Warum immer mehr Künstler ohne Talent Berühmt werden? YouTuberin Desy beschreibt in ihrem 15-Minuten-Deepdive, wie Viralität zu Karriere wird und stellt die unbequeme Frage: Was bleibt von Musik, wenn Hype das wichtigste Kriterium ist?

- TikTok als Karriere-Boost: ein 15-Sekunden-Hook kann über deine gesamte Karriere entscheiden.
- Songwriting im Wandel: Kein Intro, nur was ballert. Der Aufbau eines Songs interessiert im Social Media kaum.
- Labels und Teams nutzen Socials als A&R-Shortcut.
Was braucht es heute, um in der Musikbranche berühmt zu werden?
“Was braucht es heute, um in der Musikbranche berühmt zu werden? Können oder einfach nur den richtigen 15 Sekunden Hook auf Tiktok?” Diese Frage stellt DESY gleich am Anfang ihres Videos zum Thema “Warum immer mehr Künstler ohne Talent berühmt werden”.
Während kleine Artists immer noch getreu dem Motto “Its a Long Way To The Top if You Wanna Rock’N’Roll” an sich arbeiten und kleinschrittig erste Alben, Merch und Konzerte planen, schaffen es einige TikTok-Creator innerhalb 15 Sekunden einen Durchbruch zu haben.
Karriere-Push: eine Hook reicht, Handlung kommt später
Desy bemerkt in ihrem Video: Die Reihenfolge hat sich verschoben. Früher waren deine Songs und Konzerte oft die Eintrittskarte zur nächsten Stufe. Heute kann ein einziger viraler Clip diese Stufe überspringen. Und plötzlich hat man Bookings, Aufmerksamkeit von Labels und Festival-Slots, während das eigentliche Projekt noch im Aufbau ist oder nicht einmal existiert.
Die Aufmerksamkeit, die solche viralen Videos generieren ist in der Musikbranche eine relevante Währung. Scheinbar wichtiger noch, als die musikalische Fähigkeit.
Brauchen Musiker noch Songs? Eine gute Hook auf Tiktok reicht
Natürlich braucht ein guter Song eine gute Hook. Das ist nichts Neues. Aber für TikTok reicht eine saubere Hook, eingepackt in eine Mini-Story: eine Line, die man darstellen kann, ein Mini-Skandal, ein Meme-Moment. Desy beschreibt das als „TikTok-Tempo“: kurzer Aufbau, früher Payoff, maximal wiederholbar.
Was passiert dadurch mit den Songs?
- Intros werden geskippt: der „Hook-Moment“ passiert früher.
- Text wird visualisiert: POV-fähig, quotable, challenge-tauglich.
- Produktion wird für Socials pro: der Part muss im Feed funktionieren, nicht erst im Albumkontext.
Das ist nicht automatisch schlecht – es ist nur ein anderer Prüfstand. Ein Song kann clipbar und gut sein. Aber er muss heute oft erst clipbar sein, bevor irgendwer ihm Zeit gibt, gut zu werden.
A&R nur noch online auf TikTok unterwegs
Desys Meinung: Labels scouten weniger „im Kellerclub“, mehr im Feed. TikTok-Zahlen erlauben eine schnelle Risikorechnung: Wer schon Reichweite hat, senkt die Kosten für das Label.
Und ja: Es gibt seit Jahren Debatten darüber, inwieweit diese Erfolgsgeschichten nicht auch schon geskriptet sind. Ein prominentes Pop-Beispiel ist die Diskussion um GAYLEs „abcdefu“: TikTok-Nutzer*innen vermuteten eine Marketing-Strategie rund um den Ursprung. GAYLE fragte ihr Puplikum online nach Songwriting-Challenges, worauf hin eine Frau kommentierte, dass sie einen Breakup Song mit dem Alphabet schreiben solle. Dieser Kommentar war allerdings kein Zufall, die unbekannte Frau stellte sich als Marketing-Managerin Nancy Berman heraus. Atlantic Records hat entsprechende Vorwürfe öffentlich zurückgewiesen – die Kontroverse zeigt aber, wie sensibel das Publikum auf „zu perfekte“ Viralitätsstorys reagiert.
Der Live-Test: Warum viral-gehen doch nicht alles ist
Der spannendste Punkt in Desys Video ist der „Reality Check“: Funktioniert das Projekt über TikTok hinaus?
Ein Trend kann Menschen zum Ticketkauf bringen, aber live performen bedeutet keine zweite Chance zu haben. Gesang, Performance, Repertoire, Präsenz, alles muss passen.
Typische Bruchstellen:
- Das Publikum kennt nur „die eine Hook“ und langweilt sich beim Rest.
- Die Show wirkt wie ein „Best-of-TikTok-Medley“, nicht wie ein Konzert.
- Vocal/Performance sind noch „Learning by Doing“, TikToker können große Venues kaum mit ihrer Präsenz füllen
Das soll nicht heißen, die Creator haben kein Talent. Es ist mehr eine Frage von Timing: Wird das Fundament nachgezogen, bevor der Hype abkühlt?
TikTok–Content Ideen für Artists
Desys Video trifft einen Nerv: Wenn der Feed die Bühne wird, verwechseln wir leicht den Trailer mit dem ganzen Film. Ein viraler Moment ist ein Einstieg, aber kein Beweis für ein gutes Gesamtwerk. Und die gute Nachricht ist: Genau da liegt die Chance für Artists, die bleiben wollen. Nicht gegen TikTok, sondern über TikTok hinaus.
FAQ
Nein. Aber TikTok ist aktuell ein starker Discovery-Kanal. Wer ihn nicht nutzt, braucht andere funktionierende Wachstumswege (Live, Community, Playlist-Strategie, Presse).
Weil schnelle Wiedererkennung und „Clipbarkeit“ (Tanz/Meme/POV) die Verbreitung beschleunigen.
Weil ein Snippet keine Show trägt. Ohne Repertoire, Dramaturgie und Performance-Routine entsteht Erwartungsbruch.
Häufig ja – Socials sind ein relevanter Teil moderner A&R-Entscheidungen, oft zusammen mit Streaming- und Ticket-Daten.
Viralität öffnet Türen. Substanz hält sie offen.
























