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26.09.2017

6 Tricks für die perfekte Gitarreneinstellung

Gitarre richtig einstellen für optimale Bespielbarkeit

Stimmt die Einstellung der Hardware nicht, wird einem selbst die edelste Gitarre beim Spielen nur bedingt Freude bereiten. Eine sauberes Setting ist daher das A und O für einen guten Sound und eine optimale Bespielbarkeit. Durch Veränderungen der Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Jahresverlauf ist es außerdem sinnvoll, die Einstellung der Gitarre in regelmäßigen Abständen nachzujustieren.

Im folgenden Artikel zeigen wir euch Tipps und Tricks, mit denen ihr mit etwas Übung eurem Instrument auch daheim in Eigenregie ein gutes und auf eure Bedürfnisse abgestimmtes Setting verschaffen könnt.

Bevor ihr anfangt, an euerem Instrument zu werkeln, stellt sicher, dass ihr die folgenden Utensilien zur Hand habt:

  • Passende Schlüssel für die Saitenreiter und die Schraube des Halsspannstabs
  • Einen Schraubendreher für die Pickups und die Intonationseinstellung der Saitenreiter
  • Ein Stimmgerät

Stimmgeräte

Um die Gitarre zu fixieren und optimal bearbeiten zu können, empfiehlt es sich zudem, mit einem Gitarrenhals-Halter zu arbeiten.

In diesem Workshop wollen wir uns vornehmlich um die Feinjustierung eurer Gitarre kümmern. Wenn ihr sie also länger nicht gespielt habt, stellt zuerst sicher, dass - im Falle eines geschraubten Halses - Letzterer stabil in der Halstasche sitzt. Falls das nicht hundertprozentig der Fall ist, solltet ihr die Schrauben anziehen. Wir gehen in diesem Workshop davon aus, dass die Hals-Korpus-Verbindung in einem korrekten Zustand ist.

Ganz wichtig!

Alle Einstellarbeiten erfolgen für die von euch gewählte Saitenstärke und das gewünschte Tuning. Beides muss also vorher festgelegt werden.

1) Einstellung des Stegs: Intonation und Höhe der Saitenlage

Im ersten Abschnitt wollen wir die Einstellung von Brücke oder Steg optimieren. Hier lässt sich sowohl die Intonation des Instrumentes als auch die Saitenlage ab dem 12. Bund feinjustieren.

Wichtig ist, dass das Tremolo voreingestellt sein muss, wie wir es im Workshop auch am Beispielinstrument sehen. Hier sollte also vorher klar sein, ob es beispielsweise freischwebend arbeiten oder auch komplett fixiert sein soll. Ändert ihr im Nachhinein noch einmal die Grundeinstellung des Tremolos, ist eure vorangegangene Arbeit am Steg hinfällig. Daher stellt sicher, die Grundauslegung des Tremolos schon vorher festgelegt zu haben. Weiterhin muss die Gitarre während der Einstellung der Intonation in der richtigen Stimmung sein und auch immer wieder nachgestimmt werden.

Zunächst kümmern wir uns um die Intonation. Ihr könnt mit dem Stimmgerät ganz einfach überprüfen, ob die jeweilige Saite sauber intoniert, indem ihr das Flageolett am 12. Bund mit dem gegriffenen Ton an selbiger Stelle vergleicht. Sind beide Töne nicht auf einer Höhe, muss der Gesamtabstand der Saite bis zum Steg verkürzt oder verlängert werden. Dafür justiert ihr die mit einer Feder versehene Schraube in kleinen Schritten und überprüft das Ergebnis immer wieder mit dem Stimmgerät. Um den Lack nicht zu zerkratzen, kann man eine Kreditkarte (wie im Bild) als Unterlage nutzen.

Die zwei Madenschrauben am Saitenreiter, die meist bei Strat-Style-Gitarren zu finden sind, sind insbesondere für die Saitenlage ab dem 12. Bund aufwärts zuständig. Der Halsstab, um den wir uns gleich kümmern werden, sorgt zudem für die Einstellung der Saitenlage bis zum 12. Bund.

Beim Einstellen der Saitenreiter mit einem passenden Sechskant-Schlüssel sollten die Saiten zuvor entspannt werden, damit die Schraube beim Bearbeiten nicht beschädigt wird. Die unterschiedliche Höheneinstellung der Reiter berücksichtigt die Wölbung des Griffbretts sowie das Schwingungsverhalten der unterschiedlichen Saitenstärken. Die hohe E-Saite sollte dabei übrigens ein Stück flacher eingestellt sein als die tiefe E-Saite.

