Was bedeutet der Mixcloud und Warner Music Group Lizenz-Deal?

Vor kurzem gab der DJ-Mix Streaming-Anbieter „Mixcloud“ auf seinem Blog bekannt, dass sie einen direkten Lizenzierungs-Deal mit der Warner Music Group abgeschlossen haben. Wir haben uns den Blog-Beitrag genau durchgelesen und versuchen, eine erste Einschätzung zu geben.

Mixcloud_warner


Hier zunächst einmal die Blogmeldung im Originaltext:
“This new recorded music licensing agreement with Warner Music Group will usher in a direct relationship and a new phase for Mixcloud. The deal will help enable an innovative subscription offering that allows fans to subscribe to individual creator channels for a more interactive listening experience. This approach will help audio creators on the platform monetise their content by developing a new marketplace for audio subscriptions.”
Ole Obermann, seines Zeichens Executive Vice President und Chief Digital Officer bei Warner, fügt erwartungsfroh an:
“This deal is a good example of our willingness to experiment and lead in embracing differentiated new business models. As streaming opens up access to a vast universe of music, we are seeing a complimentary rise in fans’ engagement with curated experiences, such as playlists, on-demand radio shows, and DJ sets. […]As we see [Mixcloud’s] user base expand, this partnership will unlock new commercial value for our artists and their music.”
Kurz gesagt: Mixcloud erklären, dass sie einen Lizenzierungs-Deal mit der Warner Music Group geschlossen haben. Dadurch erhoffen sie sich, individualisierte und interaktive Abonnements für einzelne Künstler anbieten zu können. In Folge soll das auch den Künstlern helfen, ihre Werke zu monetarisieren.
Mit gleicher Stimme antwortet Ole Obermann, dass er hier neue Geschäftsmodelle eröffnen möchte, die – in Form von Playlisten, on-demand Sendungen und DJ-Sets – stark auf kuratierte Inhalte setzen. Bereits aus diesen spärlichen Information lässt sich ablesen, wo die Reise hier hingehen kann.
Und es ist zunächst einmal nichts Schlechtes daran zu erkennen: Warum nicht ein exklusiver morgendlicher EDM-Stream mit „Gesaffelstein, Daft Punk oder Justice“, eine nachmittägliche persönliche Playlist von „Joni Mitchel, Ed Sheeran oder Coldplay“ und Abends dann das große „Jay-Z, David Guetta oder Robin Schulz“ Feature hören (ja, die, und einige tausend andere Künstler sind alle bei Warner unter Vertrag). Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass hierdurch gegebenenfalls die bisherigen relativ restriktiven Regeln für den amerikanischen Markt durchbrochen werden können. Denn derzeit agiert Mixcloud gegenüber den Verwertungsgesellschaften als Internetradio.
Diese Regeln sind (in den USA) derzeit (noch):
– maximal 4 Stücke von einem Künstler (und maximal 3 aufeinander folgend)
– maximal 3 Stücke von einem Album (und maximal 2 hintereinander)
– maximal 3 Plays einer Sendung während einer Dauer von 2 Wochen.
Bislang arbeitete Mixcloud noch im Rahmen diverser Aggregator-Verträge. Das mechanische Recht (GVL) läuft dabei über Soundexchange, das Urheberrecht (GEMA) über ICE: den internationalen Verbund von GEMA (DE), PRS (UK) und STIM (SE).
Für Mixcloud und WMG hat so ein Deal tatsächlich nur Vorteile: Mixcloud bekommen Premium-Content aus erster Hand (der Verlag agiert ja in unmittelbarem Auftrag des Künstlers) und können sich gleichzeitig sicher sein, dass rechtlich alles einwandfrei ist. Der Verlag kann sich im Gegenzug freuen, dass seine Künstler eine exponierte Plattform haben, um sich zu präsentieren und die Vergütungen auch tatsächlich in seiner Tasche landet.
Etwas anders sieht die Sache dann aus der Sicht der Hörer und unabhängigen Künstler aus. Denn so immens das Repertoire der Künstler, die bei WMG unter Vertrag auch ist, es ist eben immer nur ein Teil. Die andere Hälfte übernehmen ja Universal, Sony u.a. und viele unbekanntere Künstler haben nun mal einfach keinen Verlagsvertrag (und wollen vielleicht auch gar keinen haben). Falls Mixcloud nun hingehen und den WMG-Content finanziell und inhaltlich bevorzugen, verengt sich das musikalische Spektrum und gerade die Vielfalt ist ja einer, wenn nicht gar der entscheidende Punkt, warum sich Mixcloud einer großen Beliebtheit erfreut. Man hört DJ-Mixe eben deshalb gerne, weil hier jemand eine spannende Mischung aus der Musik präsentiert, die er mag und nicht die Musik eines bestimmten Verlages.

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von Numinos

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