Hersteller_Akai
Test
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05.01.2010

Bedienpanel links
Auf dem Panel links findet man drei Räder: Ein Pitchwheel, mit dem man die Stimmung eines Ozillators um bis zu zwölf Halbtöne nach oben oder unten verstimmen kann, rechts daneben zwei frei belegbare Modwheels namens MOD1 und MOD 2. Die Räder fassen sich gut an, können beim Spiel gleichzeitig bedient werden und machen optisch besonders bei abgedunkeltem Licht 'was her!

Rechts neben den Wheels wartet die Buchse auf das Schwanenhalsmikrofon. Darunter die Potis X,Y und Z als frei einsetzbare Endlos-Encoder, die bei den Presets meist schon mit naheliegenden Parametern wie Cutoff-Frequenz, Filterresonanz oder Effekt-Mix belegt sind.

Bedienpanel rechts
Auf der rechten Seite stößt man auf Taster, die unter dem Namen Performance Controls zusammengefasst werden:

-    Pattern-Play (zum Abspielen von Sequenzen im Multimode)
-    Phrase Arp (zum Aufnehmen und Abspielen von Sequenzen oder Arpeggios)
-    Latch Arp (eine manuell aktivierbare Sustainfunktion)
-    Zwei Oktav-Transponierknöpfe für die Tastatur
-    Tap Tempo mit im Tempo blinkender Leuchtdiode.

 

Neben den Performance Controls ist das Navigationszentrum des Miniaks platziert: ein zweizeiliges 32 Digits Display, das aber leider nicht angewinkelt ist. So muss man sich zum Ablesen immer etwas über den Miniak beugen. Wer einen entsprechenden Keyboardständer besitzt stellt sich den kleinen Synth daher am besten schon leicht angewinkelt auf. Gleich rechts neben dem Display befindet sich der DATA Encoder, mit dem man per Drehen&Drücken in die Tiefen der Klangerzeugung einsteigen kann, und der Poti für die Gesamtlaustärke. Darunter die Taster Config für globale Einstellungen und der selbsterklärende Taster Store.


Program Controls
Im rechten unteren Bereich befindet sich die Sektion Program Controls. Vier verschiedene Modi können hier aktiviert werden:

-    Multi: der Arrangier-Modus. Vier verschiedene Sequenzen und Beats können hier kombiniert werden und gegebenenfalls gleichzeitig erklingen.
-    Sequences: in dieser Betriebsart erzeugt oder editiert man einzelne Sequenzen und Arpeggios.
-    Rhythm: der Beat Step-Sequenzer mit Einspiel- und Editiermöglichkeiten
-    Programs: der Synthesizer Spiel-Modus.

Tastatur
Der Miniak besitzt eine Tastatur mit 37 normal-großen, anschlagsdynamischen Tasten, allerdings ohne Aftertouch.


Anschlüsse auf der Rückseite
Auf der Rückseite findet man den Power On/Off Schalter sowie die Buchse für das externe Netzteil (mit Kabelsicherungsklemme!), Audio Output (Stereo, 2x Klinke), Headphones (1x Stereoklinke), Audio Input (Stereo, 2x Klinke), jeweils einen Anschluss für Expression- und Sustainpedal, MIDI Trio und Kensington Lock. Alle Audio Ein- und Ausgänge sind symmetrisch ausgelegt, die Ein- und Ausgangswandler arbeiten in 24bit Qualität. Aber hoppla, da fehlt doch noch was .... wo ist denn der USB Anschluss??? - Es gibt keinen!

Oszillatoren
Wie schon gesagt, handelt es sich hier um einen virtuell analogen Synthesizer, die Subtraktive Synthese wird also digital nachgebaut. So stehen selbstverständlich die Oszillatoren am Anfang des Signalflusses. Gleich drei davon sind an Bord, den Eingang für externes Audio könnte sogar noch als vierter bezeichnet werden. Die drei internen Oszillatoren können in verschiedenen Oktav- und Semitonlagen die Wellenformen Sinus, Dreieck, Sägezahn und Puls erzeugen und natürlich auch im Mikrobereich gestimmt werden. Maximal acht Stimmen gleichzeitig sind möglich.

