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Workshop
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20.05.2008

12-saitige Gitarre - Basics Workshop

12-String Knowhow

6 + 6 = Sound

Sucht man im Internet nach Informationen über 12-saitige Gitarren stößt man auf folgende Definition: Eine 12-String Gitarre ist eine E- oder A-Gitarre, die mit zwölf Saiten bespannt ist. Ach ne', ist ja nich' wahr. Da wären wir ja nie drauf gekommen! Doch was hat es denn nun wirklich mit den Gitarren auf sich, deren Stimmen schnell mal doppelt so viel Zeit in Anspruch nimmt, wie das Tunen einer normalen Sixstring? bonedo hat sich um Klärung bemüht.

Eigentlich ist das Ganze wirklich keine Geheimwissenschaft. Die Basis für eine 12-saitige Gitarre bilden nämlich exakt die gleichen Saiten, die auch auf einer „normalen“ Gitarre für Sound sorgen – und zwar in exakt der gleichen Stimmung. Das fette Performance-Plus der 12-Strings liefern sechs parallel laufende Zusatzsaiten. Dabei werden die Bass-Saiten (und oft auch die G-Saite ) im Allgemeinen durch entsprechend dünnere und eine Oktave höher gestimmte Oktavsaiten gedoppelt. Die Saiten B-, und E finden ihre Unterstützung in jeweils einem gleichgestimmten (Unisono) "Draht". Hier ein typischer 12-String Saitensatz in der „Light-Ausführung: 

Saite Saitenstärke Saitenstärke
e .010p .010p
b .014p .014p
g .023w .010p
D .030w .014p
A .038w .018w
E .047w .027w

Der Anhang „w“ steht  übrigens für Umsponnen, „p“ bedeutet Plain, also glatt. Der voluminöse Sound einer 12-saitigen Gitarre entsteht durch die Tatsache, dass die doppelten Saiten nie hundertprozentig gleich gestimmt sind. Das wiederum führt zu einem attraktiven Naturchorus-Effekt, der geschlagenen Akkorden eine unglaubliche Dichte verleiht.

Natürlich lassen sich mit einer 12-String auch alle Arten von offenen Stimmungen realisieren. So folgen beim legendären D A D G A D Tuning, beispielsweise die Parallelsaiten der Stimmung der Haupsaiten und schon läuft es.
Es soll aber auch Gitarristen geben, die mit Hilfe der Parallesaiten offene Akkordsounds realisieren. Das ist aber eher die Ausnahme, denn es limitiert den Einsatznutzen der Gitarre doch ganz enorm. Im Allgemeinen werden auf diese Weise gestimmte Instrumente in erster Linie für spezielle Effektsounds verwendet.  Schön, wenn man eine Doppelhals-Gitarre hat, bei der man schnell mal zwischen einer 6-String und einer 12-String wechseln kann.

Das Spiel :
Die Enge auf dem Griffbrett hat natürlich auch Auswirkungen auf die Spielweise. So lassen sich Singlenote-Runs (Einzelton-Läufe) nur mit viel Routine realisieren. Ein Beispiel dafür, dass man auch virtuose HighSpeed Licks auf einer 12-String abfackeln kann, gibt Nuno Bettencourt in dem Extreme Song Hole Hearted.

Haupeinsatzgebiet von 12-saitigen Gitarren ist aber heutzutage ganz klar das Strumming, das Schlagen kompletter Akkorde. Und da die Stimmung dabei im Allgemeinen dem Standard entspricht, bleiben auch die Akkorde so, wie man sie kennt. Einfach ein normales „D“ greifen, und die Fingerkuppen drücken automatisch die Parallesaiten mit ab. Den Rest erledigt die Schlaghand.

Im Akkordspiel sorgen die zwölf klingenden Saiten für einen fetten "Naturchorus-Sound". Und mit ein wenig Fingerspitzengefühl ist auch heiße Leadwork problemlos möglich.

Protagonisten: 
Eines der berühmtesten Beispiele für die subtile Schönheit des 12-String Sounds lieferte Jimmy Page in dem weltbekannten Led Zepplin Song Stairway To Heaven. Aber schon in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts setzten Musiker wie der einflussreiche Blues-Sänger Blind Willie McTell auf die Kraft der gedoppelten Saiten. Weitere berühmte 12-Stringer sind der legendäre Haudegen Hudson "Huddie" Leadbetter alias "Leadbelly", Roger McGuinn von den Byrds, der Alternative-Rocker Peter Buck (R.E.M.) und natürlich Pop- Gitarrenikone George Harrison  (to name just a few)

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