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Drum Play-Alike – Drumsolo #3 – Ginger Baker

Im dritten Teil unserer Solo-Workshop Reihe geht es um den Teufelstrommler Ginger Baker, der nicht nur wegen seines zuschlagenden Temperaments, sondern auch wegen seiner explosiven Schlagzeugsoli so genannt wird.

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Inhalte
  1. Flam Accent
  2. Afrikanische Einflüsse
  3. Bakers Wurzeln liegen im Jazz
  4. Sechzehntel-Verteilungen auf dem Drumset
  5. Double Bass Patterns
  6. Die durchgetretene Hi-Hat
  7. Fazit


Nach den großen Erfolgen der Beatles versuchten junge Musiker, den kommerziellen Erfolg der Beatmusik mit den Emotionen des Blues zu verbinden. Einer der ersten Drummer, denen das mit Bravour gelang und der damit einer ganzen nachfolgenden Trommlergeneration seinen Stempel aufdrückte, war Ginger Baker, der 1966 mit Eric Clapton und Jack Bruce die Supergroup “Cream” gründete. Obwohl die Band nur zweieinhalb Jahre lang existierte, inspirierte ihr einzigartiger Mix aus Blues, Hard- und Psychedelic Rock viele nachfolgende Musiker wie zum Beispiel Jimi Hendrix. Laut Neil Peart (Rush) ist Ginger Baker der Erfinder des Rock-Drum-Solos.
Als Einstieg kannst du dir ein Solo im Ginger Baker-Stil anhören. Und wenn du bei diesem Solo-Workshop mitmachst hast, kannst du es am Ende auch spielen.

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Ginger Baker-alike Solo

Workshop

Flam Accent

Die Gruppe Cream revolutionierte den Rock und füllte als erste Band große Arenen und Stadien. Um damals die Zuhörer bis in die letzten Reihen zu erreichen, verwendete Ginger Baker häufig ein kraftvolles Tom-Pattern, welches aus einem Flam und drei Single Strokes besteht. Dieses Triolen-Pattern wird eröffnet von einem Vorschlag mit der linken und einem Hauptschlag mit der rechten Hand. Dann folgen die linke und noch einmal die rechte Hand. Danach dreht sich der Handsatz um. Wem dieses Pattern bekannt vorkommt, der hat recht, es handelt sich um das Rudiment Flam Accent. Übt das Pattern erst nur auf der Snare und achtet darauf, gleichmäßig zu spielen.

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Notenbeispiel 1

Verteilt die Figur nun auf die Toms. Die rechte Hand spielt auf dem Stand Tom, die Linke auf dem Rack Tom. Jetzt hört sich das Pattern schon ganz anders an.

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Notenbeispiel 2

Afrikanische Einflüsse

Ginger Baker wurde durch einen anderen kreativen Trommler aus England, Phil Seaman, dazu ermutigt, sich mit afrikanischer Musik auseinanderzusetzen, was sich deutlich in seinem Stil widerspiegelt. In der folgenden Variation des Tompatterns spielen beide Füße das Metrum und die Hände ab der zweiten Takthälfte Vierteltriolen. Das ergibt eine Überlagerung von drei Schlägen mit den Händen und zwei Schlägen mit den Füßen innerhalb des gleichen Zeitraums. Dieses Verhältnis, welches in vielen afrikanischen Rhythmen zu finden ist, nennt man “Drei über Zwei” oder “3:2”.

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Notenbeispiel 3

Auch das Drum-Solo aus dem 2005er Cream Reunion-Konzert beinhaltet bereits am Anfang (ab 01:36 Min.) diese typischen afrikanischen Elemente.

Noch mehr Spielideen rund um den Flam Accent findet ihr hier.

Bakers Wurzeln liegen im Jazz

Ginger Baker war maßgeblich von Art Blakey und Elvin Jones beeinflusst, variierte seine Grooves wie ein Jazzmusiker und war der erste Trommler, der bis zu halbstündige Solos spielte. Um seine Soli auch über solche langen Zeiträume interessant zu gestalten, benutzt er, wie im folgenden Pattern, gerne eine Gruppe von vier Schlägen im Achteltriolen-Raster:

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Notenbeispiel 4

Spielt zum Eingrooven über eine Taktlänge Achteltriolen. Der zweite Takt beginnt mit einem Schlag auf dem Stand Tom, gefolgt von drei weiteren auf der Snare Drum. Diese Gruppe von vier Schlägen wird noch zweimal bis zum Taktende wiederholt. In den Noten habe ich jedes Grouping mit einem Bogen und einer Vier gekennzeichnet. Um dieser Figur noch mehr Drive zu geben, baut Ginger Baker häufig schnellere Schläge ein. Im zweiten Takt der nächsten Übung sind statt der Single Strokes auf der Snare Drum Sechstolen als Double Strokes zu spielen. Die Füße spielen den Puls dazu.