Zur Feinjustierung können die beiden Schrauben pro Saitenreiter zudem noch dezent an den Gesamtverlauf angepasst werden. In professionellen Werkstätten nutzt man häufig eine Schablone (siehe Bild), die als Hilfestellung den optimalen Verlauf der Saiten darstellt. Zur Orientierung kann daheim auch ein Kärtchen (wie im Bild) dienen.

Nachdem ihr die Saitenlage an der Brücke eingestellt habt, kann es durchaus sein, dass die Intonation leicht nachjustiert werden muss. Da die einzelnen Arbeitsschritte das Gesamtkonstrukt beeinflussen, gilt diese Regel auch für den kommenden Arbeitsschritt am Halsstab.

2) Halskrümmung

Zur optimalen Schwingung der Saiten sollte der Hals eine leichte Krümmung aufweisen. Ihr könnt den Zustand eures Gitarrenhalses ganz einfach überprüfen, indem ihr den ersten Bund und dreizehnten Bund der E-Saite gleichzeitig herunterdrückt. Liegt die Saite nun schon auf, ist dies ein sicheres Indiz dafür, dass der Hals zu gerade ist. Um dem entgegenzuwirken, muss man die Schraube des Halsspannstabes betätigen. In unserem Falle findet sich diese an der Kopfplatte. Bei schwer zugänglichen Schrauben anderer Modelle, solltet ihr euch gegebenenfalls an einen Profi wenden.

Ganz wichtig!

Auch bei diesem Arbeitsschritt müssen die Saiten zuvor gelöst werden. Überprüft zunächst mit einer leichten Drehung, wie der Hals reagiert und wendet niemals Gewalt an. Im entgegengesetzten Uhrzeigersinn wird bei unserem Modell der Spannstab gelockert und damit die Wölbung verstärkt. Ziel ist es, dass die Saiten auf den Bünden bis zum 12. Bund nicht klirren. Ist dieser Arbeitsschritt abgeschlossen, müsst ihr, wie schon erwähnt, noch einmal zurück zur Brücke und diese leicht nachjustieren.

3) Sattelkerbung / Saitenauflage

Auch die Sattelkerbung kann gegebenenfalls optimiert werden. Allerdings ist hier mit einer Sattelfeile Spezialwerkzeug von Nöten. Wer mit diesem Werkzeug noch nicht gearbeitet hat, sollte deshalb diesen Arbeitsschritt lieber dem Fachmann überlassen. Generell lässt sich sagen, dass im Falle einer nicht tief genug gesetzten Kerbe Intonationsprobleme bis zum 3. Bund auftauchen können. Ist die Kerbe wiederum zu tief, kann die Leersaite trotz einer optimalen Einstellung, wie wir sie in den vorangegangenen zwei Punkten besprochen haben, anfangen zu klirren.

4) Einstellung der Saiten-Niederhalter (String Trees)

Die Saitenniederhalter an der Kopfplatte sollten etwas Druck auf die Saiten ausüben. Da sich dadurch auch der Auflagedruck auf den Sattel erhöht, erhalten die Saiten bei schon etwas ausgefahrenen Sattelkerben unter Umständen mehr Halt. Außerdem führt ein höherer Druck auf die Saite häufig zu einer leichten Verbesserung des Sounds bzw. Schwingungsverhaltens. Möchte man die Niederhalter flacher einstellen, schraubt man ihn auseinander und entfernt nachträglich die oft enthaltenen Einsätze.

5) Justierung der Pickups

Auch die Pickups können einem Finetuning unterzogen und je nach Geschmack an die musikalischen Anforderungen angepasst werden. Hier gilt es ebenfalls, die Ohren ganz weit aufzumachen um herauszufinden, welche Frequenzbereiche oder Saitengruppen eventuell besonders hervorgehoben werden sollen. Pickups und Saite müssen genügend Abstand aufweisen, da sonst die Magnetwirkung des Pickups die Saitenschwingung negativ beeinflusst. Bei Singlecoils sind die einzelnen Magneten häufig schon vorkompensiert.

Manchmal macht es Sinn, auch die Magnete separat nachzujustieren. Diese Arbeit sollte man aber ebenfalls einem Fachmann überlassen.

6) Gurtpins

Für eine gute Bespielbarkeit sollte die Gitarre sicher am Gurt hängen, da man sonst bei der nächsten Showeinlage Gefahr läuft, sie anschließend auf dem Boden wiederzufinden. Um eurer Instrument stabil am Gurt zu fixieren, könnt ihr ganz einfach Flaschengummis wiederverwenden und diese über den Gurtpin stülpen. Damit hängt die Gitarre dann absolut sicher!

Ein großer Dank für die tatkräftige Unterstützung und Beratung zu diesem Workshop geht an Mack´s Guitar Repair Berlin.

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