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Dreadbox Abyss Test

Praxis

Der VCO hat einen Sägezahncore, der aber sehr prominent über den Waveshaper – denn um nichts anderes handelt es sich bei dem großen Regler in der Oszillatorsektion – im Klang geändert werden kann. Dabei kommt der originale Sägezahn immer wieder mal vor, und zwar vor allem auf den Positionen von zehn Uhr und vierzehn Uhr. Auf zwölf Uhr haben wir es mit einer Rechteckwelle zu tun, nach vierzehn Uhr wird der Rauschgenerator langsam dazu geschaltet und vor zehn Uhr wird der Sägezahn in seiner Pulsweite verschoben, also das, was man üblicherweise mit einer Rechteckwelle macht. Da sollte man sich dann auch nicht von der Beschriftung irritieren lassen, auf acht Uhr hören wir keine Rechteckwelle, sondern einen Sägezahn. Zu weiterer Irritierung ist allerdings die Pulsweite falsch angegeben, denn der Sägezahn ist nicht auf zehn Uhr in der Welle verkürzt, sondern auf acht Uhr, was man im Audiobeispiel auch sehr schön hört, da startet der Klang nämlich eine Oktave höher.

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Der Oszillator und sein Waveshaper.

Der Oszillator und der Waveshaper sind sicherlich das Herzstück des Abyss, denn sie hören sich toll an und zusätzlich gibt es auch einen eigenen LFO, nur für den Waveshaper.

Oszillator Waveshaping in der visuellen Darstellung (Screenshot: Sebastian Berweck)
Oszillator Waveshaping in der visuellen Darstellung (Screenshot: Sebastian Berweck)

Allein der Oszillator mit einer kleinen Portion Waveshaping hört sich toll an, denn alles bewegt sich. Anhand der Bildaufnahme aus der DAW kann man das gut sehen: Hier ist einmal der ganze Regelbereich aufgenommen worden und man sieht, dass sich die Veränderung der Klänge in unregelmäßigen Abständen, verbunden mit unregelmäßiger Lautstärke vollzieht. Das führt dann zu einem mehrfach bewegten Klang, der Synthesizer überhaupt erst so toll klingen lässt und den man mit Abyss schon allein durch den Oszillator, den Waveshaper und dem dazu gehörigen LFO erhält.

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Oszillator, Waveshaper über LFO, dazu Suboszillator und Drive.

Das hört sich richtig rund und fett an, obwohl überhaupt noch kein Filter oder irgendein Effekt verwendet wurde. Der “Hausoszillator” von Dreadbox hat nicht von ungefähr einen guten Ruf, man muss dabei allerdings auch eines beachten: Der Murmux, auf dessen Oszillator der Abyss basiert, ist ein Basssynthesizer. In den Höhen klingt das alles nicht so toll, das sollte man wissen.

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Der Abyss Oszillator in der Höhe.
Begeben wir uns also lieber wieder in Gefilde, in denen sich der Abyss wohlfühlt, und er reagiert ohnehin nur auf MIDI Note Messages zwischen C1 (MIDI Note 24) und C4 (MIDI Note 96). Was man allerdings an der Aufnahme auch gut hören kann: Abyss hat keine wirklich scharfen Attacks, der Ton fängt immer leicht abgerundet an. Auch das ist etwas, was man wissen sollte.
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Vibrato LFO mit Detune.

Was gibt es noch: Den rechteckigen Suboszillator haben wir in der anderen Aufnahme schon gehört, eine Glidefunktion gibt es und natürlich gibt es auch ein Vibrato. Erstaunlich ist, dass auch das Vibrato seinen eigenen LFO besitzt. Der LFO kann übrigens auch ziemlich schnell, wobei das Vibrato dabei aber an Definition verliert und FM Klänge lassen sich damit nicht veranstalten. Eine andere Wellenform als die gebotene Dreiecks- oder Sinuswelle lässt sich auch nicht auswählen. Einen Trick gibt es dann doch noch: Weil tatsächlich für jeden einzelnen der vier Oszillatoren einen eigenen Vibrato LFO gibt, kann man die LFOs untereinander leicht verschieben, was dann natürlich in einem großartigen “Geschwurbel” endet. 

Dreadbox Abyss bietet keine wirklich scharfen Attacks. Der Ton fängt immer leicht abgerundet an. Das sollte man wissen. (Foto: Sebastian Berweck)
Dreadbox Abyss bietet keine wirklich scharfen Attacks. Der Ton fängt immer leicht abgerundet an. Das sollte man wissen. (Foto: Sebastian Berweck)

Wer über den Oszillator spricht, muss aber auch noch den Unisono Modus erwähnen, der alle vier Stimmen zu einem Superoszillator zusammenfasst. Auch hier gibt es eine Detunefunktion, welche für besonders breite Sounds sorgt. Wie zu erwarten, lässt der Dreadbox Abyss es hier richtig krachen.

