) MIDI-Kanälen und -Controllern zugeordnet werden können. Ohne diese Software ist das Konfigurieren der Controller nicht möglich – etwas schade, wie ich finde. Denn für Einsatzzwecke z.B. auf der Bühne müssen die Keyboards dann im Vorfeld am Computer konfiguriert werden. Die Installation der Software ist allerdings schnell erledigt und nun kann je nach Bedarf justiert werden. Im Editor gibt es für die verschiedenen Gruppen (Taster, Pads, Drehregler etc.) separate Reiter, in denen für jedes Bedienelement z.B. der MIDI-Kanal, Modus (u.a. Note, CC Toggle oder CC Momentary) und bei Tastatur und Pads auch die Velocity-Kurve festgelegt werden können. Durch Klicken auf die Bedienelement-Gruppen auf dem virtuellen Keyboard gelangt man schnell zum entsprechenden Reiter, aber nicht unbedingt direkt zum einzelnen Bedienelement. Vor allem bei den zahlreichen Tastern und Pads muss man manchmal noch durch einige Unterseiten blättern, bis man am Ziel ist. Beim V49 ist dies natürlich noch etwas übersichtlicher als beim VI49, da es nur wenige Controller gibt. Beim VI49 hingegen ist das Menü schon etwas üppiger. Dennoch ist die Bedienung sehr einfach und die Konfiguration ist schnell erledigt. 

Speicherplätze

Wer seinen Controller angepasst hat, kann diese Einstellungen bei beiden Geräten in Form von Presets auf dem Rechner und auf dem Gerät abspeichern. Die VI-Serie hat allerdings den Vorteil, dass es direkt im Keyboard 24 Preset-Speicherplätze gibt. Bei den V-Keyboards kann leider nur ein Preset zur Zeit gespeichert werden, das sich bei Bedarf per Software Editor austauschen lässt. In Anbetracht des reduzierten Funktionsumfangs geht das aber in Ordnung – in aller Regel wird man wohl mit einem Speicherplatz auskommen.

Zum Erstellen eines Presets müssen die Controller übrigens nicht an dem Rechner angeschlossen sein. Mit dem Editor lassen sich die Presets auch „offline“ erstellen und speichern und können auch nachträglich in die Geräte geladen werden.

Display

Nur die Keyboards der VI-Serie verfügen über Displays. Die dreistellige 7-Segment-Anzeige zeigt im Ruhezustand die Nummer des gewählten Presets. Berührt man dann beispielsweise einen Drehregler, so wird dessen MIDI-Wert (von 0-127) im Display angezeigt und bleibt etwa 4-5 Sekunden sichtbar. Danach wechselt die Anzeige wieder zum angewählten Programm.

Tastatur

Kurz gefasst: Beide Tastaturen fühlen sich – in Anbetracht der Preisklasse – recht solide an. Natürlich darf man hier keine Wunder erwarten. Von einer gewichteten Tastatur mit Hammermechanik sind beide Kandidaten weit entfernt, für typische MIDI-Keyboards möchte ich sie aber als gut gelungen bezeichnen. Übrigens habe ich mich im Testverlauf mehrmals gefragt, ob die Tastaturen der V- und VI-Serien abgesehen vom Aftertouch identisch sind. Im Fall der beiden Testkandidaten konnte ich ein paar leichte Unterschiede feststellen: Die Tastatur des VI49 hatte einen Hauch mehr „Piano-Feeling“, fühlte sich aber auch – wenn auch nur minimal – etwas „wabbeliger“ an. Die Tasten trafen nicht so schnell an einen Anschlagspunkt wie beim V49. Insgesamt ist dieser Unterschied zwar kaum merklich und könnte auch in Fertigungstoleranzen begründet sein, jedoch habe ich dies während meines Tests mehrfach feststellen müssen.

Bei den Keyboards der VI-Serie gibt es einen Split-Modus, sodass man die Tastatur an einem einstellbaren Punkt teilen und beide Bereiche jeweils unterschiedlichen MIDI-Kanälen zuweisen kann. Auch die Transposition und die Velocity-Kurve lassen sich für beide Zonen getrennt konfigurieren. Die Keyboards der V-Serie bieten diese Funktion leider nicht.

Pads und Controller

Besonders die Pads der beiden Keyboards können in der Praxis punkten: Sie fühlen sich wirklich gut an und beflügeln durch ihre Anschlagdynamik nicht nur kreatives Arbeiten mit Drumsamples, sondern eignen sich auch für eine Reihe anderer Zwecke, z.B. als Clipsteuerung für Ableton Live. Außerdem können sie Program Changes senden, was im Livebetrieb sehr praktisch sein kann.

Mit den Drehreglern und Tastern lassen sich eine Menge Parameter steuern, die Einsatzmöglichkeiten sind dank der flexiblen Konfigurationsmöglichkeiten sehr vielseitig. Fraglich ist allerdings insbesondere bei der VI-Serie, ob man an dieser Stelle nicht lieber ein paar Fader anstelle der vielen Taster hätte unterbringen sollen. Die 36 Taster des VI49 sind mir persönlich einfach zu viel. Eine Mischung aus Fadern und Tastern wäre mir lieber gewesen und bei der QX-Serie von Alesis gab es die Fader auch noch. Aber letztlich ist das ist natürlich eine Frage des persönlichen Bedarfs und wer Fader braucht, findet auf dem Markt ja genügend Alternativen.

