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25.08.2017

7 Punkte, wie du als Light-Operator ganz sicher den Zorn von Kollegen und Bühnenakteuren auf dich ziehst

Lichttechniker sind ein bestimmender Teil der Bühnenshow. Mindestens so wichtig, wie der Kerl am FOH und die Band selbst. Leider ist sich der eine oder andere seiner Bedeutung durchaus bewusst und möchte der Show den eigenen Stempel aufzudrücken. Und der ist nicht immer mit echter Kompetenz gespickt. Die passenden Lichtstimmungen und speziell die Beleuchtung von Personen bieten so einige Tücken.

Damit es nicht zu unverständigen Gesichtern oder wutgeschwängerten Debatten kommt, hier ein paar Beispielsituationen, auf die Bands oder Kollegen vermutlich recht unwirsch bis zornig reagieren - angereichert mit einer Prise Augenzwinkern und einer Handvoll Selbstironie.

Effektüberfrachtung Marke Materialschlacht

Scheinwerfer satt hast du aufgebaut. Wie der dekorierte Weihnachtsbaum hängen die Traversen voll. Der Startschuss fällt, du lässt es blinken, blitzen, rotieren und mehr. Sehr nett, nur scheinbar hast du den Sinn von Licht nicht verstanden. Eine Lichtshow soll unterstützen und untermalen und nicht zum Selbstzweck verkommen. Die Aufmerksamkeit gilt den Künstlern on Stage und nicht dir. Drängst du das Equipment zu sehr in den Mittelpunkt, erntest du keine Anerkennung, sondern wütende Blicke der eigentlichen Protagonisten.

Schlechte Vorbereitung: Mutter aller zertretenen Porzellankisten

Die Band groovt fröhlich vor sich hin, der Saitenakrobat will gleich sein Solo abfeuern. Alle wissen Bescheid, nur du mangels Vorbereitung nicht. Während der Gitarrist seine Klampfe für den Einsatz schon zurechtrückt, bewegen sich alle anderen auf ihre angestammten Bühnenplätze zurück. Aber du denkst, der Titel ist gleich vorbei. Licht aus. Bäm. Peinlich gelaufen. Wer sich nicht wirklich vernünftig vorbereitet, sollte besser gleich die Finger vom Lichtpult lassen.

Dynamik mit Volldampf verwechselt

Höchst selten kannst du das Licht musiksynchron vorprogrammieren. Also bist du auf deine eigenen choreografischen Fähigkeiten im Echtzeitmodus und dein Fingerspitzengefühl angewiesen. Nimm dir ein Beispiel an den Profis. Die wissen, dass es nicht um permanenten Volldampf, sondern um Dynamik und Abwechslung geht. Flankst man die Lichtstrahlen zu früh mit voller Pulle durch die Gegend, sind keine Reserven mehr vorhanden. Die Reaktion auf diese Reizüberflutung: kein Mensch wird die Emotionalität mehr wahrnehmen. Das Publikum schaltet einfach ab. Die Kunst liegt in der Pause. Das gilt nicht nur für Musiker, sondern gleichermaßen für den Lichtoperator.

Nicht debattieren – hinhören und machen

Der Lichtspezialist ist fraglos ein Künstler wie jeder andere. Den extrovertierten Charakter darf er aber gerne zu Hause lassen. Er soll umsetzen, was die Musiker wünschen. Nicht mehr. Einige Enthusiasten fühlen sich zu Diskussionen berufen, wie man die Show noch anders aufpimpen könnte. Behalt die Gedanken lieber für dich. Es ist jetzt gerademal mal nicht der richtige Zeitpunkt für Grundsatzdiskussionen. Am besten kommst du bei allen Beteiligten an, wenn du einfach deine Arbeit nach Vorgaben machst.

Auf der Klaviatur der Farben vergriffen

Licht bedeutet Gefühl in allen Facetten. Exakt das ist der Adressat, den der Lichttechniker im tiefen Inneren treffen soll. Macht durchaus Sinn, sich mal mit den Auswirkungen von Farben auf das menschliche Gemüt zu beschäftigen. Und so hast du dir pflicht- und lichtbewusst die einschlägige Literatur zu Gemüte geführt und das eins zu eins umgesetzt. Stand doch da, dass Grün die Farbe der Harmonie und des Lebens ist, außerdem mit Natur und Frische assoziiert wird. Also rein damit ins Gesicht von Musikern oder Schauspielern, die plötzlich aussehen, als müssten sie sich übergeben. Such‘ dir schon mal einen geeigneten Fluchtweg.

Lichtpositionierung

Voll inbrünstiger Harmonie stehen Sängerin und Sänger am vorderen Bühnenrand und schmachten sich eine Ballade in die Ohren. Die Spannung steigt, das Publikum soll bei den emotionalen Hörnern gepackt werden. Beste Gelegenheit die rührende Romantik inklusive Augenpipi-Faktor mit der Lightshow wirkungsvoll zu untermalen. Du hast gelernt: Weniger ist mehr. Schon schaltest du plastisch wirkendes Seitenlicht und räumliches Gegenlicht ab. Übrig bleibt nur das Vorderlicht. Dazu servierst du noch einen Löffel voll Unterlicht. Muss doch wirken! Tut es auch, aber keinesfalls romantisch; stattdessen krank und widernatürlich. Du hast soeben ein Liebespaar zu einem Monsterpärchen gekürt. Falsch verstandene Reduktion - und schon hast du die beiden Sangesfiguren an den Hintergrund geklebt und ihre Gesichtszüge entstellt.

Zeitfaktor und Aufbau

Wer zu spät kommt, den bestraft, wenn er Glück hat, nur der Zeitplan. Rauscht die Band mit der Backline an, hat der Lichttechniker seine Vorbereitungen natürlich längst abgeschlossen. Sollte er zumindest. Und das endet bei Gestellung, Installation und Montage der Lichtanlage noch lange nicht. Der gesamte Testlauf muss durchgeführt sein, Ziel- und Startpunkte der Heads und vieles mehr müssen auf Funktionalität überprüft sein. Von kleinen Nachjustierungen mal abgesehen. Alles andere würde den Gesamtplan verwirren. Aber teste nur, was auch wirklich Sinn macht. Und nein, du sollst die Pyros nicht zum Test entsichern. Da ist nämlich noch die Sprinkleranlage aktiviert.

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