In der Geigenbauersiedlung von Bubenreuth entstehen seit Jahrzehnten kleine Plättchen, ohne die die Geschichte der Gitarre vermutlich anders ausgesehen hätte: Plektren. Walter Glaßl fertigt diese mit seinen stolzen 88 Jahren aus Zelluloid oder Nylon, in unterschiedlichen Stärken, Formen und Farben. Was für Außenstehende nur ein kleines Zubehörteil ist, wird in seiner Werkstatt zu einem Stück Rockgeschichte. In einem Beitrag des Bayerischen Rundfunks gibt Glaßl Einblicke in sein traditionelles Handwerk und zeigt, wie viel Erfahrung in einem einfachen Plektrum stecken kann.

Walter Glaßl und die Firma Walter Geipel: Plektrum-Handwerk mit Geschichte
Walter Glaßl ist Inhaber der traditionsreichen Firma Walter Geipel in Bubenreuth. Der Firmenname geht auf den Gründer Walter Geipel zurück, der den Betrieb bereits 1908 nahe Schönbach gründete, dem heutigen Luby in der nahen Tschechei. Dort stellte er zunächst Kolophonium für Streichinstrumente her, eine Tradition, die er nach dem Zweiten Weltkrieg in Bubenreuth fortführte. Glaßl selbst begann Anfang der 50er-Jahre mit der Plektrum-Herstellung und prägte später besonders diesen Zweig der Firma. Seine Geschichte erzählt daher nicht nur vom Plektrum, sondern auch von Bubenreuth selbst, einem Ort, in dem Instrumentenbau, Handwerk und Musik eng miteinander verbunden sind. Viele der Instrumentenbauer kamen einst aus Schönbach im Egerland und bauten sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Franken eine neue Existenz auf.
Handwerk aus Bubenreuth: So entstehen Walter Glaßls Plektren
Der Herstellungsprozess hat den Charme alter Handwerkskunst und folgt einem erstaunlich genauen Ablauf. Zunächst werden die Plektrum-Rohlinge aus Zelluloid- oder Nylonplatten gestanzt. Direkt nach diesem Arbeitsschritt sind die kleinen Plättchen noch scharfkantig und müssen weiterbearbeitet werden. Dafür wandern sie in eine Scheuertrommel, in der Schleifkugeln und Schleifpaste die Kanten brechen und die Oberfläche glätten. Je nach Materialstärke laufen die Trommeln ein bis zwei Tage, bevor die Plektren ausgesiebt, noch einmal fein geschliffen und schließlich auf Hochglanz poliert werden. Glaßls Anlage stammt noch aus den 60er-Jahren – und ist bis heute im Einsatz.
Plektren für Eric Clapton und Uriah Heep: Walter Glaßls Archiv der Rockgeschichte
Auch der Aufdruck erfolgt von Hand und ganz nach Wunsch. Mit jahrzehntelanger Routine bringt es Glaßl dabei auf bis zu 1000 Stück pro Stunde. Zu seinen Kunden zählten berühmte Gitarristen und Bassisten aus aller Welt. Sein größter Auftrag: 150.000 Plektren für Eric Clapton. „Die haben wir Tag und Nacht geprägt“, erzählt er. In seinen Ordnern lagern Zigtausende von Mustern – ein Archiv aus Farben, Stärken, Logos und Bandnamen. Auch seine Lieblingsband Uriah Heep ist darin vertreten. Für Sammler aus aller Welt sind diese „Spielplättle“, wie Glaßl sie nennt, begehrte Objekte. Für ihn selbst sind sie Nachschlagewerk, Erinnerung und Lebenswerk zugleich. Dass seine Produkte weltweit gespielt wurden, erfüllt ihn sichtlich mit Stolz. Der Titel „Plektrum-König“ passt deshalb erstaunlich gut zu einem Mann, dessen Lebensinhalt darin besteht, einem scheinbar kleinen Zubehörteil große Bedeutung zu verleihen.
Herstellerseite: https://www.walter-geipel.de/html/de/index.php