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Abyss im Unisono – Vier Oszillatoren für ein Halleluja.

Soviel zum Oszillator. Kommen wir zum Filter, der ein 4-Polfilter (24db) mit eigener ADRS Hüllkurve und ein paar Besonderheiten ist. Das Eingangssignal aus den Oszillatoren geht mit ziemlich viel Dampf in die Filter, und das hört sich dann auch sehr schön an. Ich glaube eine leichte Anzerrung zu hören, aber das war ja auch noch nie falsch. Die Resonanz greift erst relativ spät und pfeift bei Eigenresonanz weniger, als dass sie gerne mal schmalbandig “rauschpfeift”. Bemerkenswert ist aber auf jeden Fall, dass der Filter nicht der Tonhöhe folgt, sondern immer genau da steht, wo man ihn hingestellt hat. Und weil man kein Filtertracking einstellen kann, bleibt das auch so. 

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Vier mal Filterfahrt mit unterschiedlicher Resonanz.

Viel Spaß kann man allerdings mit den LFOs haben, die beide auf den Cutoff des Filters zugreifen und stufenlos zugeschaltet werden können. Zu beachten ist hierbei, dass diese jetzt die beiden globalen LFOs des Abyss sind, die auch bei den Effekten zur Verwendung kommen. Das sind also nicht die gleichen zwei LFOs, die wir in der Oszillatorsektion zu hören bekommen haben.

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Spaß mit dem Filter und den LFOs.

Der ADSR bietet dabei mit 20 Sekunden eine sehr schön lange Attackzeit. Das Decay mit hoher Resonanz habe ich nicht dazubekommen, so richtig schön den Filter herunter schmatzen zu lassen. Und das Release bietet noch eine Besonderheit, es fungiert nämlich quasi als Holdfunktion: Ist Release komplett offen, geht der Ton einfach gar nicht weg. Auch das Filter bleibt ganz auf. Das ist in der Tat eine praktische und eigentlich auch ganz logische Angelegenheit, die sowohl für den ADSR des Filters, als auch für den des VCAs gilt. Schade ist allerdings, dass die Releasezeit auf Änderungen während der Ton gehalten wird, nicht mehr reagiert. Steht der Ton, dann steht er und kann nur durch erneutes Anschlagen mit einer geringeren Releasezeit wieder zum Schweigen gebracht werden.
Eine Besonderheit gibt es aber noch beim Filter, und die ist der mit Velocity bezeichnete Drehknopf. Nach links gedreht, kann man hier die Anschlagsstärke und die Attackzeit des Filterenvelopes verbinden. Nach rechts gedreht, wird die Anschlagsstärke mit dem Hüllkurvenlevel verbunden. Der Filtercutoff reagiert dann also auf die Anschlagsstärke.

Die Anschlüsse des Dreadbox Abyss (Foto: Sebastian Berweck)
Die Anschlüsse des Dreadbox Abyss (Foto: Sebastian Berweck)
Nach dem Filter geht das Signal in den VCA, der mit der gleichen (nicht der selben!) Hüllkurve, wie der Filter ausgestattet ist. Hier gibt es eine Overdriveschaltung, die auch sehr prominent mit einem großen Drehknopf ausgestattet. Der Overdrive ist sehr nützlich um das Signal ein bisschen anzuheben. In seiner Extremstellung finde ich persönlich die Verzerrung als nicht besonders musikalisch. Zu hören ist das in dem Soundbeispiel, bei dem auch der Reflector vorgestellt wird. Wie immer kommen die Klangbeispiele einmal direkt aus dem Gerät und werden dann aber noch einmal mit Hall abgespielt. Der Hall ist übrigens ein Wald-und-Wiesen-Hall aus Audacity. Schickt man das Audiosignal durch einen Eventide, hört es sich ohnehin viel besser an. Wir wollen aber den Synthesizer hören und nicht den Hallalgorithmus.
Kommen wir zu den Effekten, die zumindest rein äußerlich viel Platz einnehmen. Hier interessiert natürlich zunächst einmal der Reflector. Was macht der Reflector? “Reflector” ist eine Dreadbox Bezeichnung für ein analoges Eimerkettendelay mit 1024 Stufen, bekannter vielleicht unter der englischen Bezeichnung bucket brigade delay oder kurz BBD. Reflector bietet eine maximale Verzögerungszeit von 50 ms, die mit dem ersten der beiden LFOs gesteuert werden kann. Und obendrein gibt es einen Feedbackloop, der bis zur Selbstoszillation geht. Das ist eine feine Sache, die im Übrigen den analogen Effekten im Arturia Matrixbrute ähnelt.
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Spaß mit dem Reflector.

