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27.08.2021

15 fette Nummern die ein FOH-ler beim Rock-Konzert dabei haben sollte

Die richtige Mukke für die Konzert-Pause

Irgendwann ist der Lockdown vorbei und dann heißt es hoffentlich wieder feiern und Konzerte genießen. Tontechniker kennen das Spiel: Spielt die Band nicht, darf der FoH-Mann nicht selten den Pausen-DJ geben. Schnell stellt man fest, dass es nur Größen wie David Guetta vergönnt ist, mit einem einzigen Druck auf die Enter-Taste des MacBooks die Massen im Handumdrehen im Griff zu haben. Das gemeine Rock-Publikum ist, was die passende Musikauswahl zum Pausenbier betrifft, anspruchsvoller.

Für eure nächste Rock-Show haben wir daher 15 Titel zusammen gestellt, mit denen ihr dem Rock-DJ aus dem Dorf vom FoH-Platz aus Paroli bieten könnt oder schlichtweg eure Ruhe habt.

Russian Circles - „Arluck“

Die erste Single aus dem letzten Album „Arluck“. Das Trio Russian Circles ist die letzte Verteidigungslinie, die uns vor einem unheiligen Regime aus Steven Slate Drum Replacement, Toontrack Superior Drummer und neural dsp Gitarren Plugins bewahrt. Russian Circles nutzen nur Instrumente und Verstärker aus rein biologischem Anbau. Damit das frische Instrumentarium dennoch amtlich tönt, hat man die Aufnahmen im Electrical Audio Studio von Steve Albin getätigt. Als Trainer und Produzent fungierte Kurt Ballou (Converge). Mehr Glaubwürdigkeit kann man in der Indie & Alternative Szene wohl kaum… einkaufen.

The Kings of Quarantine -„She Watch Channel Zero“

Die Pandemie generiert Kollaborationen, die man seit dem legendärem „Jugdement Night“ Soundtrack nicht mehr für möglich gehalten hätte. Grausamer Film – aber krasser Soundtrack. Der Public Enemy Song „She Watch Channel Zero“ wird hier gecovert von Mitgliedern der Bands Faith No More, Cypress Hill, 311, Mastodon, Sepultura und H2O. Hoher Kultfaktor. Lässt gestandene Familien Väter in Cargo Shorts und New Balance Sneakers im Rahmen ihrer subjektiven körperlichen Verfassung eskalieren.

MEUTE – „Hey Hey“ (Dennis Ferrer Rework)

Die Tröten Kapelle Meute ist die offizielle Schnittstelle zwischen gemeinem Schützenfest Publikum und intellektueller Karo Pullunder Träger. Der interkulturelle Auftrag interessiert uns FOHler eher weniger. Vielmehr liegt man nachts wach und fragt sich, wie Meute diesen direkten, transparenten Sound in ihren Live Videos hinbekommen? Live-Aufnahme mit Overdubs? Nur Overdubs? Angewandte Quantenphysik?

Billie Eilish - „Bad Guy“

Lasst das auf einem Stadtfest laufen und ihr erntet das völlige Unverständnis bei den Ü30 Jährigen und kassiert zeitgleich fette Probs bei den Teens. Als zeitloser FOHler erkennt ihr natürlich die produktionstechnische Finesse dieser Nummer. “Bad Guy“ kommt völlig ohne das omnipräsente „erste Hilfe“ des Plugin Trio „Melodyne/AutoTune/Vocalign“ aus. Und im Hintergrund sieht man Russian Circles wohlwollend nicken.

Rage Against the Machine – Killing in the Name of

Es gibt keine bessere Rocknummer, um die örtliche PA zu checken. Gemixt von Andy Wallace in der Zeit vor dem großen „Loudness War“, sollte die Nummer fett aus der PA ballern. Klingt die Nummer nicht, hat die PA und letztlich du am Pult definitiv ein Problem.

Converge – Dark Horse

Du willst deine Ruhe am FoH? Schwarzes T-Shirt anziehen, finstere Mine machen und Converge laufen lassen!

 

Nek - E non mi dire che ho bevuto

Du bist kontaktfreudig? Frauen lieben Nek und werden dich zu deiner Musikauswahl beglückwünschen. Dir ist das eigentlich egal, denn du hörst die Nummer nur, weil das Schlagzeug bis zur Minute 1.36 nur auf der linken Seite läuft und rechts nur der gated reverb der Drums zu vernehmen ist. Lässt sich keine Frau in ein Gespräch verwickeln, kannst Du mit diesem Fachwissen wenigstens den Backliner beeindrucken und zudem feststellen, ob der Zuspieler richtig verkabelt ist.

Panzerballet – The Time of my Life

Achtung: Hoher Kultfaktor! Kommt von der „Message“ besonders „deep“, wenn man dazu ein T-Shirt einer norwegischen Deathmetal Band trägt, dessen Bandlogo man auf keinen Fall erkennen kann. Geht nicht nur auf Rock- und Metal-Gigs, passt auch zu Avantgarde Jazz Veranstaltungen oder bei der Steuererklärung.

Deftones – Digital Bath

Gemischt von Terry Date ist auf dieser Nummer genau der Drumsound, den die Band von dir erwartet und du hoffst, den iLok eingesteckt zu haben, damit dir Steven Slates „Trigger“ aus der Patsche hilft.

Lynyrd Skynyrd – egal was!

Du kannst sicher sein, es gibt mindestens drei Gitarrensoli im Song. Zeit genug, für ein Bierchen am Tresen oder beim Catering vorbei zuschauen.

John Mayer – Room for Squares

Die ideale Einlassmusik. Ja, spiel ruhig die gesamte Platte und wenn es sein muss gleich zwei mal! John Mayer ist die Perfektion in Beliebigkeit. Es gibt kein besseres Hintergrundrauschen zum Biertrinken. Nervt nicht, tut keinem weh - Hauptsache es läuft irgendwas.

Snarky Puppy – „Shofukan“

„Jugend musiziert“…und zwar auf dem höchsten Level. Große Band mit kleinen Egos. Klar, es gibt halt keine Sänger bei dem Snarky Puppy Projekt. Daher kann die Formation um Mastermind und Bassist (!) sich vollends auf die Musik konzentrieren und sind damit schon länger äußerst erfolgreich am Start. Da kann man sich auch eine achtzehnköpfige Band-Formation leisten, die in drei Tagen ein Album mit Publikum einspielt. In einem Studio in Holland (Betriebsgeheimnis # 1). Natürlich ohne Overdubs und wie bereits erwähnt… ohne Sänger (Betriebsgeheimnis # 2). 

Refused – New Noise

Jeder Rocker würde gerne so cool sein wie Refused. Leider sind das die wenigsten. Zum Ausgleich sollte man mindestens einmal „New Noise“ spielen. Das zeugt gleichermaßen von Style und musikalischem Sachverstand.

AC/DC – Thunderstruck

Das musikalische Mitmachprogramm aus Australien. Die ideale Musik, um langsam den FoH abzubauen. Wenn „Thunderstruck“ läuft, geht dir garantiert keiner auf den Sack, weil alle zu sehr mit Singen und Klatschen beschäftigt sind.

Robbie Williams – Angels

Furchtbare Schnulze, aber hat den enormen Vorteil: Die Frauen der Typen, die dich ohne Pause am FoH vollsülzen, verstehen, dass es Zeit ist, ihre Jungs einzusammeln und nach Hause zubringen.

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