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Audeze LCD-2 Classic Closed-back Test

Praxis

Verwendungszweck

Geschlossene Kopfhörer mit hochwertigen Wiedergabeeigenschaften, wie sie der LCD-2 Classic Closed-back bietet, sind häufig wahre Allrounder. Auf den Audeze Kopfhörer trifft das aber nur zum Teil zu. Seine im Vergleich zu einigen Monitoring-Klassikern doch eher moderaten Dämmeigenschaften und der nicht ganz so feste Sitz, machen den LCD-2 trotz aller Robustheit nicht zur wahren „Rampensau“ in Aufnahmeräumen oder gar im Außeneinsatz. In Regieräumen oder im heimischen Wohnzimmer fühlt er sich dagegen schon eher wohl. Die geschlossene Bauart gewährleistet dabei eine zweckdienliche akustische Entkopplung von moderaten Außengeräuschen und verhindert die musikalische oder akustische „Belästigung“ von Personen im gleichen Raum. Neben dem Musikkonsum lässt sich der LCD-2 Classic Closed-back auch gewinnbringend beim Mixdown und Mastering einsetzen.

Der LCD-2 Classic Closed-back ist für Konsumenten und Profis gleichermaßen interessant.
Der LCD-2 Classic Closed-back ist für Konsumenten und Profis gleichermaßen interessant.

Testbedingungen

Getestet wurde der Audeze Kopfhörer an den Kopfhörerverstärkern eines Apollo X4 von Universal Audio sowie dem SPL Phonitor mini. Vertraute Fremd- und Eigenproduktionen (auch ungemastert) sowie DAW-Instrumente und Signalgeneratoren kamen dabei zum Einsatz. Außerdem habe ich den Referenzkopfhörer Focal Clear Mg Professional zeitweise zum Vergleich herangezogen. Dieser besitzt zwar die offene Bauart, aber der Premiumanspruch beider Kopfhörer ähnelt sich durchaus, sodass ein Hörvergleich interessant ist.

Klang

Dass es sich um einen sehr hochwertigen Kopfhörer handelt, bemerkt man quasi unmittelbar beim ersten Anspielen. Die hohe Auflösung und authentische Impuls- und Dynamikwiedergabe vertrauter Produktionen erfüllen meine Erwartungen an ein Premiumgerät. Ebenfalls ist die Tiefenstaffelung und Separierung einzelner Mixbestandteile/Instrumente bemerkenswert und auch die berüchtigte Überbreite der Stereobühne, eine Eigenschaft vieler (vor allem geschlossener) Kopfhörer, hält sich in maßvollen Grenzen. Der natürliche Raumeindruck gewinnt aber noch einmal spürbar durch die Aktivierung einer dezenten Crossfeed-Einstellung am Phonitor mini. Im direkten Vergleich zum bauartbedingt bevorteilten Focal Clear Mg Professional hat der Franzose in dieser Disziplin erwartungsgemäß die Nase vorn. Die Frequenzabstimmung kann eine leichte Hi-Fi-Tendenz mit reduzierten, vor allem unteren Mitten nicht ganz verleugnen. Hierdurch mangelt es beispielsweise Gesangsstimmen vereinzelt an Wärme, was aber auch Geschmacksache ist. Die Höhen kann man durchaus als „crisp“ bezeichnen. Ohne Schärfe offenbaren sie kleinste Details, was beim Musikkonsum je nach Produktion sowohl vorteilhaft als im Einzelfall auch etwas anstrengend sein kann, vor allem bei modernen Musikstilen. Die analytische Präsentation jedes kleinen Schmatzers in nah mikrofonierten Dopplungsstimmen ist eine tolle Eigenschaft zum Editieren und Schneiden, zum reinen Musikgenuss können die individuellen Hörpräferenzen aber sehr unterschiedlich sein. Kommen wir zur Basswiedergabe, die vermutlich den Geschmack vieler treffen wird. Die Wiedergabe bis in den tiefsten Frequenzkeller ist souverän ,satt und durchaus prominent, ohne dabei überdimensioniert zu sein, wie es bei vielen bassstarken Kopfhörern leider der Fall ist. Insgesamt kann man dem Audeze LCD-2 Classic Closed-back erstklassige Wiedergabeeigenschaften bescheinigen, die allenfalls „geschmäcklerisch“ im Detail von individuellen Hörpräferenzen abweichen könnten. Ein Hör-Check lohnt sich aber unbedingt!

Fotostrecke: 2 Bilder Die deutlich sichtbaren Kerben erleichtern beispielsweise nach einem Transport das Wiederherstellen der individuellen Größeneinstellung.
Fotostrecke

Tragekomfort

Ein typischer Kritikpunkt magnetostatischer Kopfhörer ist der häufig gewichtsbedingte Mangel im Tragekomfort. Umso überraschter war ich beim Aufsetzen des LCD-2 Classic Closed-back. Der Effekt lässt vielleicht so beschreiben, als wenn man sich in einen gemütlichen Polstersessel setzt. Die imposanten Ohrpolster sind auffallend weich und komfortabel. Auch der Anpressdruck ist moderat und für mein Empfinden auch während längerer Hörsessions problemlos zu tragen. Allerdings ist anzumerken, dass der Kopfhörer nicht sehr fest und sicher auf dem Kopf sitzt, was beim stationären Gebrauch problemlos ist, die Verwendung während einer Performance im Aufnahmeraum aber eher ausschließt. Hierfür wurde der LCD-2 Classic aber auch nicht konzipiert. Während ich vor einigen Jahren in meinem Review des Audeze LCD-X den Druck des Kopfbügels noch kritisierte, hat der Hersteller nachgebessert! Der Bügel ist einer deutlich bequemeren Kopfbandvariante nach Art klassischer AKG-Kopfhörer gewichen. Das weiche Kopfband hat eine viel größere Auflagefläche, wodurch ich das hohe Gewicht des LCD-2 Classic überhaupt nicht spüre und dieses altbekannte Problem auf simple Weise optimal gelöst wird! Abschließend gibt es dennoch einen Kritikpunkt: Die verwendeten Materialien aus Kunstleder haben auch nach dem mehrtägigen Test einen chemischen Geruch, was bei neuen Geräten gar nicht so selten vorkommt, bei hautaufliegenden Teilen aber problematisch sein kann. Offenbar verursacht das Kopfband auf meinem rasierten Schädel leichte Hautreizungen, was einerseits als individuelles Problem erscheint, andererseits fallen mir spontan ein halbes Dutzend Kollegen mit vergleichbarer „Haarpracht“ ein. Eine Nachfrage beim Vertrieb hat keine Lösungsmöglichkeiten oder Erkenntnisse ergeben. Denkbar wäre vielleicht ein simples Abwaschen des demontierbaren Teils oder der Tausch gegen die optional erhältliche Leder-Carbon-Variante, sofern diese nicht chemisch behandelt wurde. Während des Testverlaufs hatte ich jedenfalls ein „Beanie“ auf dem Kopf, was nach mehr als einhundert Kopfhörertests ein Novum für mich darstellt.

Fotostrecke: 2 Bilder Die Kopfbandkonstruktion besteht aus Federstahl und Kunstleder.
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