Weiterhin gibt es Delay und Phaser, die klanglich dem Reflector angepasst sind und sehr vintage nach Blechdose klingen, was in diesem Fall aber kein Bug, sondern ein Feature ist. Mit beiden kann man echte Klangwelten erstellen und benötigt dann auch wirklich kein Hallgerät mehr. 

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Sequenz mit Delay, dann Phaser, dann mit Beidem.

Spielen kann man den Abyss wie gesagt nur via MIDI, wobei auch wirklich nur Note On und Off, Tonhöhe und das Modulationsrad übertragen werden. Spielbar ist der Abyss im Multichannel Mode, dann erhält jeder Oszillator einen eigenen MIDI-Kanal zugewiesen, was insbesondere im Zusammenhang mit Sequenzern Sinn macht. Der Unisono Mode fasst natürlich alle Stimmen zu einer Einzelnen zusammen, wobei man den Verstimmungsgrad zwischen den Stimmen verändern kann. Polyphonic Mode bedeutet, dass bis zu vier Stimmen je ein Oszillator zugeteilt wird. Mit seinem Sägezahnoszillator lässt sich der Abyss so auch sehr schön als String Machine einsetzen. 

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Geigen aus der Unterwelt.
Wissen muss man dabei, dass der Abyss, anders als zum Beispiel paraphone Synthesizer wie der Arp Odyssey oder der Matrixbrute, nicht zwischen der Anzahl der Oszillatoren umstellt. Wenn man nur einen Ton spielt, dann klingt auch nur ein einzelner Oszillator und nicht alle gerade Verfügbaren. Wenn man das vielleicht irgendwann noch einstellen könnte, wäre das eine tolle Sache.
Zuletzt gibt es noch einen Chords Modus, bei dem sechs vorprogrammierte Akkorde automatisch gespielt werden können. Das hört sich oft ein bisschen dröge an, aber Dreadbox hat das gut implementiert, weil Akkorde nicht immer nur in Grundstellung genommen wurden, sondern auch als Quartsextakkord präsentiert werden. So klingt es doch gleich viel besser!
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Quartsext, Baby!
An die CV Anschlüsse auf der Rückseite können auch ganz normale Pedale angeschlossen werden. Beim Audio Eingang gibt es allerdings die Besonderheit, dass das Signal nicht durch den Filter geschleift wird, sondern nur in die Effekte. Das ist sicher eine Abwägungssache, aber auch hier wäre es schön, wenn man das anders einstellen könnte, selbst wenn man dadurch eine Stimme verliert. Über die DIP-Schalter kann man ein paar Dinge umprogrammieren. So lässt sich z. B. die LFO-Verschiebefunktion in einen LFO-Lag tauschen oder aber auch für jeden Oszillator ein eigener Hüllkurvenverlauf einstellen. Und das ist dann tatsächlich schon multitimbral, denn Abyss ist ja kein paraphoner Synthesizer, sondern besitzt pro Stimme das ganze Set mit Oszillatoren, Hüllkurven, Filtern und Verstärkern.
Was gibt es zu meckern? Eigentlich nichts. Der Dreadbox Abyss ist ein eigenständiger Synthesizer mit eigenem Klang und vielen Eigenschaften, die ihn von anderen Synthies abgrenzen. Er ist kein Synthesizer für Brot-und-Butter-Sounds, dazu ist er zu speziell und dafür sind die Oszillatoren auch nicht gemacht. Enorm viele Routingsmöglichkeiten gibt es auch nicht, aber das Gebotene, und wie es implementiert wurde, ist toll gemacht. Die Synthesizergemeinde darf sich glücklich schätzen, dass mit Yiannis Diakoumakos und Stratos Bichakis gleich zwei richtig gute Synthesizerbauer am Start sind. Das Einzige, was mich wirklich stört, ist der fehlende Kopfhörerausgang, denn das bedeutet, dass man den Abyss nicht einfach einschalten und mit ihm spielen kann. Das ist im Übrigen auch im Verkauf ein echtes Problem, denn wer im Musikladen das Gerät mit Kopfhörer anhören will, hört nur auf einem Ohr und das ist eigentlich nicht Sinn der Sache. Auch ein weiterer MIDI-Anschluss in Form einer USB-Verbindung hätte auf jeden Fall noch Platz gefunden. Das kann man in dieser Preisklasse eigentlich erwarten. Ansonsten gilt: Gut gemacht, tolles Gerät, sicherlich kein Allrounder, aber ein Instrument, das enorm viel Spaß macht.
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