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19.09.2017

5 Fehler beim Einstellen von Verstärkern

Tipps und Tricks zum Einstellen eures Gitarrenamps

Verstärker für Bühne und Studio richtig einstellen

Endlich ist der langgehegte Wunsch Wirklichkeit geworden, der Traum-Amp steht mit der idealen Pedal-Kombination bereit und die Traumgitarre hängt an der Schulter. Aber ganz gleich, wie man es anstellt: Der Sound, den man sich erhofft hatte, bleibt aus. Und wenn, dann klingt er zu Hause vielleicht noch halbwegs gut, aber im Proberaum oder spätestens auf der Bühne ist davon nichts mehr zu hören.

Viele von uns kennen diese Situation und die Gründe dafür können die verschiedensten Ursachen haben. Aber meist sind es die Einstellungen am Verstärker, die mit den Antworten auf die unten stehenden Fragen meist relativ unkompliziert behoben werden können:

Gitarrenverstärker - Quick Facts

  • Welche Gitarrenverstärker gibt es?
    Röhrenverstärker spielen nach wie vor eine große Rolle, weil sie mit ihrem Sound den charakteristischen Gitarrenton von Rock über Metal bis zu Jazz und Country geprägt haben. Aber auch Transistorverstärker und sogenannte Modelling-Amps gewinnen immer mehr Freunde

  • Was ist der Unterschied zwischen Röhrenverstärkern, Transistorverstärkern und Modelling-Amps?
    Röhrenverstärker erzeugen ihren Klang mit klassischen Elektronenröhren, während Transistorverstärker mit Halbleitern arbeiten und Modelling-Amps auf digitalem Weg die Charakteristiken beliebiger Amps wiedergeben. Eine vierte Variante sind Hybrid-Amps, die in der Regel eine Röhrenvorstufe mit einer Transistor-Endstufe kombinieren.

  • Welcher Verstärker hat den besten Gitarrensound?
    Wer den idealen Gitarrensound sucht, der findet bei allen Verstärkern im Grunde die gleichen Voraussetzungen und Einstellmöglichkeiten vor, mehr oder weniger umfangreich und häufig auch abspeicherbar. Deshalb beschränken sich unsere Tipps nicht auf einen bestimmten Verstärkertyp, sondern gelten für alle.

1. Verstärker einstellen - allein oder mit Band?

Gerne macht man den Fehler, sich im Wohnzimmer vor seinen Verstärker zu setzen und dann so lange die Knöpfe zu drehen, bis man mit dem Sound für sich alleine genommen zufrieden ist. Nur vergisst man dabei eines: Sound hört man auch kontextabhängig! Ein wichtiger Punkt ist nämlich stets die Durchsetzungsfähigkeit in einem musikalischen Kontext. Daher mein Tipp: Nehmt Soundeinstellungen im Proberaum vor, und bittet eure Bandmitglieder, einen Groove zu spielen, damit ihr die Settings an eurem Amp findet, die sich gut ins Bandgefüge einbetten, denn Sound-Einstellen gehört auch zur Probe einer jeden Band!

Ihr könnt eure Sounds nicht zusammen mit der Band einstellen?

Dann knöpft euch wenigstens zu Hause ein Backing-Track vor und stellt dort euren Gitarrensound ein. Möglicherweise werdet ihr erschrecken oder es zumindest als ungewohnt empfinden, wenn ihr euren Sound dann alleine hört und das ist vollkommen normal. Macht euch mal die Mühe, auf Youtube die "Isolated Tracks" mancher Gitarristen anzuhören. Ihr werdet euch wundern, wie anders eine Gitarre alleine klingt als im Mix des Songs!

2. Wie finde ich die ideale EQ-Einstellung für meinen Gitarrensound?

Warum sind die Mittenfrequenzen so wichtig?

Die Mittenfrequenzen, die zwischen 400 Hz und 4 kHz liegen, können besonders im Hochmittenbereich als unangenehm und sehr direkt empfunden werden, wenn sie überproportional vertreten sind. Leider sind die beiden Begriffe "Durchsetzungsfähigkeit" und "unangenehm" nicht unbedingt auf der gleichen Seite der Medaille zuhause. Stellt man die Mitten zu niedrig ein, bekommt man zwar einen angenehmen Wohlfühlsound, der auch diverse Spielschwächen kaschieren kann, allerdings stellt man sich damit im Mix ganz hinten an, denn man setzt sich nicht durch. Die Gitarre ist ein "Mitten"-Instrument, hat dort ihre stärksten Frequenzen und beißt sich auch am stärksten im Kontext durch. Das heißt, dass zu viele Bässen dem Bassisten in die Quere kommen und die Höhen und Hochmitten häufig für Keys oder Gesang reserviert sind.

Wie stelle ich den Mittenregler am besten ein?

