Versicherungen und Altersvorsorge für Musikschaffende

Finanzielle Verwaltung ist für viele Musiker ein rotes Tuch. Schlagworte wie Buchhaltung, Steuererklärung oder Rücklagen treiben ihnen Schweiß auf die Stirn. Denn egal ob DIY oder mit einem abgeschlossenen Studium in der Tasche: In der Regel ist kaum eine Musikerin so gut auf die Finanzverwaltung vorbereitet wie auf die Bühne oder das Studio. Viele leben gerade zu Beginn ihrer beruflichen Laufbahn von der Hand in den Mund, von Rechnung zu Rechnung, von Album zu Album oder von Gig zu Gig. Da wundert es nicht, dass viele Themen wie die Absicherung im Schadens- oder Krankheitsfall und die Altersvorsorge lieber vor sich herschieben. Aber muss man als Musiker wirklich Angst vor Versicherung und Altersvorsorge haben? Kann man Versicherungsberaterinnen überhaupt trauen? Welche Absicherungen sind wirklich sinnvoll – und wie kann man trotz unregelmäßigem Einkommen für die Zukunft vorsorgen?

Shuttertsock, Foto von Gallks

Wir haben mit Versicherungs- und Vorsorgeexperte Thomas Fitschen von der Firma Künstler für Künstler gesprochen, um diese Fragen zu beantworten und ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen. Thomas Fitschen ist neben seiner Tätigkeit als Versicherungsmakler auch als Bühnendarsteller und Sprecher tätig. Vor seinem Schauspielstudium hat er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann absolviert und ist dementsprechend mit dem Versicherungswesen genauso vertraut wie mit der Lebensrealität von Künstler*innen. Fitschen erzählt:

„Ich habe in den Neunzigerjahren auf Wunsch meiner Eltern zunächst den Beruf der Versicherungsberatung erlernt. Direkt nach dem Ende meiner Ausbildung habe Ich dann Schauspiel studiert. Singen und Tanzen kann ich nur gut genug, um auf der Bühne unterhaltsam zu sein (lacht). Ich hatte natürlich schon immer mit Musiker*innen zu tun, bin selbst eher im Darstellen und Sprechen zu Hause. 2009 habe Ich dann aber mit der Beratung begonnen, weil ich so häufig von meinen Kolleg*innen gefragt wurde, wie das denn eigentlich funktioniert – Künstlersozialkasse oder Versicherungen im Generellen. Daraufhin habe Ich mit mich mit einem bereits in dem Feld selbstständigen Kollegen zusammengetan, hätte aber nie damit gerechnet, dass der Bedarf so groß ist, dass meine Bühnentätigkeit peu à peu weniger wurde.“

Muss man als Musiker Angst vor Versicherungen und Altersvorsorge haben?

Die Angst vor der Komplexität ist laut Fitschen die größte Hürde für Musiker*innen beim Thema Versicherung. Auch Berührungsängste mit langfristiger Finanzplanung und die Sorge vor schlechter Beratung hielten viele davon ab, sich der Thematik anzunehmen. Horrorgeschichten, Gerüchte und Halbwissen halten sich hartnäckig. Viele scheuen daher die Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Thema. Dabei ist finanzielle Absicherung weniger kompliziert und gefährlich, als es oft scheint. Man muss sich nur trauen, sich Unterstützung zu holen.

„Es gibt sogar Themenbereiche, die Spaß bringen. Geldanlage zum Beispiel liefert mit ein wenig Expertise total positive Ergebnisse. Sich mit Risikofällen auseinanderzusetzen, kann natürlich herausfordernd sein. Wer will schon am Anfang seiner Karriere über eine lange Krankheit oder das Ende dieser Karriere nachdenken. Das ist nichts, was wir uns gerne vorstellen. Wir glauben, dass so etwas ja nur dem anderen passieren kann. Aber dem ist leider nicht so.”

Welche Versicherungen sind für Musiker am wichtigsten?