Features der Oszillator Sektion sind verschiedene Unison-Modi mit bis zu acht Stimmen pro Note. Dabei lässt sich ein globales, regelbares Detune für alle verwendeten Unison-Stimmen anwenden, bestens geeignet für fette bis seifig-waberige Leads und Bässe.
Selbstredend kann es der Miniak natürlich auch achtstimmig polyphon.

Weiter hervorzuheben wäre Analog Drift, ein nicht-statisches, leichtes Verstimmen wie bei „echten Analogsynths“, natürlich in seiner Intensität regelbar. Des weiteren stehen verschiedene Portamento-Typen und Oszillator Frequenzmodulation (FM) zur Verfügung. Bei letzterer kann grundsätzlich lineare oder exponentielle Modulation ausgewählt werden, folgende Schaltungen sind möglich:

Osc 2 -> Osc 1
Osc 2+3 -> Osc 1
Osc 3 -> Osc 2 -> Osc 1

Im Audioplayer unten sind ein paar FM-Settings zu hören und auch ein Beispiel, wie man mit Frequenzmodulation aus einem harmlosen Synth-Orgelklang eine kratziges Pad machen kann.


Oscillator Sync
Und nicht zuletzt sei die Möglichkeit des Osc-Sync erwähnt. Möglich sind hier die Optionen Hard 2 ->1 und 2+3 -> 1 sowie Soft 2 -> 1 und 2+3 -> 1.

Pitchbend Modi
Der Miniak bietet zwei interessante Pitchbend-Modi. So kann man zum Beispiel bestimmen, dass nur einer der drei Oszillatoren gepitcht wird, die anderen aber ihre Tonhöhe behalten. Im folgenden Beispiel wird nur der Osc 1 gepitcht, Osc 2 und Osc 3 behalten ihre Tonhöhe.

Und der Miniak bietet noch eine weitere Option zum Thema Pitching: So ist es mit der Option Bend Held Notes möglich, nur Noten mittels Pitchrad zu verändern, die gedrückt sind. Noten, die noch ausklingen, werden davon nicht berührt. Das funktioniert gut bei Sounds mit langem Sustain (Pads, Strings usw).

Pre-Mixer
Zwischen Oszillatoren und Filter befindet sich der Pre-Mixer, in dem die Lautstärken der einzelnen Oszillatoren angepasst werden können, bevor ihre Signale die nachfolgenden zwei Filter passieren. Auch kann hier bestimmt werden, welcher Anteil eines jeden Oszillatorsignals zu einem der beiden Filter geleitet wird. Bei extremen Einstellungen können die zwei Filter damit also auch parallel arbeiten. Im Pre-Mixer findet man außerdem einen zumischbaren Rauschgenerator mit rosa oder weißem Rauschen, einen Ringmodulator und die Lautstärkeregelung für den externen Audioeingang.

Filter
Der Miniak besitzt zwei vielseitige Multimodefilter. Von zahlreichen klassischen Filtertypen wie Lowpass, Bandpass und Highpass (den Namenskürzeln nach einschlägigen Synthesizerlegenden nachempfunden) über drei näselnde Vocal-Formantfilter, vier metallisch-androgyne Kammfilter und einem Miniak-eigenen, futuristischen „Phase Warp“-Filter wird hier einiges geboten! Und das in wirklich überzeugender Klangqualität, hier gibt es weder hörbare Parametersprünge noch sonstige digitale Artefakte. Besonders die warmen, kräftigen Lowpassfilter-Emulationen von Vintage Synths à la Moog, ARP, Oberheim und Roland sind ein Highlight des Miniaks!

Post-Mixer
Hinter den Filtern ist der Post-Mixer positioniert, in dem man Justierungen an den Lautstärken der Ausgangssignale (also NACH der Filterbearbeitung) sowie an ihrer Position im Stereopanorama vornehmen kann. So ist es möglich, Filter 1 auf die linke Seite und Filter 2 auf die recht Seite des Stereobildes zu mischen, und natürlich auch alle möglichen Zwischenschritte. Eine gute Möglichkeit um „breite“, räumlich wirkende Sounds erstellen.

