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01.06.2018

6 Tipps, damit dein Klavierspiel besser klingt!

Wie kann man den Klang Klaviers durch die Spielweise beeinflussen?

Was kannst du tun, damit dein Klavierspiel besser klingt?

Die Tonerzeugung des Klaviers mag dazu verleiten, zu glauben, es sei egal, wie man die Tasten spielt. Schließlich berührt man die Saiten ja gar nicht selbst. Über eine überaus komplizierte Mechanik ausgelöst, schlägt lediglich ein Hammer die Saite an. Und das auch noch für nur sehr kurze Zeit. Wie soll man da auf den Ton Einfluss nehmen? 

Wie der Ton des Klaviers physikalisch zustande kommt und wie ein Klavier funktioniert, sind hochinteressante Themen und schon deshalb ist es wichtig zu wissen, wie man den entstehenden Ton formen kann, indem man lernt, die Tasten als Spieler mechanisch richtig zu bedienen.

Genau wie bei allen anderen akustischen Instrumenten wird auch der Pianist, zusammen mit seinem Instrument, zu einem einzigen Klangkörper. Ein akustisches Klavier besteht aus vielen unterschiedlichen Komponenten, die alle dazu da sind, einen Ton zu erzeugen, der lebt und atmet. Selbstverständlich ist die Einflussnahme des Pianisten auf sein Instrument nicht ganz so groß und direkt, wie zum Beispiel bei Gitarristen oder Spielern von Streichinstrumenten. Trotzdem bietet das Klavier viele Spielräume, um den Ton, und somit den Klang, wirkungsvoll zu beeinflussen. Und wenn du einen Pianisten hörst, der dich mit seinem Spiel so richtig beeindruckt, kannst du dir sicher sein, dass ihm dieses Prinzip klar ist. Was sonst noch wichtig ist, liest du in diesen 6 Tipps, damit dein Klavierspiel besser klingt.

Legen wir los!

Tipp 1: Wie gestaltet man den Klang durch die Handhaltung?

Willst du etwas spielen, das wie eine Fläche wirkt, müssen deine Hände sich auch genauso bewegen. Also viel seitwärts, aber wenig auf- und abwärts. Möchtest du einen harten und schroffen Klang erzeugen, müssen deine Hände die Tastatur deines Klaviers in Auf- und Abwärtsbewegung treffen. Und brauchst du einen lustigen, hüpfenden Klang, lass deine Hände tanzen!

Das klingt vielleicht alles ein bisschen nach einer Weisheit von Bruce Lee, aber sie trifft den Nagel auf den Kopf. Grundsätzlich solltest du dir merken, dass der zu erzeugende Klang an den Händen ablesbar sein muss. Schau dir doch mal ein Video eines Pianisten an und schalte den Ton aus. Kannst du erkennen, welche Art von Musik er spielt?

Tipp 2: Was bedeutet ‚In der Taste‘ zu sein?

In der Taste zu sein, heißt wissen, wann, und wie man den Tastengrund zum Formen des Tons erreicht, ohne Energie und damit Klang zu verschenken. 

Wenn du gerade nichts auf dem Klavier spielst und die Finger einfach auf die Tasten legst, hältst du deine Hand eigentlich zu hoch.  

Spielst du jetzt einen Ton, muss der Finger nach unten stechen, und wenn du schließlich im Tastengrund ankommst, befindet er sich in einer leicht unnatürlichen Haltung. Ich zeige dir das im folgenden Bild am Beispiel des Zeigefingers.

So kann es auch leicht passieren, dass du den gespielten Finger durchdrückst. Und so komisch es aussieht, wenn jemand mit durchgedrückten Knien geht, so klingt es auch komisch, wenn jemand mit durchgedrückten Fingern Klavier spielt, nämlich hölzern und steif. Außerdem entsteht so eine Wölbung der Hand, sie wird dadurch fest. Und vor allem weißt du nie, wann genau du den Tastengrund erreichen wirst. Was musst du nun also tun?

Du legst wiederum alle Finger auf die Tasten und spielst sie alle gleichzeitig, dadurch senkst du deine Hand ab. Jetzt lässt du alle Töne los, aber ohne deine Hand wieder anzuheben! Damit ist deine Hand jetzt so tief, als würdest du gerade etwas spielen und da lässt du sie einfach. Das nennt man „in der Taste sein“. 

Technische Probleme verschwinden damit wie von selbst, genauso wie rhythmische Ungleichheiten. Die Hand kann sich beim Spielen entspannen, und vor allem klingt es einfach gleich viel besser. Probiere es aus. Und wenn du mit deiner Hand springst, achte darauf, dass du den darauf folgenden Ton nicht aus der abwärtsgerichteten Armbewegung spielst, den Schwung mitnimmst und somit eine ungewollte Betonung erzeugst. Kehre mit deiner Hand erst in die Taste zurück, senke sie also ab, und spiele dann erst weiter. Somit umgehst du einen hölzernen Klang und ungewollte Betonungen.

Tipp 3: Wie wirkt sich die Körperhaltung auf dein Klavierspiel aus?