Abgesehen von der Krankenversicherung, die in Deutschland ohnehin Pflicht ist, gibt es für eine*n alle selbstständige*n Musiker*innen noch weitere essenzielle Versicherungen. Wer anderen Schaden zufügt, muss laut Bürgerlichem Gesetzbuch auch für diesen aufkommen. Hohe Schadenssummen können ohne Versicherung zu einer erheblichen finanziellen Belastung – sowohl für die verursachende Person als auch die geschädigte Seite, wenn die Kosten nicht gedeckt werden können. In solchen Fällen greift die private Haftpflichtversicherung – sie übernimmt die Kosten des Schadens oder beteiligt sich daran. Daneben gibt es auch noch die Berufshaftpflichtversicherung. Sie funktioniert nach demselben Prinzip, springt jedoch im beruflichen Kontext ein.

„Bei der Berufshaftpflicht sollte man auf ein paar spezielle Dinge achten. Manche typische Berufsrisiken sind oft nicht mitversichert – wenn ich zum Beispiel das Musikinstrument einer Kollegin stimme und es beschädige, oder mir ein Instrument leihe und es dann beschädige. Und sowas sollte unbedingt mitversichert sein.“

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung greift, wenn man seinen Beruf aufgrund einer Krankheit dauerhaft nicht mehr ausüben kann. Gerade längere Krankheitsphasen können für freiberuflich tätige Künstler*innen schnell zu einer existenziellen Herausforderung werden.

Altersvorsorge und Ruhestandsplanung kommen unter Freiberufler*innen oft zu kurz, sind jedoch umso besser plan- und umsetzbar, je früher man damit beginnt. Gerade weil kreative Berufslaufbahnen häufig mit unregelmäßigen oder geringen finanziellen Einkünften beginnen, fällt es hier besonders schwer, frühzeitig für den Ruhestand vorzusorgen.

„Die private Haftpflichtversicherung und die Berufshaftpflicht sind so günstig, dass man mit einem niedrigen zweistelligen Betrag pro Monat auskommt, den man außerdem ohnehin in Teilen absetzen kann. Die Berufsunfähigkeit kann mitunter etwas teurer sein, aber meist findet man auch hier eine machbare Lösung. Und je nach beruflichem Profil und mit wachsender Einkunft können zusätzlich eine Unfallversicherung, eine Elektronikversicherung und/oder Instrumentenversicherung für ein teures Tonstudio oder wertvolle Instrumente sowie eine Rechtsschutzversicherung und gegebenenfalls eine Hausratsversicherung sinnvoll sein.“

Sollte euer Budget knapp sein, könnt ihr also erstmal mit den Basics starten: Krankenversicherung, Haftpflichtversicherung und Berufsunfähigkeitsversicherung. Wer schon etwas mehr Spielraum hat, nimmt noch eine Unfallversicherung dazu.

Was sollte eine Berufshaftpflicht für Musiker abdecken und wie wichtig ist eine zusätzliche Unfallversicherung?

Bei der Berufshaftpflicht für Musiker*innen gilt es, eine Deckung zu wählen, die sowohl Personen- als auch Sachschäden im Rahmen der musikalischen Aktivitäten abdeckt – zum Beispiel bei Veranstaltungen, Proben, Unterricht oder Studioarbeiten. Wichtig ist, dass auch Schäden abgedeckt sind, die Equipment oder Instrumente versehentlich verursachen können. Fallstricke können Ausschlüsse für bestimmte Aktivitäten sein, etwa für Auftritte im Ausland oder an ungewöhnlichen Veranstaltungsorten. Ein weiteres No-Go sind zu niedrige Deckungssummen oder zu hohe Selbstbehalte.

