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Test
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04.03.2021

Praxis

Sprachaufnahmen

Von zu Hause aus die Podcastwelle mitreiten, ein Tutorial mit schönem Voice-Over unterlegen, das Hörbuch für den runden Geburtstag aufnehmen – Sprachaufnahmen sind allgegenwärtig. Und dabei kann einiges schiefgehen. Da bellt der Nachbarshund, der Laptoplüfter rauscht, die Bürowände hallen blechern und den Poppfilter hat man in der Aufregung auch vergessen. 

Klar, Sprachverständlichkeit kann und sollte man üben, einen De-Mumbler wird es so schnell nicht geben. Auch, was den Ausdruck in der Stimme betrifft, haben wir durch Nachrichten, professionelle Podcasts und viele YouTube-Kanäle einen gewissen Anspruch an Betonung und Natürlichkeit, die man oft erst mal trainieren muss. Bei Nebengeräuschen setzt ERA an.

Verbesserung von Sprachaufnahmen – Entfernung von Störgeräuschen

Im Test habe ich verschiedene Szenarien simuliert: Einmal habe ich die direkte Sprachaufnahme in ein handelsübliches Mikrofon (Rode NT2-A) mit Poppfilter unter Einhaltung des empfohlenen Abstands eingesprochen. Als zweites habe ich eine spontane Idee ganz schnell mit dem Laptopmikrofon aufgezeichnet. Anschließend habe ich noch eine Sprachnotiz mit der Sprachmemo-App im iPhone draußen beim Spaziergang vorgenommen. Hinzu kam dann noch eine ebenfalls draußen getätigte Aufnahme mit einem ganz einfachen Fieldrecorder (Zoom H-1). 

Der Noise Remover ist schon in der Standardversion unter eher sanften Einstellungen ein echter Retter für Nebengeräusche. Die mangelnden Detaileinstellungen fallen bei keinem der vier Aufnahmen auf. Am deutlichsten war der Unterschied zwischen Standard- und Proversion des Noise Removers bei den Aufnahmen draußen zu hören. Die Pro-Version konnte den hochfrequenten Straßenlärm besser dämpfen. Beim De-Esser konnten wir keinen nennenswerten Unterschied feststellen.

Der deutlichste Unterschied ist beim Reverb Remover zu hören. Die Pro-Version greift viel sanfter in die Aufnahmen ein. So verschwindet der Hall ohne, dass das Signal hörbar an Qualität verliert. Man muss allerdings in sehr kleinen Dosen Hall entfernen, sonst klingt die Aufnahme schnell phasig und undeutlich. Dazu haben wir den Plosive Remover geladen. Er tut, was er soll, ohne das Signal an anderen Stellen zu beeinflussen. Das „P“ ist noch zu hören, stört aber nicht mehr. 

Verbesserung von Sprachaufnahmen – Verbesserung des Klangs

Die drei Verbesserungswerkzeuge „Voice AutoEQ“, „Voice Deepener“ und „Voice Leveler“ lohnen sich erst einzusetzen, wenn die Aufnahmen soweit wie möglich von Störsignalen befreit sind. Mit dem neuen „Voice AutoEQ“ liefert Accusonus ein Hilfsmittel für zu dumpf- oder dünnklingende Aufnahmen, das sich automatisch auf das Quellmaterial einstellt. Einmal die Spur laufen lassen und „Learn“ anklicken, schon findet das Tool den passenden Anteil an „Body“, „Clarity“ und „Air“. Beim Rode-Mikrofon war der „Voice AutoEQ“ konstant so überzeugt, dass die hohen Frequenzen ganz fehlten und er „Air“ eingestellt hatte. Das wiederum hat die Arbeit des DeEsser-Pro-Plugins teilweise zunichte gemacht. Hier gilt es also abzuwägen, welche Reihenfolge mehr Sinn ergibt. Der „Voice Deepener“ wiederum sollte grundsätzlich an das Ende der Kette gelegt werden. Er scheint dem Originalsignal eine tiefer gestimmte Version beizumischen – das sollte außerdem bei einem möglichst sauberen Signal passieren. 

VoiceEQ und Voice Deepener von Accusonus.

Der „Voice Leveler“ hat mich am meisten enttäuscht. Die bewusst erzeugte Pegelschwankung war mit dem Kompressor in Logic Pro-X um einiges sanfter auszubügeln. Egal, wie man das Plugin einstellt, es übersteuert schnell und zerstört, was man mühsam über die Reinigungstools entfernt hat. Die „Emphasis“-Funktion sorgte genauso wenig für besseren Klang, wie der „Breathe“-Parameter die Atmer entfernte. Hier rächt sich das simple Layout des Plugins. Mit etwas mehr Einstellungsmöglichkeiten, was Frequenzbereich und Kompression betrifft, hätte man sicher mehr daraus können.

Gesangsaufnahmen bereinigen

Mit einer Aufnahme aus dem Test vom September 2018 (link) habe ich die neuen Versionen der ERA-Plugins getestet. Zusätzlich wurde die Gesangsaufnahme über Clipgain in Logic 5dB lauter gemacht, damit sie übersteuert. So können wir die Wirksamkeit des De-Clip-Moduls testen. 

Bis auf eine besonders übersteuerte Stelle schafft das DeClip-Plugin die Entfernung von übersteuernden Pegelspitzen fast ohne Artefakte. Besonders der „High“-Modus im Modul brachte hervorragende Ergebnisse, war aber auch um einiges CPU-hungriger. Dazu haben wir die Hintergrundgeräusche und den Raumanteil entfernt, mit dem „Deplosive“-Modul einige übermotivierte Atmer herausgenommen, das Resultat mit dem „Voice Leveler“ stabilisiert und hochfrequente Konsonanten mit dem „De-Esser Pro“ gedämpft.

Was eventuell schon bei den Sprachaufnahmen aufgefallen ist, wird bei einer derart langen Kette an Audiorestaurationsplugins noch deutlicher hörbar: Das Herausrechnen so vieler Frequenzanteile aus der Aufnahme hat auch seinen Preis. Das Resultat ist zwar rauscharmer, die durch die Plugins entstandenen Artefakte sind aber nun deutlich zu hören. Würde es sich hierbei um eine A-capella-Aufnahme handeln, wäre das wirklich zu viel des Guten. In einem vollen Arrangement wären diese Artefakte kaum zu hören. 

Instrumentenaufnahmen aufräumen

Wenn es schnell gehen muss, weil man gerade eben jetzt einen Einfall hat und die Lieblingsgitarristin zu Besuch ist, gleich aber wieder los muss, dann hat man manchmal einfach gerade einmal noch Zeit, um das Mikrofon aufzustellen und auf Aufnahme zu drücken. Die große Ernüchterung kommt am nächsten Tag: Das Mikrofon war zu weit weg, die Gitarristin hat sich beim Spielen zu sehr bewegt und der Laptoplüfter hat gerauscht, was das Zeug hält. 

Genau das habe ich mit dieser Gitarrenaufnahme versucht zu simulieren: eine schlechte Geräuschkulisse und ein zu großer Abstand zum Mikrofon. Die fertige Aufnahme habe ich dann mit dem DeNoiser etwas gedämpft und die Raumanteile mit dem Reverb Remover Pro gesenkt. Anschließend habe ich mit einem zweiten Denoiser noch einmal das Rauschen bearbeitet. Das Ergebnis könnte sich in einem Arrangement durchaus zeigen lassen.

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