Da der Mittenregler an jedem Amp anders ausgelegt ist und natürlich Box und Gitarre auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, lässt sich hier kein genauer Richtwert festlegen. Wenn ihr jedoch das Gefühl habt, die Gitarre kommt nicht wirklich durch, probiert ihn einfach mal aus! Welche Frequenzen wie betont sind, hat übrigens auch viel mit der Örtlichkeit zu tun, in der ihr spielt. Versucht also, flexibel zu bleiben und haltet nicht an einem bestimmten Regler-Setting fest! Hier seht ihr ein Beispiel für die Funktion des Middle-Potis eines Marshall Plexis. Das linke Bild ist mit Mitten auf Minimum und das rechte mit Mitten auf Maximum. Wie ihr seht, wird die Frequenz zwischen 700 Hz und 2,5 kHz deutlich angehoben - was bei anderen Sounds und Verstärkermodellen natürlich auch unterschiedlich aussehen kann.

3. Wie viel Hall für meinen Gitarrensound?

Der Hall wird im Mix gerne verwendet, um Tiefenstaffelungen zu erzeugen, das heißt, je mehr Hall, desto weiter hinten im Mix. Das gilt natürlich auch am Gitarrenamp, und deswegen sollte man beim Umgang mit dem Reverb Vorsicht walten lassen.

Natürlich fühlt es sich toll an, wenn ein ordentlicher Raumsound auf dem Gitarrensignal klingt und auch hier kann der Hall einige Spielschwächen schönfärben und verdecken. Aber erstens ist der Reverb die Aufgabe des Mischers am Pult oder an der DAW und zweitens birgt er die Gefahr, euer Gitarrensignal undurchsichtig zu machen.

Anders verhält es sich natürlich, wenn ihr in speziellen Musikrichtungen unterwegs seid, die den Hall wirklich als stilistischen Effekt benutzen, wie z.B. Surf, Rockabilly oder Atmosounds. Das weiß dann aber euer Mischer und passt das Gesamtsetting an. Ansonsten gilt: Reverb nur nuanciert benutzen und wenn es verwaschen wird, einfach runterregeln.

4. Was macht der Gain-Regler?

Der Gain-Knopf wird häufig benutzt, um heavier und aggressiver zu klingen. Allerdings passiert dabei oft genau das Gegenteil. Viel Gain komprimiert euren Ton, die Attacks werden verwaschener und die Transienten abgemildert. Natürlich ist es verständlich, dass man speziell für Leadsounds einen singenden Ton haben will, und viel Gain erleichtert das Spiel auch ungemein. Daher mein Tipp: Wählt einen Rhythmussound, der gainmäßig eher moderat ausgelegt ist und einen Leadsound, der ruhig etwas mehr Zerre haben darf. Auch hier gilt die Devise: Macht euer Setting im Bandkontext und überprüft, ob der Sound im Gesamtmix durchkommt und definiert ist.

5. Wie gleiche ich die Kanal-Lautstärke an?

Ihr habt einen zweikanaligen Verstärker oder arbeitet mit Pedalen?

Häufig stellt sich das Problem, dass Clean- und Rhythmussounds unterschiedlich laut sind. Natürlich kann man am Regler-Setting halbwegs ablesen, ob die Potis ähnlich gestellt sind. Das Problem ist aber, dass unterschiedliche Sounds im Gesamtzusammenhang auch verschieden laut wirken, je nachdem, welche Frequenzen besonders tragend sind.

Wie wirken sich die Tonabnehmer auf den Verstärker-Sound aus?

Auch kommt es manchmal vor, dass man z.B. den Cleankanal häufig mit Zwischenstellungen der Pickups benutzt und den Rhythmuskanal mit dem Steghumbucker, der per se etwas lauter ist. Auch diese Settings sollte man behutsam im Band/Playback-Kontext konfigurieren. Spielt zu einem Backing und schaltet zwischen beiden Kanälen hin und her und fragt auch ruhig mal die Bandkollegen, ob das Ergebnis homogen klingt,

Ich hoffe, diese Auflistung konnte euch eine kleine Hilfe beim Setup eures Sounds sein. Vielleicht noch ein paar abschließende Bemerkungen:

Wenn es dir schwer fällt, dich von Sounds zu trennen

Sounds, die sich im Übekämmerchen gut anfühlen, müssen das nicht auf der Bühne und in der Band. Versucht offen dafür zu sein, dass gewisse Änderungen der Sache an sich gut tun und man sich an diese Veränderungen auch sehr gut gewöhnen kann. Der Mischer und die Bandkollegen werden es euch mit Respekt danken.

So merkst du dir ganz einfach deine Amp-Einstellung

Handys können eine tolle Hilfe sein, wenn es darum geht, Einstellungen zu dokumentieren! Daher mein Tipp: Stellt euch den Amp im Proberaum so ein, wie er klingen soll, und macht sofort ein Foto davon, dann bleibt es beim Gig und in der nächsten Probe gleich!

Viel Erfolg!

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