Die Unfallversicherung ist zwar nicht so elementar wie die Berufsunfähigkeits- oder Haftpflichtversicherung, kann aber eine sinnvolle Ergänzung sein – vor allem für Musiker*innen, die häufig reisen, auf Bühnen stehen oder sich in riskanten Situationen wiederfinden. Bei einer Unfallversicherung kommt es also darauf an, dass auch Unfälle im beruflichen Zusammenhang und auf Reisen abgedeckt sind. Außerdem sollten Leistungen für dauerhafte Beeinträchtigungen (Invalidität) und mögliche Rehabilitationsleistungen enthalten sein. Ein weiterer wichtiger Punkt sind sogenannte Assistenzleistungen. Diese können auch dann helfen, wenn nach einem Unfall keine dauerhaften Einschränkungen zurückbleiben, man aber vorrübergehend Unterstützung im Alltag braucht, zum Beispiel bei der Selbstversorgung.

Wie sorgt man als Musiker fürs Alter vor?

Wie für alle gilt auch für Musiker*innen der einfache, aber wichtige Grundsatz: „Wer früher einzahlt, hat später mehr zur Verfügung“. Aber wie genau funktioniert das „Einzahlen“? Zuallererst solltet ihr eine Rücklage für Notfälle schaffen, zum Beispiel in Form eines Tagesgeldkontos. Nicht zur Altersvorsorge, sondern als Sicherheit, falls die Auftragslage mal schlecht läuft oder ihr in eine finanzielle Notsituationen geratet. Das schafft nicht nur existenzielle Sicherheit, sondern mindert auch Stress und ist somit gut für eure Gesundheit. Sobald ihr eine Rücklage angespart habt, mit der ihr ein bis drei Monate lang auskommen könntet, geht es an die Altersvorsorge.

„Altersvorsorge ist sehr individuell, deswegen ist das auch mein Lieblingsbereich. Das Schöne ist, dass der Markt viele verschiedene Lösungen hergibt. Es kommt auf eine gute Mischung aus guter Rendite und der Sicherheit an, dass die Vorsorge auch bis zum Ende meines Lebens reicht. Und wir unterschätzen alle massiv, wie alt wir werden. Ich werde jetzt schon statistisch weit über 90 Jahre alt, denn ich habe ja mit über 40 Jahren Lebensdauer die ersten großen Gefahren schon überlebt.”

Eine Möglichkeit, um fürs Alter vorzusorgen, ist die Geldanlage in Aktien, die, wenn sie langfristig angelegt werden, vergleichsweise hohe Renditen haben. Versicherungen bieten ebenfalls Produkte für die Altersvorsorge an. Einige davon haben sogar ein ganz gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und bieten eine Vorsorgegarantie bis zum Lebensende statt nur bis zu einem bestimmten Alter.

„Reine Kapitalanlagen, zum Beispiel Aktien, bergen immer die Restgefahr, dass das Geld vor dem Ende des Lebens ausgeht. Das heißt nicht, dass ich das nicht machen sollte, man kann auch verschiedene Lösungen kombinieren. Aber eine Mindestabsicherung mit Garantie würde ich jedem empfehlen. Da muss man sich eben nur Gedanken machen, wie viel Geld man im Alter haben möchte, um gut über die Runden zu kommen.“

Thomas Fitschen, KfuerK

Sollte man sich beim Abschluss von Versicherung und Altersvorsorge professionell beraten lassen?

Sich professionell beraten zu lassen, ist empfehlenswert. Es ergibt auch Sinn, mehrere Berater*innen besuchen, um sich einen Überblick über das Thema zu verschaffen. So kann man außerdem besser einschätzen, welche*r Berater*in zu einem passt beziehungsweise am kompetentesten ist – alle Berater*innen haben eine eigene Perspektive, einen anderen Stil und bestimmte Spezialgebiete. Außerdem können Berater*innen auch auf Denkfehler und Planungsdefizite hinweisen.

„Wir neigen dazu, uns selbst zu belügen, gerade bei solchen Themen. Selbst Fachleute tun gut daran, immer nochmal bei einer externen Fachinstanz nachprüfen zu lassen, ob sie auf dem richtigen Weg sind, und alles nachrechnen lassen. Der/die Berater*in muss sich dann aber auch trauen, seine*n Kund*in mit unangenehmen Fakten zu konfrontieren. Ich hole mir immer die Erlaubnis von meinen Kund*innen, auf alles aufmerksam machen zu dürfen, auch wenn sie es vielleicht nicht gerne hören wollen.“

Sind Versicherungsberaterinnen und -makler haftungspflichtig?