Clock Generator und Roll-Funktion

Kommen wir nun zu einem weiteren Feature, das nur die VI-Reihe besitzt. Hier ist ein interner Clock Generator verbaut, der als Taktgeber für den sogenannten Roll-Modus dient. Aktiviert man eben diesen „Roll“-Button, so beginnt die interne Clock zu arbeiten. Das erkennt man an dem benachbarten Tempo-Taster, der fortan rhythmisch blinkt. Betätigt man im Roll-Modus nun eines der Drumpads, so wird es in einem rhythmischen Intervall getriggert und damit sozusagen in einen „Notenwirbel-Modus“ versetzt. Mit Hilfe von acht Tasten über der Tastatur wird dann das Zeitraster eingestellt, von Viertelnoten bis hin zu 32tel-Triolen. Das Tempo lässt sich über den blinkenden Tempo-Taster „eintappen“. Die Idee hinter dieser Funktion ist z.B. das vereinfachte Erstellen von sogenannten „Buildups“, d.h. Wirbeln, die sich stufenweise immer weiter steigern und aus dem Dance-Bereich bekannt sind.

Der praktische Nutzen dieser Funktion ist allerdings fraglich, da sie in meinen Augen noch nicht richtig ausgereift ist. Beim Testen habe ich feststellen müssen, dass sie leider häufig etwas „springt“, wenn man die Pads oder Taster nicht ganz rhythmisch sauber trifft. So kommt es dazu, dass sich die Noten beim Wechseln in die nächst kleinere Unterteilung verschieben (z.B. im Offbeat). Hinzu kommt, dass sich die interne Clock nicht mit der Host-Clock synchronisieren lässt – das wäre in meinen Augen sehr wünschenswert. In dieser Hinsicht kann man den Roll-Modus also eher als kleines Add-On oder als Inspirationsquelle betrachten. Solide Buildups ohne Sprünge sollte man dann eher per MIDI in einer DAW programmieren.

Integration in eine DAW

An dieser Stelle möchte ich kurz auf die mitgelieferte Anleitung eingehen. „Kurz und knapp“ lautet hier das Motto und es hätte hinsichtlich einiger Anwendungen wirklich nicht geschadet, wenn die Bedienungsanleitung etwas ausführlicher ausgefallen wäre. Viele Details werden nur kurz angerissen und sind sehr spärlich erklärt. Da beide Controller recht überschaubar sind, kommt man damit dennoch recht weit. Bei der Integration der Controller in eine DAW (in meinem Fall war es Cubase) hat es dann aber doch ein bisschen gedauert, bis ich den Dreh raus hatte. Zwar wird das Keyboard sofort erkannt, doch brauchte es in meinem Fall ein paar Versuche, bis die DAW beispielsweise das Transportfeld des VI49 erkannt hat. Das ist natürlich nicht zwangsläufig die Aufgabe des Herstellers, doch würde eine ausführlichere Anleitung oder sogar ein kurzes Videotutorial noch schneller dazu führen, dass man loslegen kann. 

XPand!2

Zusätzlich zu einer Lite-Version von Ableton Live 8 erhält man mit den Keyboards der V- und VI-Serien eine Vollversion von Air Music Tech XPand!2. Diese virtuelle Sample-Workstation wird als VST- oder AU-PlugIn in einer DAW betrieben und lässt sich dort ganz einfach über die Alesis-Controller anspielen. Nach dem Download der ca. 1,3 GB großen Datei (nach der Installation beträgt die Größe 1,59 GB) lässt sich das Programm in wenigen Sekunden installieren und ist sofort spielbereit.

In die vier Slots des Plugins kann jeweils einer von über 2500 verschiedenen Sounds geladen werden. Die in 29 Kategorien aufgeteilten Klänge reichen von klassischen Piano- und Synthesizersounds bis hin zu Effektklängen und Loops. Beim Testen bin ich auf eine interessante und breitgefächerte Auswahl an Klängen gestoßen. XPand!2 ist in dieser Hinsicht eine willkommene Inspirationsquelle für alle, die ohne langes Suchen ein paar brauchbare Sounds finden möchten. Neben den typischen "Brot- und Buttersounds" sind hier vor allem eine Menge schöner sphärischer Pads und Synthsounds oder Streichersounds mit verschiedenen Artikulationen zu finden, die mich spontan sehr an Filmmusik erinnerten. Hören wir uns eine Auswahl verschiedener Sounds an:

Schön ist dabei, dass man über die vielen Knöpfe der Alesis-Controller direkten Zugriff auf voreingestellte Parameter der verschiedenen Sounds hat. So lässt sich der Filter-Cutoff mancher Lead-Sounds z.B. über das Modwheel steuern oder die Lautstärke der Patches untereinander mit den Drehreglern des V49 verändern. Die Software lässt sich sehr intuitiv und vollständig über die übersichtliche Oberfläche bedienen – es gibt keine verschachtelten Untermenüs. Lediglich bei der Anwahl der Sounds öffnet sich ein kleines Dropdown-Menü.

Hat man einen Sound angewählt, so gibt es ein paar wenige Einstellmöglichkeiten. Besonders einfach ist das Hinzufügen der beiden Effekte FX1 und FX2, welche eine Menge typischer Modulationseffekte (wie z.B. Phaser oder Chorus) beeinhalten und über die Send-Regler der vier Patches adressiert werden können. Wer etwas mehr ins Detail gehen möchte, kann rechts in den Leisten der vier Patches unter den Buttons „Play“, „Arp“ und „Mod“ Änderungen wie z.B. Splitpunkte, Pitchbend-Range, Arpeggiatoreinstellungen und Modulationsquellen bzw. -ziele justieren. Die Einstellmöglichkeiten sind hier allerdings nicht besonders üppig, was aus pragmatischer Sicht aber durchaus seine Vorteile haben kann.

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