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Was ist wichtiger für den Sound und das Spielgefühl?

Gitarre oder Amp? Wer mit seinem Sound und seiner Performance nicht mehr zufrieden ist oder eine neue Stufe in seiner Entwicklung erklimmen möchte, der steht häufig vor der Frage, ob der entscheidende Schritt eher mit einer anderen Gitarre oder doch einem neuen Amp gelingt. Eine kritische Frage, denn in beiden Fällen geht es bekanntlich nicht nur um den Ton, die Bespielbarkeit und um Watt- und Kanalzahlen, sondern zu einem ganz großen Teil auch um den Wohlfühlfaktor und die Lust am Spielen. Und dafür ist die Symbiose der beiden Komponenten entscheidend. Der beste Amp nützt nichts, wenn die Gitarre nicht mein bester Freund ist, und die handverlesene Signature-Gitarre klingt an einem schlechten Amp unter Umständen auch nur wie eine billige Sperrholzklampfe.

(Bild: © shutterstock; Skylines)
(Bild: © shutterstock; Skylines)


Wer sich mit unzähligen Arbeitsstunden die Anschaffung von gutem Equipment verdient hat, der steht irgendwann vor der Entscheidung, wo er sein sauer erworbenes Geld eher investieren sollte. Denn oft reicht das Ersparte nicht für beide Anschaffungen. Eine Frage, die in der Regel individuell beantwortet werden muss und sich nur schwer allgemein zur vollen Zufriedenheit lösen lässt. Dennoch wollen wir versuchen, im folgenden Artikel das Ganze aus verschiedenen Blickwinkel zu betrachten und Argumente zu finden, die etwas Licht in die Diskussion bringen.

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Drei Argumente, die für die E-Gitarre sprechen

1) Haptik und Spielgefühl

Wenn wir uns musikalisch ausdrücken wollen, ist unser Instrument ohne Zweifel das Werkzeug, mit dem wir in unmittelbarem Kontakt stehen. Fühlt sich dabei beispielsweise das Halsprofil oder auch der Korpus in Abmessung oder Form nicht gut an, hat dies zwangsläufig eine behindernde Wirkung auf unser Spiel. Und die kann auch der beste Amp nicht korrigieren.
Wer einen dieser Faktoren als Problem diagnostiziert hat, der sollte dort als erstes Hand anlegen. Dabei ist nicht unbedingt immer die superteure Gitarre die Lösung, auch viele günstige Instrumente lassen sich sehr bequem spielen und klingen dabei auch hervorragend. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass in meinem “Gitarrenpark” Instrumente vertreten sind, die in ihrer Anschaffung recht teuer waren, aber auch Gitarren, die ich relativ günstig erwerben konnte und die sich trotzdem ausgezeichnet spielen.
Es lohnt sich also, bei der Suche offen zu sein. Wenn die Grundbedingungen stimmen, die Gitarre sich aber trotzdem beim Spielen nicht richtig gut anfühlt, kann ein Fachmann mit einem präzisen Setup und kleineren Modifikationen häufig wahre Wunder bewirken.

2) Der Sound der Pickups

Bei vielen Spielern ändern sich mit der Zeit die musikalischen Vorlieben. Hatte man also beispielsweise bisher eine Strat-ähnliche Gitarre mit drei Singlecoils und ist nun voll im Heavy-Metal-Fieber, wird ein für die härtere Gangart konzipierter Amp im Verbund mit Singlecoils eher nicht glücklich machen. Hier ist es also lohnenswerter, sich zunächst nach einem Instrument umzusehen, das in seiner Tonabnehmerbestückung die eigenen klanglichen Vorstellungen erfüllt.

3) Der Gitarren-Typ

Ähnlich wie mit den Pickups verhält es sich auch mit dem Gitarren-Typ. Wenig sinnvoll ist es beispielsweise, die bisherige sportliche Rock-Axt mit aktiven EMG-Pickups weiterhin zu spielen, wenn die Reise nun eher in Richtung Blues und Jazz gehen soll. Dass dabei der typische Fender-Röhrenamp eine tolle Wahl für bluesige Gefilde darstellt, ist klar, aber in der beschriebenen Situation wäre es doch ratsam, sich vielleicht eher ein Instrument wie beispielsweise eine 335-artige Semiakustik zuzulegen.