Kurz gesagt: Ja.

Versicherungsmakler*innen bieten in der Regel Produkte von mehreren Versicherern an. Sie sind gesetzlich dazu verpflichtet, den individuellen Bedarf ihrer Kund*innen umfassend zu ermitteln und zu protokollieren. Anhand dieser Informationen muss ein*e Makler*in eine ausreichende und passende Versicherung auswählen und vermitteln. Eine falsche oder unpassende Beratung machen den/die Makler*in für entstehende Schäden haftbar.

Versicherungsvertreter*innen hingegen verkaufen lediglich die Produkte eines spezifischen Anbieters, müssen und dürfen also gar keine Angebote verschiedener Versicherer abwägen oder anbieten. Die Gesetzeslage zur Haftung stellt also in gewissem Maße sicher, dass man von Versicherungsmakler*innen gut beraten wird, und dort somit fundierteres Wissen und individuell zugeschnittene Lösungen bekommt, die einem zum Beispiel die Eigenrecherche im Internet nicht geben kann. Denn im Internet ist niemand für die zur Verfügung gestellten Informationen haftbar.

Hinzu kommt, dass Beratende und Verkäufer*innen ihre Provisionen zurückzahlen müssen, wenn Produkte in den ersten Jahren aufgrund unpassender Beratung gekündigt werden. Das stellt ebenfalls eine passende Beratung sicher. Schließlich verfolgt jede*r Berater*in logischerweise das Interesse, die Mandant*innen an sich zu binden.

„Ein*e Makler*in hat im Regelfall mehrere Versicherer im Angebot. Man kann sich also durchaus erkundigen, wie viele verschiedene Optionen die betreffende Person anbieten kann. Je mehr er oder sie in petto hat, umso größer ist natürlich auch der Vergleich und die Auswahl. Außerdem kann man sich zusätzlich absichern, in dem man eine vertrauenswürdige Person zur Beratung mitnimmt, die mitdenken und nachfragen kann. Das gibt emotional mehr Sicherheit und trägt eventuell zu einem besseren Ergebnis bei.“

Wie genau läuft eine Beratung zur Altersvorsorge für Musiker ab?

Nehmen wir mal als Beispiel eine Person im Alter von 31 Jahren. Wenn man vom gesetzlichen Renteneinstiegsalter von 67 Jahren ausgeht, hätte man 36 Jahre Zeit, um vorzusorgen. Die erste wichtige und sehr individuelle Frage ist: Wie viel finanzielle Mittel braucht die Person, um nach dem Berufsausstieg zurecht zu kommen? Diesen Betrag rechnet man anschließend hoch, um die Inflationsrate zu berücksichtigen – so erhält man einen realistischen Zielbetrag.  Unter Einbezug anderer Rücklagen und Anlagen kann man den voraussichtlichen Bedarf errechnen und von dort aus ein passendes Produkt suchen. Im besten Falle findet man auf diese Weise ein Produkt, das einen bis zum Lebensende absichert, ohne, dass das Geld zu früh ausgeht – und man ist erst einmal gut abgesichert.

Parallel dazu kann man eine kleine Kapitalanlage aufbauen, die jedoch unbedingt zu den individuellen Lebensplänen passen muss.

“Da gibt es ganz viele Produktarten. Deshalb frage Ich meine Mandanten sehr genau aus. Sind Kinder geplant? Soll die Anlage vererbbar sein? Möchte man später in Deutschland leben oder plant man jetzt schon, auszuwandern? Beim ersten Beratungstermin stelle ich eine ganze Menge Fragen dieser Art. Dann folgt eine Bestandsaufnahme darüber, welche Versicherung schon vorliegt, zum Beispiel die gesetzliche Rente über einen Arbeitgeber und/oder die Künstlersozialkasse. Vielleicht haben die Eltern Geld für einen angelegt, welches mit einberechnet werden kann oder es steht ein Erbe in Aussicht.

