Mit der EXO-Serie bietet die deutsche Firma EVE Audio preisgünstige Studiomonitore und stattet sie mit zahlreichen Funktionen der größeren Systeme aus. Für unseren ersten Test haben wir die beiden großen Modelle EXO 27 und EXO 28 miteinander verglichen.

Beide Zweiwege-Monitore bieten eine DSP-Entzerrung sowie analoge und digitale Eingänge. Die wesentlichen Unterschiede liegen in der Größe von Tieftöner und Gehäuse sowie im erreichbaren Tiefgang und Maximalpegel.
- unaufgeregter, analytischer Sound
- vielfältige Eingänge
- gute Verarbeitung
- kein Mess-System vorhanden
Viel DSP, wenig Umwege
Die EVE Audio EXO 27 und EXO 28 sind aktive Zweiwege-Monitore mit digitaler Frequenzweiche und DSP-Processing. Rückseitig stehen symmetrische XLR- und unsymmetrische Cinch-Eingänge bereit.
Hinzu kommt eine koaxiale S/PDIF-Schnittstelle mit Ein- und Ausgang, die digitale Signale mit bis zu 24 Bit und 96 kHz verarbeitet. Über den Ethernet-Anschluss lassen sich die Monitore zudem mit der EVE Origin Software konfigurieren bzw. bedienen. Hergestellt werden die Lautsprecher in China.
| Merkmal | EXO 27 | EXO 28 |
|---|---|---|
| Tieftöner | 6,5 Zoll | 8 Zoll |
| Frequenzbereich¹ | 41 Hz–24 kHz | 37 Hz–24 kHz |
| Verstärkerleistung | 2 × 140 W | 2 × 140 W |
| Gewicht | 8,1 kg | 11,6 kg |
| Stückpreis | 649 Euro | 849 Euro |
Ein OLED-Display und der dazugehörige Push-Encoder ermöglichen den Zugriff auf die wichtigsten Einstellungen auch direkt am Lautsprecher und ohne Computer. Dazu gehören Lautstärke, Eingangswahl, Bezugspegel, Standby-Verhalten, LED-Beleuchtung sowie einige grundlegende und clevere Korrekturen für unterschiedliche Aufstellungsprobleme.
Zur Raumanpassung stehen ein kombinierter Bassfilter, ein Desk-Filter, ein weiterer Mitten-EQ sowie ein High-Shelf zur Verfügung. Die Filter sind bei beiden Modellen grundsätzlich gleich aufgebaut, arbeiten jedoch nicht immer mit denselben Frequenzen.

Der Desk-Filter unterscheidet sich mit 470 beziehungsweise 400 Hz geringfügig. Seine Abstimmung wurde an die jeweilige Lautsprechergröße angepasst. Clever ist auch der kombinierte Bassfilter: Bei positiven Werten arbeitet er als Low-Shelf-Boost, bei negativen Einstellungen als zunehmend höher angesetzter Low-Cut von 42 bis 92 Hz.
Mehr Kontrolle mit EVE Origin
Noch detailliertere Eingriffe ermöglicht die kostenlose EVE Origin Software. Neben den bereits genannten Filtern bietet sie einen parametrischen Achtband-EQ sowie Möglichkeiten zur Pegel- und Laufzeitanpassung. Einzelne Monitore lassen sich separat bearbeiten und mehrere Lautsprecher zu Stereo-, Mehrkanal- oder immersiven Systemen zusammenfassen.
Konfigurationen können darüber hinaus als Scenes gespeichert und jederzeit aufgerufen werden. Zudem lassen sich die Pegel mehrerer Lautsprecher zentral verwalten und aufeinander abstimmen. Damit eignen sich EXO 27 und EXO 28 grundsätzlich auch für Dolby-Atmos-Setups. Vier M6-Gewinde an der Unterseite erleichtern dabei die feste Montage.
Eine automatische, messmikrofongestützte Einmessung wie bei Genelec GLM oder Neumann MA 1 bietet EVE Origin derzeit allerdings nicht. Die akustische Korrektur muss manuell oder auf Grundlage externer Messungen vorgenommen werden. Auch einen vollständigen Monitor-Controller ersetzt die Software aktuell nicht: Audiorouting und Quellenwahl übernimmt weiterhin das Audiointerface. Wer einen physischen Lautstärkeregler sowie Funktionen wie Dim, Mute, Downmix oder Speaker-Umschaltung benötigt, braucht zusätzliche Hardware.
Unterm Strich bieten beide EXO-Modelle aber bereits direkt am Lautsprecher umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten. Mit angeschlossenem Rechner geht EVE Origin deutlich weiter und lässt sich bequem vom Sweetspot aus bedienen. Angesichts der Preisklasse ist das insbesondere für Stereo-Setups überzeugend.
Gleiche Technik, unterschiedliche Größe
EXO 27 und EXO 28 sind technisch eng miteinander verwandt. Beide Gehäuse bestehen aus sauber foliertem MDF und besitzen leicht gewölbte Seitenwände, die interne Resonanzen reduzieren sollen. Die Gehäusekanten sind weitgehend abgerundet, während der Bassreflexkanal jeweils als breiter, rückseitiger Schlitz ausgeführt ist.
Auch bei den Endstufen gibt es keine Unterschiede: Für Hoch- und Tieftöner stehen jeweils 140 Watt bereit, sodass beide Modelle insgesamt 280 Watt Verstärkerleistung pro Box bieten. Ebenso identisch sind der Precision-AirMotion-Hochtöner samt großzügig dimensioniertem GDC-Waveguide sowie die Trennfrequenz von 2,2 kHz. Der Waveguide soll dabei eine kontrollierte und gleichmäßige Abstrahlung gewährleisten.

Die wesentlichen Unterschiede betreffen somit Tieftöner, Gehäusevolumen, Tiefgang und Maximalpegel. Die EXO 27 kombiniert einen 6,5-Zoll-Woofer mit einem Gehäuse, dessen Außenabmessungen einem rechnerischen Bruttovolumen von rund 23 Litern entsprechen. Laut Hersteller reicht sie bis 41 Hz hinunter und erreicht im Freifeld maximal 116 dB SPL.
Die größere EXO 28 setzt dagegen auf einen Achtzöller und ein rechnerisches Außenvolumen von rund 37 Litern. Dadurch erweitert sich der Frequenzgang bis 37 Hz, während der maximale Freifeldpegel auf 120 dB SPL steigt. Die konstruktiven Unterschiede beschränken sich somit auf den größeren Tieftöner, das voluminösere Gehäuse und eine entsprechend tiefere Bassreflexabstimmung.
Ob diese Unterschiede den Aufwand rechtfertigen und welches Modell sich für welche Raumgröße besser eignet, klärt der Doppeltest.


