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12.12.2017

5 Gründe, warum dünnere Saiten besser sind

Dünne oder dicke Saiten? Argumente für Bespielbarkeit und Ton.

Die richtige Saitenstärke für deine Gitarre

In der letzten Folge zum Thema Saiten habe ich versucht, euch die Vorzüge von hohen Saitenstärken aufzuzeigen und in der Tat gibt es auch einige Welt-Player, die eher auf dickem Drahte wandern. Doch wie verhält es sich mit Ikonen wie Yngwie Malmsteen, der trotz Eb-Tuning 008er Saiten spielt oder Brian May, Steve Lukather oder Allan Holdsworth, die ebenfalls 008er oder 009er Sätze bevorzug(t)en?

Da man davon ausgehen muss, dass diese Herrschaften bestimmt nicht taub sind, hohe klangliche Ansprüche haben und auch tatsächlich tolle Sounds hervorbringen, muss es wohl auch Argumente geben, die für dünne Saiten sprechen. Einige davon wollen wir heute hier erörtern.

1. Leichtere Bespielbarkeit

Sicherlich das Hauptargument für dünne Saitenstärken ist die wesentlich leichtere Bespielbarkeit, und das für die rechte wie die linke Hand. Die Schlaghand braucht wesentlich weniger Kraft, um die Saite in Schwingung zu versetzen, denn die Saitenauslenkung ist prinzipiell die Umsetzung der kinetischen Energie, die ich in sie hineingebe, und je dünner die Saite, desto weniger ist davon notwendig.

Aufgrund der geringeren Steifigkeit ist es auch wesentlich leichter, Töne bzw. ganze Akkorde herunterzudrücken, weshalb vor allem Anfänger deutlich besser auf dünneren Saiten zurechtkommen werden.

2. Leichtere Bendings und Vibratos

Saitenziehen und Vibrato sind aufgrund des geringeren Widerstandes und der größeren Elastizität der Saiten wesentlich einfacher zu realisieren. Spieler, die gerne große Intervalle benden, wie z.B. Steve Lukather, oder ein Vibrato mit sehr großer Auslenkung haben, wie beispielsweise Yngwie Malmsteen, tun sich mit niedrigeren Saitenstärken deutlich leichter. Und wenn mangelnde Intonationssicherheit nicht mehr das Thema ist, spricht auch nichts dagegen, sich in dieser Hinsicht das Leben komfortabler zu machen.

3. Geringere Belastung für die Gitarre

Da dünne Saiten einen geringeren Zug haben, entsteht eine deutlich geringere Langzeitbelastung für das Instrument. Das ist bei E-Gitarren primär für den Hals ausschlaggebend, bei Akustikgitarren jedoch auch für die Decke und die komplette Konstruktion. Nicht selten sieht man alte Gitarren, bei denen sich die Decke hinter dem Steg leicht nach oben wölbt, was zwar auch ein Zeichen für schlechte Verarbeitung, aber durchaus auch für zu hohe Saitenstärken sein kann.

4. Nachjustierungen am Instrument entfallen

E-Gitarren werden in der Regel mit den Standard-Saitenstärken 009 oder 010 ausgeliefert und auf diese ist alles optimiert, beginnend mit dem Tremolo-Setting über den Halsstab bis hin zu den Sattelkerben. Meist haben diese Werkseinstellungen etwas Spielraum, sodass eine Saitenstärke rauf oder runter nicht gleich ein vollkommen neues Setup nach sich zieht, vom Tremolosystem vielleicht abgesehen.

Wechsele ich nun jedoch von einem 009er auf einen 011er oder gar 012er Satz, kann es sein, dass man sowohl dem Halsstab mit einem höheren Gegenzug gedenken muss und möglicherweise sogar leichte Feilarbeiten an den Sattelkerben fällig werden, damit die Saite vollständig in der Führung liegt.

All diese Arbeiten kann man mit viel Erfahrung natürlich auch selbst verrichten, sie bergen jedoch auch hohe Risiken, denn sowohl der Halsstab kann "überdreht" werden, und ein zu tief gefeilter Sattel ist nicht mehr rückgängig zu machen. Wer sich dabei unsicher fühlt, sollte für solche Arbeiten dringend einen Gitarrenbauer aufsuchen!

5. Soundnachteile können bei E-Gitarren kompensiert werden

Natürlich haben dünne Saiten, wenn es um Themen wie Druck, Lautstärke, Punch und Sustain geht, das Nachsehen, und spielt man ein akustisches Instrument, muss man das als Preis für die Vorzüge der dünnen Drähte in Kauf nehmen.

Bei der E-Gitarre hat man allerdings die Möglichkeiten, mithilfe von Boostern, Kompressoren, EQ-ing o.ä. den Soundverlust leicht zu kompensieren und der Lautstärkeunterschied spielt bei verstärkten Instrumenten ohnehin eine untergeordnete Rolle.

Als Booster sollte man in einem solchen Fall meiner Meinung nach eher zu einem cleanen "Soundveredler" tendieren, wie z.B. dem Xotic EP-Booster oder dem TC Electronic Spark Booster.

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