Out / Effekte
Hier sind verschiedene Effekte angesiedelt: Neben Dynamik Effekten wie Kompressor und Limiter findet man hier auch Tube Saturation, Distortion und Ampsimulationen sowie verschiedene Chorus Typen, Phaser, Delays und Reverbs. Die Effekte sind alle gut einsetzbar, und dass der Miniak einen Tap-Tempo-Taster hat, lässt besonders bei den Delays große Freude aufkommen! Noch ein Nachsatz zu den Verzerrungs-/Sättigungs-Effekten: Sie klingen gut, so weit digitale Verzerrungssimulationen eben „gut“ klingen können. Ich persönlich bevorzuge in diesem Punkt unbeirrbarer die wirklich analogen Geräte, für meine Ohren klingen sie einfach immer (noch) wärmer und edler.

Hüllkurven, LFOs und Modifier Sektion
Drei ADSR-Hüllkurven stehen bereit, um dem Signal noch Feinschliff in Sachen Dynamik zu geben. Für die zwei LFOs können die Wellenformen Sinus und Dreieck gewählt werden, ihre Geschwindigkeit kann frei eingestellt, zum globalen Tempo des Miniaks oder auch einer externen MIDI Clock gesynct werden. Aber auch Synchronisation untereinander ist möglich! Zusätzlich steht ein S/H-Generator (Zufallswelle) für abgefahrenere Modulationen bereit.
Wer komplexe oder ungewöhnliche Modulationen liebt, wird Gefallen an der Modifier-Sektion finden, die das Verknüpfen von Modulationsquelle und Modulationsziel erlaubt. Insgesamt sechs so genannte "Slots" stehen hier zu Verfügung, in denen man beispilesweise Parametermodulationen wie "Velocity -> Pitch Osc" vornehmen kann. Auch die Mod-Wheels werden hier als Modulationsquellen zugewiesen.

Audioeingang
Den Audioeingang an der Rückseite (Stereo, symmetrisch, 24bit Wandler) kann man benutzen, um externe Signale mit Filtern, Hüllkurven und sämtlichen Modulationsquellen und FX zu bearbeiten. Ein Beat, den ich dort aus meinem Rechner in den Miniak hineingeleitet habe, kann dann beispielsweise so klingen:

Mikro & Vocoder
Und last, but not least wäre da natürlich noch das kaum zu übersehende Schwanenhalsmikrofon, das einen stabilen, hochwertigen Eindruck vermittelt. Es ist aus Metall gefertigt und mit zwei Gelenken versehen, sodass man es in jede gewünschte Position bringen kann. Oben thront der zierliche Gitterkorb, der seinen Job als Windschutz und „Pop-Killer“ ganz anständig macht. Trotzdem sollte man Zisch- und P-Laute lieber sanft aussprechen!
Gesang oder Sprache kann – wie auch beim Audioeingang auf der Rückseite – mit den verschiedenen Sektionen des Miniaks bearbeitet werden. Zum Beispiel mit Overdrive oder Delay, für Vocal-SFX gar nicht mal übel!

Und nun zum Vocoder: Hier steht ein 40-Band-Filter bereit, der Sprache, Gesang oder auch Rhythmustracks auf ein synthetisches Trägersignal überträgt. Zusätzlich können Effekte eingesetzt werden. Auf die einzelnen Vocoder-Bänder hat man leider keinen Zugriff, ein kleiner Trost ist der der Parameter „Band Shift“. Von Micky Mouse bis Darth Wader kann man damit sämtliche Stimmen der Fantasy- und Comicwelt erzeugen und es macht Spaß, damit herumzuspielen! Für ernstgemeinte Vocoderstimmen à la Daft Punk, Air und Moloko reicht' dann aber doch nicht ganz, da habe ich schon Besseres aus anderen kleinen Synthies mit Mikro dran gehört. Auch wenn ihn ein schickes Mikrofon ziert, würde ich davon abraten, sich den Miniak in erster Linie für die Erzeugung von Vocoderstimmen zuzulegen, seine Stärken liegen in anderen Bereichen.

 

Viel besser funktionierte der Vocoder nämlich bei Analysesignalen wie Drumstracks, die ich durch den Audioeingang hineinleitete. Unten ein paar Beispiele aus meiner kleinen Session.

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