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ALVAREZ MD-350 C Test

Korpus
Mit den eckigen Schultern, der 27,5 cm breiten Taille und den gewohnten sonstigen Abmessungen entspricht die Korpusform der MD-350C dem typischen Design einer Dreadnought mit einer maximalen Breite von  39,4 cm am Saitenhalter und einer Länge am Bodenmittelstreifen von 50,5 cm.
Das große C steht bei der MD-350 C übrigens für den runden, nicht sehr tief ausgeschnittenen Cutaway, der dem Solisten das Bearbeiten der oberen Lagen erleichtert. Keine Überraschung auch bei der Wahl der Hölzer mit Fichte, Palisander und Ebenholz.

Die helle, fein gezeichnete Decke aus massivem Engelmann-Fichtenholz, einer Kiefernart, die im Westen Nordamerikas beheimatet ist, besteht aus zwei symmetrischen Hälften.
Weil die Maserungen aufgrund des Drehwuchses oft spiralförmig verlaufen, kann ein Großteil des „Krummholzes“ häufig nicht für den Instrumentenbau verwendet werden. Gibt es allerdings brauchbare Teile eines Baumes, dann erzielen diese einen deutlich höheren Marktwert. Ein Grund, warum das Holz der Engelmannfichte vergleichsweise teurer ist als das der Sitkafichte.
Die Tendenz zum Drehwuchs hat auch Auswirkungen auf die Optik: Die helle Decke dunkelt zwar im Laufe der Zeit an einigen Stellen mehr und an anderen weniger nach, wird aber nie den rotbraunen Ton einer in Ehren gealterten Sitkadecke entwickeln.
Die Decke der MD-350C bringt aber schon jetzt ein unübersehbares rhythmisches Farbmuster zum Vorschein, das nicht unattraktiv wirkt, sondern im Gegenteil dem Auge sogar schmeichelt. Leider stechen mehrere unschöne und unübersehbare  „Materialfehler“ ins Auge.

Das Holz der Engelmann Fichte ist normalerweise weicher als das der  bekannteren Sitka-Fichte und daher anfälliger für Beschädigungen. Ein Grund, warum bevorzugt das langsam gewachsene härtere Holz von Bäumen aus höheren Lagen beim Bau von akustischen Gitarren verwendet wird

Viele Hersteller von High-End-Gitarren sind in den letzten Jahren mehr und mehr vom Holz der Sitka Fichte abgerückt, weil sie den Ruf hat, zu „normal“ zu  klingen. Decken aus dem teureren Engelmann Holz liefern zwar auch den typischen voluminösen und klaren Fichtendecken-Ton, gelten unter Gitarrenbauern aber darüber hinaus als Garant für mehr Wärme und großen Obertonreichtum.

Der glänzende Lack der Decke wurde hauchdünn aufgetragen, um das Schwingungsverhalten des verarbeiteten Holzes zu erhalten.
Ein Schlagbrett ist zwar nicht montiert, aber mit dem selbstklebenden, schwarzen Deckenschoner, der zum Lieferumfang gehört, kann die Gitarre problemlos nachgerüstet werden.

Das bunt gefärbte Binding aus Tortoise verbindet die dünn gearbeitete Decke mit den beiden Zargen, und die geschmackvolle Herringbone-Randeinlage aus Schildkrötenpanzer auf der Decke korrespondiert mit dem Muster des Bodenmittelstreifens.
Mit solider Qualität und einer regelmäßigen Zeichnung präsentiert sich das ostindische Palisander, das für den leicht gewölbten Boden aus zwei Teilen spiegelbildlich um den eingelegten Bodenmittelstreifen aufgeschlagen wurde. Auch hier verbindet ein buntes Binding die Bodenhälften mit den beiden Zargen, die ebenfalls aus ostindischem Palisander gefertigt sind, und schützt die Stoßkanten vor Beschädigungen. Die Zargentiefe liegt zwischen minimal 9,00 cm am Hals und maximal 10,5 cm am Knopf.

Eine gestreifte, hölzerne Rosette mit Abalone-Einlegearbeiten begrenzt das kreisrunde Schallloch, und der an den Ecken abgerundete Saitenhalter wurde aus einem Stück Ebenholz geschnitzt.
Die zweiteilige Stegkonstruktion, die ursprünglich von Lowden eingeführt wurde, soll vor allem in den höheren Lagen eine exaktere Intonation ermöglichen, Stichwort: Längenkompensation. Die zwei „blanken“ Saiten werden über eine separate, kürzere und diagonal versetzt montierte Stegeinlage geführt. Die vier umwickelten Saiten teilen sich eine zweite, längere, und ebenfalls diagonal versetzte Stegeinlage.
Die zweiteilige Konstruktion erfüllt ihren Zweck und ersetzt inzwischen bei vielen Modellen die von Gibson vor 40 Jahren eingeführte einteilige diagonale Stegeinlage.