Fotostrecke: 3 Bilder Sowohl verschiedene Pickups …
Fotostrecke

Drei Argumente, die für den Amp sprechen

1) Der Amp als Soundformer

Der Ton kommt bekanntlich aus den Fingern. Aber entscheidend ist, wie dieser wiedergegeben wird und welche Inspiration vom Ampsound für den Anschlag und die Tonformung ausgeht. Lässt sich beispielsweise der cleane Kanal eines Röhrenamps zu leichten harmonischen Übersteuerungen überreden, wird die Spielweise dadurch ohne Frage in ihren Ausdrucksmöglichkeiten beeinflusst. Hat man dagegen nur einen simplen Transistoramp zur Hand, der zu solch einem Wiedergabeverhalten nicht in der Lage ist, ist man auch mit der besten Gitarre limitiert.

2) Die Lautstärke des Amps

Wer schon einmal die Möglichkeit hatte, einen lauten Röhrenamp in der passenden Umgebung richtig ins Schwitzen zu bringen, der weiß, wie positiv sich dies auf das allgemeine Spielgefühl und auch die Klangerfahrung auswirken kann.
Du willst mit deinem Können also aus dem Wohnzimmer hinaus in den Probenraum oder auf eine größere Bühne? Dann braucht dein Sound ohne Frage genug “Wumms unterm Hintern”!

3) Die klangliche Variabilität

Zur schon angesprochenen Tonformung kommt auch die klangliche Variabilität, die viele Amps mitbringen und mit der man sich eventuell auch das eine oder andere Distortionpedal vor dem Amp sparen kann. So geht in der Frage, was wichtiger für den Sound ist, ein weiterer Punkt an die Amp-Fraktion, da sowohl der cleane wie der Crunch- oder High-Gain-Sound am Ende vom Verstärker kommen und im Charakter maßgeblich das Endprodukt bestimmen.

Fotostrecke: 2 Bilder Das Verhalten von Vor- und Endstufe eines Röhrenamps ist sehr entscheidend für die Tonformung.
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Klar steht am Schluss die banale Feststellung ganz oben, dass ein guter Amp und eine gute Gitarre das Ziel sein sollten, da sich beide Komponenten gegenseitig beeinflussen. So bringt es wenig, ein Instrument mit schwammigem Pickupsound in einen High-End-Amp zu schicken. Genauso wird sich eine Custom-Shop-Gitarre über einen mittelmäßigen Übungscombo nicht voll entfalten können. Möchte man zudem spielerisch variabel aufgestellt sein, kommt man nicht daran vorbei, sich von beiden Komponenten mehrere Exemplare zuzulegen. Und seien wir ehrlich: Die Suche nach dem “Holy Grail” geht sowieso nie zu Ende. 😉
Für Spieler, deren Budget begrenzt ist (und wer gehört nicht dazu), lohnt es sich, die im Artikel aufgelisteten Argumente auf die eigene Situation hin abzuklopfen. Ist man mit Haptik, Spielgefühl und dem Sound seines Instrumentes grundlegend zufrieden, erscheint es ratsam, den zur Verfügung stehenden Betrag in einen guten Röhrenamp zu investieren, um die klanglichen Möglichkeiten zu erweitern. Bei Bedarf kann unter Umständen ein Austausch der Pickups den Klang der Gitarre verbessern, was sich im Gegensatz zur Neuanschaffung einer Gitarre preislich in Grenzen hält.
Sieht die Situation aber so aus, dass die bisherige Gitarre auch in der Verarbeitung und den Materialien deutliche Grenzen hat, in ihrer Art nicht mehr zu den spielerischen Vorlieben passt oder das Weiterkommen behindert, bringt auch ein guter und variabler Amp nur begrenzt Abhilfe. Hier sollte man sich also eher nach einem guten und geeigneten Instrument umschauen. Die heute erhältlichen Hardware- und Software-Modelling-Lösungen können in dieser Situation übrigens dennoch für klangliche Variabilität sorgen, bringen eine Menge Spielspaß und sind oft schon zu moderaten Preisen erhältlich.

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von Michael Behm

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Profilbild von Werner3000

Werner3000 sagt:

#1 - 24.08.2017 um 13:07 Uhr

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meine Erfahrung: mit nem guten Amp bekomme ich auch bei "billigeren" Gitarren einen Supersound raus, (speziell in Kombi mit Booster&EQ Pedal) im Detail habe z.B. ne Telecaster MEX (gute Gitarre) mit ner TELECASTER American Special (sehr gute GItarre ! doppelter Preis) auf gleichem (sehr guten) Amp verglichen ..ziemlicher Unterschied. Aber für Live wär das ziemlich egal im (rock) Bandkontext... es hängt aber auch ab was man auf der Gitarre so spielt...(komplette chords oder nur dreiklänge, oder zupfen etc)

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