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28.02.2019

Die verrücktesten Lautsprecher für HiFi- und Sound-Enthusiasten

Außergewöhnliche Speaker-Designs für den Top-Sound

In der Welt des Hi-Fi, High-End und PA-Equipments gibt es einige sehr ausgetüftelte Designs, um den Schall in bestmöglichster Weise an den Hörer zu bekommen. Ich möchte hier fünf sehr außergewöhnliche Hörner vorstellen, die äußerst skurril aussehen - aber nicht ohne Grund.

Klipschorn ...

... oder Klipschhorn oder von den Spezis auch Khorn genannt, ist eine Idee des amerikanischen High-Fidelity-Tüftlers Paul W. Klipsch. 1941 waren Verstärker noch recht schlapp auf der Brust und der Sound, den man mit herkömmlichen Boxen daheim erreichen konnte, war recht bescheiden. Die beste Klangübertragung boten Hornsysteme zu dieser Zeit. Das Problem war: je tiefer der Sound abgebildet werden sollte, desto länger und größer musste das Klanghorn sein. Mit Ausnahme von Lichtspielhäusern konnte sich wohl kaum jemand 10 Meter lange Horn-Speaker einbauen, in deren Öffnung die ganze Familie hineingepasst hätte.

Klipsch hatte eine Lösung: Das Teil muss gefaltet werden. Ergo entwickelte er ein Gehäuse mit einem gefalteten Horn, das zudem in den Ecken eines Zimmers positioniert, die Zimmerwände noch als weitere Hornverlängerung nutzte.

1946 patentierte er seine Lösung, die - in Kombination mit den seinerzeit vergleichsweise schwachen Röhrenverstärkern - nicht nur eine massive Lautstärke generierte, sondern auch Frequenzen bis unter 35 Hz vernünftig wandeln konnte. Ein genialer Vorreiter aller Hi-Fi-Hornsysteme, von denen wir noch einige zu sehen bekommen.

Das Klipsch-Eckhorn wird bis heute beinahe unverändert gebaut und ist damit eines der am längsten produzierten Soundsysteme überhaupt. Der Klang beweist, wie ausgereift dieses System schon 1946 war. Überzeugt euch selbst im Laden eures Vertrauens.



Im Klipsch „Museum of Audio History“ gibt es im Übrigen auch einiges zu bestaunen.



Klangfillm

Selbstverständlich war das Prinzip, ein Horn zu biegen, nicht neu. So brachte der aufkommende Tonfilm Ende der 20er Jahre eine große Entwicklungswelle ins Rollen und die Lichtspielhäuser wurden mit Horn-Soundsystemen ausgestattet. Jenseits des großen Teiches durch Western Electric via Warner Bros. Bei uns von Siemens und UFA durch ToBis, das Tonbild-Syndikat, die das komplett Paket von Tonfilmen und Soundsystemen anboten.

Klangfilm waren die unbestrittenen Meister der Schallwandlung und haben legendäre Systeme erstellt. Nach fast 100 Jahren findet Klangfilm immer noch feurige Liebhaber, die ein Vermögen für Originalhörner, Verstärker und weitere Übertragungstechnik ausgeben. Vor allem in Japan und Russland ist der Hornboom immens und einige Klangfilm-Hörner haben daher ihren Weg in diese Länder angetreten.

Eurodyn:



Euronor:



Bionor:



Kleinhorn

Dieses Horn ist eine „DiY-Idee“ mit einem genialen Konzept. Als Schallwandler dient ein relativ kleiner Fullrange-Speaker, beispielsweise von Lowther, Fostex oder Tannoy. Alle Frequenzen werden zeitgleich in einem Punkt generiert. Für die tiefen Mitten reicht der Resonanzkasten, in dem der Speaker sitzt. Die ultimative Basswelle wird mit einem kunstvoll geschwungenen Horn aus eben diesem Speaker praktisch rückwärtig unter das Auditorium geschoben. Es erfordert Mut, sich so einen Trümmer ins Wohnzimmer zu stellen, aber damit ist der Schwerpunkt eures Lebens eindeutig definiert: Hier herrscht der Klang!



Avantgarde Acoustic

Wenn es um abgefahrene Designs und einen brillanten Hornklang geht, kommt man um die hessische Edelschmiede Avantgarde Acoustic nicht herum. Von Lautertal im Odenwald gehen unglaubliche Lautsprecher rund um den Globus. Nicht nur ein akustischer sondern auch ein optischer Megaschmaus.



Und gleich noch einer hinterher:



Folienwandler/ elektrostatische Lautsprecher

Hatten wir gerade noch einen Fullrange-Lautsprecher in einem Horngehäuse, so verlassen wir jetzt den klassischen Magnetaufbau und wenden uns einem anderen Konzept zu: dem Folienwandler, besser bekannt als elektrostatischer Lautsprecher. Bei diesem Prinzip wird der Schall über eine Folie übertragen, auf deren Vorder- und Rückseite Gitterelektroden befestigt sind, die mit einer hohen Spannung von 1000 – 5000 Volt angesteuert werden.

Vorteile dieses Konzeptes sind, dass der Klang aus einer einzigen Schallquelle kommt, es keine Laufzeitunterschiede zwischen Hochton- und Tieftonlautsprechern und keine Phasendreher seitens der Frequenzweichen gibt. Der Nachteil ist, dass die Lautsprecher nicht so laut gefahren werden können. Bei größeren Schwingamplituden neigt die Folie obendrein zum Klirren. Außerdem kann es konstruktionsbedingt leichter zu einem akustischen Kurzschluss kommen, was die Basswiedergabe schmälert. Aufgrund des statischen Designs ist der „Sweetspot“ bei einer Stereoaufstellung sehr klein. Nichtsdestotrotz wird an diesem innovativen Prinzip seit 1957 gearbeitet und ich bin gespannt, wo die Reise noch hingeht.

 



Piosound:



Quad ESL-57:



Und was haltet ihr vom Ferguson Horn?



Eure Meinung

Soweit meine Clips, nun seit ihr an der Reihe. Teilt uns gern über die Kommentarfunktion mit, was eurer Meinung nach auf jeden Fall noch in diese Liste gehört.

Euer Axel Erbstößer (Autor PA)

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