Eine entspannte Körperhaltung ergibt sich aus einer optimaler Sitzposition vor dem Klavier. Klar, denkt man bei dem Begriff Körperhaltung vor allem an einen geraden Rücken, und damit startet dieser Tipp natürlich auch.

Du solltest aufrecht am Klavier sitzen, alleine schon, um Rückenschmerzen zu vermeiden. Aber es geht noch viel weiter. Auch dein Hals und Kopf sollten gerade und nicht nach vorne gebeugt sein. Das erspart dir Nackenschmerzen. Eine gerade und entspannte Haltung ist darüber hinaus aber auch für die Qualität des Klanges von entscheidender Bedeutung. Und dabei ist auch die Fußstellung nicht ganz unwichtig. Ja, du hast richtig gelesen. Beim Klavierspielen sind tatsächlich auch die Füße wichtig. Die klassische Fußposition sieht so aus:

Ab fortgeschrittenen Stücken benötigst du den rechten Fuß quasi permanent am rechten Pedal. Der Linke dagegen wandert in die andere Richtung unter deine Klavierbank. Dadurch kippt die Hüfte leicht nach vorne und so kannst du leichter und länger aufrecht sitzen. Probiere das unbedingt aus. Dadurch sitzt du wesentlich entspannter an deinem Instrument, und das führt uns zu Tipp Nummer vier.

Warum wirkt sich Anspannung negativ auf das Klavier spielen aus?

Ein gutes Klavierspiel und ein guter Klang resultieren aus natürlichen Bewegungen, die nur ohne körperliche Anspannung erreicht werden können.

Besonders wichtig ist, dass man ganz entspannt sitzt und auch die Schultern ganz locker hängen lässt. Gerade erwachsene Schüler haben damit oft Probleme. Stell dir einfach vor, du bist im Italien-Urlaub und schaust dir abends den Sonnenuntergang am Strand an. Dabei würdest du zum Beispiel niemals die Schultern hochziehen. Und genauso entspannt wie dort, solltest du auch am Klavier sitzen. Nichts darf angespannt oder gar blockiert sein. All das spiegelt sich logischerweise auch im Klang deines Klavierspiels wieder.  

Der österreichische Pianist Rudolf Buchbinder hat einmal gesagt: Klavierspielen müsse sich anfühlen wie Zwiebel schneiden. Auch in der Küche erledigst du alle Handgriffe frei von jeglicher Anspannung. Die Gefahr, dich zu schneiden, wäre dadurch auch viel zu groß. Mach dir immer wieder klar, dass Klavierspielen nur aus natürlichen Bewegungen besteht. Also kein Grund zu verkrampfen. Bleib locker!

Hör dir den Unterschied an folgenden Audiobeispielen an. Ich spiele immer zuerst mit steifen Fingern, hochgezogenen Schultern und so verkrampft wie möglich. Danach ganz entspannt, frei und locker.

Hast du den Unterschied gehört? Zuerst war der Klang hart, steif und eckig. Es klang fast ein bisschen unfreundlich. Bei der zweiten Version gab es einen weichen, runden, vollen und wohlklingenden Ton. Jetzt weißt du genau, welche wichtig Rolle dein Körper beim Klavierspielen einnimmt.

Wenn du in deinem Körper Verspannungen beim Klavierspielen feststellst, empfehle ich dir konkret daran zu arbeiten. Setze dich an dein Instrument, achte auf deine Haltung und die Lockerheit deines Körpers. Spiele dann nur sehr einfache und leichte Tonfolgen, aber anfangs auf keinen Fall Literatur! Du solltest nicht durch Töne von der eigentlichen Aufgabe abgelenkt werden. Beobachte permanent deinen Oberkörper und vermeide Verspannungen jeglicher Art. Sitze ich gerade? Spanne ich irgendetwas an? Sind die Schultern hochgezogen? Spiele erst mal nur sehr einfache Tonfolgen, damit du dich auf das Wesentliche konzentrieren kannst. 

Und bleibe geduldig. Bei mir hat die Umstellung auf ein entspanntes Spiel ungefähr drei Wochen gedauert. Danach musste ich nicht mehr bewusst darauf achten. Bevor du übst oder einfach Klavier spielst, kannst du auch kurze Entspannungsübungen einbauen. Beobachte Pianisten, bevor sie zu spielen beginnen. Siehst du, wie sie sich während der Konzentration auch entspannen und tief atmen?

Tipp 4: Wie wichtig ist die richtige Atmung beim Klavier spielen?

Eine bewusste Atmung trägt wesentlich zur körperlichen Entspannung bei. Sehr schön kann diesen Aspekt bei Spielern von Blasinstrumenten beobachten.

Ohne regelmäßige, bewusste und musikalische Atmung kommen z. B. ein Trompeter oder Saxophonist in der Regel nicht allzu weit. Die Bindung der Tonerzeugung an die menschliche Atmung, lässt sie zu Experten der Phrasierung und des linienbezogenen Spiels werden. Dadurch klingt alles sehr natürlich und musikalisch. Auch für den Pianisten gilt die bewusste und musikalische Atmung als großer Schritt für die Verbesserung des Ausdrucks und somit des Klangs.