Die sechs Saiten werden durch Pins arretiert, die mit Punkten aus reflektierendem Abalone verziert sind.
Baut man den Preamp aus, kann man durch die obere Zarge einen Blick ins Innere des Korpus werfen.
Dort zeigt sich, dass sämtliche Reifchen, die zur Vergrößerung der Verleimflächen von Decke und Boden am Rand eingesetzt wurden, sauber und gleichmäßig verarbeitet sind. Ein wuchtiger, massiver Halsblock hält Decke, Hals, und die beiden Zargen zusammen, erhöht aber auch das Gewicht der Gitarre. Die Alvarez MD 350 C ist in der Tat ein schwerer Brocken.
Die Decke ist mit einer einfachen X-Verstrebung (X-Bracing) stabilisiert, und
der forschende Blick durch das Schallloch zeigt außerdem vier kräftige Querverstrebungen auf dem Boden, auch das eine sehr saubere Arbeit.

Kopfplatte
Im Zentrum der geschlossenen, schlicht geformten und mit Palisander furnierten  Kopfplatte präsentiert sich mit den beiden gespiegelten A’s das bekannte ALVAREZ Logo aus funkelndem Abalone.
Für präzises Stimmen bürgen die goldenen, geschlossenen Grover Mechaniken mit schwarzen Kunststoffknöpfen und geschmeidigem, weichem Lauf. Die Rundung an der Oberseite der Kopfplatte erinnert mich an das Design von Jean Larrivée. Sowohl Hals, Halsfuß als auch die Unterseite der Kopfplatte sind seidenmatt gefinished.

Elektronik
Auch die Elektronik ist nicht von schlechten Eltern. Der Piezo-Pickup arbeitet zuverlässig und sendet sein Signal an den in der oberen Zarge geparkten 600T Mk II, einen Pre-Amp von ALVAREZ, der bei vielen Akustikern schon einen legendären Stellenwert einnimmt.
Dieser Vorverstärker bietet gleichzeitig die Möglichkeit, ein kleines Mikrofon oder einen magnetischen Tonabnehmer einzuschleifen. Beide Komponenten sind aber nicht im Lieferumfang enthalten.

Ein integrierter Minimixer kann das Signal des optional im Schalloch befestigten Kondensatormikrofons oder des magnetischen Pickups aufnehmen und mit dem Piezo Pickup mischen. Die Anteile der beiden Signale lassen sich dann mit separaten Volume-Reglern kontrollieren, und in der Summe entscheidet schließlich ein Master-Regler über die Stärke des Gesamtsignals, das zur Weiterverarbeitung an Verstärker oder Mischpult geschickt wird. Neben der Phase-Shift Taste, die bei Feedback erbarmungslos zuschlägt, lässt sich ein altbewährtes Hausmittel in Front bringen, um störenden Frequenzen den Garaus zu machen: das Notch-Filter.
Bei diesem integrierten Filter handelt es sich um einen speziellen EQ, mit dem man einen extrem dünnen und tiefen Schnitt in einen vorher definierten Frequenzverlauf vornehmen kann. Auf diese Weise lassen sich störende Frequenzen wie Rückkoppelungen oder Brummschleifen zwischen 50 Hz und 2 kH teilweise oder sogar vollständig eliminiert, ohne dabei die Basiskomponenten des Klangspektrums zu beeinträchtigen.

Das Panel bietet außerdem den obligatorischen 3-Band EQ mit drei leichtgängigen Schiebereglern für Bass, Treble, und Mid, die sehr präzise arbeiten und sehr sensibel reagieren. Treble und Bass versehen ihren Dienst übrigens mit einer so genannten Kuhschwanzcharakteristik (Shelf).
Das mittlere Frequenzband ist außerdem parametrisch ausgelegt, wobei die Arbeitsfrequenz flexibel zwischen 600 Hz und 1,2 kH variieren kann. Die zur Speisung des Systems notwendige 9V Blockbatterie befindet sich in einem Batteriefach unter dem Pre-Amp. Zum Wechsel der Batterie muss der Pre-Amp, der mit zwei Schrauben in der Zarge ruht, zwar vollständig entfernt werden, die Demontage ist aber relativ schnell erledigt.
Die Kosten für ein externes Stimmgeräts kann man sich ebenfalls sparen, denn dem Pre-Amp wurde ein chromatischer Tuner spendiert, der seine Arbeit ebenfalls ohne Beanstandungen verrichtet.

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