All das wird einberechnet. So findet man heraus, wie groß die finanzielle Lücke ist, die gefüllt werden muss, um die passende Altersvorsorge abzuschließen. Danach kann man nach dem Ausschlussverfahren das Angebot finden, das am besten zu einem passt. Das Schöne ist: Danach gibt es weniger Fragezeichen und ein Gefühl von Sicherheit. Und wer mit Anfang dreißig noch die Kurve kriegt, was bei vielen Musiker*innen ein Alter ist, in dem sie mitten in der Karriere angekommen sind, kann noch gut vorsorgen.“

Künstlersozialkasse Artikelbild
Künstlersozialkasse

Die KSK ist Privileg, Sparmaßnahme, Existenzsicherung und Papierkrieg für Kulturschaffende. Was es damit auf sich und was man als Musiker/in davon hat.

19.06.2020
5 / 5
2

Warum sind Berufsunfähigkeitsversicherungen für Musiker so schwierig?

Thomas Fitschen hat mir Künstler für Künstler eine Marktlücke gefüllt, die vielen Musiker*innen seit Jahrzehnten Bauchschmerzen bereitet hat: die Berufsunfähigkeitsversicherung. Eine gute Berufsunfähigkeitsversicherung, so Fitschen, greift, wenn jemand sechs Monate am Stück oder länger mindestens die Hälfte seiner bisherigen Tätigkeit nicht mehr ausüben kann. Dann erhält die versicherte Person eine monatliche Rente – und zwar so lange, bis sie diesen Beruf wieder ausüben kann.

Viele ältere Berufsunfähigkeitsversicherungen haben eine Klausel zur sogenannten „abstrakten Verweisung“. Das bedeutet: Wenn man theoretisch noch einen anderen Beruf ausüben könnte, muss man diesem Beruf nachgehen. Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt dann nicht, solange die Verweisung auf eine andere Tätigkeit möglich ist. Heute ist diese Klausel zum Glück nicht mehr üblich, war jedoch in der Vergangenheit für Musiker*innen ein schweres Hindernis. Heute ist vor allem der Preis für so eine Versicherung die größere Hürde. Versicherer sind letztendlich Wirtschaftsunternehmen und wollen Gewinn erzielen. Je größer das Berufs- bzw. das Ausfall- oder Krankheitsrisiko ist, desto höher sind die Beiträge für eine Berufsunfähigkeitsversicherung – falls man überhaupt einen Anbieter findet.

Künstler*innen gehörten lange in dieselbe Risikokategorie wie Fremdenlegionäre und Sprengmeister, weil ihre Wahrscheinlichkeit auszufallen, relativ hoch war. Warum? Weil sie in der Regel in irgendeiner Form körperlich tätig sind und damit logischerweise mit größerer Wahrscheinlichkeit berufsunfähig sind als zum Beispiel eine Verwaltungsangestellte. Wer sich seinen Arm schwer verletzt, kann das Instrument nicht ohne weiteres bedienen.

Thomas Fitschen stellt jedoch klar: Die Versicherer haben einen Denkfehler begangen.

„Bei fast jedem Menschen, der sein Leben in einem Großraumbüro verbringt, ist es bloß eine Frage der Zeit, bis er zumindest darüber nachdenkt, aus dem Fenster zu springen, weil er das Leben nicht mehr erträgt. Der Versicherer geht davon aus, dass die Leute irgendwann nicht mehr arbeiten, sondern am liebsten nur noch eine monatliche Rente haben wollen. Hier liegt jedoch der entscheidende Unterschied: Wir Künstler*innen machen unseren Beruf nicht, weil wir das große Geld verdienen wollen, sondern weil wir etwas zu sagen haben. Wir haben Spaß an der Sache und machen das so lange, wie wir uns irgendwie auf einer Bühne halten können. Das ein*e Künstler*in seine Absicherung ausnutzt, habe ich in der Praxis nie erlebt.“

Bisher war die Künstler*innen-Versicherung laut Fitschen nur über „legale Tricks“ möglich. Hier hat seine Agentur KfuerK nachverhandelt.

