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Wie Modern Talkings ‘Brother Louie’ in Nordkorea zum Hit wurde

Wenn man an Nordkorea denkt, kommen den meisten wahrscheinlich Bilder von Militärparaden, Pjöngjang und Staatsführer Kim Jong Un in den Kopf. Der Modern-Talking-Hit-Song ‘Brother Louie’ wäre für viele wohl das Letzte, was man mit dem Land in Verbindung bringen würde. Umso spannender ist ein virales Video, welches einen offiziellen Auftritt des Songs, inklusive angepasster Texte, im nordkoreanischen Fernsehen zeigt. Doch wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Crossover?

© Wikimedia Commons: RCA Records – (stephan)

Für viele mag das fast wie ein Widerspruch wirken. Nordkorea gilt schließlich als eines der isoliertesten Länder der Welt. Film, Kunst und Musik unterliegen hier strengen Kontrollen vom Regime und insbesondere westliche Medien werden generell gesperrt. Anscheinend gibt es hierfür auch manche Ausnahmen, wie sich an einem staatlich gefördertem Cover von “Brother Louie” zeigt. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass dieser Song einer deutschen Band von einer der berühmtesten Musikgruppen Nordkoreas aufgeführt wurde?

Musik in Nordkorea

Schon seit Jahrzehnten wird die Musik aus dem Ausland in Nordkorea stark reguliert. Staatsgründer Kim Il-sung war überzeugt, dass Kunst und Kultur vor allem der politischen Erziehung dienen sollen. Daher wurden westliche Popmusik, Rock und andere Musikrichtungen, die als zu “kapitalistisch” galten, der breiten Bevölkerung vorenthalten. Stattdessen dominierten patriotische Lieder, Revolutionshymnen und staatlich geförderte Musikensembles den öffentlichen Musikraum.

Unter Kim Jong-un sollen die strikten Regeln im Bereich der Musik sogar noch verschärft worden sein. Insbesondere gegen südkoreanische Popkultur, wie den K-Pop, geht das Regime seit einigen Jahren konsequent vor. Der Besitz und die Verteilung von ausländischen Medien können harte Freiheitsstrafen mit sich führen und in manchen Fällen sogar mit dem Tod bestraft werden.

Trotz dieser staatlichen Regulierungen fanden westliche Medien immer wieder ihren Weg nach Nordkorea, wo sie heimlich verteilt wurden. Im nordkoreanischen Untergrund zählen beispielsweise einige Blockbuster wie Titanic oder James Bond zu populären Tauschobjekten. So scheint auch der Modern-Talking-Song “Brother Louie” in den 80ern starke Beliebtheit gewonnen zu haben.

Die nordkoreanische Version von “Brother Louie”

In den späten 80ern wurde das Lied schließlich vom berühmten ‘Pochonbo Electronic Ensemble’ aufgeführt und im Fernsehen übertragen. Doch diese Aufführung war keineswegs ein heimlicher Akt des Widerstands, sondern eine staatlich geförderte Initiative des offiziellen Musikbetriebs des Landes. Staatsführer Kim Jong-il hatte in den 1980ern angeordnet, moderne und elektronische Musik nach dem nordkoreanischen Vorbild zu entwickeln. Neben anderen, oft europäischen, Popsongs wurde im Rahmen dieser Initiative auch “Brother Louie” neu aufgelegt.

© Wikimedia Commons: Jesse Charlie
© Wikimedia Commons: Pochonbo Electronic Ensemble

Die nordkoreanische Interpretation unterscheidet sich dabei klanglich von der originalen Version nach Dieter Bohlen und Thomas Anders. In dieser neuen Fassung werden vier verschiedene Synthesizer und drei Schlagzeuge benötigt, um einen vollen, fast orchestralen Klang zu erzeugen. Doch die Melodie bleibt sofort erkennbar. Im Chorus scheint die Sängerin außerdem “Brother Louis”, nicht “Brother Louie” zu singen. Ansonsten ist der Text in großen Teilen gleich, wobei aber der zweite Vers fast vollständig umgeschrieben wurde.

Original:

Stay, ’cause this boy wants to gamble
Stay, love’s more than he can handle, girl
Oh, come on, stay by me forever, ever
Why does he go on pretending
That his love is never ending
Babe, don’t let him steal your love from me

Nordkoreanische Version (Übersetzt):

Ah, love is like a flame
That flame cannot be stopped
My love, my dear, please calm down
Ah, this always anxious heart
Can it not be fulfilled
My heart is aflutter

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Warum gerade Modern Talking?

Tatsächlich erreichte die deutsche Popgruppe in mehreren Regionen, in denen westliche Musik nur eingeschränkt verbreitet war, große Popularität. Grund dafür sind besonders die unproblematischen Texte, die keineswegs ideologisch gefährlich angesehen wurden. Die Lieder waren unpolitisch, simpel und eingängig, sodass sie einfach übernommen und neu interpretiert werden konnten. So wurden auch in der Sowjetunion Songs wie “Cherry Cherry Lady” und “Brother Louie“, trotz staatlicher Restriktionen westlicher Musikrichtungen, zu massiven Hits.

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass das Video einen wirklich sonderbaren Moment einfängt. Es zeigt einen seltenen Augenblick, in dem zwei völlig verschiedene Welten aufeinandertreffen, die sonst kaum Berührungspunkte haben. Dass ausgerechnet “Brother Louie” diese Brücke schlagen könnte, macht diesen Auftritt umso kurioser.

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