Giorgio Sancristoforo präsentiert “Homework”, ein Software-System, das die Eigenschaften von zwei modularen Synthesizern und 4-Spur-Recorder vereint.

Homework – Vergangenheit und Gegenwart vereint
Im digitalen Zeitalter scheinen Kassetten und modulare Synthesizer ausgedient zu haben. Festplatten-Recording löste die Bandmaschine ab. Digitale Synthesizer boten mehr Möglichkeiten auf weniger Raum als modulare Systeme. Doch der Mensch vergisst nicht so leicht. Dank Dieter Doepfer wurde das Eurorack Zeitalter eingeläutet. Heute könnten viele Setups mit ihrem Kabelwirrwarr aus den 1960er und 1970er Jahre stammen. Auch die Compact Cassette Kassette erlebt trotz ultrahochauflösendem Festplattenrecording ein Revival.
Beides ist mit Sicherheit damit zu erklären, dass Kassetten und modulare Synthesizer Vorzüge haben, die man erst vermisste, als sie nicht mehr den Alltag bestimmten. Deswegen werden die gewünschten Eigenschaften von modularen Systemen und Bandmaschinen gerne als Software zugänglich gemacht. Am Computer muss man sich nicht mit lästigen Kabeln und Bandsalat herumschlagen, sondern profitiert von der Flexibilität eines Modularsystems und der analogen Bandsättigung.
Solch ein System stellt jetzt auch Giorgio Sancristoforo vor. Homework ist eine Anspielung auf die damals vorherrschenden Verhältnisse auf dem Audiomarkt. Professionelles Equipment war unglaublich teuer, und Studiozeit für Amateure schier unbezahlbar. Die Kluft zwischen professionellem Equipment und Amateur-Equipment war deutlich hörbar. Für die Studios gab es z. B. Studer-Bandmaschinen, und der Amateur musste sich mit einem Tascam-4-Spur-Portastudio zufriedengeben. Das ist die erste Komponente, die Giorgio Sancristoforo umgesetzt hat.

Der 4-Spur Recorder von Homework
Zusätzlich hat er den 4-Spur-Recorder mit den Effekten Granular-, Reverb-, Echo- und Bandsättigung ausgestattet. Diese gab es damals übrigens nicht zusätzlich, sondern mussten als externe Hardware hinzugekauft werden. Man konnte froh sein, wenn das Tape-Deck über einen 3-Band-EQ verfügte. Dieses Equipment hat damals der motivierte Synthesizer-Freak gekauft, um seine beiden modularen Systeme aus den 1970er Jahren in mehr oder minder guter Qualität aufzunehmen. Die beiden Synthesizer lassen sich dank der Patch-Punkte auf dem Kassettenrekorder und mit den Effekten prozessieren. Bei den Patch-Punkten muss es sich um eine Modifikation handeln, denn 4-Spur-Geräte wurden nicht mit CV-Patchpunkten ausgeliefert. Hier fließen Circuit-Bending-Einflüsse mit in das System ein.

Welche Synthesizer verwendet Homework?
Der modulare The Eye of Horus Synthesizer orientiert sich an der Tradition der West-Coast-Synthese. Es handelt sich also um die Methodik, die auf Don Buchla zurückgeht. Für The Eye of Horus kommen zwei Tropical-Additive-Synthesis-Oszillatoren, ein Putnam-Filter, ein variables State-Bandpass-Filter, ein Tropical Shaper, ein Komparator, ein Doppel-Sequenzer und ein Clock zum Einsatz.
Der modulare Synthesizer SONDA eignet sich für Drones und geht auf ein Instrument zurück, das die Synthesizer-Pionierin Éliane Radigue verwendete. Dabei kann es sich nur um den ARP 2500 handeln. Zum Einsatz kommen fünf Multi-Waveform-Oszillatoren, zwei Multimode-Variable-State-Filter/Resonatoren, zwei Modulatoren/Verstärker, ein 24-dB-Tiefpassfilter, ein 7-Kanal-Mixer sowie ein sehr langsamer LFO.
Preis und Verfügbarkeit
Homework ist nur als Standalone-Software auf der Giorgio Sancristoforo Website verfügbar und kostet 25,00 Euro. Derzeit ist nur eine Version für Mac erhältlich. Windows soll bald folgen.
Giorgio Sancristoforo Homework: Features
- Experimentelle, modulare Standalone-Workstation
- Hybrid aus Tape-Recording und modularer Synthese
- 4-Spur-Kassettenrekorder (Portastudio-ähnlich)
- Effekte: Granular, Reverb, Echo, Bandsättigung
- Patch-Punkte direkt am Recorder
- Verbund von Recorder, Effekten und Synthesizern über Patchbay
- Zwei modulare Synthesizer: The Eye of Horus & SONDA
Links
Die Giorgio Sancristoforo Website
Giorgio Sancristoforo Berna 3 Test
Éliane Radigue: die elektronische Musikpionierin ist verstorben
Die Geschichte der elektronischen Musik #10
Vinyl, Kassetten, CDs wieder auf dem Vormarsch – Über die Sehnsucht, Musik selbst zu entdecken

