„Wir können jetzt als einzige Agentur in Europa Musiker*innen zu einem fairen Preis versichern, weil der Versicherer verstanden hat: Die nutzen das nicht aus, sondern machen nur davon Gebrauch, wenn sie es wirklich brauchen.“

Wie hat die Agentur KfuerK eine faire Berufsunfähigkeitsversicherung für Musiker möglich gemacht?

Die Überzeugung, dass ihre Mandanten nicht simulieren, konnte die Agentur mit echten Daten belegen. Es war eine Zeit lang möglich, Schüler*innen und Studierende früh gegen die Berufsunfähigkeit abzusichern, sodass die Agentur laut Fitschen tausende Mandate vorweisen konnte, die dem Versicherer zeigen konnten, dass die Kund*innen einen tatsächlichen Bedarf hatten.

„Versicherer haben Angst davor, pleite zu gehen, wenn sie eine risikobehaftete Berufsgruppe aufnehmen. Diesen Irrglauben in Bezug auf Künstler*innen konnten wir dem Versicherer nehmen und dadurch ein wirklich gutes Ergebnis erzielen, über das ich mich wahnsinnig freue und das auch bis jetzt toll läuft. Wir konnten so viele Mandate vorweisen, die das Gegenteil der bisherigen Risikoannahme bewiesen, dass sich die Konditionen verbessert haben.“„Entgegen der allgemeinen Annahmen, Ängste und leider auch mancher Erfahrungswerte muss ich, obwohl ich als Interessenvertreter meiner Kund*innen der Gegner der Versicherer bin, auch mal eine Lanze brechen. Viele haben Angst, dass, nicht gezahlt wird, wenn etwas passiert. Aber der Versicherer ist häufig sehr bemüht, in Aktion zu treten. Auch die Versicherer konkurrieren als Dienstleister ja darum, die bestmögliche Absicherung zu liefern. Wenn dennoch Probleme auftreten, hat das meist mit schlechter Beratung und daraus folgenden, falschen Erwartungen oder lückenhafter Absicherung zu tun.“

Was sollte eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Musiker*innen absichern?

Eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Musiker*innen sollte unbedingt spezielle Risiken im musikalischen Alltag abdecken – insbesondere den Schutz bei Erkrankungen, Verletzungen oder Unfällen, die das Musizieren dauerhaft einschränken. Es ist wichtig, auf eine möglichst weit gefasste Definition der Berufsunfähigkeit zu achten, die auch spezielle Tätigkeitenwie Auftritte, Proben oder das Unterrichten abdeckt. Gefährliche Klauseln sind beispielsweise die sogenannte „abstrakte Verweisung“, bei der die Versicherung auf andere Berufe verweist, die Musiker*innen theoretisch ausüben könnten. Das sollte ausgeschlossen sein. Ebenso sollten Ausschlüsse für psychische Erkrankungen, die gerade im künstlerischen Bereich relevant sein können, vermieden werden.

Warum vermeiden so viele Musiker das Thema Berufsunfähigkeit und Altersvorsorge?

Die Wahrscheinlichkeit vor dem 65. Lebensjahr berufsunfähig zu sein, liegt in Deutschland derzeit bei 42 Prozent. Der Denkfehler liegt also darin, das Risiko zu unterschätzen. Würde man in ein Flugzeug steigen, dass mit 42-prozentiger Wahrscheinlichkeit eine Notlandung hinlegen muss? Würde man durch eine Sackgasse gehen, wenn man weiß, dass man mit 42-prozentiger Wahrscheinlichkeit überfallen und ausgeraubt wird? Probably not!