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Notenbeispiel 5

Sechzehntel-Verteilungen auf dem Drumset

Trotz der vielfältigen Einflüsse gilt Ginger Baker als Archetyp des Rockdrummers. Nick Mason (Pink Floyd) und Stewart Copeland (The Police) berichten, sie seien nur wegen Ginger Baker zum Schlagzeugspielen gekommen. Das nächste Pattern haben beide sicherlich schon einmal gespielt. Hier geht es um Sechzehntelnoten und deren Verteilung auf dem Drum Set. Grooved euch wieder mit dem ersten Takt ein. Der zweite Takt beginnt mit einer Note auf dem Stand Tom, gefolgt von zwei Schlägen auf der Snare Drum und einem weiteren auf dem Rack Tom. Spielt alles als Single Strokes und wiederholt das Pattern weitere drei Male.

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Notenbeispiel 6

In der nächsten Übung kommen im zweiten Takt statt der Single Strokes auf der Snare Drum doppelt so schnelle Double Strokes zum Einsatz.

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Double Bass Patterns

Drum Sets mit zwei Bass Drums gab es schon in den 1950er Jahren. Duke Ellington, der berühmte Big Band Leader, engagierte gerne Drummer mit einem Double-Bass-Drum-Kit wie Dave Black und Louis Bellson. In dieser Tradition spielt Ginger Baker bis zum heutigen Tag zwei Bass Drums. Im nächsten Pattern kommen nun erstmals beide Tieftöner zum Einsatz. Es handelt sich in dem Beispiel um einen Sechs-Achtel-Takt, in dem wieder das 3:2 Verhältnis zwischen Ride-Figur und Snare-Schlägen auftaucht. Im weiteren Verlauf kommen noch zwei Bass Drum Schläge – einer mit rechts, einer mit links – zwischen den Schlägen der Snare Drum hinzu.

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Notenbeispiel 8

Dass das Bassdrum-Gewitter nicht erst im Heavy Metal erfunden wurde, zeigt das folgende Beispiel. Das schon oben vorgestellte Pattern wird im zweiten Takt mit durchgehenden Sechzehnteln in den Bass Drums erweitert.

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Notenbeispiel 9

In diesem Clip von 1969 spielt Baker diese Figur ab 00:38 Min..

Die durchgetretene Hi-Hat

Ein weiteres typisches Merkmal in Ginger Bakers Soli ist die durchgehend getretene Hi-Hat. Selbst bei Double-Bass-Drum-Passagen läuft sie fast konsequent durch. Im folgenden Rhythmus bestehen die ersten vier Takte aus einem Swing-Pattern mit vereinzelten Schlägen auf Snare und Bass Drum, bei dem die Hi-Hat konstant auf den Zählzeiten Zwei und Vier getreten wird. In den folgenden Takten kommt eine Bass Drum Shuffle-Figur dazu. Der linke Fuß wandert also zwischen Hi-Hat und Bass Drum-Pedal hin und her.

Notenbeispiel 10 Ginger Baker Workshop
Notenbeispiel 10 Ginger Baker Workshop
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Notenbeispiel 10

Als schnelle Variante ist der Groove hier noch einmal zu hören.

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Notenbeispiel 11

Und hier könnt ihr noch einmal das komplette Solo im Ginger Baker Style hören:

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Drumsolo à la Ginger Baker

Fazit

Weitere interessante Inhalte:

Drum Recording – Basics und Tipps – Video-Workshop von Nick Mavridis und Christoph Behm
Selfmade Grooves mit Rudiments – So baut ihr Rudiments in Grooves ein
Groupings am Drumset – Superdrummer Moritz Müller erklärt im Video Dreier-, Fünfer- und Sechsergruppen
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Profilbild von Daniel

Daniel sagt:

#1 - 24.12.2014 um 01:30 Uhr

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Sehr ,sehr hilfreich. Die Erklärungen machen die jedem Drumsolo zugrundeliegende Stilistik mehr als deutlich. Wertvoll. Unbedingt zu empfehlen!

Profilbild von Chris (bonedo)

Chris (bonedo) sagt:

#2 - 26.12.2014 um 14:25 Uhr

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Hi Daniel,
danke für dein positives Feedback. Aktuell ist übrigens ein weiterer Drumsolo-Workshop mit Ian Paice von Deep Purple in Planung. Gruß, Chris

Profilbild von Thomas

Thomas sagt:

#3 - 06.11.2017 um 17:50 Uhr

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Das ist ein toller Workshop. Vieles, das Baker spielt, bleibt somit nicht länger verborgen! Was mich immer fasziniert hat ist der Gebrauch von afrikanischen Polyrythmen. Baker beherrscht das Ganze Feld. Die Kreativität, mit der er rythmische Kombinationen spielt, die Virtuosität, die er dabei an den Tag legt. Er ist einfach ein Unikat. Baker war der erste Drummer, der mich begeisterte, und bis heute ist diese Faszination nicht gewichen. Gruss , Thomas

Profilbild von Dirk

Dirk sagt:

#4 - 17.02.2018 um 02:50 Uhr

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Hallo, ich hätte da eine Frage: Könntet ihr den 1. Part des Ginger- Baker-Like Solos, genauer gesagt die 4 Stroke Ruff Passage,einmal erklären? Ich möchte gerne einmal wissen, wie die Platzierung der Hi-Hat aussieht. Auf der Aufnahme hört man es zwar, aber ich möchte den Aufbau dieses Patterns gerne einmal erklärt haben. Als grosser Baker- Enthusiast interessiert es mich brennend.

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