Anzeige
ANZEIGE

ALVAREZ MD-350 C Test

Klang und Spielpraxis
Die ersten Pickings auf der unverstärkten Gitarre klingen erstaunlich gut. Harmonien werden transparent aufgelöst, Single Notes kommen mit dem Plektrum laut und mit viel Sustain rüber. Die Töne verhungern nicht, und auf dem kompletten Griffbrett konnte ich keine Dead-Notes entdecken. Auch stärkere Anschläge verursachen keine Nebengeräusche, und es entsteht ein runder satter Ton. Darüber hinaus wirkt der kompensierte, zweiteilige Steg Intonationsproblemen effektiv entgegen, was volle Akkorde auf der ganzen Skala garantiert.

Der Cutaway der Alvarez  ist nicht sehr tief ausgeschnitten, trotzdem lässt sie sich problemlos bis in den letzten Bund bearbeiten. Auch der flache Halsfuß behindert die Greifhand beim Spiel in den höheren Lagen nicht.

Im Sattelbereich kann man aufgrund der flachen Saitenlage mit Leichtigkeit zugreifen, ab dem siebten Bund nimmt der Abstand jedoch spürbar zu. Dennoch können Single Lines auch in den oberen Lagen gespielt werden. Eine echte Sologitarre für „Flitzer“ ist die MD-350 C trotz Cutaway aber nicht, denn mit dem ab Werk aufgezogenen 12er Satz  kommt sie eher  Pickern und  Strummern entgegen.

Wie schon erwähnt, überrascht der Hals der Gitarre mit einer ausgeprägten V-Form. Diese nicht (mehr) alltägliche Variante will auf jeden Fall ausgelotet werden, da man unter Umständen seine gewohnte Greif-Ergonomie etwas korrigieren muss. Eigentlich hatte die „anachronistische“ Konstruktion bereits mit der Einführung des Truss Rod ausgedient. Die Aufgabe des üppigen Profils war es nämlich, dem Hals eine gewisse Stabilität zu verleihen, so dass er der Spannkraft der Saiten besser widerstehen konnte. Das Aufkommen von Stahlstäben zur Verstärkung der Hälse machte den Weg für ergonomisch ansprechendere Profile frei und drängte die V-Form mehr und mehr zurück. 

Audio Samples
0:00
Fingerstyle Mike1 Fingerstyle Mike2 Fingerstyle Pickup Strumming Mike1 Strumming Mike2 Strumming Pickup

So mancher Luthier vertrat aber weiterhin hartnäckig die Ansicht, dass ein massiger Hals auch ein gewisses Quäntchen zur Entstehung des Tons beitragen könne. Es ist anzunehmen, dass der V-Hals  – zumindest im Hause Alvarez – deshalb eine Renaissance erlebt.

Insgesamt hat die Gitarre ein ausgewogenes Soundbild mit seidig-glänzenden Höhen und kräftigen Mitten anzubieten. Auch im Bassbereich geht es richtig zur Sache. Die MD-350C übermittelt einen lebendigen, obertonreichen, warmen Klang, der sich auch gut für Mikrofonaufnahmen eignet. Die Engelmann-Fichtendecke entwickelt richtig „Hub“, so dass man förmlich von der Druckwelle überwältigt wird.

Mit der Elektronik kann man einen sehr natürlichen Sound erzeugen, wenn man die MD 350C über einen Akustik-Amp mit „Hochtöner“ schickt. Besonders im Bassbereich liegen jede Menge Reversen ungenutzt brach.
Im Studio sollte man aber auf jeden Fall ein Mikro benutzen, denn es lohnt sich, den Naturklang der Gitarre einzufangen. Den Pre-Amp kann man zwar auch dort einsetzen, allerdings ist das Piezo-Knarzen im Obertonspektrum unüberhörbar. Ein Grund, warum sich die Kombination mit Mikrofonen anbietet.

Kommentieren
Kommentare vorhanden
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • Boss RE-2 Space Echo - Sound Demo (no talking)
  • Gibson G-Bird | Generation Collection - Sound Demo (no talking)
  • Best Cyberweek DEALS for Guitarists! - 2022