„Die meisten Menschen versichern ihren Hausrat, also materielle Dinge, weil die Vorstellung, das alles abbrennt, einfach greifbar ist. Aber über potentielle Krankheitsfälle nachzudenken, ist sehr abstrakt. Krank zu werden, ist aber nun mal leider der Standard – genauso wie, dass man während eines Brandes wahrscheinlich in der Wohnung ist, um ihn löschen. Und auch das lange Ausfallen vom Beruf bei einer schweren Krankheit ist ein reales Risiko. Das ist wie mit dem Sport treiben. Wer Sport gemacht hat, merkt das so oder so. Wer keinen gemacht hat, der merkt das auch, aber leider sehr viel später. Und das ist mit Versicherungen auch so. Man sollte sich immer dann darum kümmern, wenn man noch keinen Bedarf spürt. Wenn der Bedarf kommt, ist es zu spät.“

Interesse an einem Beratungstermin bei Thomas oder seinen Kollegen? Hier könnt ihr Kontakt aufnehmen:

https://www.kfuerk.de/
https://www.instagram.com/k_fuer_k/

Steuererklärung, KSK und GbR-Gründung machen dir genauso viel Angst, wie die Altersvorsorge? In unserer Artikelreihe zur Existenzgründung für Musiker*innen helfen wir dir:

FAQ

Welche Versicherungen sind für Musiker wirklich wichtig?

Die wichtigsten Versicherungen für selbstständige Musiker*innen sind die Krankenversicherung, die private Haftpflichtversicherung, die Berufshaftpflichtversicherung und die Berufsunfähigkeitsversicherung.

Besonders wichtig ist für Musiker*innen die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU). Gerade kreative Berufe sind körperlich und psychisch oft belastend, weshalb eine frühzeitige Absicherung sinnvoll ist.

Zusätzliche Versicherungen wie Instrumentenversicherung, Elektronikversicherung, Unfallversicherung oder Rechtsschutzversicherung können je nach beruflicher Situation ebenfalls sinnvoll sein.

Warum ist Altersvorsorge für Musiker wichtig?

Ohne private Altersvorsorge entsteht im Alter oft eine große finanzielle Versorgungslücke. Je früher man beginnt, desto besser. Schon kleine monatliche Beträge können über viele Jahre hinweg eine solide Altersvorsorge aufbauen. Für Musiker*innen ist eine Kombination aus flexibler Kapitalanlage und garantierter Altersvorsorge oft besonders sinnvoll.

Lohnt sich professionelle Beratung für Musiker bei Versicherungen und Vorsorge?

Ja. Versicherungen und Altersvorsorge sind komplexe Themen, die stark von der individuellen Lebens- und Arbeitssituation abhängen. Gute Berater*innen analysieren bestehende Absicherungen, mögliche Risiken und persönliche Zukunftspläne, um passende Lösungen zu finden.

Versicherungsmakler*innen sind in Deutschland gesetzlich dazu verpflichtet, den Bedarf ihrer Kund*innen sorgfältig zu prüfen und dazu passend zu beraten. Fehlerhafte Beratung kann sogar zu einer Haftung führen.

Warum ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung für Musiker oft schwierig?

Musiker*innen gelten bei vielen Versicherungen als risikoreiche Berufsgruppe. Deshalb waren Berufsunfähigkeitsversicherungen für Künstler*innen lange Zeit entweder sehr teuer oder schwer zugänglich.

Mittlerweile gibt es jedoch spezialisierte Anbieter und Tarife, die besser auf die Realität kreativer Berufe zugeschnitten sind. Da statistisch viele Menschen vor dem Rentenalter berufsunfähig werden, gehört die Berufsunfähigkeitsversicherung heute zu den wichtigsten Absicherungen für selbstständige Musiker*innen und Künstler*innen.

Hot or Not
?
Welche Absicherungen sind wirklich sinnvoll – und wie kann man trotz unregelmäßigem Einkommen für die Zukunft vorsorgen?

Wie heiß findest Du diesen Artikel?

Kommentieren
Schreibe den ersten Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.
Bonedo YouTube
  • Melofty Axom Max | The Next Big Thing in Guitar Gear? | Sound Demo
  • Roland n/vision Demo with Factory and Custom Presets
  • Roland FP-40 Digital Piano Demo (NoTalking)