Der Kult-Synthesizer Waldorf Microwave erschien im Sommer 2025 erstmals offiziell als Plugin. Dank seiner übersichtlichen Oberfläche lädt das virtuelle Instrument geradezu dazu ein, klassische PPG-Sounds und andere Wavetable-Presets zu erstellen. Tatsächlich habe ich damit mehr Sounddesign betrieben als damals in den 90er Jahren mit der originalen Hardware.

Nun veröffentlicht Waldorf Version 2 des charismatischen Software-Synths. Es handelt sich dabei nicht um eine Emulation des Waldorf Microwave 2, sondern um eine umfangreichere Erweiterung des ersten Modells.
Im Waldorf Microwave 1 Test erfahrt ihr alles über dieses Plugin und könnt in zahlreiche Audio-Demos reinhören. In diesem Artikel gehe ich auf die Neuigkeiten ein – mit der Frage: Lohnt sich das Upgrade für knapp 30 Euro?
Wer das Plugin nicht upgraden möchte, bekommt das kostenfreie Update auf Version 1.3.0 mit verbesserten Preset Browser und der Möglichkeit, alle Instrument-Parts zu bearbeiten. Die spannenden Neuerungen bringt allerdings Version 2.
- Solide Produktpflege
- Kreativ-Delay-FX
- Authentischer Vintage-Sound
- Polyphoner Arpeggiator
- Bis zu 32 Stimmen
- Browser-Design
- Presets nutzen nicht das Potenzial
DETAILS & PRAXIS
Was bringen die zusätzlichen Voice Cards im Waldorf Microwave 1 V2?
Die zusätzlichen Voice Cards erweitern die Polyphonie. Bislang war der Microwave auf acht Stimmen begrenzt, jetzt ist er 32-stimmig inklusive Micro-Timing und Variation spielbar. Ihr bekommt zudem neue Playback-Modi inklusive Round Robin und Random Robin. Die erweiterte Polyphonie zahlt sich vor allem bei den Multis aus. Endlich könnt ihr mehrere Parts als Layer/Split-Kreationen anlegen. Dabei lässt sich der neue Arpeggiator auf ausgewählte Parts ansetzen. Noch schöner wären Einzelausgänge, die ich in der getesteten Version nicht entdecken konnte.

Liefert der Arpeggiator neue kreative Impulse?
Pro Instrument-Part und damit auch im Single-Mode bietet der Waldorf Microwave 1 V2 einen polyfonen Arpeggiator. Auf den ersten Blick wirkt er eher unspektakulär: Der Arpeggiator verfügt über die üblichen Parameter wie rhythmische Auflösung, Swing und Oktavbereich sowie klassische Auf-, Ab- und Zufallsmuster. Spannend wird es aber mit dem Polyphony Mode (Mono, Follow, Skip, Trans etc.) und den verschiedenen Patterns. Beim Experimentieren entstehen plötzlich interessante Ergebnisse, die neue kreative Ideen anstoßen. Eine schöne Zugabe: Das Arpeggio wird in Echtzeit visualisiert.

Interne Effekte – was kann das kreative Delay im Microwave 1 V2?
Bei der internen Effektsektion dreht sich alles um einen Delay-Effekt, den Waldorf um Filter, Tremolo, Diffusion und Pitch Shifting erweitert haben. Damit braucht ihr nicht lange, bis ein vorhandenes Preset sinnvoll effektiert ist. Klanglich gibt es nichts zu beanstanden und auch die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältiger, als man zunächst vermutet. Selbst einen ansprechenden Shimmer Reverb zaubert ihr mit dem Delay mühelos hervor. Wie beim Arpeggiator vermisse ich übrigens die Möglichkeit, eigene Einstellungen als Presets zu speichern.

Neuer Browser, alte Presets?
Der neue Browser ist tatsächlich praktischer als bei der ersten Version. Allerdings hätte ich mir beim Inhalt deutlich mehr gewünscht: Bis auf eine Bank von Chuck Zwicky findet man hier überhaupt keine neuen Presets. Im Klartext: Die neuen Möglichkeiten, die sich durch Effekt und Arpeggiator ergeben, müsst ihr selbst erkunden. Dass Hersteller neue Funktionen ihrer Synthesizer nicht mit passenden Klangbeispielen demonstrieren, kommt glücklicherweise eher selten vor.

Beim Waldorf Microwave 1 V2 ist es dafür ziemlich einfach, die alten Factory Presets zu pimpen. Ich habe das für euch einmal am Beispiel von fünf Sounds probiert: Bei den ersten zehn Audio-Demos hört ihr jeweils zuerst das originale Preset und anschließend die überarbeitete Version. Ihr werdet merken, dass sich noch einiges an Sound herausholen lässt. Obendrauf habe ich noch fünf weitere bearbeitete Sounds für euch, die auf die FX-Sektion und teilweise auch auf den Arpeggiator zurückgreifen.
Gibt es Alternativen zum Waldorf Microwave 1 V2?
Wer sich für Wavetable-Synthese interessiert, hat eine große Auswahl an Software-Synthesizern. Im Bonedo-Feature Wavetable – Soft-Synths im Vergleich haben wir euch mehr als zehn hervorragende Produkte aus dieser Kategorie zusammengestellt.
Natürlich sind auch die Platzhirsche wie Xfer Records Serum oder Arturia Pigments mit dabei. Sie bieten zwar unendlich viele Möglichkeiten, verfügen aber natürlich nicht über den markanten Vintage-Sound des Waldorf Microwave 1 V2. Der basiert ja auf einem speziellen Waldorf-ASIC-Chip mit einer Abtastrate von 250 kHz. So gesehen bleibt das Waldorf-Plugin einmalig und ohne echte Alternative. Am nächsten dran sind da noch die anderen Waldorf-Plugins wie etwa das PPG Wave 3V, Nave oder Blofeld.
FAZIT – Microwave V2
Dass einen Ausnahme-Synthesizer wie den Waldorf Microwave heute als so überzeugendes Plugin gibt, ist bereits bemerkenswert. Dass Waldorf die Software schon nach einem Jahr mit einem größeren Update weiterentwickelt, spricht ebenfalls für den Hersteller. Der Preis von knapp 30 Euro für das Upgrade auf Version 2 geht angesichts der neuen Funktionen auch in Ordnung.
Etwas Potenzial verschenkt Waldorf jedoch bei der Präsentation der Neuerungen. Zusätzliche Factory-Presets, die den Arpeggiator und den Delay-Effekt gezielt in Szene setzen, hätten den Mehrwert des Updates besser veranschaulicht. Stattdessen müsst ihr die neuen Möglichkeiten erst selbst erkunden.
Unterm Strich richtet sich Version 2 vor allem an Nutzer, die den Funktionsumfang des Plugins erweitern und die neuen Features aktiv einsetzen möchten. Wer mit Version 1 bereits zufrieden ist und Arpeggiator- oder Delay-Effekte ohnehin lieber über die eigene DAW realisiert, kann auch bei der ersten Version bleiben.
Insgesamt geht der Daumen nach oben: Keine Sensation wie bei der Premiere, aber eine solide Fortsetzung des Waldorf Microwave – vier Sterne.
Features

- Upgrade für Waldorf Microwave 1 Plugin
- Systemvoraussetzungen: Ab Windows 7, Mac OS X 10.14 (M1 Support), Online-Aktivierung, VST, VST3, AU, AAX.
- PREIS: Vollversion 99 Euro, Upgrade 29 Euro (Straßenpreis vom 01.07.2026)























