Brandsicherheit von Akustikelementen: Was du in deinem Studio beachten musst!

Akustikelemente gehören zur Grundausstattung in allen Tonstudios. Absorber aus Schaumstoff, Mineralwolle, Textilen oder sonstigen Materialien (im Abbey Road Studio 2 sogar Seetang!) verkürzen Nachhallzeiten („RT60“), verbessern Sprachverständlichkeit und Separierbarkeit einzelner Signale. Was dabei häufig unter den Tisch fällt: der Brandschutz. Und dieser ist kein Randthema, sondern im Zweifel existenziell und lebensrettend. Auch wenn Schäden glücklicherweise überschaubar bleiben, solltest du rechtlich und versicherungstechnisch auf der sicheren Seite sein.

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Brandschutz bei Akustikelementen ist kein reines Profi-Thema

Dein Studio hat, egal wie klein oder groß es ist, bereits viele potenzielle Brandquellen: Netzteile, Endstufen, Röhrengeräte können überhitzen, „beliebte“ Brandquellen sind Mehrfachsteckdosen mit zu viel Last im Dauerbetrieb.

Achtung: Manche Akustikprodukte sind nicht für den dauerhaften Innenausbau gedacht. Dass ein Material “schwer entflammbar” genannt wird, heißt noch lange nicht, dass du es für alle Situationen nutzen kannst.

Und: Es ist mitnichten so, dass du dir um Brandschutz nur Gedanken machen musst, wenn du ein Studio professionell betreibst! Brandschutz spielt auch im Heimbereich eine Rolle!

Hinweis: Wir von bonedo sind keine Brandschutz-Profis. Deswegen kann dieser Artikel keine Haftung übernehmen, sondern dient dazu, dich auf das sehr komplexe und höchst wichtige Thema aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren.

Brennbar ist nicht gleich brennbar: Materialien im Überblick

1. PU-Schaumstoff

  • sehr verbreitet bei Noppenmatten, Pyramidenabsorbern, sehr günstigen Wandabsorbern
  • Brandschutz schwach, wenn nicht speziell ausgerüstet
  • mancher kann schnell brennen, abtropfen und toxischen Rauchgasen entwickeln

→ Ohne geprüfte Klassifizierung ist PU-Schaum brandtechnisch problematisch, insbesondere an Decken.

2. Melaminharzschaum (z.B. Basotect)

  • deutlich bessere Brandschutzeigenschaften
  • selbstverlöschend, kaum Rauchentwicklung

→ Aus Brandschutzsicht eine der sichersten Lösungen für Absorber.

3. Mineralwolle / Steinwolle / Glaswolle

  • nicht brennbar
  • Brandschutz hervorragend

→ Eigentlich gut. Aber: Entscheidend ist nicht nur der Kern, sondern auch die Bespannung, der Rahmen und mögliche Kleber.

4. Holzelemente (Diffusoren, Plattenabsorber)

  • brennbar

→ prinzipiell schlechterer Brandschutz, je nach Behandlung, Menge und Ort der Anbringung.

Normen, Begriffe und Klassen

Alte deutsche Klassen (DIN 4102)

  • A1 / A2: nicht brennbar
  • B1: schwer entflammbar
  • B2: normal entflammbar
  • B3: leicht entflammbar (praktisch nicht zulässig)

Neue europäische Klassen (EN 13501-1)

Studiomaterialien sollten mindestens B-s1,d0 aufweisen. Das bedeutet:

  • B = begrenzter Beitrag zum Brand
  • s1 = sehr geringe Rauchentwicklung
  • d0 = kein brennendes Abtropfen

Bitte beachte: Es geht nicht um die Materialien alleine, sondern auch um Menge und Anbringungsort. Im Zweifel kann ein Brandschutzbeauftragter helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Versicherungen, Haftung und Realität

Wenn es brennen sollte, prüfen anschließend die Versicherer. Nicht ausreichende Akustikelemente können im Schadensfall zu Leistungskürzungen führen, wohl auch dann, wenn sie gar nicht direkt beteiligt waren. Und wie schon gesagt: Das gilt auch für das Homestudio!

Was du als Studio-Betreiber konkret tun solltest

  1. Achte auf dokumentierte Brandschutzklassen, also Euroklasse B-s1,d0 oder besser verwenden.
  2. Decken besonders kritisch prüfen: Hier gelten oft strengere Maßstäbe!
  3. Wähle bei DIY-Lösungen Materialien bewusst. Steinwolle ist immer besser als PU-Schaum! Aber auch an Rahmen, Stoff etc. denken.
  4. Bewahre schriftliche Herstellerangaben/Datenblätter auf.
  5. Informiere dich und setze den gesunden Menschenverstand ein. Nimm Gefahren ernst, lass Geräte nur unter Beobachtung an.
  6. Konsultiere im Zweifel Profis zu dem Thema.

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