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19.04.2017

5 Dinge, die du als FOH-Mann kurz vor Gig checken solltest

Der Soundcheck ist durch, die Set-Liste steht und das korrekte Intro-Soundfile ist geladen. Das Saallicht erlischt und endlich kann der Gig starten – zumindest theoretisch. Wie einfach wäre doch der Tontechniker-Job, wenn nicht in letzter Minute wieder etwas dazwischenkommen würde. Daher an dieser Stelle meine persönliche Liste an Dingen, die kurz vor dem Gig gecheckt gehören.

1. Alle Mann an Bord?

Eigentlich eine logische Sache: Die erste Nummer hat dann richtig Power, wenn sich die Band vollzählig und gleichzeitig auf der Bühne einfindet. Klingt profan, aber selbst mit diesem Anliegen kann man im wörtlichen Sinne baden gehen. So geschehen vor einigen Jahren, als sich der Bassist einer örtlichen Coverband kurz vor dem Konzert hinter einer Open Air Bühne erleichtern wollte.

Im Dunkeln übersah er einen Wassergraben, der das Konzertgelände von einer historischen Wasserburg abtrennte. Das unfreiwillige Abtauchen in das brackige Wasser, gepaart mit der erfolglosen Suche nach Ersatzkleidung, verhinderte sein pünktliches Erscheinen auf der Bühne, die derweilen kunstnebelgeschwängert und diffus beleuchtet keine Sicht auf die Musikanten vom FoH-Platz erlaubte. Somit gestaltete sich der erste Song etwas bassarm, bis der Bassist mit Sternzeichen Wassermann seinen Arbeitsplatz samt Tropfspur einnahm.

2. Der RF-Albtraum

Taschensender, Handsender, Instrumentensender und In-Ear-Systeme. Die schöne neue drahtlose Welt wird von vielen Musikern gerne und ausgiebig genutzt. Falls mal etwas nicht funktioniert, wird das Problem kurzerhand an den Band-Techniker weitergereicht. Selbst wenn man alle Frequenzen gecheckt hat und alle Akkus aufgeladen sind: 100% Einsatzbereitschaft wird es wohl nur in der Theorie geben.

Du hast das örtliche Spektrum gescannt und auf Festivals die Frequenzen mit der örtlichen Technik und der nachfolgenden Bands abstimmt. Dennoch kommt auch für dich der Tag, an dem die Technik oder der Mensch versagt. Ich erinnere mich in diesem Zusammenhang an ein Konzert der Band „Toto“. Die Hallenbeleuchtung erlischt, der Bühnenvorhang geht ein kleines Stück auf und Toto Gitarrist Steve Lukather betritt die Bühne, um mit einer beeindruckenden Rockstarpose in die Saiten zu greifen. Alle starren gebannt und hören ... nichts! Erstaunen allenthalben, auch bei Mr. Lukather himself. Offensichtlich wurde vergessen, den Klinkenstecker seines Taschensenders in die Gitarre einzustecken.

3. Wo ist mein Preset?

Nicht nur Musiker können einen kapitalen Fehlstart hinlegen. Dem Autor ist es jedenfalls passiert, dass ein Techniker einer Vorband die eigene Mix-Szene unabsichtlich überschrieben hat. Gemerkt habe ich das allerdings erst fünf Minuten vor Beginn der Show. Seitdem speichere ich mein File immer zweimal im Pult ab und zusätzlich noch auf einem USB-Stick, den ich nicht mehr aus der Hand gebe. Eine prägende Erfahrung. Was man auch kurz vor Beginn der Show ruhig noch mal checken darf: Ist im Pult überhaupt die richtige Show bzw. Mix-Szene geladen?

4. Line-Check?

Ja, bitte! Den „Line-Check“ kennt ein Tontechniker von Festivals, bei denen die Umbaupausen fast immer knapp bemessen sind. Anstatt eines richtigen Soundchecks, wird einfach jedes am Mischpult anliegende Signal kurz ausprobiert und ausgepegelt. Der richtige Soundcheck findet dann beim ersten Stück statt.

Immerhin kann man mit dieser Methode sicher sein, dass alle notwendigen Signale (Lines) am Mischpult in ordentlicher Qualität anliegen und dass alles spielt. Aber auch im normalen Tour- und Konzertbetrieb kann ein Line-Check kurz vor dem Auftritt sinnvoll sein. Selbst dann, wenn die Band zuvor einen ausgiebigen Soundcheck gemacht hat.

Gibt es eine oder mehrere Vorbands, dann sind eventuell Mikrofone verrutscht, Inputs an der Stagebox falsch gesteckt und gar ausgesteckt worden. Vielleicht modulieren die Drahtlossysteme der Vorband in die Systeme deiner Band? Um ganz sicher zu sein, sollte man kurz bevor die Band auf die Bühne geht mit dem Backliner noch mal alle Mikrofone, Drahtlossysteme und Monitorweg kurz ausprobieren, damit die Konzentration beim ersten Song direkt beim Mix ist und nicht auf der Suche nach vermeidbaren Fehlerquellen.

5. Controller-Mutes und stumme Amp-Racks

Die moderne Tontechnik hat mit dem Einzug der Digital- und Netzwerktechnik rasant an Komplexität gewonnen. Die neuen Möglichkeiten sind toll, die Gefahr, dass aber etwas wider Erwarten nicht funktioniert, dagegen unweit größer. Fakt ist, wenn der Summenfader am Pult hochgezogen ist und die Meteranzeige bei -18 dBFs einen ordentlich Ausgangspegel suggeriert, muss aus einer modernen PA nicht zwingend ein Signal ertönen.

Vor einigen Wochen gab es zwischen Soundcheck und Konzert einen unbemerkten Stromausfall, der die Amp-Racks der Haupt-PA stromlos stellte. Die eingebauten PA-Controller waren so konfiguriert, dass sie mit stumm geschalteten Ausgängen wieder hochfuhren, nachdem die Stromversorgung wieder hergestellt war. Unschön, wenn man das am FoH-Platz nicht mitbekommt. Das Gleiche gilt für digitale Eingänge (z.B. DANTE oder AES/EBU) an modernen Endstufen. Einige Konstrukte reagieren auf einen kurzzeitigen Sync-Verlust damit, dass sie auf alternative analoge Eingänge umschalten, selbst wenn der Sync nach kurzer Zeit wieder vorhanden ist. Wer also ganz sichergehen will, der verkabelt am besten beides: digital und analog.

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