Tipp 5: Wie sollte man vor dem Klavier sitzen?

Die richtige Distanz zum Klavier ist für ein entspanntes Spiel enorm wichtig.

Für ein konzentriertes Arbeiten ist die richtige Distanz zum Arbeitsgerät von entscheidender Bedeutung. Du kennst das vom Autofahren: Befände sich das Lenkrad direkt vor deiner Brust, gestaltet sich das Lenken sehr schwierig. Man hat dann einfach nicht so viel Gefühl. Oder wenn du auf dem Sofa sitzt und eine Mail schreibst, hast du deinen Laptop dann direkt vor deinem Bauch stehen? Wahrscheinlich nicht, das wäre doch total unbequem. Das Gleiche gilt natürlich auch für das Klavier. Sitzt du hier zu nah und damit unbequem, oder hast durch deine Sitzposition nicht so viel Gefühl, klingt dein Spiel auch nicht so gut. Davon abgesehen, bist du dir auch selbst im Weg, wenn du zu nah am Instrument sitzt. In diesem Fall können deine Arme sich nämlich nicht frei bewegen, weil dein Körper sie blockiert.

Wenn du jetzt mit der rechten Hand in die kleine Oktave wanderst, oder mit der linken Hand in die eingestrichene Oktave, hast du ein Problem. Dein Oberkörper ist im Weg und behindert eine natürliche Bewegung. Du musst dich dann zur Seite neigen. Was das für deinen Klang bedeutet ist dir sicher klar. 

Die richtige Nähe zum Klavier erkennst du daran, dass wenn du die Tasten berührst, sich deine Ellbogen berühren können.

Auf diese Weise stellst du sicher, dass sich deine Arme komplett frei bewegen, und auch schwierige Positionen ganz leicht einnehmen können. Und du weißt ja, dass man an deinen Händen den Klang ablesen kann. Deshalb klingt dein Klavierspiel sonst genau so, nämlich eingeengt und blockiert. 

Tipp 6: Lernen mit Emotionen zu spielen. Wie geht das?

Immer wieder hört man, dass von den beiden Gehirnhälften gesagt wird, die eine sei für das rationale, die andere für das emotionale Handeln zuständig. Gerade erwachsene Schüler zeigen sich oft „verkopft“. Sie wollen alles unter Kontrolle halten und sind durch völlige Konzentration auf Noten, Rhythmus, Fingersatz und ihre Bewegungen komplett blockiert. Sie „zerdenken“ alles. Musik ist aber reine Emotion und deshalb brauchst du am Klavier unbedingt immer beide Gehirnhälften.

Natürlich musst du das Stück, das du spielst, erst richtig beherrschen, und dazu gehört nun einmal die völlige Kontrolle über den Notentext und deinen Bewegungsapparat. Aber dann geht die Musik erst richtig los. Wenn du das rein technische beherrschst, geht es um andere Dinge. Wie fühlt sich die Melodie an? Worum geht es in dem Stück? Hast du ein Bild vor Augen, vielleicht eine Filmszene? Was willst du als Musiker ausdrücken?

Genau deshalb spielen viele große Pianisten mit geschlossenen Augen. Sie konzentrieren sich einzig und alleine auf die Emotion, die sie mit ihrem Klavierspiel transportieren möchten. Auch wenn dir das anfangs schwer fällt, oder du nicht genau weißt, wie du das umsetzen sollst, probiere es einfach aus. Wenn du Klavier übst, solltest du am Ende immer das gelernte noch einmal spielen und dabei nur auf den Ausdruck und die Emotion in der Musik achten. Wie fühlt sich die Musik für dich an? 

Hier ist es natürlich wichtig, dass du gut übst und dann wirklich über den Anforderungen des Notentexts stehst. Nur so kannst du dich auf den emotionalen Inhalt der Musik konzentrieren. Studiere dazu auch unbedingt die Artikel "Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis" sowie  „8 Tipps zum Üben wie die Profis“. Letzterer beinhaltet wichtige Informationen zu dem eben besprochenen Thema. Mein Professor unterbrach eines Tages im Unterricht mein Spiel und stellte mir folgende Frage: „Wenn du es nicht fühlst, wie kann ich es dann hören?“.

Schlusswort

Wie immer zum Schluss, bist du jetzt wieder gefragt. Setze diese sechs Punkte einfach durch regelmäßiges und bedachtes Üben um, und dein Klavierspiel wird bereits nach kurzer Zeit viel besser klingen. Und gewöhne dir auch gleich an, beim Üben und Klavierspielen immer die klanglichen Aspekte zu bedenken und umzusetzen. Ein Stück fehlerfrei, aber hölzern und unmusikalisch gespielt, ist nicht das Ziel. Erst wenn du mit deinem Spiel Emotionen transportierst und diese auch beim Hörer ankommen, erst dann ist es eigentlich wirklich Musik.

Viel Spaß beim Ausprobieren!

Tipp:  Weitere interessante Themen rund um das Klavier lernen und spielen findet ihr in unserem Artikel: Klavier lernen – Tipps für Anfänger und Profis

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